Eine Frau sitzt auf einem Stuhl und fasst sich an den unteren Rücken
Rückengesundheit

Ursachen von Rückenschmerzen: Woher kommen die Beschwerden?

Lesedauer unter 9 Minuten

Redaktion

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. Freya Fuchs (medproduction GmbH)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Rückenschmerzen stehen als Oberbegriff für verschiedene Beschwerden am Rücken. Diese unterscheiden sich nach Art und Schwere. Manchmal werden Kreuzschmerzen als andauernder dumpfer Schmerz im unteren Rücken wahrgenommen, manchmal sitzt er kurz und stechend im Nacken.

Dem Schmerz können vielfältige Ursachen und Auslöser zugrunde liegen. Erfahren Sie mehr über Rückenschmerzen, die häufigsten Ursachen, über Hexenschuss, Bandscheibenvorfall und Co. sowie über die Möglichkeiten zur Therapie und Behandlung.

Meistens schmerzt der untere Rücken

Bei Rückenschmerzen ziept es in den meisten Fällen im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Der stechende, plötzlich auftretende Schmerz nennt sich Lumbago/Lumbalgie oder umgangssprachlich „Hexenschuss“. Am zweithäufigsten sind Nackenschmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (zervikal). Von diesen berichten laut einer Studie, die zwischen Oktober 2019 und März 2020 in Deutschland durchgeführt wurde, etwa 45 Prozent der Betroffenen. In nur zwei von einhundert Fällen werden Schmerzen „thorakal“, in der Brustregion, empfunden. Rückenschmerzen können ausstrahlen und im Kopf, Bauch, Genitalbereich oder auch in den Armen, Beinen und sogar inneren Organen wehtun. 

Der genaue Ort der Beschwerden bleibt meistens unbekannt, selbst wenn mehrere körperliche Untersuchungen stattfinden. Patientinnen und Patienten können zwar ungefähr angeben, wo es schmerzt, aber die betroffenen anatomischen Strukturen findet auch die behandelnde Ärztin beziehungsweise der behandelnde Arzt oft kaum oder nur mühsam heraus.

Ursachen von Rückenschmerzen im unteren Rücken

Schmerzen in der Region der Lendenwirbelsäule strahlen manchmal in den Bauch aus und führen zu Unterleibsschmerzen. Dahinter können verschiedene Ursachen stecken: Verspannungen, Entzündungen oder Verletzungen sind ebenso möglich wie Fehlbildungen und Abnutzungserscheinungen an der Lendenwirbelsäule und im Kreuzbein. 

Bei Schmerzen im unteren Rücken seitlich links könnten auch der Darm und das Harnsystem an der Entstehung der Rückenschmerzen beteiligt sein. Eventuell sind Milz, Leber oder die Nieren die eigentliche Ursache für die Beschwerden und der Schmerz strahlt bis in den unteren Rücken.    

Wenn Bauchschmerzen und Rückenschmerzen gleichzeitig auftreten, müssen die Beschwerden allerdings nicht zwangsläufig zusammenhängen. Möglicherweise lassen sich die Symptome auch auf verschiedene Ursachen zurückführen. 

Ursachen von Rückenschmerzen im mittleren und oberen Rücken

Treten die Rückenschmerzen im mittleren und oberen Bereich auf, betreffen die Beschwerden überwiegend die Regionen um die Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS) herum. 

Die Brustwirbelsäule bildet mit zwölf Brustwirbeln den längsten Abschnitt der Wirbelsäule. Wer unter Brustwirbelsäulenschmerzen leidet, nimmt in der Regel dumpfe oder drückende Schmerzen im oberen Rücken und zwischen den Schulterblättern wahr. Der Schmerz kann sich über den Rippenbogen bis nach vorne ziehen, so dass Brust- und Rückenschmerzen gleichzeitig auftreten.

Achtung: Brust- und Rückenschmerzen gleichzeitig können auch auf einen Herzinfarkt hindeuten. Rufen Sie sicherheitshalber den Notarzt unter der Notrufnummer 112, falls Sie zusätzlich zu Schmerzen im mittleren und oberen Rücken folgende Symptome wahrnehmen: ein Gefühl von Enge im Brustkorb in Verbindung mit Atemnot und Übelkeit sowie Schweißausbrüchen oder einer Ausstrahlung der Schmerzen in die Arme, den Kiefer und den Hals.

