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Zahngesundheit

Zahnimplantate: Wann sie sinnvoll sind und wie sie eingesetzt werden

Lesedauer weniger als 8 Min

Redaktion:

Katja Matthias (Medical Writer, TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung:

Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Ein Zahn fehlt und plötzlich geht es nicht nur ums Aussehen. Es geht ums Kauen. Ums Sprechen. Um das Gefühl, wieder sicher lachen zu können. Und ziemlich schnell auch um die Frage: Ist ein Zahnimplantat die beste Lösung für mich?

Was ist ein Zahnimplantat?

Ein Zahnimplantat ist eine Art künstliche Zahnwurzel.

Es handelt sich meist um eine Schraube oder einen Stift aus Metall, der in einer kleinen Operation im Kieferknochen verankert wird. Dort soll das Implantat mit dem Knochen verwachsen. Auf dieser künstlichen Wurzel kann später Zahnersatz befestigt werden, zum Beispiel eine Krone, eine Brücke oder eine Prothese.

Kurz zusammengefasst:

  • Das Implantat sitzt im Kieferknochen.
  • Der sichtbare Zahnersatz sitzt darauf.
  • Zusammen ersetzen sie einen fehlenden Zahn oder stabilisieren größeren Zahnersatz.

Wenn im Alltag von „Zahnimplantat“ gesprochen wird, meinen viele eigentlich das ganze System, also Implantat plus sichtbaren Zahnersatz.

Welche Zahnimplantate gibt es?

Zahnimplantate unterscheiden sich je nachdem, welches Problem im Gebiss gelöst werden soll.

Implantat bei einer kleinen Zahnlücke

Wenn ein einzelner Zahn fehlt, kann ein Implantat eine Lücke zwischen zwei gesunden Zähnen schließen. Darauf wird später meist eine Krone befestigt. Das Ziel: Die Lücke wird geschlossen, ohne dass Nachbarzähne als Befestigung für eine Brücke genutzt werden müssen.

Implantate für Prothesen

Wenn viele oder alle Zähne fehlen, können mehrere Implantate als Anker für eine Prothese dienen. Dadurch sitzt der Zahnersatz beim Essen und Sprechen fester im Mund. Für eine Vollprothese braucht es in der Regel mehrere Implantate. Diese Implantate sind anders geplant und aufgebaut als ein einzelnes Implantat für eine kleine Zahnlücke.

Worin sich Implantate unterscheiden

Zahnimplantate können sich unterscheiden in:

  • der Art der Befestigung im Kiefer, etwa mit oder ohne Gewinde
  • Breite und Tiefe
  • Form, zum Beispiel zylindrisch oder konisch
  • Material
  • Oberflächenbeschaffenheit

Das zeigt: Es gibt nicht „das eine“ Implantat. Entscheidend ist immer die Situation in Mund und Kiefer.

Woraus besteht ein Zahnimplantat?

Ein Implantat ist kein einzelnes Teil, sondern ein System aus mehreren Komponenten.

1. Implantatkörper

Der Implantatkörper ist der Teil, der in den Kieferknochen eingesetzt wird. Er übernimmt die Funktion einer künstlichen Zahnwurzel.

2. Implantataufbau

Auf dem Implantatkörper sitzt der sogenannte Implantataufbau. Fachlich heißt er Abutment. Dieses Verbindungsstück besteht aus Titan oder Keramik.

3. Implantatkrone

Die Implantatkrone ist der sichtbare Teil im Mund. Sie wird individuell im zahntechnischen Labor hergestellt. Implantatkronen bestehen häufig aus Gold oder Titan mit Verblendung oder aus Keramik. Auch Verbundmaterialien sind möglich.

Die Krone wird auf den Implantataufbau geschraubt oder zementiert. Je nach Konstruktion kann der Zahnersatz festsitzend oder herausnehmbar sein. Herausnehmbare Lösungen werden zum Beispiel durch Reibungshaftung oder Druckknöpfe fixiert.

