Herstellung einer Zahnprothese beim Zahntechniker.
Zahngesundheit

Zahnprothese: Hajos Erfahrungen mit seiner Teleskopprothese

Lesedauer unter 6 Minuten

Redaktion

  • Ricky Heimberg (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Eine Zahnprothese zu tragen ist für viele Menschen ein unangenehmer Gedanke. Viel zu oft erscheint vor dem inneren Auge das Bild vom „Klappergebiss im Wasserglas“. Zahnprothesen sind heutzutage jedoch sehr vielfältig und weit entwickelt. Die Sorge, mit einer Prothese nicht mehr richtig sprechen und essen zu können, ist unbegründet. Und auch die Lebensqualität muss unter einer Zahnprothese nicht leiden. In unserem Artikel erzählt Hajo (58) von seinen Erfahrungen mit seiner Teleskopprothese.

Das Zähneputzen besteht für Hajo (58) mittlerweile ganz selbstverständlich aus zwei Schritten: erst kommen die natürlichen Zähne dran, dann putzt er seine Zahnprothese. Seit Sommer 2017 trägt Hajo im Oberkiefer eine herausnehmbare Teleskopprothese, die seine natürlichen Schneidezähne, Eckzähne und die vorderen Backenzähne ersetzt. Die Entscheidung für die Prothese hat sich über Jahre entwickelt, sagt Hajo heute.

Andauernde Beschwerden: die Entscheidung für die Prothese

Bereits seit Anfang der 80er Jahre hatte er immer wieder Probleme mit seinen Zähnen. Die ersten Zahnschmerzen fingen an, als er 16 war. Seitdem geht Hajo regelmäßig zum Zahnarzt, aber die Zahnprobleme waren für ihn immer präsent. Nach vielen Jahren mit Karies, Zahnfehlstellungen, Zahnfleischentzündung und Parodontose riet seine Zahnärztin ihm dringend, eine langfristige Lösung für seine Zahngesundheit zu finden. Die Perspektive auf einen beschwerdefreien Alltag hat ihm die Entscheidung erleichtert.

Bedenken, dass der Zahnersatz möglicherweise sehr hohe Kosten verursachen würde, hatte Hajo nicht. Ein Teil der Kosten wurde von seiner gesetzlichen Krankenkasse, der Barmer, gezahlt, einen anderen Teil hat seine Zahnzusatzversicherung übernommen. Für Hajo war das ein weiterer Grund, sich für die Teleskopprothese zu entscheiden: „Ich habe nur einen kleinen Teil aus eigener Tasche bezahlt, wegen der Zahnzusatzversicherung.“

Ein anderer Zahnersatz kam für Hajo nicht in Frage. Ihm war der Gedanke unangenehm, die Zahnlücken durch teure Zahnimplantate zu schließen oder eine Prothese, die nicht gaumenfrei ist, zu bekommen. Für ihn stand der sichere und angenehme Halt, aber auch eine bezahlbare Lösung im Vordergrund. Am Ende war seine Überlegung sehr klar: „Man muss sich auch pragmatisch damit auseinandersetzen und sagen: Was will ich? Was ist die Verbesserung, die ich damit verbinde?“ Dank der Beratung durch seine Zahnärztin hat er für sich eine langfristige und stimmige Lösung gefunden.

Mit der Behandlung bei seiner Ärztin ist Hajo insgesamt sehr zufrieden. Gemeinsam haben sie die Teleskopprothese gewählt, die herausnehmbar ist und auf Hajos übrige, natürliche Zähne aufgesteckt wird. Dafür musste die Zahnärztin seinen Oberkiefer jedoch zunächst vorbereiten.

Der erste Behandlungstermin: die Vorbereitung der bestehenden Zähne

Die kranken Zähne, die nicht mehr behandelt werden konnten, wurden gezogen. Die Zähne, die noch gesund genug sind, dienen der Teleskopprothese als Fixierpunkte, sie werden auch Pfeilerzähne genannt. Dafür musste die Zahnärztin sie aber zunächst in die passende Form schleifen und mit sogenannten Teleskopkronen (Innenteleskope) überziehen. Teleskopkronen sind meist Käppchen aus Edelmetalllegierungen, die fest auf die beschliffenen Zähne zementiert werden. Sie schützen die Zähne und verbleiben dauerhaft im Mund. Auf diese Kronen kann Hajo die herausnehmbare Prothese aufstecken. Wegen der präzisen Anfertigung hält die Prothese ohne Haftcreme oder andere Hilfsmittel, was Hajo sehr wichtig war. Die Teleskopprothese ersetzt nun in seinem Oberkiefer acht Zähne.

