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Diabetes mellitus Typ 1 (Zuckerkrankheit): Wie man sie erkennt und behandelt

Lesedauer unter 8 Minuten

Redaktion

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Tanja Peschel (Master of Science Molekulare Medizin, medproduction GmbH)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigene Immunabwehr gegen Zellen der Bauchspeicheldrüse richtet. Im Gegensatz zu Typ-2-Diabetes entsteht er nicht durch einen ungesunden Lebensstil. Eine Heilung ist nicht möglich, aber mit einem guten Behandlungsplan können Menschen eine hohe Lebensqualität genießen.

Auf einen Blick:

  • Symptome: Typische Anzeichen für Typ-1-Diabetes sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Die körpereigene Immunabwehr richtet sich gegen die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinproduktion verantwortlich sind. Funktionieren die Betazellen nicht mehr, entsteht ein absoluter Insulinmangel.
  • Verlauf: Dank guter Behandlungsmöglichkeiten sind schwere Komplikationen in Deutschland heute sehr selten.
  • Diagnose: Für die Diagnose von Diabetes wird der Blutzuckerspiegel zu verschiedenen Zeitpunkten und unter unterschiedlichen Voraussetzungen gemessen. Typ-1-Diabetes lässt sich durch das Vorhandensein bestimmter Antikörper nachweisen.
  • Therapie: Eine Insulintherapie ersetzt das fehlende Insulin. Betroffene können es sich selbst mit einer Spritze oder einem Pen verabreichen oder die Gabe über eine Insulinpumpe automatisieren.

Was ist Typ-1-Diabetes?

Diabetes mellitus Typ 1 (Unterform von Diabetes mellitus, sogenannte Zuckerkrankheit) ist eine Stoffwechselkrankheit, durch die der Körper kein Insulin mehr herstellen kann. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Unsere Körperzellen brauchen Insulin, um Zucker aus der Nahrung aufnehmen zu können.

Typ-1-Diabetes beginnt meist im jungen Alter bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, weshalb er auch jugendlicher (juveniler) Diabetes heißt. Neun von zehn Jugendlichen mit Diabetes haben Diabetes Typ 1. Selten erkranken ältere Menschen daran.

Symptome: Was passiert bei Diabetes Typ 1?

Beim Typ 1 Diabetes fehlt dem Körper das Hormon Insulin vollständig. Dieser sogenannte absolute Insulinmangel und der damit dauerhaft zu hohe Blutzuckerspiegel kann zu vielen Beschwerden führen. Mögliche Symptome bei Diabetes Typ 1 sind:

  • häufiges Urinieren
  • starker Durst
  • Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Azetongeruch im Atem (ähnlich wie Nagellackentferner)

Ursachen und Risikofaktoren von Diabetes: Was löst Diabetes Typ 1 aus?

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass sich Abwehrzellen des Immunsystems, die den Körper sonst vor Bakterien und Viren schützen, gegen die eigenen gesunden Zellen richten. Bei Typ-1-Diabetes greift die Immunabwehr die Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin herstellen. Sie heißen Betazellen. Weil sie durch die Autoimmunreaktion beschädigt werden, stellen die Betazellen immer weniger und schließlich kein Insulin mehr her. In der Folge kann der Körper keinen Zucker mehr aus der Nahrung aufnehmen. Er bleibt im Blut, wodurch der Blutzuckerspiegel langfristig zu hoch ist.

Ein Risikofaktor für Diabetes ist eine erbliche Veranlagung. Möglicherweise erhöhen auch bestimmte Infektionen und Umweltfaktoren das Risiko zu erkranken, diese sind jedoch bisher nicht mit Sicherheit bekannt.

Der Unterschied zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2

Bei Diabetes Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse kaum noch oder kein Insulin, weil die dafür verantwortlichen Zellen durch eine Reaktion des Immunsystems zerstört wurden. Genetische Faktoren spielen eine große Rolle, wenn Diabetes Typ 1 entsteht.

Bei Diabetes Typ 2 liegt vorrangig eine Insulinresistenz vor – Insulin ist vorhanden, der Körper kann es jedoch nicht nutzen. Im Verlauf kommt es ebenfalls zu Schäden der Betazellen, und der Insulinspiegel sinkt. Risikofaktoren sind neben den Genen vor allem ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen.

Wie sieht ein Leben mit Diabetes aus?

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Wie verläuft Diabetes Typ 1?

