Unfälle und Verletzungen

Verbrennung, Quetschung, Schnittwunde: Was zu tun ist und wann Sie einen Arzt brauchen

Lesedauer unter 19 Minuten
Zwei junge Männer zünden im Hof einen Grill an

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Erinnern Sie sich, wann Sie zuletzt Erste Hilfe geleistet haben? Eine Wunde gereinigt, ein Pflaster aufgeklebt, eine Verbrennung gekühlt? Viele kleinere Unfälle und Verletzungen können Sie selbst behandeln – wenn Sie wissen, wie das geht. Lesen Sie, wie Sie bei Blutungen, Verbrühungen und Kopfverletzungen reagieren sollten, was bei Bewusstlosigkeit zu tun ist und wann Verletzte doch einen Arzt brauchen. 

Im Straßenverkehr, in der Freizeit oder im eigenen Heim: Ein Unfall passiert jedem mal. 1,8 Millionen Erwachsene stürzen in Deutschland beispielsweise jedes Jahr so schwer, dass ein Arzt die Blessuren behandeln muss. Fast jeder dritte Unfall ereignet sich zu Hause, zwei Drittel der Unglücke betrifft Männer.

Zu den häufigen Notfällen, die sich im Haushalt und in der Freizeit ereignen, gehören: Allergischer Schock, Bewusstlosigkeit, Blutungen und Schnittwunden, Knochenbrüche, Kopfverletzungen und Gehirnerschütterung, Quetschungen, Rücken- und Wirbelsäulenverletzungen, Sonnenstich und Hitzschlag, Unterkühlungen und Erfrierungen, Verbrennungen und Verbrühungen, Vergiftungen. Bei vielen dieser Unglücke können sich Betroffene selbst helfen oder von Angehörigen verarzten lassen. Manchmal jedoch ist ein Arztbesuch erforderlich oder jemand muss den Rettungsdienst rufen. Lesen Sie, an welchen Symptomen Sie welche Verletzung erkennen, was im Fall der Fälle jeweils zu tun ist und wie Sie fürs nächste Mal vorbeugen.

Allergischer Schock

Ein "anaphylaktischer Schock" ist eine Überreaktion des Körpers auf ein Allergen. Das kann ein Insektengift, etwa von einem Bienenstich, ein Medikament oder ein Nahrungsmittel sein – ein Klassiker ist hier die Erdnuss. Die allergische Reaktion verläuft bei Betroffenen dann so heftig, dass es zum Kreislauf- und Atemstillstand kommen kann.

Allergischen Schock erkennen

Ein allergischer Schock unterscheidet sich von einer einfachen allergischen Reaktion dadurch, dass die Allergie nicht auf die Kontaktstelle (beispielsweise Einstichstelle bei Insektenstichen, Mundschleimhaut bei Nahrungsmittelallergien) beschränkt ist, sondern sich auf weitere Körperregionen ausbreitet. Die Schleimhaut schwillt an und rötet sich, ebenso die Haut, auf der sich manchmal zusätzlich Quaddeln bilden. Dazu können Übelkeit, Erbrechen, Heiserkeit, Atemnot und Bauchweh kommen. Die wichtigsten Anzeichen einer Schockreaktion sind Schwindel, Kreislaufkollaps, Stuhlabgang und Bewusstlosigkeit, anschließend droht der Kreislaufstillstand. 

Allergischen Schock behandeln

Manchmal kennen Betroffene die Situation schon. Fragen Sie deshalb zuerst nach einem Notfallset, falls der Patient noch ansprechbar ist. Rufen Sie sofort den Rettungsdienst (112), denn auch nach Einnahme der Notfallmedikamente muss der Patient weiter ärztlich beobachtet werden. Ist die Person ansprechbar und Atemnot das Hauptsymptom, sollte sie sich hinsetzen und mit den Armen nach hinten abstützen. Bei Schwindel ist Liegen besser – am besten mit hochgelagerten Beinen. Wenn die Person dagegen bewusstlos ist, aber noch atmet, legen Sie sie in die stabile Seitenlage, bis der Notarzt eintrifft. Kontrollieren Sie dabei immer wieder die Atmung: Setzt sie aus, müssen Sie mit der Wiederbelebung (siehe Infobox unten) beginnen.

