Frau hat eine Reiseschutzimpfung erhalten
Urlaub, Reise, Ausland

Welche Reiseschutzimpfungen werden empfohlen?

Lesedauer unter 8 Minuten

Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Die Wahl der richtigen Reiseschutzimpfungen ist entscheidend, um sich auf internationalen Reisen zu schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Reihe von Schutzimpfungen. Welche das sind, erfahren Sie im Folgenden.

Welche Reiseschutzimpfungen werden empfohlen? 

Aktuell empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) folgende Reiseschutzimpfungen für Erwachsene:

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Schützen Sie sich z. B. vor Ihrer nächsten Reise in die Tropen mit Impfungen gegen Typhus und die Japanische Enzephalitis. Als Barmer-Mitglied erhalten Sie und Ihre Familie alle von der STIKO empfohlenen Reiseschutzimpfungen und auch die Malaria-Prophylaxe kostenlos.

Mehr zu den Impfungen

Wo finde ich Informationen zu Reiseschutzimpfungen? 

Für eine Impfberatung führt der Weg zunächst zum Hausarzt oder zu einem spezialisierten niedergelassenen Reisemediziner – am besten vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt. Bei einigen Impfungen wie der Impfung gegen Hepatitis A baut sich der langfristige Impfschutz sogar erst innerhalb von einigen Monaten auf und zwischen einigen Impfungen muss ein Mindestabstand von einem Monat eingehalten werden. 

Der Arzt oder die Ärztin empfiehlt die für das jeweilige Reiseland wichtigen Impfungen und klärt darüber auf, welche Immunisierungen für Sie persönlich ratsam sind. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem das Reiseziel, die Reisezeit, die Reiseart, der individuelle Impfstatus sowie eventuelle Grunderkrankungen. Viele Impfungen sind auch gleich beim Hausarzt zu bekommen. 

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Eine Ausnahme ist die Gelbfieber-Impfung. Diese darf nur an stattlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen verabreicht werden. Für solche Impfungen sollten Sie sich an ein Tropeninstitut oder an spezialisierte Reisemediziner wenden.

Was muss ich zur Impfberatung für Reiseimpfungen mitbringen? 

Zur Impfberatung sollten Sie Ihren gelben Impfpass mitbringen. Daran kann der Arzt sehen, ob Sie auch eine Auffrischung für Standardimpfungen wie Tetanus, Kinderlähmung (Polio) oder Diphterie benötigen und ob ein ausreichender Schutz gegen Masern, Röteln, Mumps und Keuchhusten besteht. Einige Krankheiten sind in Deutschland kaum noch präsent, in anderen Regionen der Welt aber noch wesentlich häufiger verbreitet.  „Leider sehen wir Reisemediziner häufig große Lücken in den Impfpässen“, erklärt Experte Tomas Jelinek.

gelber Impfpass

Der Impfpass dokumentiert alle Impfungen die eine Person erhalten hat und erleichtern somit das Reisen und Grenzübertritte.

Welche Informationen zu Reiseimpfungen stehen im Impfpass? 

Hier finden Sie Informationen über den Inhalt eines Impfpasses. Der Impfstatus in der Barmer eCare hilft Ihnen dabei, zusätzlich alle Impftermine – auch für Ihre Urlaubsreise – im Blick zu behalten und erinnert Sie automatisch an notwendige Auffrischungen. 

Wann sollte ich zur Impfberatung für Reiseschutzimpfungen gehen?

Damit Sie sich gut schützen, sollten Sie die Impfberatung planen: Je rechtzeitiger, desto besser. Setzen Sie den ersten Beratungstermin mindestens schon vier bis sechs Wochen, besser sogar ein halbes Jahr vor Reiseantritt an. Denn damit sich der Impfschutz voll entfalten kann, benötigt das Immunsystem einige Zeit, um ausreichend Antikörper oder Abwehrmechanismen zu entwickeln. 

 „Last Minute-Impfungen sind für den Körper eher eine Belastung, außerdem ist nicht bei allen Immunisierungen der vollständige Schutz sofort gewährleistet“, erklärt Jelinek, Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reisemedizin. Als Beispiel nennt er Hepatitis B. Die Krankheit ist weltweit verbreitet, besonders aber in tropischen Ländern. Nach vier bis acht Wochen erwarten Ärzte einen vollständigen Impfschutz gegen die Krankheit, sofern alle drei Dosen verabreicht wurden. Für den lebenslangen Impfschutz sollte dann noch einmal ein Jahr später geimpft werden.

