Zahnpflege und Zahnarzt

Karies: Ursachen, Symptome, Behandlung

Lesedauer unter 8 Minuten
Eine Frau putzt sich die Zähne

Autor

Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Gerhard W. Koch (Zahnarzt)
Inhaltsverzeichnis

Karies ist eine häufige Krankheit. Sie entsteht durch Bakterien im Mund und schädigt die Zähne. Die gute Nachricht: Mit richtiger Zahnpflege lässt sich vorbeugen. Je früher eine Karies erkannt wird, umso besser lässt sie sich behandeln. Ohne Behandlung schreitet sie immer weiter fort. Das bedeutet: Bei Beschwerden am besten immer direkt zum Zahnarzt.

Wie entsteht Karies?

Karies entsteht durch Bakterien, die Nahrung im Mund verarbeiten und dabei Säure ausscheiden. Eigentlich ist das auch kein Problem. Denn der Zahnschmelz ist durch Mineralien geschützt, wie etwa durch Fluoride. Normalerweise lösen sich ständig Mineralien aus dem Zahnschmelz und lagern sich wieder ein (Remineralisation). Der Speichel hilft bei der Regulierung des Prozesses und hält den Säurespiegel an der Zahnoberfläche stabil. Problematisch wird es erst dann, wenn die Nahrung sehr zuckerreich ist, so dass bei ihrer Verarbeitung durch die Bakterien viel Säure entsteht. Dann gerät das Gleichgewicht außer Kontrolle – es entsteht übermäßig viel Säure, der Zahnschmelz nimmt Schaden.

Das bedeutet also: Nicht die Bakterien selbst greifen den Zahn an, sondern deren Stoffwechselprodukt, die Säure, die durch die Verarbeitung der aufgenommenen Nahrung entsteht. Wie die Nahrung beschaffen ist, hat wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von Karies. Im Klartext: Viel Zucker und entsprechende Kohlenhydrate schaden den Zähnen.

Neben dem Zuckergehalt spielt ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: der Zahnbelag. Dieser Belag (auch Plaque genannt) bildet die ideale Grundlage für die darin enthaltenen schädigenden Bakterien. Und wo Beläge an den Zähnen haften, können die für eine Remineralisation notwendigen Reparaturmaterialien im Speichel nicht wirken. Zahnbelag kann sich pelzig anfühlen, wenn wir mit der Zunge darüberstreichen. So ein pelziges Gefühl ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass das Zähneputzen zuletzt etwas vernachlässigt wurde. Es ist gut, sich regelmäßig und sorgfältig die Zähne zu putzen, denn dann kann kein Belag entstehen. Um Karies zu verhindern, ist also auch gute Mundhygiene sehr wichtig.

Stehen die Zähne sehr eng zusammen oder weisen die Kauflächen kleine Furchen und Trichter (Fissuren) auf, kann das die Zahnpflege erschweren und dadurch Karies begünstigen. Auch das Tragen einer Zahnspange erfordert mehr Sorgfalt bei der Mundhygiene, damit sich keine Speisereste ablagern. Wenn sich das Zahnfleisch zurückbildet und Zahnhälse freiliegen, kann dies ebenfalls Karies begünstigen.

Risikofaktoren für Karies sind:

  • Zuckerreiche Ernährung – das gilt für Speisen und Getränke!
  • Häufige Zwischenmahlzeiten (besonders Süßes)
  • Zahnbelag (Plaque) aufgrund von schlechter und unregelmäßiger Mundhygiene
  • Bestimmte Merkmale der Zähne (zum Beispiel enge Zahnstellung, Fissuren)
  • Rauchen
  • Wenig Speichel
  • Medikamente, die einen trockenen Mund oder verringerten Speichelfluss verursachen
  • Medikamente, die zur Demineralisation des Zahns beitragen (zum Beispiel bestimmte Antibiotika)

Der Zahn ist aus unterschiedlichen Schichten aufgebaut: Außen ist der harte Zahnschmelz, der das etwas weichere Zahnbein (Dentin) umschließt. Im Inneren kommt das Zahnmark (Pulpa), in welchem die Nerven und Gefäße liegen. Karies beginnt an der Oberfläche des Zahns und greift zunächst den Zahnschmelz an. Wird die Karies nicht behandelt, „frisst“ sie sich immer tiefer in den Zahn hinein und verursacht ein sich stetig vergrößerndes Loch. Wenn die Karies das Zahnbein erreicht, verläuft der Zerstörungsprozess deutlich schneller. Es kann zur Entzündung des betreffenden Zahnes kommen und damit auch zur Schädigung des Zahnmarks.

Kleine BARMER-Infotafel mit Antworten zu der Frage: Was schützt vor Karies?

Infografik: Was kann vor Karies schützen?