Allergischem Schock vorbeugen

Wer schon einmal eine starke allergische Reaktion hatte, bekommt vom Arzt ein Notfallset, das bei einem allergischen Schock Leben retten kann. Es enthält ein Antihistaminikum, Kortison, eine Adrenalinspritze und ein Spray gegen Luftnot und optimalerweise eine Beschreibung für Dritte, wie die Medikamente im Notfall anzuwenden sind. Betroffene müssen bekannte Allergene strikt meiden. Das gilt etwa für Nussallergiker, wenn auf Verpackungen von Lebensmitteln steht: "Kann Spuren von Erdnüssen enthalten."

Bewusstlosigkeit

Sinkt der Blutdruck stark ab und kann das Herz-Kreislauf-System nicht schnell genug gegensteuern, gelangt nicht mehr genügend Sauerstoff ins Gehirn und der Mensch wird bewusstlos. Oft ist die Ursache harmlos – beispielsweise kann zu niedriger Blutdruck der Grund sein. Es können aber auch ernstzunehmende Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder ein Herzinfarkt dahinterstecken.

Bewusstlosigkeit erkennen

Wer bewusstlos wird, sackt plötzlich in sich zusammen. Oft bleiben die Augen offen oder verdrehen sich nach oben, Die Muskelspannung lässt schlagartig nach, die Atmung funktioniert aber noch. Manchmal kommt es zu unkontrollierten Muskelzuckungen.

Bewusstlosigkeit behandeln

Legen Sie die ohnmächtige Person auf den Rücken und lagern Sie ihre Beine hoch. Oft kommen Betroffene dann schon wieder zu sich. Passiert das nicht, alarmieren Sie den Rettungsdienst und kontrollieren Sie die Atmung. Hat sie ausgesetzt, sollten Sie umgehend mit der Wiederbelebung beginnen (siehe Infobox unten). Betroffene, die noch atmen, aber nicht wieder zu sich kommen, sind in die stabile Seitenlage zu bringen, bis der Notarzt eintrifft. Auch wer nach einer Ohnmacht schnell selbst wieder bei Bewusstsein ist, sollte danach vorsichtshalber seinen Hausarzt aufsuchen und ihm die Situation schildern, um eine mögliche Ursache für die Bewusstlosigkeit finden zu können.

Bewusstlosigkeit vorbeugen

Oft merken Betroffene schon vorher, dass ihnen "schwarz vor Augen" wird. Schaffen sie es dann, sich hinzusetzen oder hinzulegen, können sie eine Bewusstlosigkeit meist verhindern. Weitere Warnzeichen sind Schwindel, kalter Schweiß, Blässe, Herzklopfen und Ohrensausen. Sind Herzrhythmusstörungen der Grund für die Bewusstlosigkeit, tritt der Kollaps allerdings ohne Vorwarnung auf. Dann muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Blutungen und Schnittwunden

Ein Schlag auf die Nase bei einem Zusammenstoß, ein versehentlicher Schnitt mit dem Küchenmesser, ein scharfkantiger Glassplitter: Zu einer Blutung kommt es, wenn Blutgefäße verletzt werden. In einfachen Fällen sind das die Blutgefäße von Haut oder Schleimhaut. Bei schwereren Verletzungen können aber auch größere Blutgefäße, die beispielsweise zwischen Muskeln oder an Gelenken verlaufen, beschädigt werden.

Blutungen und Schnittwunden erkennen

Je tiefer die Wunde, desto stärker ist die Blutung meist. Je nachdem, wo es blutet und um was für eine Wunde es sich handelt, ist die Verletzung mehr oder weniger gefährlich. So sind Schürfwunden meist oberflächlich, während Schnittwunden tief ins Gewebe reichen können. Platzwunden am Kopf sind meist gefährlicher als Kratzwunden am Arm. Und sind Hauptschlagadern verletzt, besteht Lebensgefahr. Mehr als ein Liter Blutverlust gilt für Erwachsene als kritisch, Kinder sind aufgrund ihres geringeren Blutvolumens schon bei kleineren Mengen in Lebensgefahr.

