Gesunde Schwangerschaft

Die häufigsten Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft und wie Sie damit umgehen können

Lesedauer unter 9 Minuten
Junge Schwangere schaut auf ihren Bauch

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Diana Delle (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • Dr. med. Martin Waitz
  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Bei einer Schwangerschaft stellt sich der Körper der werdenden Mutter auf eine vorrangige Versorgung des Kindes ein und bereitet sich auf die Geburt vor. Dabei vollbringt er vor allem in den ersten drei Monaten wahre Höchstleistungen. Diese gehen oft mit Beschwerden für die angehende Mutter einher, die teilweise sehr unangenehm sein können. Trotzdem gilt: Medikamente, auch auf pflanzlicher Basis, sollen nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. In der Regel handelt es sich bei den Beschwerden um übliche, ungefährliche Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft. Wir haben die Symptome mit ihren Ursachen und Tipps zur Linderung für Sie gesammelt. Wenn Sie sich unsicher sind oder ungewöhnliche Schwangerschaftsbeschwerden haben, halten Sie bitte unbedingt mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt Rücksprache.

Brustspannen

Die hormonelle Umstellung des Körpers verursacht in der Brust bereits sehr früh in der Schwangerschaft ein manchmal sogar schmerzhaftes Druckgefühl und Spannen. Diese Beschwerden gehören oft zu den ersten spürbaren Anzeichen in der Frühschwangerschaft und lassen meist nach etwa drei Monaten wieder nach.

Tipps zur Linderung

  • Achten Sie während der Schwangerschaft besonders auf einen gut sitzenden BH aus dehnbarem Material, der die Brust gut stützt, aber nicht drückt.
  • Bei starken Beschwerden können eine sanfte Massage der Brust mit hochwertigen Pflegeölen (zum Beispiel Lavendelöl), ein warmes Bad mit Lavendelzusatz oder ein warmer Umschlag helfen, die Beschwerden zu lindern.

Rückenschmerzen

Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone lockern sich Muskeln, Gelenke und Bänder im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens. Gleichzeitig werden sie durch das zunehmende Gewicht stärker belastet. Außerdem gehen viele Frauen mit wachsendem Bauchumfang, ohne es zu bemerken, immer mehr ins Hohlkreuz. Dadurch kann es vor allem ab dem 5. Monat, manchmal jedoch auch schon im ersten Trimester , vermehrt zu Rückenschmerzen kommen, die aber nach der Geburt wieder verschwinden.

Mögliche Abhilfen und Tipps

  • Vermeiden Sie langes Stehen oder schweres Heben und tragen Sie möglichst flache Schuhe.
  • Legen Sie sich bei akuten Beschwerden hin und gönnen Sie Ihrem Rücken ein wenig Ruhe. Auch Wärme oder eine Massage der überlasteten Muskeln können die Beschwerden lindern.
  • Regelmäßige Bewegung bereits vor und zu Beginn der Schwangerschaft stärkt die Muskulatur und kann helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen. Neben Schwangerschaftsgymnastik eignen sich beispielsweise Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Yoga oder Walking.
  • Suchen Sie bei wiederkehrenden Rückenschmerzen Ihre gynäkologische Praxis auf. Häufig hilft hier eine Physiotherapie. Auch andere Verfahren wie Akupunktur, Osteopathie oder Chiropraktik können zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?

Schwangere sollten bei Rückenschmerzen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Das gilt vor allem, wenn die Beschwerden sehr plötzlich auftreten, lange anhalten oder wenn eine Muskelschwäche in den Beinen oder Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle hinzukommen.

Auch die Barmer unterstützt Sie mit Gesundheitstipps für den Rücken.

