Urlaub, Reise, Ausland

Magen-Darm, Zecken, Sonnenstich: So beugen Sie typische Reisekrankheiten vor

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Junge mit Taucherbrille steht in einem Badesee

Autor/in

  • almeda GmbH,
  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Qualitätssicherung

Dr. med. Marion Paskuda (Praktische Ärztin)
Inhaltsverzeichnis

Viele kennen das: Kaum ist das Urlaubsziel erreicht, beginnt das Kratzen im Hals. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Bauchweh, ein Sonnenbrand oder vielleicht sogar ein richtiger Infekt – dann sind die ersten Urlaubstage gelaufen. Wie kann man typischen Reisekrankheiten vorbeugen? 

Körperliche Beschwerden beim Flug

Im Flieger können Luftdruckschwankungen bei Start und Landung zu Schmerzen in den Ohren führen. Vorbeugen können abschwellende Nasentropfen, welche die Verbindungsgänge zwischen den Ohren und dem Nasen-Rachenraum erweitern; der Druckausgleich vollzieht sich leichter. Auch Kaugummi kauen ist hilfreich. Kleinkinder dürfen am Schnuller oder Fläschchen nuckeln, ältere Kinder ein Bonbon lutschen.

Gegen eine Flugreise sprechen aus medizinischer Sicht unter anderem akute Infektionskrankheiten, Blutarmut und schwere Gefäß- und Herzleiden. Ältere, Schwangere und von Krampfadern geplagte Menschen sollten bei beengtem Sitzen geeignete Kompressionstrümpfe tragen und während des Fluges viel Trinken. Das beugt dem Wasserverlust durch die Klimatisierung in der Kabine vor. Am besten holt man sich das Getränk selbst beim Bordpersonal: das fördert die Durchblutung der Beine und regt den Kreislauf an.

Magen-Darm-Beschwerden treten bei Reisen häufig auf

Sie sind die weitaus häufigsten Beschwerden auf Reisen. Gründe können in ungewohnter Ernährung, Stress und/oder mangelnder Hygiene liegen. Eine Grundregel lautet: Koch es, brat es, schäl es – oder vergiss es. Das heißt im Einzelnen:

  • Fleisch nur durchgebraten, Gemüse nur frisch gekocht, Obst nur selbst geschält verzehren
  • Tabu sind Tartar, Sushi, Salate, Milchprodukte, Speiseeis und Tiefkühlkost
  • Kein Leitungswasser trinken, auf Eiswürfel verzichten
  • Unbedenklich sind Getränke aus original-verschlossenen Behältern (Dosen, Flaschen) und frisch gebrühter Tee und Kaffee
  • Auch zum Zähneputzen Mineralwasser aus Flaschen verwenden

Bei starkem Durchfall ist es wichtig, dem Körper schnell wieder Wasser und Mineralsalze zuzuführen. Trinken Sie mehr als sonst, zum Beispiel gezuckerten Tee aus abgekochtem Wasser. Pulverpräparate eignen sich am besten, um die Mineralsalzvorräte wieder aufzufüllen. Sie sind besonders für Kinder und Ältere zu empfehlen, deren Organismus schnell austrocknet. Durchfallhemmer wie Loperamid können kurzfristig bei krampfartigem Durchfall eingenommen werden.

Vorbeugende Maßnahmen für Reisekrankheiten

Die Gleichgewichtsorgane im Innenohr nehmen beim Fahren – ob im Auto oder Schiff – Bewegungen wahr, die von den Bewegungseindrücken des Auges abweichen. Die widersprüchlichen Meldungen der Sinnesorgane führen bei manchen Menschen leicht zur See- oder Reisekrankheit (Kinetose). Symptome sind Schwindel, kalter Schweiß und Übelkeit bis zum Erbrechen. Helfen kann eine Pause an der frischen Luft und ruhiges Durchatmen.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Im Reisebus die vorderen Plätze bevorzugen, im Flugzeug oder auf dem Schiff die Mittelplätze
  • In Fahrtrichtung schauen und einen weit entfernten Punkt fixieren
  • Nicht lesen
  • Kleine, leichte, fettarme Mahlzeiten vor und während der Reise
  • Kaugummi kauen
  • Alkohol und Rauchen vermeiden