Auch wenn er bereits viel Erfahrung mit Zahnarztbesuchen hatte: die vorbereitende Behandlung hat Hajo nicht in guter Erinnerung. Üblicherweise wird Patienten angeboten, diesen Vorbereitungsschritt, je nach Umfang, in mehrere Behandlungstermine aufzuteilen. Hajo wollte ihn aber möglichst mit einem Termin erledigen. Er entschied sich dafür, an einem Tag die Zähne ziehen, die Pfeilerzähne beschleifen und den Zahnabdruck für die Prothese nehmen zu lassen. Nach fast sechs Stunden konnte er die Praxis wieder verlassen. „Das war eine stundenlange Prozedur. […] Und das war ziemlich hart, das kann ich wirklich so sagen.“ Heute kann Hajo über seine Entscheidung lachen: „Meine Zahnärztin war zwar ganz stolz auf mich, aber mir hat es dann auch echt gereicht. Ich würde das glaub‘ ich nicht nochmal so machen.“

Die Anfertigung und Anpassung der Zahnprothese

Der Rest der Behandlung war für Hajo deutlich weniger anstrengend. Er hatte über sechs Wochen hinweg insgesamt fünf Behandlungstermine, bis die Prothese mit einer beständigen Kompositverblendung hergestellt und angepasst war. Für die Dauer der Behandlung hat er eine Übergangsprothese als provisorischen Zahnersatz bekommen. Über das Ergebnis der Behandlung hat sich Hajo vorher keine Sorgen gemacht und sich gut mit seiner Zahnärztin abgestimmt: „Ich habe da Vertrauen. Ich denke, damit fährt man besser, als wenn man sich irgendwelche krummen Gedanken macht.“

Das Ergebnis der Behandlung

Nach der finalen Anpassung saß die Prothese von Anfang an fest auf den Teleskopkronen. Nach ein paar Tagen Eingewöhnung wurde sie noch einmal überprüft. Sorgen, dass die Prothese auffällt oder beim Sprechen oder Essen stören würde, hatte Hajo nicht. Bei der Farbe der neuen Zähne hat er sich für einen natürlichen Ton entschieden, der seinen echten Zähnen möglichst ähnlich ist. Gerade weil es sich um die vorderen Zähne handelt, war es ihm wichtig, dass sie nicht unnatürlich weiß oder künstlich wirken. Die Prothese fällt durch den richtigen Farbton und ihren guten Halt im Alltag gar nicht auf: „Ich steck’ sie auf und dann hält sie.“ Diejenigen, die nicht wissen, dass Hajo eine Prothese trägt, merken ihm den künstlichen Zahnersatz nicht an. Auch beim Sprechen hatte er von Anfang an keine Probleme, da die Prothese wie die echten Zähne im Mund sitzt und keine störende Gaumenplatte die Zunge beim Sprechen behindert. Da er in seinem Beruf oft und viel Kontakt mit Menschen hat, sind ihm der Tragekomfort und der sichere Halt besonders wichtig.

Kleine BARMER-Infotafel zum Thema: Zahnbrücken und Ihre Befestigung

Infografik: Befestigung einer Teleskopprothese

Pflege der Teleskopprothese

Hajo lässt seine Prothese etwa alle anderthalb Jahre professionell reinigen, um Verfärbungen zu beseitigen. Ansonsten findet er die Pflege seiner Zahnprothese unkompliziert: „Da ist nix mit Kukident oder so, das soll man gar nicht machen. Sondern nur ein Reinigungsschaum – damit wird sie eingesprüht. Etwas einwirken lassen und mit der Zahnbürste abbürsten. Und dann kann ich sie wieder aufstecken, nachdem ich die anderen Zähne geputzt habe.“

Wenn die Zahnprothese mal fehlt

Hajo bezeichnet seine Frontzähne als „Präsentationsfläche“ und ist mit der Ästhetik insgesamt sogar zufriedener als mit seinen früheren, zweiten Zähnen. Während seine Prothese in der professionellen Reinigung ist, geht er aber lieber nicht in die Öffentlichkeit. Wie viele Menschen fühlt er sich unwohl mit Zähnen, die negativ auffallen könnten – ein Zeichen dafür, dass die Zahngesundheit neben den körperlichen auch psychologische Aspekte und persönliche Zufriedenheit berührt. Die Ultraschallreinigung des Zahnersatzes dauert glücklicherweise nur ein paar Stunden. Hajo sieht das ganz entspannt: „Da muss man die morgens hinbringen, nachmittags abholen. Und heutzutage kann man dazwischen ja Home Office machen.“

Vier Jahre später: der Alltag mit der Prothese

Durch die neue Zahnprothese hat Hajo seine Beschwerden in den Griff bekommen. Mit etwas Abstand wird ihm klar, wie stark sich die andauernden Zahnprobleme vorher auf seinen ganzen Körper ausgewirkt haben:

„Das hab‘ ich schon ein bisschen gemerkt, als ich dann die neue Prothese hatte: dass es mir danach insgesamt besser ging. Weil die Entzündungen im Gesicht und am Zahnfleisch nicht mehr da waren. Das hatte mir die Zahnärztin auch angekündigt, dass das eine positive Folge sein kann.“

Hajos Zahnpflegeroutine besteht nun also aus zwei Schritten: Er muss seine Zähne und seine Prothese reinigen. Das stört ihn im Alltag aber nur sehr selten: „In bestimmten Situationen ist das dann auch mal kurz lästig. Aber es dauert ja alles nicht lang. Wenn man sich gründlich die Zähne reinigt, mit einer elektrischen Zahnbürste, dann dauert das genauso lang.“

Die größere Veränderung seines Alltags besteht aber darin, dass Hajo nun Ruhe vor ständigen Beschwerden und andauernden Zahnbehandlungen hat. Regelmäßige Besuche bei seiner Zahnärztin stehen dennoch auf dem Programm. Ob für Routineuntersuchungen, die professionelle Zahnreinigung oder die Reinigung der Prothese: Hajo kümmert sich um seine Zähne – die zweiten und die dritten.

Literatur und weiterführende Informationen

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