Gesunde Schwangerschaft

Schwanger mit chronischen Vorerkrankungen – welche Medikamente sind erlaubt?

Lesedauer unter 17 Minuten
Eine Schwangere nimmt Medikamente ein

Autor/in

Constanze Löffler (Wissenschaftsjournalistin, Ärztin)

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die meisten chronischen Erkrankungen lassen sich auch in der Schwangerschaft problemlos weiterbehandeln – mit herkömmlichen oder alternativen Arzneimitteln, oft unterstützt von einer nicht-medikamentösen Therapie. Je früher Frauen die behandelnden Ärzte in die Kinderwunschpläne einweihen, desto besser und umsichtiger können Mediziner die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind betreuen. Die Behandlung von Schwangeren mit Vorerkrankungen bedarf Sorgfalt, Wissen und Fingerspitzengefühl – und ist dank moderner Medizin heutzutage problemlos möglich.

Schwangerschaft ja oder nein? Für Frauen, die chronisch krank sind, kann diese Entscheidung sehr herausfordernd sein. Wie stark ist mein Kinderwunsch? Wie sehr gefährde ich mein eigenes Wohlergehen, um ein gesundes Baby zu bekommen? Und auch wenn dann ein Kind unterwegs ist, hört die Grübelei nicht auf. Welche Medikamente darf ich nehmen, welche schaden möglicherweise dem Ungeborenen? Die gute Nachricht: Mittlerweile gibt es für die meisten Erkrankungen Erfahrungen mit gängigen Medikamenten während der Schwangerschaft. Die Experten kennen in der Regel alternative Medikamente, die die Gesundheit des Babys nicht oder so wenig wie möglich gefährden.

Vielen Frauen mit chronischen Erkrankungen geht es während der Schwangerschaft besser als vorher. Schmerzerkrankungen wie Migräne, vor allem aber Autoimmunerkrankungen wie Allergien, Multiple Sklerose (MS) und Rheuma, bessern sich: Schwangere haben seltener Schmerzattacken und diese fallen weniger heftig aus. Auch bleiben MS-Schübe aus. Trotz Rheuma schmerzen die Gelenke weniger. Die heilsame Wirkung der Schwangerschaft schreiben Experten der sogenannten Immuntoleranz zu. Dabei wird das mütterliche Immunsystem gedrosselt, so dass der Fötus – bei dem die Hälfte der Gene vom Vater stammen – nicht abgestoßen wird.

Sollte man sich als Schwangere gegen Grippe impfen lassen?

Die gebremste Immunabwehr kann allerdings auch dazu führen, dass akute Infektionen wie eine Grippe schwerer verlaufen und Mutter sowie Ungeborenes gefährden können. Normalerweise wird Schwangeren empfohlen, sich nach den ersten drei Monaten der Schwangerschaft impfen zu lassen. Schwangeren mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzinsuffizienz empfiehlt die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut, kurz STIKO, sich in den ersten Schwangerschaftswochen gegen Influenza impfen zu lassen.

In welcher Schwangerschaftswoche sollte man mit dem Arzt die Medikation besprechen?

Frauen mit chronischen Gesundheitsproblemen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schilddrüsenproblemen, Epilepsie, Asthma oder Erkrankungen von Herz, Nieren oder Leber sollten frühzeitig die Fachärztin oder den Facharzt und auch die Gynäkologin beziehungsweise den Gynäkologen in ihre Kinderwunschpläne einweihen. So können die Mediziner in Ruhe Präparate heraussuchen, die kein oder nur ein sehr geringes Risiko für das heranwachsende Baby bedeuten. Bei manchen Medikamenten macht es Sinn, diese schon vor einer Schwangerschaft umzustellen. Mit Eintritt der Schwangerschaft werden die Frauen dann eng durch ihren Gynäkologen betreut. Die erste Schwangerschaftswoche beginnt mit dem ersten Tag der letzten Periode. Auch die Termine beim Facharzt können Sie jetzt enger takten. Halten Sie am besten mit beiden Ärzten Rücksprache – günstig ist es, wenn sich ihre Ärzte bei der Therapie abstimmen. Damit steht einer unkomplizierten Schwangerschaft nichts mehr im Weg.