Für viele Grundimmunisierungen sind mehrere Impfungen in bestimmten zeitlichen Abständen erforderlich. Dies betrifft neben der Hepatitis B-Impfung die Immunisierungen gegen Hepatitis A, Tollwut und Japanische Enzephalitis. „Wer schon mit dem Impfen begonnen hat – also z. B. bereits eine Spritze von dreien bekommen hat – der sollte sich zeitnah auch die anderen Spritzen geben lassen“, sagt Jelinek.

Überlegte Impfplanung für Reisen: Impfzeiten sind Mindestabstände

Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich bei den Zeitangaben in den Impfschemata um Mindestabstände handelt, z. B. ist die Impfung gegen Hepatitis A eine Standard-Reiseimpfung, die für die meisten Länder außerhalb Europas ratsam ist.

Für eine Grundimmunisierung sind zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten nötig. „Das bedeutet, dass mindestens sechs Monate vergehen müssen, bis die zweite Spritze gesetzt werden darf“, erklärt Reisemediziner Jelinek. 

Macht eine Reiseschutzimpfung auch kurz vor der Reise noch Sinn?

Auch wenn eine Reise kurzfristig vor der Tür steht und eine große Zeitspanne nicht eingehalten werden kann, lohnt eine Beratung durch die BARMER Teledoktor-App oder ein Gang zur Impfberatung: „Ein nicht ganz vollständiger Impfschutz ist besser als keiner“, sagt Arzt Tomas Jelinek. 

Ein Beispiel ist Hepatitis A: Nach der ersten Impfdosis haben 95 Prozent der Geimpften Antikörper im Blut – nach zwölf bis 15 Tagen. Hier schützt also schon die erste von beiden Impfdosen durchaus, man muss kein halbes Jahr bis zur nächsten Spritze warten: „Es ist nicht schlimm, die letzte Impfung etwas später zu machen. Wichtig ist nur: Man sollte sie machen“, rät Jelinek. 

Kostenübernahme für Reiseschutzimpfungen auch dann, wenn die Impfserie erst nach dem Urlaub abgeschlossen wird

Auch wer die letzte Impfung erst nach dem Urlaub machen kann, sollte bei einigen Impfungen nicht darauf verzichten. Denn vielleicht ist ein Impfschutz für eine spätere Reise notwendig.

Empfehlenswerter ist es aber, rechtzeitig alle Immunisierungen zu bekommen. Denn der langfristige Schutz vor den Krankheiten ist häufig nur gewährleistet, wenn das Impfschema vollständig ist und der Patient alle Dosen erhalten hat. Das Hinauszögern einzelner Impfspritzen könnte dazu führen, dass Menschen ganz vergessen, sich alle Impfungen geben zu lassen. Eine mögliche Folge des Hinausschiebens: Der Impfschutz gegen gefährliche Krankheiten ist nicht vollständig, weil die letzte Spritze vergessen wurde, der Reisende kann sich im Urlaub infizieren.

Reiseschutzimpfungen für Kinder: Welche Impfungen machen Sinn?

Besonders Kinder sollten auf Fernreisen ausreichend geschützt sein und als Grundlage alle Standardimpfungen vorweisen. Die zweimalige Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken hat eine besondere Bedeutung, weil Masern in den Tropen häufig vorkommen und zu schweren Krankheitsverläufen führen können. Bei Kindern ist zu beachten, dass für manche Impfungen ein Mindestalter vorgeschrieben ist. Gegen Cholera können Kinder beispielsweise erst ab einem Alter von zwei Jahren eine Immunisierung bekommen, gegen Hepatitis A ab 12 Monaten. (weitere Informationen siehe Kasten)

junge Frau geht im Ausland zur Schule

Jugendliche und junge Erwachsene benötigen nicht nur für eine Urlaubsreise Impfungen. Schulen und Ausbildungsstätten im Ausland können einen Impfschutz, z.B. gegen Meningokokken B, fordern.

Ab wann können Kinder eine Reiseschutzimpfung bekommen? 

Für Kinder gelten laut Tropeninstitut folgende Mindestalter für Reiseimpfungen

Cholera 2 Jahre
FSME-Kinderimpfstoff1 Jahr
Gelbfieber9 Monate
Hepatitis A12 Monate
Influenza6 Monate
Japanische Enzephalitis2 Monate
Masern, Mumps, Röteln12 Monate
Meningokokken Meningitis
(ACWY)
1 Jahr
Tollwut0 Monate
Typhus oral12 Monate
Typhus parenteral/zur Injektion2 Jahre

Reiseimpfungen für Menschen ab 60 Jahren

Eine wichtige Grundlage für den persönlichen Schutz stellen die Standardimpfungen dar, die laut Reisemediziner Tomas Jelinek häufig fehlen. Dies betrifft alle Bevölkerungsgruppen, allerdings sollten besonders ältere Menschen ab 60 Jahren großen Wert auf ihre Standardimpfungen legen. „Gerade Menschen ab 60 Jahren werden oft noch einmal besonders reiselustig. Dabei sind sie sich häufig nicht bewusst, dass sie sich noch stärker schützen sollten“, sagt Jelinek. Das Immunsystem reagiert mit dem Alter schwächer und langsamer, so dass Krankheiten besonders heftig wüten können.