Blutungen und Schnittwunden behandeln

Um den Blutverlust in Grenzen zu halten, ist die Blutung schnellstmöglich zu stoppen. Meist gelingt das durch Druck von außen, etwa mithilfe eines Druckverbands oder mit sterilen Mullkompressen, die auf die Wunde gepresst werden können. Befindet sich die Wunde an der Hand, sollten Betroffene diese hochhalten, um den Blutdruck lokal zu senken – das gilt auch, wenn andere Körperteile betroffen sind. Bei starken Blutungen muss der Notruf (112) gewählt werden. Blutet es aus der Nase, hilft es, den Kopf leicht vornüber zu beugen, die Stirn in die Hände zu stützen und einen kalten Umschlag in den Nacken zu legen. Das Blut soll aus der Nase laufen dürfen. Verschlucktes Blut kann Übelkeit verursachen. Tiefe Schnitt-, Platz- oder Reißwunden müssen Ärzte nähen, um die Blutung zu stoppen und eine allzu große Narbe zu verhindern.

Blutungen und Schnittwunden vorbeugen

Bewahren Sie Messer, andere scharfe Küchengeräte und spitze Gegenstände außerhalb der Reichweite von Kindern auf. Auch Erwachsene sollten mit Messern stets vorsichtig umgehen. Häufiges Nasenbluten sollte ein Arzt abklären.

Knochenbrüche

Zu Knochenbrüchen kommt es schnell: Beispielsweise am Handgelenk, weil man sich bei einem Sturz abzustützen versucht, oder am Sprunggelenk, wenn man auf der Treppe umknickt.

Knochenbrüche erkennen

Als Laie kann man einen Knochenbruch (Fraktur) nicht eindeutig erkennen. Es sei denn, Körperteile sind in einer unnatürlichen Weise verdreht oder Knochenteile stechen durch die Haut – dann sprechen Ärzte von einem "offenen Bruch". Manchmal hören Betroffene, wenn der Knochen bricht. Knochenbrüche sind, wenn sie bewegt werden, mit großen Schmerzen verbunden und die betroffene Extremität ist nicht mehr belastbar. Der Bereich um die Fraktur schwillt schnell stark an, oft sind Blutergüsse zu sehen. Der Arzt erkennt im Röntgenbild, ob ein Knochen gebrochen ist.

Knochenbrüche behandeln

Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollte der verletzte Bereich gekühlt und ruhiggestellt werden, um die Schmerzen in Grenzen zu halten. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Damit der Knochen heilen und in der richtigen Position zusammenwachsen kann, stellt der Arzt ihn mit einem Gips oder einer speziellen Schiene ruhig. Nach sechs Wochen hat der Körper den Knochenbruch repariert. Falls Knochenteile nach einem Unfall nicht mehr in der korrekten Position stehen, muss ein Arzt sie bei einer Operation wieder richten und gegebenenfalls mit Platten und Schrauben fixieren, damit sie nicht "schief" zusammenwachsen. Bei offenen Brüchen besteht eine erhöhte Infektionsgefahr, die mit Antibiotika eingedämmt wird.

Knochenbrüchen vorbeugen

Regelmäßige Bewegung ist gut für die Knochengesundheit: Eine wiederkehrende Belastung, beispielsweise beim Sport, regt den Körper dazu an die Knochendichte zu erhöhen. Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst trägt zur Knochenstabilität bei. Rauchen dagegen schadet dem Knochenstoffwechsel. Frauen in den Wechseljahren sollten außerdem mit ihrem Arzt besprechen, ob sie zu Osteoporose neigen und was sie dagegen tun können.