Kommt es zu intensiven Bauchschmerzen und Rückenschmerzen zur gleichen Zeit, liegt möglicherweise eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) vor. Ist das der Fall, legt sich der Schmerz häufig wie ein Gürtel um den Rumpf. Weitere Symptome, die für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sprechen können, sind Fieber, Übelkeit und Erbrechen.

Plötzliche und chronische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen werden in Bezug auf ihren zeitlichen Verlauf in drei Kategorien eingeteilt:

  • akute Rückenschmerzen
  • subakute Rückenschmerzen und
  • chronische Rückenschmerzen

Als akute Rückenschmerzen gelten neu auftretende Schmerzen, die weniger als sechs Wochen andauern. Bestehen die Rückenschmerzen zwischen sechs und zwölf Wochen, werden die Rückenschmerzen als „subakut“ bezeichnet. Halten die Schmerzen über zwölf Wochen hinweg an, ist von chronischen Rückenschmerzen die Rede. Die Stärke der Schmerzen und ob sie nur bei Bewegung oder auch bei Ruhe auftreten, kann während dieser Zeit variieren.

Ursachen plötzlicher (akuter) Rückenschmerzen umfassen beispielsweise Wirbelgleiten, den Hexenschuss oder Ischiasschmerz. Bei manchen akuten Rückenschmerzen ist ein Arztbesuch nötig.

Mit chronischen Rückenschmerzen können auch andere Beschwerden einhergehen: Der Schmerz kann etwa auch Schlafstörungen, Ängste oder Gewichtszunahme verursachen, die ihn wiederum verstärken. Durch die Rückenschmerzen entsteht schlimmstenfalls ein Teufelskreis, der das Leben stark beeinträchtigen kann.

Spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden bei Rückenschmerzen entsprechend der Ursache zwischen spezifischen und nicht-spezifischen beziehungsweise unspezifischen Rückenschmerzen.

Bei spezifischen Rückenschmerzen gibt es eine feststellbare körperliche Ursache, die zu den Schmerzen am Rücken führt. Da es also einen spezifischen Grund für die Beschwerden gibt, ist es möglich, den Schmerz zielgerichtet zu behandeln. Dabei kann es sich beispielsweise um Entzündungen, um Wirbelgleiten oder einen Bandscheibenvorfall handeln.

Spezifische Ursachen von Rückenschmerzen entstehen oft aus Einengungen oder entzündlichen Reizungen von Nerven im Bereich der Austrittsstelle aus dem Wirbel (Nervenwurzelkompression). Entzündungsbedingt können Sehnenansätze der Rückenmuskeln an den Wirbeln schmerzen (Enthesitis/Enthesiopathie). Auch bakteriell infizierte Bandscheiben und Wirbel (Spondylodiszitis) sind eine mögliche Ursache von Rückenschmerzen. Werden Wurzeln von Nerven gereizt oder eingeengt, so können Schmerzen oder Taubheit entlang dieser Nerven bis in entfernte Bereiche ausstrahlen (radikuläres Syndrom). Im Wirbelkanal kann eine verschobene, „vorgefallene“ Bandscheibe buchstäblich „auf den Nerv gehen“, der sogenannte Bandscheibenvorfall.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Die Wirbelsäule des Menschen besitzt 23 Bandscheiben. Diese sitzen zwischen den Wirbelkörpern. Ihre Stärke nimmt von oben nach unten zu: Im Bereich der Halswirbelsäule sind sie ungefähr drei Millimeter dick. In der Region der Brustwirbelsäule beträgt ihre Stärke rund fünf Millimeter. In der Lendenwirbelsäule sind es etwa sieben Millimeter. Die Aufgabe der Bandscheiben besteht darin, den Druck zwischen den Wirbelkörpern abzufedern.

