Wie reagiert der Körper auf Zuckerentzug?
Nach einigen Tagen der zuckerfreien Ernährung stabilisiert sich der Blutzuckerspiegel. Spätestens dann fühlen Sie sich energiegeladener. Allerdings meldet der Körper immer mal wieder Süßhunger, dem schwer zu widerstehen ist.
Ein Stück zuckerarmes Obst kann in solchen Fällen helfen. Nach vier Wochen erfahren einige Menschen, die Hautprobleme hatten, eine deutliche Besserung. Und bei vielen, die zuckerfrei leben und sich generell gesünder ernähren, purzeln auch die Pfunde. Der Blutdruck kann sich stabilisieren, und bei einigen Menschen macht sich ein anderes Geschmacksempfinden bemerkbar.
Allerdings kann es mehrere Monate dauern, bis Ihnen der Zucker wirklich gar nicht mehr fehlt. Diesen Vorteil bietet eine kurze zuckerfreie Diät nicht. Der große Vorteil: Sie haben dann kein Naschbedürfnis mehr, weil Ihnen Süßes schlicht zu süß ist. Der Körper profitiert auch von dieser Form der Ernährung, denn das Risiko für Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt sehr deutlich.
Wie startet man eine zuckerfreie Ernährung?
Das Ziel, sich eine gesunde, zuckerfreie Ernährung zur Gewohnheit zu machen, ist groß und herausfordernd. Einfacher wird es, wenn Sie es in kleine Schritte aufteilen. Ein paar Tipps:
- Verzichten Sie auf Fertig- und stark verarbeitete Produkte. Versuchen Sie, so oft wie möglich selbst zu kochen. Dann wissen Sie genau, was im Essen drinsteckt und meiden versteckte Zucker. Probieren Sie ein paar gesunde Rezepte und was Ihnen schmeckt durch.
- Ernähren Sie sich ausgewogen, vollwertig und genussvoll und greifen Sie, falls zwischendurch mal Hunger kommt, zu ein paar Nüssen, einem kleinen Stück zuckerarmen Obst oder einer Karotte.
- Auch Süßigkeiten sollten Sie aus der Küche entfernen. Das gilt auch für Light-Produkte.
- Wenn Sie Ihren Kaffee bisher gerne mit Zucker gesüßt haben, probieren Sie doch mal aus, ob er Ihnen auch mit einem Schuss Mandel- oder Hafermilch schmeckt. Diese Pflanzendrinks haben von Natur aus einen leicht süßlichen Geschmack.
- Lassen Sie Fruchtsäfte und andere gesüßte Getränke weg. Stilles Wasser ist am besten, Sie können es mit etwas Zitronensaft aufpeppen. Auch Kräutertees sind eine gute Wahl.
- Bevorzugen Sie Obstsorten, die wenig Zucker enthalten. Dazu gehören Wassermelone, Grapefruit, Beeren, Aprikose, Orange, Pfirsich und Pflaume.
- Wenn Sie bisher abends nach der Arbeit gern Schokolade oder eine andere Süßigkeit gegessen haben, dann suchen Sie sich eine andere (zuckerfeie) Möglichkeit, sich etwas Gutes zu tun (Badewanne, ein heißer Tee, ein Spaziergang, Meditieren...).
- Halten Sie durch. Es gibt immer wieder Verlockungen und Ablenkungen. Nach ein paar Monaten werden sie Ihnen nichts mehr ausmachen, aber zumindest am Anfang ist es sinnvoll, um Geschäfte oder Cafés, die Süßes in der Auslage haben, einen Bogen zu machen.
Wie fühlt es sich an, zuckerfrei zu leben?
Am Anfang ist das zuckerfreie Leben ungewohnt: Was genau kann überhaupt gegessen werden? An den ersten Tagen fehlt Ihnen womöglich erst einmal die Energie und Sie haben mehr Hunger als üblich. Ist das vielleicht schon Heißhunger auf Süßes? Hier kann es helfen, viel zu trinken und durchzuhalten. Denn zum Beginn einer zuckerfreien Ernährung spürt der Körper die Veränderungen, die mit der Umstellung zusammenhängen. Was passiert hier genau?
Nach einigen Tagen stabilisiert sich der Blutzuckerspiegel, was man daran spürt, dass die Heißhungerattacken verschwinden. Aber es dauert einige Zeit, bis sich die Effekte des Zuckerentzugs nicht mehr so deutlich bemerkbar machen. Das macht das Durchhalten zur Herausforderung, denn Zucker wirkt direkt auf unser Belohnungssystem. Und dennoch:
Eine zuckerfreie Ernährung verspricht nicht nur mehr Gesundheit, sondern ein ganz neues Lebensgefühl. Weiter unten geben wir Ihnen Tipps, wie Ihnen der Einstieg gelingen kann.
Zucker, das süße Gift?
Wenn die Ernährung ohne ihn gesund ist, warum essen wir dann überhaupt Zucker? Sein süßer Geschmack ist der Grund dafür, warum Zucker so beliebt ist.
Denn die Vorliebe für Süßes ist angeboren. Für unsere Vorfahren in der Urzeit war der süße Geschmack ein wichtiges Signal dafür, dass ein Lebensmittel reich an wertvollen Kalorien war – und das war damals lebenswichtig. Bis heute verbinden die Menschen mit „süß“ etwas Positives, unser Gehirn ist entsprechend programmiert.