Kopfverletzungen und Gehirnerschütterung

Stürzen Menschen auf den Kopf, kann das harmlos sein – oder aber lebensbedrohlich, je nachdem, wie schwer der Aufprall war. Es kann zu Beulen, Schürf- oder Platzwunden bis hin zu einer Hirnblutung kommen. Von einer Gehirnerschütterung sprechen Ärzte, wenn das Gehirn durch einen Sturz von innen gegen den Schädelknochen prallt, was zu vorübergehenden Störungen führen kann.

Kopfverletzungen und Gehirnerschütterung erkennen

Klagen Betroffene nach einem Sturz auf den Kopf über Übelkeit oder müssen sich Kinder nach so einem Unfall übergeben, so ist von einer Gehirnerschütterung auszugehen. Ein Arzt sollte dann entscheiden, ob ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist. Bei einer leichten Gehirnerschütterung reicht Bettruhe zuhause. Wenn Menschen nach einem Sturz auf den Kopf aus Nase und Ohren bluten, starke Schmerzen haben oder Fieber und Sprachstörungen hinzukommen, besteht die Gefahr einer Hirnblutung – das ist ein lebensgefährlicher Notfall, der dringend ärztlich behandelt werden muss.

Kopfverletzungen und Gehirnerschütterung behandeln

Offene Wunden am Kopf müssen gesäubert und desinfiziert werden, während der Betroffene bequem sitzt. Bei klaffenden Platzwunden und Blutungen, die nicht zu stoppen sind, muss ein Arzt die Wunde gegebenenfalls nähen oder klammern und ernstere Schäden ausschließen. Ein Arztbesuch ist ebenfalls angeraten, wenn der Gestürzte nach dem Unfall bewusstlos war, Übelkeit auftritt oder Kinder Stunden später plötzlich teilnahmslos werden oder sich übergeben müssen.

Kopfverletzungen und Gehirnerschütterung vorbeugen

Dass man bei einem Sturz auf den Kopf fällt, lässt sich manchmal nicht verhindern. Es lohnt sich aber, bei riskanteren Aktivitäten wie Fahrradfahren, Reiten oder Skifahren einen Helm zu tragen, um eventuelle Sturzfolgen in Grenzen zu halten.

Quetschungen

Quetschungen sind stumpfe Verletzungen, die beispielsweise passieren, wenn sich jemand die Finger in einer Tür einklemmt. Oft passiert das Kindern.

Quetschungen erkennen

Eine Quetschung verursacht starke Schmerzen, weil das Gewebe beschädigt wird. Oft schwillt der gequetschte Bereich stark an und verfärbt sich blau.

Quetschungen behandeln

Kühlung bringt zunächst Linderung – am besten durch kaltes Wasser oder ein Kühlkissen. Bei starken Quetschungen sollte ein Arzt untersuchen, ob nicht auch ein Knochenbruch vorliegt. Sind Fingernägel mit gequetscht, besteht die Gefahr, dass der Betroffene sie vorübergehend verliert oder eine Wachstumsstörung des Nagels zurückbleibt. Beim Auftreten einer Blutblase unter dem Nagel sollte ein Arzt den Nagel gegebenenfalls punktieren, um schmerzhaften Druck vom Nagelbett zu nehmen. Schmerzlindernde Salben und kühlende Gels wirken beruhigend auf Quetschungen. Ist ein Gelenk betroffen, kann es angenehm sein, es für eine Weile mit einem Stützverband ruhigzustellen.

Quetschungen vorbeugen

Quetschungen durch Unfälle lassen sich nur durch Achtsamkeit verhindern – beispielsweise an Türen, Schubladen und Fenstern. Eltern sollten ihren Kindern den richtigen Umgang mit Türen und Schubladen altersgemäß beibringen oder Schränke und Fenster kindersicher machen. Sind die Kleinen in der Nähe, sollten Erwachsene besonders aufmerksam beim Öffnen und Schließen von Türen, Fenstern und Schränken sein.

Rücken- und Wirbelsäulenverletzungen

Rückenverletzungen können entstehen, wenn Betroffene beispielsweise vom Fahrrad stürzen, die Treppe herunterrutschen oder im Garten von einer Leiter fallen. Weil Schäden an der Wirbelsäule schwerwiegende Folgen haben können, sollten solche Unfälle auf jeden Fall ernst genommen und ärztlich untersucht werden.