Hat sich eine Karies im Gebiss erst einmal manifestiert, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie weitere Zähne angreift. Daher ist Vorsorge durch gute Mundhygiene in dieser Situation besonders wichtig. Die Karies-Bakterien können zudem von Mensch zu Mensch übertragen werden. So können Eltern sie an ihre Kinder weitergeben. Kinder sind besonders gefährdet, da die Milchzähne weniger widerstandsfähig sind als die bleibenden Zähne.

Symptome von Karies

Zu Beginn macht Karies sich durch helle oder gelblich-braune Flecken an den Zähnen bemerkbar. Diese verursachen in der Regel zunächst keine Beschwerden. Dieses Stadium heißt Initialkaries.

Schreitet die Erkrankung fort und greift sie das Zahnbein an, können sich die Symptome verändern. Der Zahn reagiert nun eventuell empfindlich auf Reize wie heiße oder kalte Speisen, Süßes oder Saures. Auch Schmerzen können sich einstellen, entweder nach bestimmten Reizen oder auch dauerhaft. Manchmal kann es schwierig sein, den Schmerz genau zu lokalisieren und einem bestimmten Zahn zuzuordnen, da der Nervenschmerz über den betroffenen Zahn hinaus zu spüren sein kann.

Wenn sich die Karies bis zum Zahnmark ausgeweitet hat und eine Entzündung entstanden ist, kann das den ganzen Kiefer in Mitleidenschaft ziehen und zu einer „dicken Backe“ führen.

Grundsätzlich kann Karies an allen Zähnen und an allen Stellen eines Zahnes auftreten: An Schneidezähnen und an Backenzähnen, an den glatten Zahnvorderseiten ebenso wie in Zahnzwischenräumen. Auch unter Füllungen oder Kronen kann Karies auftreten. Hier ist sie besonders schwer zu erkennen.

Kariesbehandlung beim Zahnarzt

Es ist wichtig, Karies behandeln zu lassen, da sie in der Regel nicht von allein wieder ausheilt. Ohne Behandlung schreitet sie immer weiter fort, bis der Zahn verloren ist. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen es, eine Karies bereits im Anfangsstadium zu erkennen und sofort zu behandeln. Dadurch lassen sich stärkere Schäden an den betroffenen Zähnen vermeiden. Es ist sinnvoll, bei Beschwerden wie Empfindlichkeit der Zähne oder Schmerzen direkt einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin aufzusuchen. Auch wenn Sie Flecken oder Verfärbungen der Zähne wahrnehmen, sollten Sie zum Zahnarzt gehen.

Diagnose von Karies

Die Diagnose von Karies erfolgt, indem der Zahnarzt sich die Zähne genau anschaut und mit einem kleinen Instrument (einer Sonde) vorsichtig einzelne Stellen prüft. Dabei klopft er sanft gegen den Zahn und untersucht die Zahnzwischenräume. Auch Ihre Aussagen über Schmerzen oder Empfindlichkeit der Zähne sind wichtig für die Diagnose. Ein Röntgenbild kann helfen zu beurteilen, wie weit eine Erkrankung fortgeschritten ist. Die Bildgebung ist besonders hilfreich bei Karies an schwer einsehbaren Stellen oder unter Füllungen und an Kronenrändern.

Füllungen, Kronen und Wurzelkanalbehandlung

Karies sollte behandelt werden. Dafür entfernt der Zahnarzt das kariöse Zahnmaterial in der Regel mit einem Bohrer. Eine Füllung verschließt den Defekt im Zahn. Die Füllung kann direkt im Mund erfolgen und aus Amalgam (einem Metall-Gemisch) oder Komposit (einem Kunststoff) bestehen. Weitere Füllmöglichkeiten sind Inlays und Onlays. Sie bestehen aus Metall (Edelmetalllegierungen) oder Keramik. Hier ist zu unterscheiden zwischen direkten und laborgestützen Füllungen. Laborgestützt bedeutet: Nach der Vorbereitung des Zahnes nimmt der Zahnarzt einen Abdruck. Von diesem entsteht im Labor eine passgenaue Füllung, die anschließend in der Praxis in den Zahn eingesetzt wird. Direkt bedeutet: Ein Keramik-Inlay oder -Onlay wird in der Zahnarztpraxis mit Hilfe digitaler Technik und einer Fräsmaschine direkt gefertigt und anschließend eingesetzt.

Die Art der Füllung sowie des Materials hängen davon ab, welcher Zahn wie betroffen ist. Eine Behandlung der Kaufläche sieht unter Umständen ganz anders aus als eine des Zahnhalses. Auch die Größe des Schadens spielt eine entscheidende Rolle.

Ist der Zahn stark geschädigt, kann eine Teilkrone oder Krone notwendig sein. Dabei bleibt nur ein kleiner Rest des Zahns erhalten, der mit einer festen Hülle (der Krone) abgedeckt wird. Auch hierbei kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz (Keramik, Metall).

