Eine junge Frau steht vor dem Spiegel und begutachtet kritisch ihre Zähne.
Zahngesundheit

Wurzelbehandlung: Wie sie abläuft und warum sie den Zahn retten kann

Lesedauer weniger als 7 Min
Redaktion:
Katja Matthias (Medical Writer, TAKEPART Media + Science GmbH)
Qualitätssicherung:
Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Wurzelbehandlung klingt für viele erst mal nach Schmerz. Dabei ist sie oft genau das Gegenteil: Sie soll starke Zahnschmerzen lindern, eine Entzündung stoppen und den eigenen Zahn erhalten. Denn wenn sich das Zahninnere entzündet hat, ist die Alternative häufig, den Zahn zu ziehen. Eine Wurzelbehandlung wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Während der Behandlung solltest du keine Schmerzen spüren. Oft sind die Schmerzen durch die Entzündung selbst stärker als die Behandlung.

Was ist eine Wurzelbehandlung?

Eine Wurzelbehandlung ist eine zahnärztliche Behandlung, mit der ein entzündeter oder abgestorbener Zahn erhalten werden soll. Im Inneren des Zahns befindet sich das Zahnmark. Es besteht aus Nerven, Blutgefäßen und Bindegewebe. Wenn Bakterien dort eindringen, kann sich das Zahnmark entzünden oder absterben. Bei einer Wurzelbehandlung wird dieses entzündete oder abgestorbene Gewebe entfernt. Danach werden die Wurzelkanäle gereinigt, desinfiziert und dicht gefüllt. Das Ziel: Der Zahn soll im Mund bleiben und weiter funktionieren.

Warum wird eine Wurzelbehandlung gemacht?

Eine Wurzelbehandlung wird nötig, wenn das Zahninnere entzündet oder abgestorben ist. Das kann passieren, wenn Bakterien bis ins Zahnmark gelangen, zum Beispiel durch tiefe Karies oder nach einem Unfall.

Typische Gründe sind:

  • unbehandelte Karies
  • eine Entzündung im Zahninneren
  • abgestorbenes Zahnmark
  • Verletzungen des Zahns
  • Bakterien, die bis in die Wurzelkanäle vorgedrungen sind

Ohne Behandlung kann sich die Entzündung weiter ausbreiten, auch über die Zahnwurzel hinaus bis in den Kieferknochen. Dann können starke Schmerzen, Schwellungen oder weitere Beschwerden entstehen.

Wann ist eine Wurzelbehandlung nötig?

Eine Wurzelbehandlung kann infrage kommen, wenn der Zahn stark entzündet ist, aber noch erhalten werden kann.

Hinweise können sein:

  • starke Zahnschmerzen
  • Schmerzen beim Kauen
  • Empfindlichkeit auf Wärme oder Kälte
  • pochender Schmerz
  • Schwellung im Bereich des Zahns
  • eine „dicke Backe“
  • Fieber
  • ein abgestorbener Zahn
  • eine Entzündung, die bei einer Untersuchung entdeckt wird

Manchmal verursacht ein entzündeter oder abgestorbener Zahn auch keine starken Schmerzen. Deshalb bleiben zahnärztliche Kontrollen wichtig.

Ist eine Wurzelbehandlung schmerzhaft?

Viele Menschen haben genau davor Angst. Die gute Nachricht: Vor der Behandlung wird der Zahn örtlich betäubt. Dadurch sollten Patientinnen und Patienten während der Wurzelbehandlung keine Schmerzen spüren. Die Schmerzen, die durch die Entzündung im Zahn entstehen, sind meist stärker als die Behandlung selbst. Viele empfinden die Wurzelbehandlung deshalb als entlastend. Nach der Behandlung kann der Zahn noch empfindlich sein. Das sollte aber abklingen. Wenn Schmerzen anhalten oder stärker werden, sollte die Zahnarztpraxis informiert werden.

Wie läuft eine Wurzelbehandlung ab?

Eine Wurzelbehandlung läuft in mehreren Schritten ab. Je nach Zahn und Entzündung kann sie einen oder mehrere Termine erfordern.