Rücken- und Wirbelsäulenverletzungen erkennen

Betroffene klagen nach einem Sturz über Schmerzen am Rücken, im Nacken oder am Gesäß. Manchmal kommen Taubheitsgefühle in Armen, Händen, Beinen oder Füßen hinzu.

Rücken- und Wirbelsäulenverletzungen behandeln

Besteht der Verdacht, dass die Wirbelsäule beschädigt ist, bewegen Sie die verletzte Person am besten nicht und rufen den Notarzt. Decken Sie den Verletzten zu, bleiben Sie bei ihm und beruhigen Sie ihn. Versuchen Sie nicht, den Verletzten selbst zu behandeln, denn dabei kann man viel falsch machen. Verletzungen der Wirbelsäule gehören deshalb unbedingt in die Hände von professionellen Helfern, beispielsweise Notärztin oder Notarzt und Rettungsdienst.

Rücken- und Wirbelsäulenverletzungen vorbeugen

Beim Sport lässt sich das Risiko von Rückenverletzungen durch Protektoren eindämmen: Viele Skifahrer, Reiter oder Mountainbiker tragen sie. Im Alltag kann das Risiko einer Wirbelsäulenverletzung durch gute körperliche Fitness und eine kräftige Muskulatur etwas verringert werden.

Sonnenstich und Hitzschlag

Halten sich Menschen zu lange und ohne Schutz in der Sonne auf, kann es zu einem Sonnenstich kommen. Wer obendrein zu wenig trinkt, riskiert einen Hitzschlag.

Sonnenstich und Hitzschlag erkennen

Kopfweh, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und ein roter Kopf sind die klassischen Symptome eines Sonnenstichs. Manchen wird schwindelig, in schweren Fällen verlieren Betroffene das Bewusstsein und bekommen Krämpfe. Bei einem Hitzschlag haben sie außerdem Fieber, Kopfschmerzen und einen hohen Puls. Sie klagen über Schwindel, manche sind orientierungslos und benommen. Für Laien ist es nicht einfach, Sonnenstich und Hitzschlag voneinander zu unterscheiden. Ein wichtiger Unterschied ist die Haut: Bei einem Hitzschlag ist sie auffällig heiß und trocken, Betroffene können nicht mehr schwitzen. Bei einem Sonnenstich fühlt sich die Haut eher feucht an.

Sonnenstich und Hitzschlag behandeln

Einen Sonnenstich und Hitzschlag zu behandeln ist wichtig – sonst droht ein lebensgefährliches Hirnödem. Bringen Sie die Betroffenen in den Schatten oder, noch besser, in einen kühlen, abgedunkelten Raum und geben Sie ihnen bei leicht hochgelagertem Oberkörper regelmäßig zu trinken. Die Getränke sollten nicht zu kalt sein. Kopf und Nacken sollten durch Kissen entlastet sein, bei einem Sonnenstich helfen kalte Umschläge im Nacken. Nasse Handtücher auf Armen, Beinen und Nacken kühlen den Körper herunter. Verliert die überhitzte Person das Bewusstsein, rufen Sie den Rettungsdienst (112) und bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage.

Sonnenstich und Hitzschlag vorbeugen

Halten Sie sich zur Mittagszeit bei hohen Temperaturen nur im Schatten oder in kühleren Innenräumen auf und tragen Sie in der Sonne einen Hut oder eine andere Kopfbedeckung. Sportler sollten bei Hitze nur morgens oder abends trainieren und dabei lockere Kleidung tragen. Bei hohen Außentemperaturen sollten Sie mindestens zwei bis drei Liter pro Tag trinken – und wer Sport macht, braucht noch mehr. 