Bei einem Bandscheibenvorfall wird bestimmtes Gewebe der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern nach außen gedrückt. Beschwerden treten erst auf, wenn dieses Gewebe auf einen Nerv oder eine Nervenwurzel drückt. Je stärker dieser Druck ausfällt, desto intensiver können die Rückenschmerzen werden.

Die meisten Bandscheibenvorfälle (70 bis 80 Prozent) treten im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Deutlich weniger (10 bis 25 Prozent) betreffen die Halswirbelsäule beziehungsweise den Nacken. In der Brustwirbelsäule sind Bandscheibenvorfälle mit ein bis zwei Prozent sehr selten.
 

Bei acht von zehn Menschen mit akuten Beschwerden lässt sich der Grund für die Rückenschmerzen nicht herausfinden: Sie leiden unter nicht-spezifischen Rückenschmerzen und Muskelverspannungen. Meist gehen diese von einer verspannten Muskulatur aus. Während die Schmerzen oft nur wenige Tage andauern, können sie wiederholt auftreten. „Nicht-spezifisch“ bedeutet, dass bei medizinischen Untersuchungen kein spezifischer Grund festgestellt wird – kein entzündeter Nerv, keine gleitenden Wirbel – und Menschen dennoch Schmerzen haben.

Scheinbare körperliche Ursachen, die beispielsweise MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomografie) zu Trage bringen, sollten jedoch nicht überbewertet werden. Viele Patientinnen und Patienten mit Rückenbeschwerden hoffen zwar auf einen spezifischen körperlichen Befund, da sie damit eine gezielte Behandlung und ein Ende der Schmerzen erwarten – oft ist dies allerdings nicht der Fall. Denn ab einem gewissen Alter lassen durch das MRT oder Röntgen-Aufnahmen bei einem Viertel der Untersuchten Veränderungen in der Wirbelsäule feststellen, selbst wenn die Personen keine Schmerzen haben. Die Therapie solcher Zufallsfunde, die nichts mit den Beschwerden zu tun haben, wäre unnötig und hilft den Patientinnen und Patienten wenig.

Arten von Rückenschmerzen: stechend, dumpf oder diffus

Die Form der akuten Schmerzen am Rücken, also ob sie als dumpf und drückend oder eher spitz und stechend wahrgenommen werden, kann einen Hinweis auf deren Ursache liefern. Meist gibt es jedoch eher eine Reihe von Ursachen, die sich bei akuten oder starken Schmerzen am Rücken, bei Kreuzschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall gegenseitig bedingen: Zu den häufigsten zählen Fehlbelastungen, zu langes Sitzen und zu wenig Bewegung.

Durch langes Sitzen, wie dies in unserem Büroalltag oder beim e-Sport oft der Fall ist, können die Bandscheiben unter Druck geraten. Die Bandscheiben können dadurch an Elastizität verlieren und abflachen. In der Folge lockern sich die zwischen der Wirbelsäule gespannten Bänder. Auch die kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) werden nun stärker abgenutzt.

Außerdem können eine schwache Rückenmuskulatur, zu schwere oder einseitige Belastungen, ständige Erschütterungen bei der Arbeit, zu schweres Heben und Tragen, Fehlhaltungen, ungeeignete Sitz- und Schlafmöbel, ein höheres Alter, Übergewicht, Stress oder Depressionen Rückenschmerzen fördern.

Einzelne Auslöser können sich am Rücken gegenseitig verstärken: Angst vor Schmerzen und der Versuch, den Rücken zu schonen, können zu Fehlhaltungen führen. Um diese zu kompensieren, arbeiten die Rückenmuskeln. Eine untrainierte Muskulatur wird mit dieser Aufgabe aber rasch überfordert, verspannt sich und reizt so in der Nähe liegende Nerven. Das erzeugt Schmerz.

Psychische Faktoren werden als Ursache von Beschwerden am Rücken oft unterschätzt. Wer häufig unter Stress, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit leidet, hat eine höhere Muskelanspannung, die zu Schmerzen führen kann. Psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen beeinflussen außerdem, wie wir Schmerzen verarbeiten: Die körpereigene Schmerzwahrnehmung „funktioniert“ nicht mehr richtig und Menschen nehmen Schmerzen verstärkt wahr. Die Beschwerden selbst wiederum können die psychische Belastung weiter verstärken. Eine der zentralen Erkenntnisse zur Rückengesundheit lautet daher: Nicht nur Rückenschmerz-Symptome sollen behandelt, sondern auch die Gesundheit der Seele berücksichtigt werden.