Auch geriebener Ingwer als Tee oder Fertigpräparat (Kapseln) beugt Übelkeit vor. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können Sie auf Medikamente zurückgreifen. Das wirksamste vorbeugende Arzneimittel ist ein verschreibungspflichtiges Scopolamin-Pflaster. Es hat den Vorteil, dass es nicht müde macht und bis zu 72 Stunden wirkt. Für Kinder unter 10 Jahren ist es nicht geeignet.

Wenn es nicht stört, während der Reise müde zu werden oder dieser Effekt gar gewünscht ist, kann unter anderem auf die freiverkäuflichen Präparate mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat zurückgegriffen werden. Die Wirkungsdauer beträgt rund 4 Stunden. Das Medikament ist auch für Kleinkinder geeignet. Dimenhydrinat wird als Tablette, Kaugummi oder Zäpfchen angeboten. Im Zweifelsfall lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder in der Apotheke beraten.

Die wichtigsten Regeln für einen effektiven Sonnenschutz

Ob Sie ans Meer, in die Berge oder in den Schnee fahren: In diesen Urlaubsgegenden ist die UV-Strahlung der Sonne hoch, die Gefahr akuter Lichtschäden (Sonnenbrand) und langfristiger Folgen (Hautkrebs) steigt. Lichtschutz ist in jedem Urlaub ein Muss – besonders aber für Kinder und Menschen mit heller und sonnenentwöhnter Haut. Die wichtigsten Sonnen-Regeln:

  • Die Haut langsam an höhere UV-Strahlung gewöhnen
  • Mittags den Schatten suchen
  • Kleinkinder nie direkter Sonnenbestrahlung aussetzen
  • Kleinkinder immer mit Hut, Hemd und Hose sowie Sonnencreme für Gesicht und Hände schützen
  • Sonnenschutzmittel mit ausreichendem UV-B-Lichtschutzfaktor plus UV-A-Schutz verwenden
  • Der Lichtschutzfaktor (LSF) soll je nach Hautempfindlichkeit den Empfehlungen des UV-Index (Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen Strahlung) entsprechen
  • Sonnenschutzmittel großzügig und wiederholt auftragen, besonders nach dem Baden

Schutz vor Mücken

Je nach Region sind Insekten lästig (juckender Stich) oder gefährlich. Es sind Stechmücken, die in den (Sub-)Tropen Malariaerreger und Viren (Gelbfieber, Dengue-Fieber) übertragen. Begrenzten Schutz vor Insektenstichen bieten

  • Im Freien: helle, dichtgewebte, geschlossene Kleidung und regelmäßig Duschen, um die Insekten nicht anzulocken
  • In Innenräumen: Mückengitter, Moskitonetz, Fliegenklatsche, Ventilator oder Klimaanlage einschalten, da die Insekten sich in warmen Räumen besonders wohl fühlen

Insektenabwehrmittel (Repellenzien) schützen die Haut für einige Stunden vor Mücken und etwa halb so lang vor Zecken. DEET (Diethyltoluamid) ist das einzige gegen Insekten und Zecken zugelassene Mittel. Ätherische Öle schützen in Tests weniger gut. Gegen den Juckreiz nach Insektenstichen eignen sich Antihistaminika- oder Hydrocortison-Cremes.

Schutz vor Zecken

Zecken sitzen im Unterholz und Gras bis einen Meter Höhe. Wählen Sie für einen Aufenthalt im Freien lange, dichte Bekleidung. Suchen Sie in der Unterkunft die Haut nach Zecken ab und entfernen Sie diese sofort. Die Blutsauger können die Erreger von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose übertragen.