Sollten Schwangere Medikamente gegen ihre Depression nehmen?

Frauen mit einer Depression, die erfahren, dass sie schwanger sind, reagieren unterschiedlich: Manche fühlen sich regelrecht euphorisiert – Niedergeschlagenheit und fehlender Antrieb sind wie weggeblasen. Andere erleben völlig neue Ängste, fühlen sich durch die Situation überfordert und glauben, dem Baby keine gute Mutter sein zu können. Keine Sorge: Depressive Frauen, die schwanger werden, müssen auf ihre Behandlung keinesfalls verzichten. So sollten Frauen, die Antidepressiva einnehmen, diese unbedingt weiternehmen. Ansonsten können Entzugssymptome auftreten wie

  • Gleichgewichtsstörungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Übelkeit,
  • Reizbarkeit,
  • Schlafstörungen,
  • Herzklopfen oder
  • Muskelzuckungen.

Außerdem kann es erneut zu depressiven Verstimmungen kommen. Doch gerade in der Schwangerschaft brauchen Frauen psychische Stabilität.

Besprechen Sie mit Ihrem Psychiater, ob die Dosis Ihrer Antidepressiva geändert werden muss oder ob Sie für die Zeit der Schwangerschaft möglicherweise ein anderes Mittel einnehmen sollten. Vor allem von älteren Präparaten wie trizyklischen Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Nortriptylin) sowie für einige selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Sertralin, Citalopram) weiß man, dass sie dem Ungeborenen nicht schaden. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Vielleicht reichen Ihnen in dieser Zeit auch Gespräche beim Psychotherapeuten. Sie können sich auch zusätzliche Unterstützung holen: Lichttherapie, Entspannungsverfahren, Meditationen oder Online-Programme bieten Hilfe. Viele Tipps erhalten Sie hier.

Ähnliches gilt übrigens auch für andere psychiatrische Erkrankungen: Psychotherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung können psychische Krisen während der Schwangerschaft verhindern. Sie sollten Ihre Behandlung daher mit Medikamenten, die dem Ungeborenen nicht schaden, und nicht-medikamentösen Begleittherapien unbedingt fortführen.

Ist Diabetes in der Schwangerschaft gefährlich?

Eine von 100 Schwangeren in Deutschland hat Diabetes. Die meisten sind an Typ 1-Diabetes erkrankt; die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin. Etwa 20 Prozent haben Typ 2-Diabetes – bei diesen Frauen produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin. Daneben gibt es noch den Gestationsdiabetes, der nur in der Schwangerschaft auftritt. Wie der behandelt wird, können Sie im Artikel „Medikamente bei akuten Krankheiten in der Schwangerschaft“ nachlesen. Frauen, deren Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist, haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Fehlbildungen beim Baby und für eine Schwangerschaftsvergiftung. Je besser die Zuckerwerte eingestellt sind, desto geringer sind die Risiken. Es lohnt sich für Diabetikerinnen, bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft gesunde Blutzuckerwerte zu erreichen.

Schwangere werden in der Regel mit Humaninsulin behandelt; dieses Insulin ist am besten untersucht. Es ist gut verträglich fürs Baby. Außerdem lässt sich die Dosis unkompliziert anpassen, falls sich der Insulinbedarf ändert. Im ersten Drittel ist er meist niedriger als vor der Schwangerschaft, im zweiten und dritten Drittel steigt er an. Nach der Geburt fällt er schnell wieder ab. Schwangere können sich auch kurz wirksame Kunstinsuline wie Insulin lispro und Insulin aspart spritzen. Als lang wirksames Insulin eignet sich ein Neutral Protamin Hagedorn (NPH)-Insulin. Die meisten Antizucker-Tabletten sind bei Schwangeren nicht gut untersucht, so dass Experten raten, die Therapie auf Humaninsulin umzustellen. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Schwangere, die sich kohlenhydratarm ernähren und viel bewegen, können ihren Insulinbedarf senken. Mit Jod und Folsäure lässt sich der Stoffwechsel zusätzlich optimieren.

Was tun bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in der Schwangerschaft?

Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zählen

Für Frauen mit CED und Kinderwunsch ist es günstig schwanger zu werden, wenn keine oder kaum Krankheitssymptome haben – die Krankheit also in Remission ist. Je weniger entzündet der Darm ist, desto unkomplizierter verläuft erfahrungsgemäß die Schwangerschaft.
Die Therapie der CED stützt sich auf mehrere Säulen und hängt davon ab,

  • welche Erkrankung genau vorliegt,
  • wie aktiv die Erkrankung ist und
  • an welcher Stelle die entzündlichen Darmabschnitte liegen.

Neben Schmerz- und Entkrampfungsmitteln hilft die Therapie das Immunsystem und damit die Entzündung zu dämpfen. Frauen dürfen während der gesamten Schwangerschaft herkömmliche Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente wie Mesalazin, Glukokortikoide und klassische Basistherapeutika wie Azathioprin einnehmen. Lediglich der Folsäurehemmer Methotrexat, ein klassisches Basistherapeutikum, muss gemieden werden.

Das Leiden vieler CED-Patienten hat sich vor allem dank der Biologika gebessert. Damit können heute viele Frauen und Männer ein nahezu beschwerdefreies Leben führen. Die sogenannten TNF alpha-Antikörper hemmen das Immunsystem auf spezifische Weise und unterdrücken die überschießende Immunantwort. Die Medikamente sind zwar noch relativ neu, aber bislang gibt es keine Hinweise, dass sie eine fruchtschädigende Wirkung haben. Dennoch raten Experten dazu, Biologika vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte eher zurückhaltend einzusetzen. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Facharzt, zu welchem Vorgehen er Ihnen rät. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Was tun bei starken Schmerzen in der Schwangerschaft?

Chronische Schmerzen sind oft losgelöst von einem akuten Schmerzereignis. Der Bruch ist verheilt, die Prellung genesen, doch die Schmerzen sind immer noch da. Anhaltende Schmerzreize lassen die Nervenzellen mit der Zeit immer empfindlicher auf Reize reagieren, so dass die Schmerzschwelle sinkt. Die wiederholten Schmerzreize hinterlassen „Schmerzspuren“, es entwickelt sich ein „Schmerzgedächtnis“. Herkömmliche Schmerzmedikamente allein helfen oft nicht mehr, denn der Schmerz findet vor allem im Kopf statt. Stattdessen geht es in der Therapie chronischer Schmerzen oft darum, den Lebensstil zu ändern:

  • weniger Stress zuzulassen,
  • sich mehr zu bewegen und
  • Konflikte zu bewältigen.

Entspannungsverfahren, Bewegung, Mal- und Musiktherapie helfen dabei, dem Schmerz weniger Bedeutung beizumessen. In einer Psychotherapie lernen Patientinnen, besser mit den Schmerzen klar zu kommen und schmerzauslösende Konflikte zu klären.
Folgende Schmerzmedikamente dürfen während der Schwangerschaft eingesetzt werden:

  • Leichte Schmerzen: Paracetamol, Ibuprofen (nur 1. und 2. Trimenon)
  • Mittlere Schmerzen: Paracetamol+Codein, Tramadol, Buprenorphin
  • Stärkste Schmerzen: Morphin

Opioide/Opiate wie Morphin können beim Neugeborenen zu vorübergehenden Entzugssymptomen führen – sie müssen daher nach der Geburt für eine gewisse Zeit überwacht werden. Bei chronischen Schmerzen und bei Nervenschmerzen wie einer Zoster- oder Trigeminusneuralgie setzen Ärzte häufig Wirkstoffe ein, die sie sonst bei anderen Indikationen verwenden wie Antidepressiva und Antiepileptika. Bei beiden Medikamentengruppen gibt es Präparate, die auch Schwangere nehmen dürfen. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Welche Medikamente bei Epilepsie in der Schwangerschaft nehmen?

Anfallsleiden sind relativ häufig: Etwa jede zweihundertste Schwangere ist betroffen. Von einigen älteren Mitteln gegen Epilepsie weiß man, dass sie zu Fehlbildungen beim Baby führen können. Dazu gehören

  • Valproinsäure,
  • Carbamazepin,
  • Phenobarbital oder
  • Phenytoin.