Unterkühlung und Erfrierungen

Zur Unterkühlung und zu Erfrierungen kommt es, wenn Menschen mit zu wenig Schutz zu lange Zeit zu kalten Temperaturen ausgesetzt sind. Der Körper, der im Inneren auf eine gleichbleibende Temperatur von 37 Grad angewiesen ist, versucht zunächst, beispielsweise durch Muskelzittern gegenzuregulieren, um eine Unterkühlung zu verhindern. Gelingt das nicht mehr, reduziert er die Durchblutung von Händen, Füßen und Haut, um den Wärmeverlust über diese Flächen zu vermeiden und die lebenswichtigen Organe und das Gehirn weiterhin mit warmem Blut zu versorgen. Deshalb kommt es an Fingern, Zehen, Nasenspitze und Ohrläppchen als erstes zu Erfrierungen.

Unterkühlung und Erfrierungen erkennen

Eine Unterkühlung äußert sich zunächst in Muskelzittern, das der Körper veranlasst, um durch diese Muskelarbeit Wärme zu produzieren. Sinkt die Körpertemperatur trotzdem weiter, fühlt sich der Betroffene zunehmend schläfrig und wird teilnahmslos. Unterkühlte können bewusstlos werden – ab Temperaturen von unter 30 Grad im Körperinnern droht ein Kreislaufstillstand. Zu Erfrierungen kommt es häufig nach den ersten Unterkühlungsanzeichen. Erfrierungen ersten Grades sind oberflächliche Schäden der Haut, die folgenlos abheilen. Die betroffenen Areale sind zuerst blass, später blaurot gefärbt und schmerzen. Bei Erfrierungen zweiten Grades ist die Haut schwerer beschädigt, nicht aber das darunter liegende Gewebe. Es bilden sich schmerzhafte Blasen, sogenannte Frostbeulen. Bei Erfrierungen dritten Grades stirbt das Gewebe auch unter der Haut ab. Betroffene Finger und Zehen sind schwarzblau verfärbt und schmerzen nicht mehr – weil die Nerven bereits abgestorben sind. Wie stark die Erfrierungen wirklich sind, ist erst vier bis sechs Tage später abzuschätzen.

Unterkühlung und Erfrierungen behandeln

Bringen Sie eine ansprechbare unterkühlte Person möglichst an einen windstillen Ort mit normaler Zimmertemperatur, befreien Sie sie von nasser Kleidung und decken Sie sie zu. Wärmen Sie Unterkühlte jedoch nicht mit Heizquellen auf, massieren Sie sie nicht und öffnen Sie keine Blasen. Warme Getränke mit Zucker tun jetzt gut. Erfrierungen brauchen Körperwärme – keine anderen Wärmequellen wie Wärmflaschen oder gar ein heißes Bad. Das kann zu schweren Kreislaufproblemen führen. Ist eine unterkühlte Person bereits bewusstlos, darf sie bei der Bergung möglichst nicht oder nur wenig bewegt werden, weil sonst der sogenannte Bergungstod droht. Dabei handelt es sich um einen Kreislaufstillstand z.B. durch Unterkühlung des Herzkreislaufs mit kaltem Blut aus Armen und Beinen.
Erfrierungen sollte sich immer ein Arzt anschauen und gegebenenfalls behandeln.

Unterkühlung und Erfrierungen vorbeugen

Halten Sie sich im Winter nur mit angemessen warmer Kleidung draußen auf und tragen Sie Handschuhe sowie warme, feste Schuhe. Versuchen Sie, in Bewegung zu bleiben. Wenn Sie erste Anzeichen für eine Unterkühlung bemerken, wenn etwa Finger und Zehen taub werden, sollten Sie sich an einem windgeschützten Ort aufwärmen.

Verbrennungen und Verbrühungen

Eine heiße Herdplatte, der Grill im Garten oder Dampf aus dem Wasserkocher – die Gefahr, sich zu verbrennen oder zu verbrühen, ist im Haushalt groß. Bei beiden Verletzungen handelt es sich um Hautschäden, die durch zu hohe Temperaturen entstehen. "Verbrennt" man sich an Flüssigkeiten oder Dämpfen, handelt es sich um eine Verbrühung.