Ohne eine Behandlung oder bei einer falsch eingestellten Behandlung kann es zu einer starken Überzuckerung (Hyperglykämie) kommen, die sich meist langsam entwickelt. Die Überzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit und diabetischem Koma führen, was heute in Deutschland allerdings selten ist.

Ein langfristig zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Körperzellen und Nerven. Besonders die Blutgefäße sind betroffen. Sie können sich verengen und das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) steigt. Das verursacht Folgeschäden insbesondere in Gehirn, Augen, Herz und Nieren. Diabetes kann Taubheitsgefühle in den Händen und Füßen verursachen, das Tastgefühl ist gestört. Kleine Verletzungen werden nicht wahrgenommen – das ist gefährlich, wenn sie unbemerkt bleiben und wegen der schlechten Durchblutung langsamer heilen.

Mögliche Folgeerkrankungen des Typ-1-Diabetes sind:

  • Schäden an der Netzhaut des Auges (diabetische Retinopathie) 
  • Schäden der Nieren (diabetische Nephropathie) 
  • Nervenschäden, vor allem in den Händen und Füßen (diabetische Neuropathie)
  • diabetisches Fußsyndrom
  • Herz- und Gefäßerkrankungen

Menschen mit Typ-1-Diabetes haben außerdem ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall und weitere Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung.

Diagnose: Diabetes Typ 1 erkennen

Um Diabetes zu diagnostizieren, führen Ärztinnen und Ärzte Bluttests durch. Sie messen zu verschiedenen Tageszeiten – beispielsweise vor dem Essen (Nüchternblutzucker) und nach dem Essen – wie hoch der Blutzucker ist. Auch der sogenannte HbA1c-Wert ist wichtig, um einen Eindruck vom durchschnittlichen Blutzuckerwert der vergangenen Monate zu bekommen. Bei Typ-1-Diabetes können außerdem verschiedene Antikörper im Blut nachweisbar sein.

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Eine besondere Form des Typ-1-Diabetes entwickelt sich erst bei Erwachsenen, üblicherweise ab dem Alter von 35 Jahren. Fachleute nennen diesen Diabetes Latent Autoimmune Diabetes in Adults, kurz LADA. Er wird oft zunächst für einen Typ-2-Diabetes gehalten, jedoch bestehen oft keine weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen, welche für Typ-2-Diabetes typisch sind. LADA tritt bei Erwachsenen dreimal häufiger als der klassische Diabetes Typ 1 auf.

Behandlung von Diabetes (Therapie): Was hilft?

Diabetes ist nicht heilbar. Gut eingestellt können Menschen mit Typ-1-Diabetes jedoch sehr gut leben. Ziele der Behandlung sind.

  • eine möglichst hohe Lebensqualität 
  • einer Über- oder Unterzuckerung vorzubeugen 
  • Folgeerkrankungen zu verhindern

Um das zu erreichen, ersetzt die Insulintherapie ein Leben lang das dem Körper fehlende Insulin.

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Insulintherapie

Menschen mit Diabetes kontrollieren täglich ihren Blutzucker und spritzen regelmäßig Insulin. Es gibt verschiedene Behandlungskonzepte und Arten von Insulin. Heute ist die intensivierte Insulintherapie üblich, auch funktionelle oder flexible Insulintherapie genannt. Durch sie ist der Alltag von Menschen mit Diabetes nicht so streng reglementiert wie früher.

Manchmal kommt die intensivierte Insulintherapie aus verschiedenen Gründen nicht infrage, dann erhalten Betroffene die konventionelle Therapie. Die Abstände zwischen Insulingabe, Essen und Bewegung sind dabei klar definiert. Patientinnen und Patienten folgen einem verbindlichen Ernährungsplan.

Während der Behandlung ist es wichtig, das Insulin so abzustimmen, dass der Blutzuckerspiegel weder zu hoch noch zu niedrig ist. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel heißt auch Unterzucker oder Hypoglykämie. Er äußert sich zum Beispiel durch Schwitzen, Zittern, Herzklopfen und Konzentrationsstörungen. Ein Unterzucker kann zu Bewusstlosigkeit führen. Das ist beispielsweise beim Autofahren besonders gefährlich und kann zu Unfällen führen. Beim Verdacht auf eine Unterzuckerung heißt es: schnell Blutzucker messen und Traubenzucker essen.