Valproinsäure scheint besonders riskant zu sein. Schwangere sollten auf die genannten Mittel verzichten. Stattdessen sollten Schwangere mit einer Epilepsie neuere Antiepileptika wie Lamotrigin und Levetiracetam einnehmen. Einige Antiepileptika führen dazu, dass die „Pille“ schneller abgebaut wird und Frauen ungewollt schwanger werden. Experten empfehlen daher, dass Frauen, die diese Antiepileptika einnehmen, nicht-medikamentös verhüten, beispielsweise mit einer Spirale. Als Epileptikerin sollten Sie Ihrem Neurologen Bescheid sagen, dass Sie schwanger werden wollen, sodass er mit Ihnen notwendige Umstellungen der Medikation besprechen und einleiten kann. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Was tun bei Erkrankungen der Atemwege in der Schwangerschaft?

Erkrankungen der Atemwege zählen zu den häufigsten chronischen Gesundheitsbeschwerden bei Schwangeren. Je weiter die Schwangerschaft voranschreitet, desto häufiger treten auch bei gesunden Frauen Kurzatmigkeit und Atemnot auf, weil das wachsende Baby Lungen und Zwerchfell nach oben schiebt, so dass die Lungen immer weniger Platz haben sich zu entfalten. Diese ganz normalen Einschränkungen können sich bei Vorerkrankungen an den Atemwegen noch einmal verstärken. Schwangere sollten daher ihre Therapie konsequent fortsetzen. Atemübungen, beispielsweise aus dem Geburtsvorbereitungskurs, leisten bei Luftnot gute Dienste. Fragen Sie auch Ihre Hebamme oder Ihre Fachärzte, zu welchen Übungen sie Ihnen raten. Um die 38. Schwangerschaftswoche senkt sich der Bauch – dann bekommen Sie in der Regel auch wieder besser Luft.

Mukoviszidose

Frauen, deren Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) vor einer Schwangerschaft gut behandelt ist, geht es in der Rege auch in der Schwangerschaft gut und ihr Baby entwickelt sich normal. Dagegen neigen Frauen mit einem eingeschränkten Lungenvolumen, mit niedrigem Körpergewicht und Begleiterkrankungen wie Diabetes und chronischen Lungeninfektionen eher zu Frühgeburten. Außerdem wiegen ihre Kinder bei der Geburt oft weniger. Um sie während der Schwangerschaft so gut wie möglich zu betreuen, sollten CF-Patientinnen einmal monatlich in die CF-Ambulanz kommen, auch wenn sie keine Probleme haben, raten Experten. CF-bedingte Komplikationen können so rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Für die meisten Medikamente, die in der CF-Therapie eingesetzt werden, gibt es kaum Literatur oder Beobachtungsdaten für den Einsatz während der Schwangerschaft – allein, weil bislang nur wenige Patientinnen mit CF schwanger geworden sind. In der Regel gelten die Arzneimittel als sicher, so dass die Therapie fortgesetzt werden kann. Dennoch müssen die behandelnden Ärzte bei jeder Frau und jedem Medikament neu entscheiden: Kann auf ein Präparat verzichtet werden, mit der Gefahr, dass sich der Gesundheitszustand der Frau verschlechtert? Gefährdet eine fortgesetzte Therapie den Fötus?

Kaum Erfahrungen bei Schwangerschaft gibt es bislang mit den Modulatoren. Die Therapie gibt es erst seit knapp zehn Jahren. In Tierversuchen und ersten Beobachtungen zufolge zeigen die Modulatoren keine fruchtschädigende Wirkung. Es fehlen jedoch noch Langzeitdaten. Ob Schwangere die Behandlung mit einem Modulator fortführen sollten, ist eine Frage, die Arzt und Patientin miteinander besprechen und entscheiden sollten. Schwangere mit CF sollten auf jeden Fall begleitende Therapien wie Atem-Physiotherapie, körperliches Training und Inhalationstherapie sowie eine kalorienreiche Ernährung beibehalten.

Wie Asthma in der Schwangerschaft behandeln?

Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung bei Schwangeren. Zwischen zwei und acht Prozent der Frauen sind betroffen. Bei einem Drittel der Frauen bleibt das Asthma stabil, bei je einem Drittel verschlechtert oder verbessert es sich während der Schwangerschaft. Für die nicht-medikamentöse Behandlung des Asthmas gelten die üblichen Empfehlungen:

  • Allergene vermeiden
  • Begleiterkrankungen behandeln
  • Größere körperliche Anstrengungen meiden
  • Rauchentwöhnung

Schweres, schlecht eingestelltes Asthma erhöht das Risiko für Frühgeburten und Entwicklungsstörungen des Kindes. Daher sollten Asthmatikerinnen ihre Therapie auch während der Schwangerschaft konsequent fortsetzen. Für die medikamentöse Therapie mit herkömmlichen Mitteln gibt es viele Erfahrungen bei Schwangeren. Die inhalative Therapie mit Kortison und Mitteln, welche die Atemwege weiten, ist auch für Schwangere unbedenklich. Dank der speziellen Zubereitung wirken Steroide und andere Mittel zum Inhalieren ausschließlich in den Atemwegen, wo sie die Entzündung lindern, und nicht auf die anderen Organe wie die Plazenta.

Für Schwangere gilt die Empfehlung, moderne Biologika, wie sie beim schwerem Asthma eingesetzt werden, nur dann zu nehmen, wenn alle bisherigen Therapien ausgeschöpft sind. Ob Sie eine Asthma-Therapie mit Biologika fortsetzen sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Lungenfacharzt. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Was tun bei Herzerkrankungen in der Schwangerschaft?

Es gibt immer mehr Schwangere mit Herzerkrankungen, weil immer mehr Patientinnen mit Herzerkrankungen das Erwachsenenalter erreichen. Und weil das Durchschnittsalter von Frauen, die erstmalig schwanger werden, stetig steigt. Mit dem Alter nimmt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Bei den meisten verläuft die Schwangerschaft trotz ihrer Herzprobleme unkompliziert. Allerdings haben diese Frauen ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten oder eine Präeklampsie. Frauen mit seltenen und besonders schweren Herzerkrankungen

  • wie einer pulmonalen Hypertonie,
  • bei einer starken Erweiterung der Hauptschlagader und
  • bei einer schweren Herzschwäche raten Experten grundsätzlich von einer Schwangerschaft ab.

Wie wird Bluthochdruck in der Schwangerschaft behandelt?

Eine von zehn Schwangeren hat Bluthochdruck. Er wird definiert als Werte von mindestens 140/90 mmHg. Obwohl so viele Frauen davon betroffen sind, existiert keine einheitliche Behandlungsleitlinie. Aufgrund vieler Erfahrungen weiß man, dass einige Bluthochdruckmittel dem ungeborenen Kind schaden können. Dazu zählen Sartane (Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten) und ACE-Hemmstoffe. Auch Entwässerungsmittel (Diuretika) sollten durch andere Wirkstoffe ersetzt werden. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Was muss bei Herzklappenersatz in der Schwangerschaft beachtet werden?

Menschen mit einer künstlichen Herzklappe müssen lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Sie verhindern, dass sich durch das Implantat Blutgerinnsel bilden, die zu weiteren Komplikationen führen können. Schwangere dürfen jedoch nicht alle Gerinnungshemmer einnehmen: Phenprocoumon, besser bekannt unter dem Handelsnamen Marcumar, erhöht beispielsweise das Risiko für Fehlbildungen und Fehlgeburten. Betroffene Frauen besprechen am besten noch vor einer Schwangerschaft mit ihrem Facharzt, welches Mittel für sie besser geeignet ist. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Wie wird Herzschwäche in der Schwangerschaft behandelt?

Die Schwangerschaft bedeutet für das Herz eine Mehrbelastung: Das Körpergewicht steigt um zehn bis 20 Kilogramm und das Blutvolumen nimmt zu. Gleichzeitig sinkt der Blutdruck, weil sich die Gefäße unter der Wirkung des Hormons Progesteron leichter weiten. Frauen mit einer Herzschwäche brauchen Medikamente, welche die Herzleistung stärken und entwässernd wirken. Einige der normalerweise eingesetzten Mittel wie ACE-Hemmer, Sartane und Diuretika sind für schwangere Frauen ungeeignet. Sie müssen unter Umständen während der Schwangerschaft durch andere Medikamente ersetzt werden. Die Behandlung einer Herzinsuffizienz während der Schwangerschaft ist komplex und gehört daher in die Hände von Fachleuten.

