Impfungen

Lesedauer unter 4 Minuten

Impfen bei einer Hühnereiweiß-Allergie – geht das?

Lesedauer unter 4 Minuten

Autor

  • Constanze Löffler (Wissenschaftsjournalistin, Ärztin)

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Menschen mit einer Hühnereiweißallergie zeigen in der Regel keine allergischen Reaktionen nach einer Impfung. Einige Regeln und Ausnahmen sollten allerdings diejenigen beachten, die zu extrem schweren Reaktionen auf Hühnereiweiß neigen.

Was ist eine Hühnereiweißallergie?

Rund 4,3 Prozent der Kinder hierzulande leiden unter einer Hühnereiproteinallergie, umgangssprachlich auch Hühnereiweißallergie genannt. Sie macht sich in der Regel um das erste Lebensjahr bemerkbar. Um Missverständnisse auszuräumen: Die Allergie beschränkt sich nicht auf das Eiklar oder Eiweiß. Vielmehr reagieren Betroffene auf verschiedene Eiweiße im Ei, auch als Proteine bezeichnet. Daher lautet die korrekte Bezeichnung Hühnereiproteinallergie oder Hühnereieiweißallergie.

Die wichtigsten allergieauslösenden Proteine im Hühnerei sind

  • Ovomukoid,
  • Ovalbumin,
  • Ovotransferin und
  • Lysozyme.

Was passiert bei einer Hühnereiweißallergie?

Bei Allergikern erkennt die Immunabwehr diese Moleküle als körperfremd. Sie bekämpft sie, indem die körperliche Abwehr Histamin ausschüttet, ein Botenstoff, der allergische Symptome auslöst. Je nachdem, wie ausgeprägt die Allergie ist, reichen die Beschwerden von Hautausschlägen und Bauchweh über Atemnot und Asthmaanfälle bis hin zum lebensbedrohlichen allergischen Schock.

Die gute Nachricht: Eine Hühnereieiweißallergie verliert sich in der Regel mit der Zeit. Dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) zufolge vertragen die Kinder nach ein bis zwei Jahren oft wieder verbackenes Ei, beispielsweise in Kuchen, Keksen und Pfannkuchen. Bei Erwachsenen sind Hühnereieiweißallergien selten.

Welche Impfstoffe enthalten Hühnereiweiß?

Eine Rolle spielt die Allergie gegen Hühnereieiweiße nur bei ganz wenigen Impfstoffen: die, die auf der Basis von Hühnerembryonen hergestellt werden. Dazu gehören der Gelbfieber- und der Grippeimpfstoff. So werden beispielsweise mehr als 90 Prozent der Grippeimpfstoffe weltweit mit Hilfe von Eiern produziert. Die in den Impfstoffen enthaltenen Eiproteine sind Rückstände vom Produktionsprozess, die aufgrund der sehr geringen Mengen nicht entfernt werden können.

Wie läuft die Impfstoffproduktion mit Hühnereiern ab?

Moderne Impfstoffe benötigen ein Nährmedium, auf dem sich die Viren vervielfältigen können. Dafür werden Viruspartikel in das Eiklar von befruchteten Bruteiern injiziert und unter Wärme bebrütet. Mit der Entwicklung des Hühnerembryos vermehren sich auch die Viruspartikel. Nach einigen Tagen bis Wochen wird das virushaltige Eiklar abgezogen und anschließend gereinigt. Im nächsten Schritt gibt man Hitze oder Chemikalien dazu, welche die Viren deaktivieren. Aus den deaktivierten Partikeln wird dann der Impfstoff hergestellt, der aufgrund des Herstellungsverfahrens noch Spuren von Hühnereiweiß enthalten kann.

Wer ist gefährdet?