Heißhunger

Viele Schwangere entwickeln regelrechte Heißhungerattacken – und oftmals auf Speisen, nach denen sie zuvor nicht das geringste Verlangen hatten. Das ist vollkommen normal, denn der Körper muss nun zusätzlich das Baby mitversorgen. Dafür legt er oft schon zu Beginn der Schwangerschaft Reserven an. Oft lässt der übermäßige Appetit wieder nach, wenn das Baby im Verlauf der Schwangerschaft immer stärker gegen den Magen drückt. Ein weiterer Grund für Heißhungerattacken ist das Hormon Insulin, das den Blutzucker reguliert. Es wird in der Schwangerschaft vermehrt gebildet, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller abfällt.

Mögliche Abhilfen und Tipps

  • Essen Sie bei einer Heißhungerattacke möglichst bald eine kleine Zwischenmahlzeit, damit Ihr Blutzuckerspiegel sich wieder normalisiert.
  • Essen Sie über den Tag verteilt lieber mehrere kleinere anstelle weniger großer Mahlzeiten.
  • Achten Sie während der Schwangerschaft besonders auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung

Sodbrennen

Sodbrennen entsteht, wenn Magensäure in die Speiseröhre gelangt und diese reizt. Bereits im ersten Trimester leiden Studien zufolge etwa zwei von zehn Frauen an Sodbrennen, im letzten sogar bis zu sieben von zehn Frauen , denn das wachsende Kind übt immer mehr Druck auf den Magen aus. Zudem entspannen die Schwangerschaftshormone die Muskulatur und damit auch den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Magensäure kann dadurch leichter als sonst in die Speiseröhre gelangen.

Mögliche Abhilfen und Tipps

  • Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten.
  • Essen Sie langsam und kauen Sie die Nahrung gut durch.
  • Essen Sie nach Möglichkeit nicht direkt vor dem Schlafen und legen Sie Ihren Oberkörper beim Schlafen leicht erhöht, damit die Magensäure schwerer in die Speiseröhre aufsteigen kann.
  • Suchen Sie bei starken Beschwerden das Gespräch mit Ihrer gynäkologischen Praxis. 

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit – vor allem am Morgen – ist besonders zu Beginn einer Schwangerschaft völlig normal: Acht von zehn Frauen sind betroffen, etwa vier von zehn Frauen müssen sogar erbrechen. Meist beginnen die Beschwerden noch vor der 9. Schwangerschaftswoche, etwa in der 12. bis 14. Woche verschwinden sie in der Regel wieder. Die Ursachen sind nicht genau bekannt, möglicherweise hängen Übelkeit und Erbrechen aber mit dem veränderten Geruchs- und Geschmackssinn zusammen: Viele Frauen haben während der Schwangerschaft eine starke Abneigung gegen bestimmte Gerüche oder Lebensmittel – zum Beispiel Parfums, Zigarettenrauch, Kaffee, Fleisch, Fisch oder Eier.

Mögliche Abhilfen und Tipps

Oft lassen sich Übelkeit und Erbrechen recht einfach lindern, denn beides ist bei nüchternem Magen am stärksten ausgeprägt. Deshalb sollten Sie schon vor dem Aufstehen am Morgen eine Kleinigkeit essen, beispielsweise einen Keks, Zwieback oder ein Knäckebrot, und zudem über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.
Meiden Sie außerdem die Auslöser, also Gerüche und Lebensmittel, die bei Ihnen Übelkeit hervorrufen. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, wenden Sie sich an Ihre gynäkologische Praxis. Ansonsten ist eine ärztliche Behandlung normalerweise nur bei extrem starkem und lang anhaltendem Erbrechen mit hohen Flüssigkeitsverlusten erforderlich. 

Video: Schwangerschaft und Übelkeit

In der Schwangerschaft haben viele Frauen mit Übelkeit zu kämpfen. Andere bleiben komplett davon verschont. Was hilft bei der typischen Morgenübelkeit? Wir haben mit werdenden Müttern und Vätern gesprochen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Hebamme Sabine Kreifels gibt außerdem Tipps was gegen die Übelkeit helfen kann.