Verbrennungen und Verbrühungen erkennen

Wie bei Erfrierungen unterteilen Ärzte Verletzungen durch Hitze in verschiedene Schweregrade: Bei Verbrennungen ersten Grades ist die Haut gerötet und schmerzt. Bei Verbrennungen zweiten Grades bilden sich Blasen. Ist die Verletzung noch schwerer und dritten oder vierten Grades, sind die Wunden schmerzfrei und das Gewebe stirbt ab. Dabei erscheint die Haut entweder weiß und eingezogen oder das Gewebe ist verkohlt.

Verbrennungen und Verbrühungen behandeln

Kleidung auf verbrannter Haut ist schnellstmöglich, aber vorsichtig zu entfernen. Sind keine offenen Wunden zu sehen, sollten kleinere Verbrennungen sofort unter fließendem, nicht zu kaltem Leitungswasser gekühlt werden. Hausmittel, wie etwa Butter oder Mehl auf die verbrannte Stelle zu geben, sind veraltet und isolieren und verschmutzen die überhitzte Haut unnötig. Offene Wunden müssen keimfrei abgedeckt werden. Stechen Sie Blasen niemals auf, sondern kühlen Sie das Areal, das Blasen bildet, ebenfalls vorsichtig. Große Verbrennungsflächen sollten nicht gekühlt werden, weil dadurch die Gefahr der Unterkühlung besteht.

Verbrennungen und Verbrühungen vorbeugen

Verwenden Sie beim Grillen oder bei der Gartenarbeit keine Brandbeschleuniger. Befüllen Sie Wärmflaschen nicht mit kochendem, sondern nur mit warmem Wasser. Lassen Sie Kinder in der Nähe von Flammen oder Hitzequellen nicht unbeaufsichtigt und erklären Sie ihnen die Gefahren von Feuer. Essen oder trinken Sie nichts Heißes, wenn ein Kind auf Ihrem Schoß sitzt. Und: Stellen Sie Gefäße mit heißen Flüssigkeiten so hin, dass Kinder sie nicht erreichen können.

Vergiftungen

Pflanzen, Chemikalien, Medikamente, Drogen, Pilze – es gibt einige Möglichkeiten, sich zu vergiften. Oft sind Kinder betroffen, die versehentlich etwas herunterschlucken. Durch Einatmen oder Hautkontakt kann man sich ebenso schaden. Nicht alle Vergiftungen sind lebensgefährlich, manche können allerdings tödlich enden.

Vergiftungen erkennen

Bei einer Vergiftung können unterschiedliche Symptome auftreten – je nach Art und Dosis des Gifts. Es kommt etwa zu Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Kopfweh, Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Hitzewallungen, Blässe, Atemproblemen, Herzrasen oder einem verlangsamten Puls. Manchmal fließt Speichel oder es kommt zu Krampfanfällen, Lähmungen und Ausschlag.

Vergiftungen behandeln

Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollten Sie den Betroffenen beruhigen. Wenn bereits Vergiftungssymptome aufgetreten sind, wählen Sie umgehend den Notruf 112. Sofern noch keine Symptome aufgetreten sind, können Sie sich über die Giftinformationszentrale Ihrer Region informieren. Dort erfahren Sie, was als Nächstes zu tun ist. Reste des Gifts, die sich noch im Mund befinden, sollten Sie entfernen und aufbewahren. So kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gegebenenfalls schneller die Ursache bestimmen. Spülen Sie den Mund aus – oder die Augen, falls das Gift hierhin gelangt ist. Manche meinen, bei Vergiftungen sollte man Milch trinken. Das ist ein Trugschluss und kein wirksames Mittel. Das Gift gelangt dadurch vielleicht sogar noch schneller in den Kreislauf. Auch Erbrechen sollten Laien bei Verdacht auf eine Vergiftung nicht selbst herbeiführen. Bei Bewusstlosigkeit und Kreislaufstillstand ist umgehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen (siehe Infobox) zu beginnen.

