Coronavirus

Wie sehr sind Menschen mit Diabetes durch das Coronavirus SARS-CoV-2 gefährdet?

Lesedauer unter 3 Minuten
Eine junge Frau misst sich den Blutzucker mit einem Pen

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Typ 1- und Typ 2-Diabetiker sind verunsichert, wie gefährlich ihnen das Coronavirus werden könnte. Dabei zählt nur ein Teil der Menschen mit Diabetes zur Risikogruppe für COVID-19. Gutes Blutzucker-Management ist jetzt wichtiger denn je. 

Der erste deutsche COVID-19-Todesfall war ein 78-jähriger Mann mit Herzproblemen und Diabetes. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Menschen mit Diabetes der Risikogruppe angehören. Junge Menschen ohne Folgeerkrankungen zählen zum Beispiel nicht dazu. , „Bei guter Blutzuckereinstellung besteht für Menschen mit Diabetes auch keine erhöhte Infektionsgefahr“, unterstreicht Prof. Baptist Gallwitz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik, Abt. IV (Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie) des Universitätsklinikums Tübingen und Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Vorsicht bei Begleiterkrankungen

Menschen mit Diabetes, die bereits unter Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herzkreislaufproblemen oder Organschäden leiden, sollten allerdings besondere Vorsicht walten lassen. Für sie ist aktiver Schutz daher das A und O: „Im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben sie ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf“, so Gallwitz. Das bestätigt eine Studie aus der Stadt Padua in Italien, die besonders schwer von SARS-CoV-2 betroffen war. Zudem zeigt eine aktuelle Untersuchung der Uniklinik Ulm, dass das Virus bei gravierenden Krankheitsverläufen die Bauchspeicheldrüse angreifen und so die Regulation des Blutzuckerspiegels stören kann. Das erklärt möglicherweise, weshalb bei coronakranken Diabetikern Verschlechterungen des Zuckerstoffwechsels auftreten. Es kommt deshalb sogar vor, dass manche Infizierte, die nicht unter der Stoffwechselkrankheit leiden, erst durch COVID-19 Diabetes-ähnliche Symptome entwickeln.

Den Blutzucker einstellen

Wichtiger denn je ist es daher, den Blutzucker während der Pandemie stabil einzustellen. „Mit höheren Blutzuckerwerten steigt das Risiko von Begleitinfektionen wie etwa einer Harnwegsinfektion oder bakteriellen Bronchitis, die das Immunsystem zusätzlich schwächen können“, betont Diabetologe Gallwitz.

Maßnahmen in der häuslichen Isolation

Aus Eigenschutz bleiben derzeit immer noch viele Menschen mit Diabetes überwiegend zu Hause und reduzieren ihre sozialen Kontakte. Der kleinere Bewegungsradius und womöglich veränderte Essenszeiten können sich jedoch auf die Glukose-Werte auswirken. Diabetologe Gallwitz empfiehlt deshalb, Blutzuckerwerte oder die Daten aus der kontinuierlichen Glukose-Messung (CGM) regelmäßig auszulesen und (virtuell) mit der zuständigen Diabetes-Praxis zu teilen. Alle modernen Messsysteme verfügen über eine entsprechende Software. Bei Fragen hilft das Diabetes-Team in der Praxis, zum Beispiel bei einer Telefonsprechstunde. Die Deutsche Diabetes Hilfe bietet zudem Video-Tutorials zum Blutzuckermanagement in Zeiten von Corona an.

Was tun bei Verdacht auf eine Infektion?

Bei Symptomen wie Fieber, Husten, Müdigkeit und Halsschmerzen sollten Sie Ihren Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst telefonisch kontaktieren und Ihre Diabetes-Erkrankung erwähnen. Fahren Sie nicht direkt in die Arztpraxis oder das Krankenhaus. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob Sie häufiger Blutzucker oder Ketone messen oder Ihre Diabetes-Therapie ändern sollten. Überprüfen Sie, ob Sie alle Diabetes-Medikamente und Hilfsmittel im Haus haben und bestellen Sie rechtzeitig nach. „Eine Infektion kann den Glukose-Haushalt durcheinanderbringen und den Insulinbedarf steigern“, gibt Diabetologe Baptist Gallwitz zu bedenken. Dafür sollten Sie gewappnet sein. Auch schnelle Kohlenhydrate wie Traubenzucker, Saft oder Gummibärchen sollten Sie zur Behandlung einer möglichen Unterzuckerung zur Genüge im Haus haben.

Reicht das Insulin?

Lieferengpässe bei Insulin und anderen Diabetes-Medikamenten müssen Patienten nach wie vor nicht befürchten. „Diabetesmedikamente wie Insulin werden vorwiegend in Europa hergestellt“, berichtet Baptist Gallwitz. „Und der Vorrat ist groß.“ Darum sei auch künftig nicht von einer Medikamentenknappheit für Diabetespatienten auszugehen. „Es genügt, wenn man als Diabetiker einen Vorrat für das laufende Quartal hat und sich circa einen Monat vor Ablauf neu eindeckt.“

Corona-Impfung mit Diabetes?

Seit Ende Dezember 2020 ist es möglich, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt Erwachsenen mit Diabetes, sich immunisieren zu lassen: Für sie ist das Risiko eines schweren oder fatalen COVID-19-Verlaufs erhöht. Nachdem die Impfreihenfolge im Februar 2021 geändert wurde, können sich Menschen mit einem Diabetes mellitus früher als bislang geplant für eine Corona-Impfung anmelden. Sie sind jetzt der zweiten Gruppe zugeordnet und haben damit bei der Schutzimpfung „hohe Priorität“. 

 

 

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