Therapien bei Krebs in der Schwangerschaft?

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 500 Schwangere an Krebs. Die Zahlen nehmen eher zu, weil mehr Frauen im höheren Alter Kinder bekommen. Viele Krebstherapien, die das Leben der Mutter retten können, sind für das Ungeborene gefährlich. So ist die Bestrahlung eines Tumors während der Schwangerschaft in der Regel nicht möglich. Chemotherapeutika, die verhindern, dass die Krebszellen wachsen, gehen über den Mutterkuchen häufig ins Blut des Ungeborenen über und können es schädigen. Je nachdem, wann die Therapie im Verlaufe der Schwangerschaft gestartet wird, kommt es zu Fehlgeburten oder Fehlbildungen. Für moderne Krebsmedikamente wie Antikörper oder für eine Immuntherapie fehlen ausreichende Erfahrungen, ob und wie sie auf das Ungeborene wirken. Auch Krebsoperationen stellen für das Kind ein Risiko dar. Wenn möglich, verschieben die Ärzte die Krebstherapie daher in der Regel auf die Zeit nach der Geburt. Gelegentlich wird das Kind auch frühzeitig per Kaiserschnitt entbunden.

Was tun bei Migräne in der Schwangerschaft?

Migräne gehört neben Spannungskopfschmerzen zu den häufigsten Kopfschmerzarten. Verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze helfen, das einseitige, pochende Kopfweh zu lindern. Bei akuten Attacken empfehlen sich für Schwangere Schmerzmittel wie Paracetamol. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Naproxen dürfen Frauen bis zur 28. Schwangerschaftswoche einnehmen. Auch Triptane dürfen Schwangere nehmen. Sie verengen die Hirngefäße, wirken der Entzündung und den Schmerzen entgegen und wurden speziell für akute Migräneattacken entwickelt. Als Mittel der Wahl bei den Triptanen gilt Sumatriptan.

Um Migräneattacken zu verhindern (Migräneprophylaxe) eignen sich der Betablocker Metoprolol oder das trizyklische Antidepressivum Amitrytptilin. In den letzten Jahren wurden sogenannte CGRP-Antikörper neu zugelassen, um die Schmerzanfälle zu verhindern. Für diese Mittel liegen bisher nicht genügend Erfahrungen vor, um sie bei Schwangeren zu verschreiben. Sie sollten daher mit Ihrem Neurologen besprechen, ob Sie diese Mittel auch während der Schwangerschaft weiter nehmen können. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Viele Frauen berichten, dass die Anfälle während der Schwangerschaft seltener auftreten und weniger heftig sind. Manche Frauen verzichten daher in dieser Zeit ganz auf prophylaktische Medikamente. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Ausdauersport helfen, die Anzahl der Anfälle zu reduzieren. Auch Entspannungsverfahren, Biofeedback, Akupunktur haben sich bei Migräne bewährt.

Was tun bei Multipler Sklerose in der Schwangerschaft?

Die Multiple Sklerose ist eine neurologische Autoimmunerkrankung. In Schüben treten Muskellähmungen und Koordinationsstörungen auf. Mittlerweile gibt es zahlreiche Arzneistoffe, welche die Schubhäufigkeit verringern, sie ganz zum Erliegen bringen und körperliche Einschränkungen abwehren. Im akuten Schub setzen Neurologen Kortison ein, vorbeugend nehmen die Patientinnen Medikamente, die das Immunsystem gezielt ausbremsen. Dazu gehören Interferon und moderne Antikörper, die gespritzt oder geschluckt werden.

Schwange dürfen Interferon beta und den Antiköper Natalizumab, den sich die Frauen spritzen müssen, während der gesamten Schwangerschaft nehmen. Fingolimod, ein Antikörper, der geschluckt wird, und einige andere Mittel dürfen sie dagegen nicht einnehmen. Teilweise sollte die Therapie schon vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Halten Sie daher frühzeitig Rücksprache mit Ihrem Neurologen, am besten noch bevor Sie schwanger sind.

Häufig erleben Frauen, dass die MS während der Schwangerschaft weniger aktiv ist, insbesondere im letzten Drittel. Sie können mit Ihrem Neurologen besprechen, ob für Sie eine Therapiepause in Frage kommt. Physio-, Logo- und Ergotherapie sollten Sie weiterhin beibehalten.