Aber warum steht Zucker so in der Kritik? Zucker an sich ist ja nicht ungesund. Es geht vor allem darum, die Menge an freien Zuckern zu reduzieren. Denn: Wenn wir mehr Zucker zuführen als verbrauchen speichert unser Körper diese überschüssige Energie in Form von Fett. Außerdem steigt der Insulinspiegel, wenn schnell verwertbarer Zucker gegessen wird.
Wenn wir viel und häufig Zucker essen, kann der Spiegel dauerhaft erhöht bleiben. Und das kann irgendwann zu einer Insulinresistenz und in der Folge zu Diabetes Typ 2, Herzerkrankungen, Schlaganfällen und anderen Krankheiten führen. Auch für die Zähne ist Zucker schädlich, vor allem wenn sie dauerhaft mit süßen Getränken oder Bonbons in Kontakt kommen.
Wieso lieben wir Süßes?
Für unsere Vorfahren in der Urzeit war das Geschmacksempfinden lebenswichtig. Nur so konnten sie feststellen, ob ein Nahrungsmittel giftig oder ungenießbar war. Süß signalisierte, dass es reich an Nährstoffen war. Es gibt fünf Geschmacksrichtungen: süß, sauer, bitter, salzig und umami. Für den süßen Geschmack ist vor allem Zucker (inklusive Frucht- und Milchzucker) verantwortlich.
Wie wirkt Zucker in unserem Körper?
Zucker ist Energie, die unser Körper benötigt, um seine Funktionen aufrechterhalten können. Unser Organismus ist deshalb in der Lage, aus allen Nahrungsmitteln Zucker aufzuspalten. Er muss ihn nicht direkt aufnehmen, sondern gewinnt ihn vor allem aus Lebensmitteln mit vielen Kohlenhydraten. Am günstigsten sind komplexe Kohlenhydrate.
Zucker gibt es in natürlicher Form (die schon erwähnten Frucht- und Milchzucker), aber auch künstlich hergestellt (Süßstoffe). Viele Lebensmittel aus dem Supermarkt, vor allem Fertiggerichte, enthalten oft viel zugesetzten (versteckten) Zucker.
Welche Arten von Zucker gibt es?
Zucker wird im Körper verwertet und liefert neben Fetten die Energie für den „Betrieb“. Hierbei gibt es mehrere Arten von Zuckern. Wer ein Gebäckteilchen isst, nimmt viel Saccarose auf. Diese ist ein natürlicher Zucker.
Die beiden wichtigsten Rohstoffe, das tropische Zuckerrohr oder die heimische Zuckerrübe, bestehen hauptsächlich aus Saccharose. Das ist ein sogenannter Zweifachzucker, der aus den beiden Einfachzuckern Glukose und Fruktose besteht. Saccharose ist auch als „Haushaltszucker“ bekannt. Der Körper kann Einfach- und Zweifachzucker gut verwerten, sie liefern ihm deshalb schnelle Energie.
Das Thema Zucker in der Ernährung, und wie gesund oder ungesund er ist, ist breit gestreut. Es gibt unterschiedliche Zuckersorten. Hinzu kommen Süßstoffe und Alternativen wie Stevia, Kokosblütenzucker, Xylit oder Erythrit. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?
Rohrzucker
Entsteht aus Zuckerrohr. Man unterscheidet zwischen Voll-, Roh- und Rohrzucker. Vollrohrzucker ist die erste Stufe der Herstellung, bei der der Saft getrocknet und gemahlen wird. Er enthält noch Melasse und damit einige wenige Mineralien und Nährstoffe.
Er ist braun und schmeckt leicht malzig. Beim Weiterverarbeiten entstehen erst Rohzucker (einmal raffiniert, hellbraun, auch als brauner Zucker im Handel) und dann Rohrzucker (mehrfach gemahlen, weiß).
Rübenzucker
Wird aus Zuckerrüben hergestellt und wird als typischer weißer Zucker verkauft.
Süßstoffe
Zu den bekanntesten gehören Acesulfam, Aspartam, Cyclamat und Saccharin. Oft finden sie sich als E-Nummern auf Lebensmitteln (Aspartam: E951, Acesulfam K: E: 950, Cyclamat: E 952, Saccharin: E 954). Sie sind kalorienärmer als Zucker.
Stevia
Das Süßungsmittel (E960) ist beliebt, aber auch umstritten, weil die Pflanze stark bearbeitet und oft mit anderen Stoffen ergänzt wird.
Kokosblütenzucker
Er wird aus dem Nektar von Kokosblüten hergestellt. Zwar enthält er mehr Mikronährstoffe als normaler Zucker, aber die Menge ist sehr gering. Er enthält fast ebenso viele Kalorien wie Haushaltszucker.
Xylit und Erythrit
Xylit ist kalorienärmer als Zucker; er wird aus Birkenholz oder Mais hergestellt und kann leicht abführend wirken. Erythrit kommt in unterschiedlichen Obstsorten natürlich vor, man stellt ihn aber meist her, indem Mais vergoren wird. Er ist sehr kalorienarm und süßt etwa so gut wie Glucose.
Sorbit
Es wird zum Süßen verwendet, es entsteht aus Mais- oder Weizenstärke, ist kalorienarm, süßt aber auch weniger als Haushaltszucker.
Süßungsmittel sind laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA in den üblichen Mengen unbedenklich und sicher. Zu einigen Hinweisen aus wissenschaftlichen Studien, dass Süßstoffe möglicherweise die Darmbakterien verändern und Übergewicht und Diabetes Typ 2 auslösen können, muss weiter geforscht werden.