Eine junge Frau misst sich den Blutzucker mit einem Pen
Coronavirus

Corona und Diabetes: Wie sie sich gegenseitig beeinflussen

Lesedauer unter 5 Minuten

Redaktion

  • Ulrike Schnyder (Medizinredakteurin, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Madeleine Zinser (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, darunter auch Diabetes, haben ein höheres Risiko für einen schwereren COVID-19-Verlauf. Sie sind auch anfälliger, sich anzustecken. Wie Menschen mit Diabetes bestmöglich mit einer Corona-Infektion umgehen – und ob Diabetes durch Corona oder die Corona-Impfung entstehen kann.

Gehören Menschen mit Diabetes zur Corona-Risikogruppe?

Die kurze Antwort lautet: ja. Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus haben grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, dass eine Corona-Infektion bei ihnen schwer verläuft – egal ob sie von Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 betroffen sind. Aber das bedeutet nicht, dass alle Menschen mit Diabetes gleich stark gefährdet sind: Weitere Faktoren spielen eine Rolle. 

So erhöhen Übergewicht, Begleiterkrankungen wie Nierenerkrankungen und erhöhtes Alter das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Außerdem sind Männer eher gefährdet als Frauen. Warum das so ist, ist noch nicht ganz geklärt. Eine Vermutung lautet, dass Corona dort Schäden anrichtet, wo die Diabetes-Erkrankung bereits Veränderungen verursacht hat, und die Viren so leichteres Spiel haben.

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Diabetes erhöht Infektionsrisiko

Patientinnen und Patienten mit Diabetes stecken sich zudem leichter mit Corona an. Als Grund wird vermutet, dass Diabetes das Immunsystem beeinträchtigt. Zum Beispiel sind die Makrophagen von Diabetikerinnen und Diabetikern weniger aktiv. Diese Fresszellen verschlingen unter anderem körperfremde Zellen. 

Ein weiterer Grund könnte der Umstand sein, dass Coronaviren über einen besonderen Rezeptor in menschliche Zellen aufgenommen werden. Menschen mit Diabetes weisen eine höhere Zahl dieser Rezeptoren auf als gesunde Menschen. Coronaviren könnten dadurch mehr Möglichkeiten haben, Zellen zu befallen und sich im Körper zu vermehren.

Mann injiziert Insulin während der Arbeit

Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckers ist bei Diabetes immer wichtig. Ist der Blutzucker schlecht eingestellt, sind Patientinnen und Patienten anfälliger für Krankheiten.

Gut eingestellte Blutzuckerwerte senken Corona-Risiko

Diabetikerinnen und Diabetiker haben es zum Teil selbst in der Hand, wie anfällig sie für eine Infektion sind. Sie sollten ihre Blutzuckerwerte wie mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbart überprüfen. Bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren gilt beispielsweise ein Diabetes nicht als Risikofaktor, wenn der Blutzucker gut eingestellt ist. 

Ein schlecht behandelter Diabetes hingegen kann es Viren erleichtern, zuzuschlagen: Zu hohe Blutzuckerwerte schränken das Immunsystem an vielen Stellen ein, sodass es Infektionen schlechter bekämpfen kann. Auch Coronaviren, im Fachjargon SARS-CoV-2-Viren genannt, können dann einfacher angreifen.

Corona-Infektion: Was müssen Diabetikerinnen und Diabetiker beachten? 

Haben sich Personen mit Diabetes eine Corona-Infektion eingefangen, sollten sie besonders darauf achten, dass ihr Blutzucker gut eingestellt ist. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel, eine sogenannte Hyperglykämie, verschlechtert die Prognose. Dazu kommt, dass eine COVID-19-Erkrankung den Blutzucker nach oben treibt (Stress-Hyperglykämie): Die Infektion stresst den Körper, woraufhin er Stresshormone produziert. Diese lassen den Blutzucker wiederum in die Höhe schnellen. 

COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit Diabetes sollten also mit ihrer Hausarztpraxis oder ihrem Diabetes-Team klären, ob sie beispielsweise häufiger Blutzucker messen oder die Behandlung des Diabetes ändern sollten. Ebenfalls ist es angeraten, genügend Hilfsmittel wie Blutzuckerteststreifen zu Hause zu haben. Gleiches gilt für Medikamente oder Insulin, abhängig von der Diabetes-Therapie, und für Traubenzucker. So können Sie bei Bedarf Über- beziehungsweise Unterzucker entgegenwirken.

Diabetes und Corona-Impfung: Den Blutzucker kontrollieren

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Erwachsenen, sich dreimal gegen Corona impfen zu lassen: zweimal für die Grundimmunisierung, dann noch einmal zur Auffrischung. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes wird zusätzlich zu weiteren Auffrischimpfungen geraten. 

Wieder ist es essenziell, dass Diabetikerinnen und Diabetiker nach einer Impfung ihren Blutzucker im Blick halten und bei Entgleisungen ihre behandelnde Arztpraxis kontaktieren. Erhöhte Werte können die Wirkung des Impfstoffs schmälern.

Menschen mit Diabetes sollten ihre Blutzuckerwerte auch einige Tage nach der Impfung kontrollieren: Es kann sein, dass die Impfung den Blutzucker steigen lässt – ähnlich wie es bei einer Infektion passiert. Dieser Effekt hält in der Regel nur wenige Tage an.

Kann ich Diabetes durch eine Corona-Infektion bekommen? 

Im Verlauf der Pandemie erkrankten mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland an Typ-1-Diabetes als üblich. Auch mehr Erwachsene wurden nach einer COVID-19-Erkrankung mit Diabetes diagnostiziert, allerdings mit Typ 2. Eine Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums kommt sogar zu dem Ergebnis, dass es um rund 28 Prozent wahrscheinlicher ist, nach einer Corona-Infektion an Diabetes zu erkranken als nach einer anderen Atemwegsinfektion.

Warum ist das so? Darüber ist sich die Forschung noch nicht ganz im Klaren. Natürlich kann es sein, dass Menschen während des Lockdowns und der Isolation einen ungünstigen Lebensstil pflegten, woraus sich ein Typ-2-Diabetes entwickelte. Oder Betroffene gingen vielleicht später zur Ärztin oder zum Arzt, weshalb sich die Diagnose verzögerte. Glukokortikoide könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben: Sie werden als entzündungshemmende Arzneimittel unter anderem bei schweren COVID-19-Verläufen eingesetzt – erhöhen aber das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes.

Auch SARS-CoV-2 steht in Verdacht, Diabetes zu verursachen. Dafür kommen unterschiedliche Mechanismen infrage. Beispielsweise könnten die Viren direkt die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse schädigen. Studien zeigen, dass diese Zellen bei einem Virusbefall teilweise weniger Insulin produzieren und abgeben oder sogar absterben können. Das würde Symptome wie ein Diabetes Typ 1 hervorrufen. Die Stress-Hyperglykämie während einer Infektion kann ebenfalls das Risiko einer Diabetes-Erkrankung steigern.

Diabetes durch Corona-Impfung: Was ist dran?

Nicht nur die Corona-Erkrankung, auch die Corona-Impfung wird immer wieder in Verbindung mit neu auftretenden Diabetes-Erkrankungen gebracht. Zwar kann der Blutzuckerspiegel nach einer Impfung vorübergehend ansteigen. Jedoch hat bisher keine großangelegte Studie bestätigt, dass Corona-Impfstoffe grundsätzlich das Risiko für Diabetes erhöhen. 

Laut Forschung haben nur wenige Menschen nach einer COVID-19-Impfung Diabetes entwickelt. Diese hatten in der Regel eine genetische Veranlagung oder litten bereits an Vorerkrankungen, wie einer leichten Glukose-Intoleranz, die einen Diabetes nach sich ziehen können.

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