Was tun bei Rheuma in der Schwangerschaft?

Die rheumatoide Arthritis, kurz Rheuma, ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Frauen im gebärfähigen Alter sind bis zu vier Mal häufiger betroffen als die durchschnittliche Bevölkerung. Bei der Autoimmunerkrankung sammeln sich Abwehrzellen in den Gelenken. Regulär sollen sie schädliche Erreger bekämpfen. Im Falle der rheumatoiden Arthritis wenden sich die Zellen gegen den eigenen Körper und lösen eine aggressive Entzündung der Gelenke aus. Einigen Studien zufolge haben Schwangere mit Rheuma häufiger Schwangerschaftsvergiftungen und Kaiserschnitte. Die Babys wogen im Schnitt weniger als Kinder gesunder Frauen. Die gute Nachricht: Bei bis zu zwei Drittel der rheumakranken Frauen sind die Gelenke während der Schwangerschaft weniger entzündet und schmerzhaft.

Rheumatologen setzen verschiedene Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen in der Therapie ein. Oft werden die Mittel untereinander kombiniert:

  • Schmerzmittel
  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Glukokortikoide
  • Basistherapeutika oder DMARDs (Disease Modifying Antirheumatic Drugs)
  • Biologika (TNF-α-Inhibitoren)

Schwangere dürfen die NSAR Ibuprofen und Diclofenac bis zur 28. SSW einnehmen. Als Glukokortikoide eignen sich Prednison und Prednisolon. Auch bei den Basistherapeutika und den Biologika gibt es Wirkstoffe, die Schwangere vertragen. Welche, das entscheidet der behandelnde Rheumatologe aufgrund der aktuellen Datenlage. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Tipp: Sport und Bewegungstherapie drosseln Entzündungsprozesse in den Gelenken, verringern die Schmerzen und verbessern die Rheuma-Erkrankung. Führen Sie Ihr Sportprogramm auch während der Schwangerschaft fort.

Wie behandelt man Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft?

Für die gesunde Entwicklung des Babys ist es entscheidend, dass die Mutter auf der Basis von Jod genügend Schilddrüsenhormone produziert. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel ist das Ungeborene komplett auf die Hormone der Mutter angewiesen, weil die eigene Drüse noch keine Hormone produziert. Durch den erhöhten Stoffwechsel haben Schwangere einen um bis zu 50 Prozent gesteigerten Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Mit 200 Mikrogramm pro Tag brauchen Schwangere deutlich mehr Jod als Nicht-Schwangere, damit die Schilddrüse genügend Hormone produzieren kann. Ist die mütterliche Schilddrüsenfunktion gestört, kann das beim Ungeborenen zu teilweise gravierenden gesundheitlichen Problemen führen. Zudem erhöht eine unbehandelte Schilddrüsenerkrankung das Risiko für Fehl- und Frühgeburten. Bei gut eingestellter mütterlicher Schilddrüsenfunktion entwickelt sich das Ungeborene dagegen völlig normal.

Was tun bei Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?

Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung. Die Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt vor allem die gesunde Entwicklung des kindlichen Gehirns. Mittel der Wahl zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist Thyroxin, das auch für Schwangere unbedenklich ist. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

Was tun bei Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft?

Die häufigsten Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow oder ein Knoten in der Schilddrüse, der völlig unabhängig Hormone produziert. Auch eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion gefährdet Mutter und Ungeborenes: Die Kinder wiegen oft zu wenig und entwickeln eine Schilddrüsenüberfunktion. Betroffene Schwangere haben häufiger eine Präeklampsie sowie Fehl- und Frühgeburten. Eine Schilddrüsenüberfunktion wird mit sogenannten Thyreostatika behandelt. Sie verhindern, dass Schilddrüsenhormone gebildet oder freigesetzt werden. Propylthiouracil, Carbimazol und Thiamazol dürfen in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Sie können beim Neugeborenen zu einer vorübergehenden, sich innerhalb weniger Tage zurückbildenden Schilddrüsenunterfunktion führen. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von Embryotox.

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Webcode: a006727 Letzte Aktualisierung: 12.08.2021
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