Schritt 1: Der Zahn wird betäubt

Zuerst erhält die Patientin oder der Patient eine örtliche Betäubung. Das ist wichtig, damit die Behandlung möglichst schmerzfrei ablaufen kann.

Schritt 2: Der Zahn wird geschützt

Häufig wird ein sogenannter Kofferdam verwendet. Das ist ein Spanngummi, der den Zahn vom restlichen Mundraum trennt. So bleibt der Behandlungsbereich trockener und besser geschützt.

Schritt 3: Der Zahn wird geöffnet

Die Zahnärztin oder der Zahnarzt öffnet den Zahn, um an das Zahninnere und die Wurzelkanäle zu gelangen. Dadurch wird der Zugang zum entzündeten oder abgestorbenen Zahnmark geschaffen.

Schritt 4: Die Wurzelkanäle werden gesucht und vermessen

Wurzelkanäle können sehr fein und verzweigt sein. Deshalb werden sie genau gesucht und vermessen. Diese genaue Planung ist wichtig, damit die Kanäle möglichst vollständig gereinigt und später dicht gefüllt werden können.

Schritt 5: Entzündetes Gewebe wird entfernt

Das entzündete oder abgestorbene Zahnmark wird aus dem Zahninneren und den Wurzelkanälen entfernt. Damit wird die Ursache der Entzündung behandelt.

Schritt 6: Die Kanäle werden gereinigt und desinfiziert

Nach dem Entfernen des Gewebes werden die Wurzelkanäle gereinigt und desinfiziert. Denn Bakterien sollen möglichst vollständig entfernt werden.

Schritt 7: Die Wurzelkanäle werden gefüllt

Anschließend wird das Wurzelkanalsystem dicht gefüllt. So soll verhindert werden, dass erneut Bakterien eindringen und wieder eine Entzündung entsteht.

Schritt 8: Der Zahn wird verschlossen

Je nach Situation wird der Zahn zunächst provisorisch oder direkt dauerhaft verschlossen. Wenn mehrere Termine nötig sind, kann zwischenzeitlich ein provisorischer Verschluss eingesetzt werden.

Schritt 9: Der Zahn wird wieder aufgebaut

Nach der eigentlichen Wurzelbehandlung muss der Zahn stabil versorgt werden. Je nach Zustand kann das geschehen mit:

  • Kunststoff
  • Teilkrone
  • Krone

Welche Versorgung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark der Zahn geschädigt ist.

Kleine BARMER-Infotafel zum Thema: Zahnwurzel

Infografik: Aufbau des Zahns mit Zahnwurzel

Wie lange dauert eine Wurzelbehandlung?

Ein Termin dauert in der Regel etwa eine Stunde. Meist sind mindestens zwei Termine nötig. Das hängt davon ab, wie viele Wurzelkanäle behandelt werden müssen, wie stark die Entzündung ist und wie aufwendig die Reinigung und Desinfektion ausfällt. Gerade Backenzähne können mehrere Wurzelkanäle haben. Deshalb kann die Behandlung dort komplexer sein.

Kann ich nach einer Wurzelbehandlung wieder arbeiten?

Nach einer Wurzelbehandlung können viele Menschen ihren Alltag meist fortsetzen. Trotzdem sollte man starke körperliche Anstrengung zunächst vermeiden. Der Zahn und das umliegende Gewebe brauchen Zeit, sich zu beruhigen. Kontrolltermine sollten wahrgenommen werden. So kann geprüft werden, ob die Behandlung erfolgreich war und ob der Zahn weiter stabil versorgt werden muss.

Was muss ich nach der Wurzelbehandlung beachten?

Nach der Behandlung ist wichtig:

  • den behandelten Zahn zunächst nicht übermäßig belasten
  • starke körperliche Anstrengung vermeiden
  • Kontrolltermine einhalten
  • bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen die Praxis kontaktieren
  • auf gute Mundhygiene achten
  • klären, ob der Zahn eine Füllung, Teilkrone oder Krone braucht

Ein wurzelbehandelter Zahn kann langfristig erhalten bleiben. Dafür muss er aber stabil aufgebaut und regelmäßig kontrolliert werden.