Es gilt als Volksweisheit, dass bei starker Übelkeit während der Schwangerschaft ein Mädchen unterwegs sei, bei geringer ein Junge. Schwedische Forscher haben 2016 über 1,65 Millionen Schwangerschaften statistisch ausgewertet und tatsächlich festgestellt: Frauen, die unter der schweren Form von Schwangerschaftserbrechen, „Hyperemesis gravidarum“ (HG), leiden, gebären häufiger Mädchen als nicht von HG betroffene Mütter. Von der Intensität der gängigen Übelkeit lässt sich allerdings kein Hinweis auf das Geschlecht des Babys ableiten.
Zum Thema Schwangerschaft gibt es übrigens noch viele weitere Thesen und Volksweisheiten – in unserem Artikel „Schwangerschaftsmythen“ können Sie sie nachlesen.

Verstopfung

Unter dem Einfluss der Hormone entspannt sich bei schwangeren Frauen die Darmmuskulatur. Die Folge: Der Darm wird träge und arbeitet langsamer, es kommt häufiger zu Blähungen und Verstopfungen.

Mögliche Abhilfen und Tipps

  • Wenn Sie Probleme mit Verstopfungen haben, sollten Sie reichlich trinken, mindestens zwei, besser drei Liter am Tag.
  • Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.
  • Trockenfrüchte und Leinsamen regen die Darmtätigkeit an und können ebenfalls die Beschwerden lindern.
  • Verzichten Sie auf frei verkäufliche Abführmittel, da die meisten in der Schwangerschaft nicht empfohlen werden. Fragen Sie bei anhaltenden Beschwerden am besten in Ihrer gynäkologischen Praxis um Rat. Verstopfungen erhöhen zum Beispiel das Risiko für ein Hämorrhoidalleiden, umgangssprachlich auch Hämorrhoiden genannt.

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Sie bezeichnen ein Blutgefäßgeflecht, das dazu beiträgt, den Darmausgang sicher abzudichten. Sie bilden also einen wichtigen Teil des Schließapparats. Während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung leiden viele Frauen unter vergrößerten oder entzündeten Hämorrhoiden. Eine Ursache ist unter anderem das zunehmende Gewicht und die wachsende Größe der Gebärmutter, die die Beckenvenen abdrückt. Dadurch staut sich Blut in den Venen und die Gefäßwände weiten sich aus. In den Beinen entstehen so Krampfadern, im Darm Hämorrhoiden. Auch nach der Geburt haben Frauen oft Probleme mit Hämorrhoiden, was sich allerdings auf das starke Pressen bei der Entbindung zurückführen lässt. Erste Symptome sind häufig leichte Blutspuren am Toilettenpapier, sowie Brennen oder Juckreiz im Bereich des Afters. So beunruhigend das auch klingt, ist es in den allermeisten Fällen ungefährlich. Vielen Frauen ist es unangenehm darüber zu sprechen, geschweige denn zum Arzt zu gehen. Doch dafür gibt es keinen Grund. Häufig lassen sich die Beschwerden mit einfachen Methoden beeinflussen, so lässt sich der Stuhlgang zum Beispiel durch größere Trinkmengen regulieren. Auch Sitzbädern oder Salben lindern die Beschwerden und in den meisten Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden nach der Geburt wieder zurück. Zudem ist es wichtig andere Möglichkeiten für die Symptome, wie ein Abszess oder einen Einriss der Schleimhaut (Fissur) auszuschließen. Sprechen Sie also mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Beschwerden.

Blasenschwäche

Sehr viele Schwangere müssen während ihrer Schwangerschaft häufiger auf die Toilette als sonst. Auch ungewollter Urinverlust ist gerade im letzten Trimester keineswegs ungewöhnlich, insbesondere bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Meist verschwinden die Beschwerden nach der Geburt, manchmal können sie jedoch auch bestehen bleiben. Grund für die Blasenschwäche sind die hormonellen Veränderungen bei Schwangeren, die sich auch auf den Blasenschließmuskel auswirken, und der wachsende Druck der Gebärmutter auf die Blase.