Persönliches Therapieziel: Es gibt nicht den einen Zielwert, der für alle Menschen mit Diabetes passt. Ärztinnen und Ärzte entwickeln gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten einen individuellen Behandlungsplan. Die angestrebten Blutwerte richten sich unter anderem nach dem Alter, möglichen Begleiterkrankungen und persönlichen Wünschen der betroffenen Person.

Insulin: Spritze, Pen oder Pumpe?

Menschen mit Diabetes müssen mehrmals täglich fehlendes Insulin ersetzen. Damit dafür nicht jedes Mal der Besuch einer ärztlichen Praxis nötig ist, lernen sie in einer Schulung, es sich selbst zu spritzen. Üblicherweise befindet sich das Insulin in einem gebrauchsfertigen Pen. Er sieht aus wie ein Stift und hilft, das Insulin über eine dünne Nadel in das Unterhautfettgewebe einzubringen.

Knapp sechs von zehn Kindern und Jugendlichen in Deutschland mit Diabetes Typ 1 haben eine Insulinpumpe. Das sind kleine, dauerhaft am Körper getragene Geräte, die automatisiert regelmäßig etwas Insulin in das Blut abgeben. Das hat den Vorteil, dass Betroffene sich über den Tag hinweg nicht selbst für den Grundbedarf an Insulin spritzen müssen. Die zusätzliche Insulingabe zu Mahlzeiten steuern sie per Knopfdruck.

Auch Erwachsene nutzen die Insulinpumpe, etwa wenn sie einen sehr unregelmäßigen Tagesablauf haben, sich nur schwer selbst Insulin spritzen können oder der Blutzucker schwierig einzustellen ist.

Eine junge Frau isst einen Keks und liest ein Buch. Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen keiner strengen Ernährungsform folgen.

Menschen mit Diabetes Typ 1 können essen, was sie möchten.

Diabetes und Schwangerschaft

Möchten Frauen mit Typ-1-Diabetes schwanger werden, sollten sie mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber sprechen. Es ist wichtig, den Diabetes und mögliche Begleiterkrankungen angemessen zu behandeln und einzustellen, um bei einer Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und für das ungeborene Kind zu verringern.

Eine schwangere Frau misst ihren Blutzuckerspiegel.

Eine gut angepasste und individuell zugeschnittene antidiabetische Behandlung in der Schwangerschaft ist wichtig und schützt Mutter und Kind.

Was kann ich selbst bei Diabetes tun?

Chronische Erkrankungen sind immer eine Herausforderung, auch wenn der Diabetes heute deutlich weniger das Leben bestimmt und die Behandlungsmöglichkeiten gut sind. Sind Menschen mit Diabetes gut auf ihren Behandlungsplan eingestellt, können sie selbst einiges dazu beitragen, sich wohler zu fühlen.

Selbstorganisation

Damit Menschen gut mit Diabetes leben können, sollten sie ihre Erkrankung verstehen und sich sorgfältig um die Behandlung kümmern. Essen, Trinken und Bewegung beeinflussen, wie hoch der Blutzuckerspiegel ist. Für Personen mit Diabetes ist es wichtig, gut auf ihren Körper zu achten und wahrzunehmen, wie ihre Gewohnheiten mit ihrem Blutzucker zusammenspielen.

Ernährung bei Diabetes

Menschen mit Typ-1-Diabetes können essen, was sie möchten. Sie müssen keiner speziellen Ernährungsform folgen oder auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung hilft jedoch auch ihnen, sich körperlich fit und mental ausgeglichen zu fühlen.

Ein Mädchen isst Pommes Frites mit Tomaten-Ketchup und Mayonnaise. Eine ausgewogene Ernährung wird bei Diabetes Typ 1 empfohlen, wobei nicht auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet werden muss.

Menschen mit Diabetes Typ 1 müssen nicht auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten.

Je besser Menschen mit Diabetes Ernährung verstehen, desto leichter fällt ihnen die tägliche Routine. Dazu gehört, die Glukosewirksamkeit von Lebensmitteln einschätzen zu können, also wie stark eine Mahlzeit den Blutzuckerwert beeinflusst. Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Art der Kohlenhydrate oder wieviel Fett, Ballaststoffe und Proteine enthalten sind und wie schnell diese vom Körper verarbeitet werden.

Diabetes und Depression

Diabetes kann emotional belastend sein. Ist die Stimmung niedergeschlagen und fehlt der Antrieb für Hobbys, die früher Freude bereitet haben, ist es ratsam, zeitnah mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen.

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