Warum braucht ein wurzelbehandelter Zahn manchmal eine Krone?

Nach einer Wurzelbehandlung ist der Zahn oft bereits stärker geschädigt, zum Beispiel durch tiefe Karies oder durch die Öffnung während der Behandlung. Je nachdem, wie viel Zahnsubstanz noch vorhanden ist, reicht eine einfache Füllung nicht immer aus.

Dann kann eine Teilkrone oder Krone nötig sein, um den Zahn zu stabilisieren und vor Bruch zu schützen.

Kann eine Wurzelbehandlung wiederholt werden?

Ja. Wenn die Entzündung bestehen bleibt oder später erneut auftritt, kann eine Wurzelbehandlung wiederholt werden. Diese Wiederholung nennt man Revision. Eine Revision ist meist aufwändiger als die erste Behandlung. Denn die alte Wurzelfüllung muss entfernt werden, bevor die Kanäle erneut gereinigt, desinfiziert und gefüllt werden können.

Was ist eine Wurzelspitzenresektion?

Wenn eine Wurzelbehandlung oder Revision nicht ausreicht, kann eine Wurzelspitzenresektion infrage kommen. Dabei wird die Wurzelspitze chirurgisch entfernt.

Das Ziel ist auch hier: die Entzündung zu behandeln und den Zahn möglichst zu erhalten. Ob eine Wurzelspitzenresektion sinnvoll ist, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt anhand der individuellen Situation.

Kann ein toter Zahn schmerzen?

Ja, ein toter Zahn kann Beschwerden verursachen. Der Zahn selbst enthält dann kein lebendes Zahnmark mehr. Schmerzen können aber im umliegenden Gewebe entstehen, wenn sich eine Entzündung an der Wurzel oder im Kieferknochen ausbreitet.

Ein abgestorbener Zahn sollte deshalb behandelt werden. Auch wenn Schmerzen nachlassen, ist das nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass alles gut ist.

Was passiert, wenn eine Wurzelentzündung nicht behandelt wird?

Eine unbehandelte Entzündung im Zahninneren kann sich ausbreiten. Möglich ist, dass die Entzündung:

  • über die Zahnwurzel hinausgeht
  • den Kieferknochen erreicht
  • Schwellungen verursacht
  • starke Schmerzen auslöst
  • weitere Bereiche des Körpers belastet

Deshalb sollte eine Entzündung im Zahninneren nicht ignoriert werden.

Häufige Fragen zur Wurzelbehandlung

Eine Wurzelbehandlung soll einen entzündeten oder abgestorbenen Zahn erhalten. Dabei wird das entzündete oder abgestorbene Zahnmark entfernt, die Wurzelkanäle werden gereinigt, desinfiziert und dicht gefüllt.
Sie kann nötig werden, wenn Bakterien bis ins Zahninnere vorgedrungen sind und das Zahnmark entzündet oder abgestorben ist.
Während der Behandlung sollten Patientinnen und Patienten durch die örtliche Betäubung keine Schmerzen spüren. Häufig sind die Schmerzen durch die Entzündung stärker als die Behandlung.
Der Zahn wird betäubt, geöffnet, die Wurzelkanäle werden vermessen, gereinigt, desinfiziert und gefüllt. Danach wird der Zahn provisorisch oder dauerhaft verschlossen und später stabil aufgebaut.
Ein Termin dauert in der Regel etwa eine Stunde. Meist sind mindestens zwei Termine nötig.
Viele Menschen können ihren Alltag danach meist fortsetzen. Starke körperliche Anstrengung sollte zunächst vermieden werden.
Ja. Wenn eine Entzündung bestehen bleibt oder wieder auftritt, kann eine Revision durchgeführt werden. Dabei wird die alte Wurzelfüllung entfernt und der Kanal erneut behandelt.

Literatur und weiterführende Informationen

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