Urlaub, Reise, Ausland

Reisekrank in Flugzeug, Auto oder Schiff? Echt übel.

Lesedauer unter 7 Minuten
Ein Mädchen schaut über die Reling auf das Meer.

Autor

  • almeda GmbH,
  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Qualitätssicherung

Dr. med. Marion Paskuda (Praktische Ärztin)
Inhaltsverzeichnis

Wer sein Urlaubsziel erreichen möchte, muss sich erstmal auf den Weg machen. Für manche Menschen ist schon die Anreise mit Flugzeug, Auto oder Schiff ein kleines Gesundheitsrisiko. Wenn das Flugzeug "in ein Luftloch fällt", die See kabbelig wird oder die Straße über Serpentinen führt, dann reagieren Kinder wie Erwachsene empfindlich. Werden blass, bekommen Kopfschmerzen oder Bauchweh, Übelkeit und vielleicht folgt auch Erbrechen. Das sind typische Symptome der "Reisekrankheit". Kinder und Erwachsene können darunter leiden. 

Druck auf den Ohren vermeiden 

Ein Druckgefühl bei Start und Landung des Flugzeuges kennen viele. Ein Symptom der "Reisekrankheit" im eigentlichen Sinne ist das nicht. Ursache hier: Luftdruckschwankungen sind es, die zu Schmerzen in den Ohren führen können. Hilfreich dagegen sind abschwellende Nasentropfen. Sie erweitern die Verbindungsgänge zwischen Ohren und dem Nasen-Rachenraum. So vollzieht sich der Druckausgleich leichter. Kaugummi kauen kann einen ähnlichen Effekt haben.  Kleinkindern hilft es, wenn sie an Schnuller oder Fläschchen nuckeln, ältere Kinder können zum Beispiel ein Bonbon lutschen.

Ältere, schwangere und von Krampfadern geplagte Menschen sollten während des Fluges geeignete Kompressionsstrümpfe tragen und viel trinken. Das beugt dem Wasserverlust durch die Klimatisierung in der Kabine vor. Sofern möglich, holt man sich das Getränk selbst beim Bordpersonal: das fördert die Durchblutung der Beine und regt den Kreislauf an. Gegen eine Flugreise sprechen aus medizinischer Sicht unter anderem akute Infektionskrankheiten, Blutarmut und schwere Gefäß- und Herzleiden.

Wie kann ich die Reisekrankheit verhindern?

Schwankt die Fähre auf stürmischer See, schaukelt bisweilen auch der Magen. Seekrankheit nennt man das, die Mediziner nennen es Kinetose. Wie es dazu kommt? Die Gleichgewichtsorgane im Innenohr nehmen beim Fahren – ob im Auto oder Schiff – Bewegungen wahr, die von den Bewegungseindrücken des Auges abweichen. Auf die widersprüchlichen Informationen der Gleichgewichtsorgane reagieren Gehirn und Körper mit Schwindel, kaltem Schweiß oder Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Die Beschwerden können unterschiedlich stark sein. Tipp für alle, die die Seekrankheit fürchten: Wer auf dem Schiff reist, sollte sich vom Schwanken ablenken, indem er einen festen Punkt am Horizont sucht. Wer länger in Auto oder Bus sitzen muss, reagiert vielleicht schnell mit Übelkeit auf ungewohnte Fahrzeugbewegungen. Die Ursache ist dieselbe wie bei der "Seekrankheit". Gegen Reisekrankheit in Auto oder Bus kann es helfen, den Blick konzentriert auf die Straße oder ebenfalls einen festen Punkt am Horizont zu richten. Immer hilfreich ist eine Pause an der frischen Luft und ruhiges Durchatmen.

So können Sie möglichen Beschwerden der Reisekrankheit vorbeugen:

  • Im Reisebus die vorderen Plätze bevorzugen, im Flugzeug oder auf dem Schiff die Mittelplätze
  • Nicht lesen
  • Kleine, leichte, fettarme Mahlzeiten vor und während der Reise
  • Kaugummi kauen
  • Alkohol und Rauchen vermeiden

Auch geriebener Ingwer als Tee oder Fertigpräparat (Kapseln) beugt Übelkeit und Erbrechen vor. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, gibt es auch passende Medikamente, die jedoch immer vor Reiseantritt genommen werden sollten, um zu wirken. Das wirksamste vorbeugende Medikament ist ein verschreibungspflichtiges Scopolamin-Pflaster. Es macht nicht müde und wirkt bis zu 72 Stunden. Für Kinder unter 10 Jahren ist es nicht geeignet. 