Mögliche Abhilfen und Tipps

Bei vielen Frauen bilden sich die Beschwerden durch regelmäßiges Beckenbodentraining wieder zurück. Das Training können Sie problemlos bereits während der Schwangerschaft durchführen. Ihre Hebamme oder Ihre gynäkologische Praxis können Sie dazu beraten. Häufig ist das Beckenbodentraining auch Bestandteil von Geburtsvorbereitungskursen.

Auch die Barmer unterstützt Sie mit pelvina, dem Beckenbodentraining per App. So können Sie flexibel trainieren. 

Krampfadern und Wassereinlagerungen

Krampfadern sind in der Schwangerschaft keine Seltenheit: Etwa vier von zehn Frauen sind davon betroffen, meist schon innerhalb des ersten Trimesters. Das liegt zum einen an der größeren Blutmenge, die der Körper während der Schwangerschaft bildet, aber auch daran, dass das Gewicht des Kindes zunehmend Druck auf die Gefäße des Beckens ausübt, wodurch das Blut schlechter abfließen kann.

Da die Venen nicht nur mehr Blut transportieren müssen, sondern unter dem Einfluss der Hormone auch durchlässiger werden, tritt zudem vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe und sammelt sich dort an. Vor allem zum Ende der Schwangerschaft leiden deshalb viele Frauen an Wassereinlagerungen (Ödemen), besonders in den Beinen und Füßen, manchmal aber auch in Händen oder Gesicht.

Mögliche Abhilfen und Tipps

  • Regelmäßige Bewegung, vor allem im Wasser, hilft Wassereinlagerungen vorzubeugen.
  • Wechselduschen mit kaltem und warmem Wasser bringt den Kreislauf in Schwung und fördert die Durchblutung.
  • Vermeiden Sie langes Stehen und legen Sie die Beine tagsüber häufiger hoch. Das erleichtert den Rückfluss des Blutes und den Abtransport des überschüssigen Gewebewassers.
  • Wenn Sie an Krampfadern leiden, können Kompressionsstrümpfe Beschwerden wie das unangenehme Spannungsgefühl in den Beinen lindern. Lassen Sie sich am besten in einem Sanitätshaus individuell beraten.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Normalerweise sind Ödeme und Krampfadern während der Schwangerschaft harmlos und bilden sich nach der Geburt zurück. Wenn Sie jedoch bereits im ersten Trimester oder aber sehr plötzlich an Wassereinlagerungen leiden und außerdem Ihr Blutdruck erhöht ist, sollten Sie Ihre gynäkologische Praxis aufsuchen, da diese Beschwerden auf eine so genannte Präeklampsie hinweisen können. Präeklampsie zählt zu den sogenannten hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen. Hinter diesem Oberbegriff versammeln sich Erkrankungen, die nur in einer Schwangerschaft auftreten können und mit hohen Bluthochdruck (hypertensiv) einhergehen. Für Präeklampsie wird vielfach die (eigentlich unzutreffende und veraltete) Bezeichnung „Schwangerschaftsvergiftung“ genutzt.

Stellen Sie fest, dass nur eines Ihrer Beine geschwollen und zusätzlich gerötet, überwärmt und schmerzhaft ist, hat sich möglicherweise ein Blutgerinnsel in den tiefer liegenden Beinvenen gebildet. Ähnliche Beschwerden treten auch auf, wenn sich eine Vene oder Krampfader entzündet. In beiden Fällen ist eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Viele Begleiterscheinungen sind für Schwangere unangenehm und kosten zusätzliche Energie. Doch die meisten Beschwerden sind harmlos. Oft können Hebammen aus ihrem großen Erfahrungsschatz Tipps und Tricks nennen, um die Beschwerden zu lindern. Vielen Frauen hilft es auch, sich mit anderen Schwangeren über ihre Erfahrungen auszutauschen. Durch das gegenseitige Verständnis und das Gefühl, in dieser besonderen Situation nicht allein zu sein, lassen sich die Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft oft leichter ertragen.

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Webcode: a006416 Letzte Aktualisierung: 19.05.2021
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