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Deshalb sollten ältere Reisende auch noch Immunisierungen gegen Pneumokokken, die häufige Auslöser von Lungenentzündungen sind, gegen Gürtelrose, und auch gegen Influenza, also die Grippe, bekommen. „Die echte Grippe ist eine unterschätzte Krankheit, sie kann schwer verlaufen und damit kann man sich überall anstecken“, berichtet der Reisemediziner. Besonders alte Menschen sind von schweren Verläufen betroffen. 

alte Frau schützt sich vor COVID-19

Auch wer nicht verreist, sollte die Standardimpfungen für seine Altersgruppe machen lassen, z. B. alte Menschen, die zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 gehören.

Auch gegen Cholera sollten sich ältere Menschen impfen lassen. Neben der Impfung sollten aber unbedingt auch hygienische Maßnahmen beachtet werden, da die Choleraimpfung nur gegen einen bestimmten Bakterientyp schützen kann. Die Choleraimpfung ist eine Schluckimpfung. Erwachsene benötigen zwei Kapseln im Abstand von einer Woche.

Gegen Gürtelrose ist erst seit wenigen Jahren ein moderner Impfstoff erhältlich, der einen Schutz von über 90 Prozent gewährt. „Das ist ein guter Fortschritt. Gürtelrose ist eine sehr unangenehme Krankheit, die die Lebensqualität einschränkt“, sagt Jelinek. Da Gürtelrose insbesondere Menschen über 50 Jahre befällt, empfiehlt die Ständige Impfkommision eine Impfung ab 50 Jahre, wenn weitere Erkrankungen vorliegen und grundsätzlich für alle Menschen über 60 Jahre.

Wie problematisch sind Impflücken auf Reisen? 

Fehlende Impfungen sind ein großes Problem: Die Welt vernetzt sich immer mehr, für viele Menschen gehört es zur Normalität, weit zu reisen. Dadurch besteht die Gefahr, sich auf Reisen mit seltenen, aber gefährlichen Infektionskrankheiten zu infizieren. 

Häufig ist in fernen Ländern keine oder nur eine unzureichende Behandlung zu bekommen. Wie real die Gefahr ist, zeigt Reisemediziner Jelinek am Beispiel der Tollwut auf: „Tollwut ist noch immer eine unheilbare Krankheit. Wenn sich ein Ungeimpfter infiziert, zum Beispiel durch einen Tierbiss in Fernost, dann stirbt er - sofern er nicht sofort eine Impfung dagegen erhält.“ 

In Ländern wie China kursierten allerdings viele Fälschungen, die als Tollwut-Impfungen deklariert seien. In anderen Ländern wie Nepal oder Bangladesch sind überhaupt keine Impfungen zu bekommen. Vorbeugende Impfungen schon hier in Deutschland sind also eine lebensrettende Maßnahme.

Impfen vor einer Reise ist solidarisch 

Mediziner entwickeln Impfstoffe immer weiter, moderne Präparate sind häufig sehr viel verträglicher und auch wirksamer als Impfstoffe noch vor wenigen Jahrzehnten waren. „Zum Beispiel konnten wir bei der Impfung gegen Meningokokken in den vergangenen Jahren tolle Erfolge bei der Wirksamkeit erzielen und die Infektionsraten in einigen Gebieten Afrikas stark senken“, berichtet der Reisemediziner. 

Eine Meningokokken-Infektion löst unter anderem schwere Hirnhautentzündungen aus. Skeptiker sollten bedenken: Das Risiko, das von den verschiedenen Krankheiten weltweit ausgeht, ist um ein Vielfaches höher als das Risiko, welches von den Impfungen ausgeht.

Sich vor einer Reise impfen zu lassen, ist von öffentlichem Interesse: Weil immer mehr Menschen in fernen Ländern unterwegs sind, steigt das Risiko, dass sie Krankheiten aus dem Ausland nach Deutschland importieren und so andere gefährden. „Eine Impfung ist schlicht lebensrettend“, sagt Jelinek.

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