Wer nicht am Steuer ist und während der Fahrt müde werden darf oder werden möchte, kann unter anderem frei verkäufliche Präparate, etwa Dimenhydrinat verwenden. Die Wirkungsdauer beträgt etwa 4 Stunden. Es ist auch für Kleinkinder geeignet. Dimenhydrinat gibt es als Tablette, Kaugummi oder Zäpfchen. Im Zweifelsfall lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder in der Apotheke beraten.

Haben Sie Ihr Reiseziel gut und gesund erreicht? Dann: gute Erholung! Hier noch ein paar Tipps, die helfen können, auch im Urlaub gesund zu bleiben. 

Magen und Darm im Urlaub schonen 

Ungewohntes Essen, Stress und/oder mangelnde Hygiene könnten Gründe sein, warum gerade im Urlaub, der besten Zeit des Jahres, der Magen-Darm-Trakt mit Beschwerden reagiert. Eine Grundregel lautet: Koch es, brat es, schäl es – oder vergiss es. Das heißt im Einzelnen:

  • Fleisch nur durchgebraten, Gemüse nur frisch gekocht, Obst nur selbst geschält essen
  • Tabu sind Tartar, Sushi, Salate, Milchprodukte, Speiseeis und Tiefkühlkost
  • Kein Leitungswasser trinken, auf Eiswürfel verzichten
  • Unbedenklich sind Getränke aus original-verschlossenen Behältern (Dosen, Flaschen) und frisch gebrühter Tee und Kaffee
  • Zum Zähneputzen Mineralwasser aus Flaschen nehmen

Bei starkem Durchfall ist es wichtig, dem Körper schnell wieder Wasser und Mineralsalze zuzuführen. Trinken Sie mehr als sonst, zum Beispiel gezuckerten Tee aus abgekochtem Wasser. Pulverpräparate eignen sich am besten, um die Mineralsalzvorräte aufzufüllen. Sie sind besonders für Kinder und Ältere zu empfehlen, denn ihr Organismus trocknet schnell aus. Durchfall-Hemmer wie Loperamid können kurzfristig bei krampfartigem Durchfall eingenommen werden.

Tipps für effektiven Sonnenschutz

Ob Sie im Sommer ans Meer oder in die Berge fahren oder Schneeurlaub im Winter machen: Denken Sie an die hohe UV-Strahlung der Sonne. Sie bewirkt schnell akute Lichtschäden der Haut (Sonnenbrand). Häufige Sonnenbrände können langfristig Hautkrebs zur Folge haben. Sonnenschutz ist in jedem Urlaub ein Muss – besonders für Kinder und Menschen mit heller oder sonnenentwöhnter Haut. Wir empfehlen Ihnen: 

  • Die Haut langsam an höhere UV-Strahlung zu gewöhnen
  • Mittags den Schatten suchen
  • Kleinkinder nie direkter Sonnenbestrahlung aussetzen
  • Kleinkinder immer mit Hut, Hemd und Hose sowie Sonnencreme für Gesicht und Hände schützen
  • Sonnenschutzmittel mit ausreichendem UV-B-Lichtschutzfaktor plus UV-A-Schutz verwenden
  • Der Lichtschutzfaktor (LSF) soll je nach Hautempfindlichkeit den Empfehlungen des UV-Index  entsprechen
  • Sonnenschutzmittel großzügig und mehrmals auftragen, speziell nach dem Baden

Lästige Mücken fernhalten

Je nach Region sind Insekten lästig (juckender Stich) oder gefährlich. Es sind Stechmücken, die in den (Sub-)Tropen Malariaerreger und Viren (Gelbfieber, Denguefieber) übertragen. Begrenzten Schutz vor Insektenstichen bieten

  • Im Freien: helle, dicht gewebte, geschlossene Kleidung und regelmäßiges Duschen, um die Insekten nicht anzulocken
  • In Innenräumen: Mückengitter, Moskitonetz, Fliegenklatsche. Schalten Sie Ventilator oder Klimaanlage ein, da die Insekten sich in warmen Räumen besonders wohl fühlen.

Insektenabwehrmittel schützen die Haut für einige Stunden vor Mücken und etwa halb so lange vor Zecken. Diethyltoluamid ist das einzige gegen Insekten und Zecken zugelassene Mittel. Ätherische Öle schützen weniger gut. Gegen den Juckreiz nach Insektenstichen eignen sich Antihistaminika- oder Hydrocortison-Cremes.

Zecken können Krankheiten übertragen

Zecken sitzen im Gras und im Unterholz bis einen Meter Höhe. Wählen Sie daher für sich und Ihr Kind für einen Aufenthalt im Freien lange, dichte Bekleidung. Suchen Sie in der Unterkunft die Haut nach Zecken ab und entfernen Sie diese sofort. Die kleinen Blutsauger können die Erreger von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose übertragen. 