Menschen, die nur leicht auf Hühnereiweiße reagieren, können sich problemlos mit herkömmlichen Impfstoffen für Gelbfieber und saisonale Grippe impfen lassen – ohne große Überwachungsmaßnahmen. Bei schwerwiegenden Allergien sollten Betroffene unter klinischer Überwachung geimpft werden. Falls vorhanden, kann der Impfarzt auch auf alternative Impfstoffe zurückgreifen. Studien zufolge treten jedoch schwerwiegende allergische Reaktionen auf eine Grippeimpfung bei Hühnereiweißallergikern nicht häufiger auf als bei Menschen, die keine Hühnereiweißallergie haben.

Welche Alternativen gibt es bei der Influenza-Impfung?

Sollten schwerwiegende allergische Reaktionen zu befürchten sein, können Ärzte bei der Grippeimpfung in der Regel auf Hühnereiprotein-freie Impfstoffe zurückgreifen: Rund fünf bis zehn Prozent der Grippeimpfstoffe weltweit werden auf Zellkulturen hergestellt und enthalten somit kein Hühnereiweiß , Der Grippe-Lebendimpfstoff, der über die Nase verabreicht wird, wird wegen unzureichender Sicherheitsdaten für Hühnereiweißallergiker aktuell nicht empfohlen.

Welche Alternative gibt es bei der Gelbfieber-Impfung?

Bei der Impfung gegen Gelbfieber gibt es keine Alternative. Dazu kommt: Der vorhandene Impfstoff enthält im Vergleich zum Grippeimpfstoff höhere Mengen an allergenen Hühnereiweißen bis in den Milligrammbereich. Daher sollte zunächst geprüft werden, wie dringlich die Gelbfieberimpfung tatsächlich ist. Ist sie tatsächlich notwendig, gilt die Empfehlung, zunächst einen Allergietest auf der Haut durchzuführen (Prick-Test). Allergiker können sich unter stationärer Überwachung im Krankenhaus portionsweise impfen lassen, wenn er unauffällig ausfällt.

Welche Impfstoffe enthalten Spuren von Hühnereiweiß?

Für ein paar andere Impfstoffe werden die Viren auf Zellkulturen aus Hühnerfibroblasten gezüchtet, sprich Bindegewebszellen. Dazu gehören die Impfstoffe gegen

  • Masern-Mumps-Röteln (MMR),
  • Tollwut und
  • FSME.

Sie enthalten dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge jedoch – wenn überhaupt – geringste Spuren von Hühnereiweiß im Nanogrammbereich, die keine Allergie auslösen. Studien zufolge können daher auch Kinder, die eine bestätigte Allergie gegen Hühnereiprotein haben, problemlos und ohne Gefahr für ihre Gesundheit gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden.

Allenfalls Kinder mit schwerer Allergie, die also in der Vergangenheit bereits einen Allergieschock nach geringsten Mengen von Hühnereiweiß erlitten haben, sollten unter Aufsicht eines in Notfallmedizin erfahrenen Kinderarztes geimpft und anschließend für zwei Stunden überwacht werden.

Welche Alternativen gibt es für Impfungen gegen Tollwut- und FSME?

Für die Tollwut-Impfung gibt es einen Impfstoff, der auf anderen Zelllinien produziert wird und den sich Menschen mit einer schweren Hühnereiweißallergie impfen lassen können. Für die FSME-Impfung gibt es keine hühnereiweißfreien Impfstoffe. Da das Hühnereiweiß aber ohnehin nur im Nanogrammbereich enthalten ist, das entspricht einem Milliardstel Gramm, sind in nur sehr seltenen Fällen besondere Sicherheitsmaßnahmen notwendig.

Barmer Chat

Chat für Versicherte (geschlossen)

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein und profitieren Sie außerdem von unseren erweiterten Chat-Zeiten.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen:
08:00 - 09:00 Uhr
12:00 - 13:00 Uhr
16:00 - 18:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereicht "Mitglied werden"


E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005416 Letzte Aktualisierung: 15.05.2020
Nach oben