Ist die Karies bereits bis zum Zahnmark vorgedrungen und ist es zu einer ausgedehnten Entzündung gekommen, ist oftmals eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich. Dabei entfernt der Zahnarzt entzündetes Gewebe und bringt eine spezielle Füllung in die Wurzelkanäle ein. Anschließend wird der Defekt in der Krone mit der sogenannten Deckfüllung verschlossen.

Wenn der Schaden zu groß und die Erhaltung eventuell nicht sinnvoll ist, muss der Zahn entfernt werden. Ein Zahnersatz oder eine Brücke können eine solche Lücke später schließen.

Karies behandeln ohne Bohren

Entmineralisierte Stellen sind oft der Beginn von Karies, sie lassen sich anhand heller oder dunkler Verfärbungen der Zähne erkennen. Wenn die Karies noch ganz am Anfang ist und sich nur durch solche entmineralisierten Stellen im Zahnschmelz bemerkbar macht, kann das Auftragen von Fluoridlacken oder Fluoridgelen sie eventuell stoppen. Die Fluoride sorgen für eine Remineralisation und Härtung des Zahns.

Auch eine gute Mundhygiene mit fluoridhaltiger Zahnpasta sowie eine Umstellung der Ernährung sind in diesem Fall wichtig. Es kann helfen, weniger Zucker zu sich zu nehmen sowie Zwischenmahlzeiten zu reduzieren, damit die Zähne nicht ständigen Säureangriffen durch weiterverarbeitete Nahrung ausgesetzt sind.

Eine weitere Maßnahme zur Vorbeugung ist die Versiegelung von Fissuren. Kleine Furchen und Spalten (Fissuren) werden dabei mit einem Kunststoff verschlossen. Wichtig ist es, eine Fissurenversiegelung regelmäßig kontrollieren zu lassen. Nur wenn sie unbeschädigt ist, kann sie den Zahn entsprechend schützen.

Es gibt auch die Möglichkeit, Karies mit Hilfe eines Lasers zu entfernen. Studien deuten darauf hin, dass eine Laserbehandlung weniger schmerzhaft und angenehmer sein kann als die Behandlung mit einem Bohrer. Allerdings liegen noch nicht genügend Untersuchungen und Daten vor, um die Laserbehandlung tatsächlich anstelle einer Behandlung mit dem Bohrer empfehlen zu können.

Kassenleistungen bei Karies

Die Barmer unterstützt Sie, Ihre Zähne regelmäßig beim Zahnarzt kontrollieren zu lassen. Zwei Untersuchungen im Jahr sind für Barmer-Versicherte kostenfrei. Treten dennoch Schäden auf, so ist auch die Behandlung und die Versorgung mit einer Füllung in der Regel durch die Krankenversicherung komplett abgedeckt.

Um regelmäßige Besuche beim Zahnarzt zu unterstützen, bietet die Barmer ein Zahn-Bonusprogramm an.

Auch bei Kindern fördert die Barmer die Vorsorge, weil sie gerade hier besonders wichtig ist. Der Barmer Zahnreport 2020 zeigte, dass bereits die Hälfte aller Zehnjährigen mindesten schon eine Kariesbehandlung hatte. Diese Zahl zu senken und Kinder und Jugendliche möglichst gut vor Karies zu schützen, ist ein wichtiges gesellschaftliches Ziel.

Karies vorbeugen

Mundhygiene und Ernährung sind die wichtigsten Faktoren, um die Zähne vor Karies zu schützen. Essen und Getränke sollten möglichst wenig Zucker enthalten. So ist es beispielsweise besser, Kindern Wasser zu trinken zu geben statt Saftschorlen. Denn Säfte enthalten immer Fruchtzucker. Auch viele Fertigtees sind zuckerhaltig.

Beim Essen ist es wichtig, den Zähnen eine Pause zu gönnen. Jedes Mal, wenn Nahrung im Mund verarbeitet wird, entsteht Säure als „Abfallprodukt“. Wenn wir ständig essen, führt das zu andauernden Säureattacken auf die Zähne. Auf zwischendurch Naschen und Knabbern sollten wir den Zähnen zuliebe also besser verzichten.

Um die Zähne vor Belägen und Entmineralisation zu schützen, ist das Zähneputzen immens wichtig – mindestens zwei Mal am Tag und am besten nach den Mahlzeiten. Sinnvoll ist es, fluoridhaltige Zahnpasta zu benutzen. Bei kleinen Kindern sollte die Anwendung und Konzentration von Fluoriden sorgfältig abgewogen werden. Eltern können sich in dieser Frage von Kinder- oder Zahnärzten beraten lassen.

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Webcode: a006576 Letzte Aktualisierung: 10.06.2021
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