Mögliche Ursachen von Rückenschmerzen: Auch Stress gehört dazu

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die beeinflussen, ob Beschwerden am Rücken entstehen und andauern. Halten Rückenschmerzen über zwölf Wochen an, spricht man von einer Chronifizierung. Bei einer Chronifizierung spielen vor allem psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Einflüsse eine Rolle. Diese sind ein Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren.

Was Rückenschmerzen begünstigen kann

Körperliche Faktoren für Beschwerden am am Rücken:

  • Heben und Tragen schwerer Lasten in ungeeigneter Körperhaltung
  • Fehl- und Zwangshaltungen
  • monotone Körperhaltungen
  • ständige Erschütterung des Körpers
  • zu viel Schonung und zu wenig Bewegung

Psychische Faktoren für Beschwerden am Rücken:

  • wenig Unterstützung durch das soziale Umfeld
  • berufliche Unzufriedenheit oder Verlust des Jobs
  • andauernde Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbing
  • Depressivität und Stress
  • Gefühle von Angst und Hoffnungslosigkeit
  • Ingnorieren und Unterdrücken von Schmerzen

Häufige arbeitsplatzbezogene Faktoren, die Rückenschmerzen begünstigen, sind das Tragen von schweren Lasten, wie dies oft im Baugewerbe geschieht. Auch Fehl- und Zwangshaltungen, die beispielsweise in der Pflege oder beim e-Sport typisch sind, führen mitunter zur Überlastung der Muskeln und anhaltenden Schmerzen. Am Arbeitsplatz können auch psychische Faktoren wie Unzufriedenheit mit dem Beruf, andauernder mentaler Stress und ständiger Zeitdruck eine Rolle spielen.

„Blind durchzuhalten“ und nicht auf seinen Körper zu hören, kann das Problem auf Dauer verschlimmern. Dies ist auch der Fall, wenn mit Schmerzmitteln nur die Symptome behandelt werden, ohne an einer Lösung von Ursachen oder Treibern der Rückenschmerzen zu arbeiten.

Viele Menschen denken, Schmerzen seien immer ein Zeichen dafür, dass der Körper Ruhe brauche. Zu lange Krankschreibungen und übermäßiges Schonen sind jedoch keine Lösung. Einige Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung, auch wenn es mal ziept, mehr zur Heilung und Linderung von Schmerzen beitragen kann als Bettruhe. Die wirksamste Behandlung und Selbsthilfe bei Rückenschmerz ist also oft: Sanfte Bewegung und Übungen sowie ein differenziertes Kräftigungstraining für einen starken Rücken.

Mit dem kostenfreien Online-Kurs Rücken-Coaching der Barmer können Sie Ihren Rücken einfach und nachhaltig stärken.

Weiterführende Informationen

  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): (Abruf vom 17.07.2020) Patientenleitlinie: Kreuzschmerz
  • Benrath, Hatzenbühler, Fresenius, Heck: Repetitorium Schmerztherapie (2015)
  • Fuchs, Rabenberg, Scheidt-Nave: Prävalenz ausgewählter muskuloskelettaler Erkrankungen. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz (2013)
  • Diemer, Sutor: Praxis der medizinischen Trainingstherapie I: Lendenwirbelsäule, Sakroiliakalgelenk und untere Extremität (2011)
  • Stiftung Warentest. Das Rückenbuch: Aktiv gegen Schmerzen (2015)
  • Barmer Broschüre, 2017: Rücken aktiv - Bewegen statt schonen - barrierefreies PDF
  • Pschyrembel online (Abruf vom 12.07.2022): Rückenschmerz
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Abruf vom 12.07.2022): Rücken- und Kreuzschmerzen
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Abruf vom 12.07.2022): Bandscheibenvorfall
  • Robert Koch-Institut (RKI): Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring · 2021 6(S3) DOI 10.25646/7854

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.