Informieren Sie sich, ob Sie im Urlaub in ein FSME-Risikogebiet kommen. Falls ja, ist eine FSME-Schutzimpfung zu erwägen. Verbreitet ist FSME derzeit in Süddeutschland, vielen europäischen Ländern, Russland und Asien. Ist die Erkrankung ausgebrochen, konzentriert sich die Behandlung nur auf die Symptome. Ein Medikament gegen das FSME-Virus selbst gibt es nicht. Häufiger als FSME übertragen Zecken auf der nördlichen Halbkugel die Lyme-Borreliose. Neben dem vorbeugenden Schutz (wie oben) ist es wichtig, auf das Symptom "Wanderröte" zu achten. Das ist eine Hautrötung, die sich um den Biss herum ausbreitet. Weitere Symptome können unerklärliche Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sein sowie Lymphknotenschwellungen. Eine Impfung gibt es nicht, eine Borreliose muss antibiotisch behandelt werden.

Stich der Tigermücke ist gefährlich 

Seit dem Jahr 2015 rückt das Zika-Virus zunehmend ins Zentrum der Berichterstattung aus Mittel- und Lateinamerika. Von der Ägyptischen oder Asiatischen Tigermücke übertragen, kann es eine fieberhafte Erkrankung hervorrufen, die wenige Tage anhält. Symptome sind Hautausschläge und Beschwerden der Gelenke. Oft verläuft die Infektion auch unbemerkt. Allerdings kann das Zika-Virus – sofern die Infektion während der frühen Schwangerschaft erfolgt – schwere Schäden am Ungeborenen verursachen, etwa die Mikroenzephalie, das ist eine Entwicklungsstörung des Gehirns. Daher empfiehlt das Auswärtige Amt, dass Schwangere keine Reisen in die von Infektionen betroffenen Gebiete machen sollten, sofern dieses vermeidbar sind. Bei unvermeidbaren Reisen gelten allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Stechinsekten:

  • Helle, lange Kleidung
  • Anti-Insektenlotion mehrmals täglich auf unbedeckte Haut auftragen
  • Insektenschutzgitter oder Moskitonetze verwenden
  • Aufenthalt in geschlossenen, klimatisierten Räumen

Neben der Übertragung des Virus über die Tigermücke kann eine Ansteckung auch über sexuellen Kontakt erfolgen. Deshalb sind auch für diejenigen besondere Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll, die sexuellen Kontakt zu Rückkehrern aus von Zika betroffenen Gebieten haben. Das Robert-Koch-Institut gibt Antworten auf die häufigsten Fragen: FAQ: Zikavirus-Infektionen.

Nach der Reise zu beachten

Auch wenn Sie gut erholt und gesund nach Hause gekommen sind: Achten Sie in den ersten Wochen – speziell nach einer Fernreise – auf Symptome Ihres Körpers. Dazu zählen:

  • Durchfall oder Verstopfung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen
  • Schwindel
  • anhaltende Kopfschmerzen
  • Verfärbter Stuhl oder Urin
  • (Wechsel-)Fieber
  • Schwellung der Lymphknoten
  • Hautveränderungen

Sind Sie im Anschluss an eine Reise von diesen oder anderen Symptomen betroffen, gehen Sie bitte zum Arzt. Auch wenn Sie gut erholt zu Hause angekommen sind: Achten Sie in den ersten Wochen – insbesondere nach einer Fernreise – auf unerklärliche Symptome. Dazu zählen:

  • Durchfall oder Verstopfung
  • Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen
  • Verfärbungen von Stuhl oder Urin
  • (Wechsel-)Fieber
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hautveränderungen

Bei allen unerklärlichen Symptomen suchen Sie bitte ihre Ärztin auf. Bei Fieber sollten Sie bis zu sechs Monate nach Rückkehr aus den Tropen auch an Malaria denken. Besonders bei Kindern ist die Nachbeobachtung wichtig, da etwa Malaria bei ihnen schwerer verläuft. Die Behandlung erkrankter Tropenrückkehrer übernehmen am besten Fachärzte für Tropenkrankheiten. Bei Fieber sollte bis zu sechs Monate nach Rückkehr aus den Tropen auch an Malaria gedacht werden. Besonders bei Kindern ist die Nachbeobachtung wichtig, da Malaria bei ihnen schwerer verläuft. Die Behandlung erkrankter Tropenrückkehrer übernehmen am besten Tropenärzte.

Barmer Chat

Chat für Versicherte

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen 07:00 - 20:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereich "Mitglied werden"

E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: s000036 Letzte Aktualisierung: 10.12.2020
Nach oben