Informieren Sie sich rechtzeitig, ob Sie im Urlaub in ein FSME-Risikogebiet kommen. Falls ja, ist eine FSME-Schutzimpfung zu erwägen. Verbreitet ist FSME derzeit in Süddeutschland, vielen europäischen Ländern, Russland und Asien. Ist die Erkrankung ausgebrochen, können nur noch die Symptome behandelt werden. Ein Medikament gegen das FSME-Virus selbst gibt es nicht.

Häufiger als FSME übertragen Zecken auf der nördlichen Halbkugel die Lyme-Borreliose. Neben dem vorbeugenden Schutz (wie oben) ist es wichtig, auf das Symptom "Wanderröte" zu achten (Hautrötung, die sich um die Stichstelle ausbreitet) und auf unerklärliche Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen und Lymphknotenschwellungen. Eine Impfung gibt es nicht, eine Borreliose muss antibiotisch behandelt werden.

Information zur Zika-Infektion

Seit 2015 rückt das Zika-Virus zunehmend ins Zentrum der Berichterstattung aus Mittel- und Lateinamerika. Von der Aedes-Stechmücke (Tigermücke) übertragen kann es eine fieberhafte Erkrankung mit Hautausschlägen und Gelenkbeschwerden hervorrufen, die wenige Tage anhält. Oft verläuft die Infektion auch unbemerkt. Allerdings kann das Zika-Virus – sofern die Infektion während der frühen Schwangerschaft erfolgt – schwerwiegende Schäden am Ungeborenen verursachen, wie beispielsweise die Mikroenzephalie, eine Entwicklungsstörung des Gehirns. Aus diesem Grund hat das Auswärtige Amt Schwangeren empfohlen, von Reisen in die von Infektionen betroffenen Gebiete abzusehen, sofern diese Reisen nicht zwingend notwendig sind.

Bei unvermeidbaren Reisen gelten allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Stechinsekten:

  • Helle, lange Kleidung
  • Verwendung von Insektenlotion (Repellentien) mehrmals täglich auf unbedeckter Haut
  • Verwendung von Insektenschutzgittern oder Moskitonetzen
  • Aufenthalt in geschlossenen, klimatisierten Räumen

Neben der Übertragung des Virus über die Tigermücke kann eine Ansteckung auch über sexuellen Kontakt erfolgen. Deshalb sind auch für diejenigen besondere Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll, die sexuellen Kontakt zu Rückkehrern aus von Zika betroffenen Gebieten haben.

Das Robert-Koch-Institut hat Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt: FAQ: Zikavirus-Infektionen.

Nach der Reise zu beachten

Auch wenn Sie gut erholt zu Hause angekommen sind: Achten Sie in den ersten Wochen – insbesondere nach einer Fernreise – auf unerklärliche Symptome. Dazu zählen:

  • Durchfall oder Verstopfung
  • Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen
  • Verfärbungen von Stuhl oder Urin
  • (Wechsel-)Fieber
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hautveränderungen

Bei allen unerklärlichen Symptomen suchen Sie bitte ihre Ärztin auf.

Rückkehr von einer Tropenreise

Bei Fieber sollte bis zu sechs Monate nach Rückkehr aus den Tropen auch an Malaria gedacht werden. Besonders bei Kindern ist die Nachbeobachtung wichtig, da Malaria bei ihnen schwerer verläuft. Die Behandlung erkrankter Tropenrückkehrer übernehmen am besten Tropenärzte.

Barmer Chat

Chat für Versicherte (geschlossen)

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein und profitieren Sie außerdem von unseren erweiterten Chat-Zeiten.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen:
08:00 - 09:00 Uhr
12:00 - 13:00 Uhr
16:00 - 18:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereich "Mitglied werden"


E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: s000036 Letzte Aktualisierung: 18.08.2020
Nach oben