Vergiftungen vorbeugen

Bewahren Sie Medikamente, Waschpulver, Bleichmittel, Möbelpolitur, Haarspray, Nagellack, Zigaretten, Lampenöl, Farben, Terpentin, Klebstoffe und ähnliche Dinge so auf, dass sie für Kinder nicht erreichbar sind. Lagern Sie Giftiges nie neben Lebensmitteln und füllen Sie es niemals in Getränkeflaschen oder andere Lebensmittelbehälter mit Dingen nach, die nicht zum Verzehr bestimmt sind. Erklären Sie Ihren Kindern die Gefahren in Haushalt und Garten. Sie selbst sollten Pilze nur dann selbst ernten und essen, wenn Sie sich gut damit auskennen.

Herz-Lungen-Wiederbelebung: So geht’s

Reagiert eine Person nicht auf Ansprechen oder Anfassen und atmet nicht, müssen Sie sie wiederbeleben. Doch zuerst rufen Sie den Notarzt (112) oder bitten einen anderen Helfer, dies zu tun. Dann beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Befindet sich in Ihrer Nähe ein Defibrillator (AED)? Dann benutzen Sie diesen und folgen Sie den Sprachanweisungen des Geräts. Bis es einsatzbereit ist, sollten andere Helfer die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung ist bei Erwachsenen immer in dieser Reihenfolge auszuführen: 30 Mal Herzdruckmassage, 2 Mal Atemspende.
Herzdruckmassage:
Knien Sie sich neben die bewusstlose Person und platzieren Sie einen Handballen (bei Babys: zwei Finger) in der Mitte des Brustkorbs auf dem unteren Drittel des Brustbeins. Setzen Sie den Ballen der anderen Hand auf Ihre erste Hand. Beugen Sie sich nun über die Person und drücken Sie ihren Brustkorb mit gestreckten Armen senkrecht von oben 30 Mal fünf bis sechs Zentimeter tief (bei Babys weniger) ein. Tipp: Wenn Sie dabei dem Takt des Popsongs "Stayin‘ Alive" folgen, erreichen Sie genau den richtigen Rhythmus (100-120 Mal pro Minute).
Atemspende:
Machen Sie die Atemwege der bewusstlosen Person frei und überstrecken Sie ihren Kopf, indem Sie ihren Kopf nach hinten Richtung Nacken bewegen.
Mund-zu-Nase-Beatmung:
Umfassen Sie das Kinn mit einer Hand und heben es dabei an - das verhindert, dass die Zunge den Rachen verlegt und dadurch die Beatmung behindert wird. Gleichzeitig drücken Sie den Mund zu. Blasen Sie etwa eine Sekunde lang Luft in die Nase der bewusstlosen Person, in dem Sie die Nase komplett mit den Lippen umschließen. Zum Einatmen nehmen Sie den eigenen Kopf zur Seite, dann beatmen Sie ein zweites Mal. Überprüfen Sie beim seitlichen Wiedereinatmen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Falls nicht, könnte die Nase verlegt sein. Dann ist die Mund-zu-Mund-Beatmung eine Alternative: Verschließen Sie mit Daumen und Zeigefinger der an der Stirn liegenden Hand die Nase der Person und öffnen Sie ihren Mund bei weiter angehobenem Kinn. Atmen Sie ein und legen Sie Ihre Lippen dicht um den Mund des Betroffenen. Bei kleinen Kindern oder Säuglingen umschließen Sie sowohl Mund als auch Nase mit Ihren Lippen. Blasen Sie etwa eine Sekunde lang Luft hinein und achten Sie darauf, dass sich der Brustkorb dabei sichtbar hebt.
Beginnt die Person wieder zu atmen, legen Sie sie in die stabile Seitenlage. Setzt die Atmung nicht ein, führen Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen wie beschrieben so lange fort, bis der Rettungsdienst eintrifft und übernehmen kann.
Tipp:
Leisten zwei Menschen Erste Hilfe, dann wechseln Sie sich ab – einer ist für die Beatmung, der andere für die Herzdruckmassage zuständig. Tauschen Sie die Positionen, falls der Rettungsdienst auf sich warten lässt und Sie ermüden. 




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Webcode: a006026 Letzte Aktualisierung: 23.10.2020
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