Titan oder Keramik: Welches Material kommt infrage?

Bei Zahnimplantaten spielen vor allem zwei Materialien eine Rolle: Titan und Keramik.

Titanimplantate

Titan wird in der Implantologie seit Jahrzehnten verwendet. Es ist korrosionsbeständig, sehr belastbar und gilt als gut verträglich. Für medizinische Anwendungen ist nur besonders reines Titan zugelassen.

Eine echte Titanallergie ist medizinisch nicht nachgewiesen. Trotzdem können Reaktionen zwischen Körpergewebe und Implantat auftreten. Das ist keine klassische Allergie, kann aber unangenehm sein.

Keramikimplantate

Als Alternative zu Titan hat sich Keramik etabliert, genauer: Zirkonoxidkeramik. Keramikimplantate sind teurer als Titanimplantate. Außerdem gibt es bisher weniger Langzeiterfahrung mit ihnen.

Die Entscheidung für ein Material hängt deshalb nicht nur von Ästhetik oder Verträglichkeit ab, sondern auch von medizinischen Voraussetzungen, Erfahrung und Kosten.

Wer eignet sich für ein Zahnimplantat?

Ein Zahnimplantat braucht eine stabile Basis. Die wichtigste Voraussetzung ist deshalb: ausreichend gesunder Kieferknochen.

Wenn ein Zahn schon lange fehlt, kann sich der Kieferknochen zurückgebildet haben. Dann ist vor der Implantation möglicherweise ein Knochenaufbau nötig.

Was ist ein Knochenaufbau?

Ein Knochenaufbau heißt in der Fachsprache Augmentation. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Verwendet werden kann zum Beispiel:

  • eigenes Knochenmaterial
  • Knochenmaterial von anderen Menschen
  • Material von Tieren wie Rind, Pferd, Schwein oder Koralle
  • pflanzliches Material
  • künstlich hergestelltes Ersatzmaterial

Eigenes Knochenmaterial kann etwa aus einer anderen Region des Kiefers oder aus dem Becken entnommen werden.

Wann spricht etwas gegen ein Implantat?

Nicht jede Person ist automatisch für ein Zahnimplantat geeignet. Vor der Behandlung wird deshalb der allgemeine Gesundheitszustand geprüft.

Risikofaktoren oder Hinderungsgründe können sein:

Alter allein spricht nicht gegen ein Implantat. Wichtig ist aber, ob die Anforderungen rund um Pflege, Kontrolle und Handhabung im Alltag gut erfüllt werden können.

Wie läuft eine Implantation ab?

Wenn ein Zahn entfernt werden muss und ein Implantat geplant ist, beginnt die Implantation in der Regel acht bis zehn Wochen nach dem Ziehen des Zahns. Der genaue Ablauf kann je nach Implantat und persönlicher Situation abweichen. Grundsätzlich läuft die Behandlung aber in mehreren Schritten ab.

Schritt 1: Vorbereitung und Planung

Vor der Operation werden Mundhöhle, Kiefer, Zahnfleisch und Schleimhaut genau untersucht.

Röntgenbilder und andere bildgebende Verfahren helfen dabei, die Ausgangslage zu beurteilen. Außerdem können Modelle und Schablonen erstellt werden, um die Operation genau zu planen.

Eine gute Planung beginnt nicht beim Implantat selbst, sondern beim Ziel: Wie soll der spätere Zahnersatz aussehen? Was soll er leisten? Wie soll er sich im Alltag anfühlen?

Deshalb sind auch deine Erwartungen wichtig.

Vor der Entscheidung solltest du dir ehrlich folgende Fragen stellen:

  • Kann und will ich künftig mehr Zeit in Zahnhygiene investieren?
  • Kann ich regelmäßige Kontrolltermine einhalten?
  • Komme ich mit der Handhabung herausnehmbarer Konstruktionen zurecht?
  • Bin ich bereit, mögliche Zusatzkosten zu tragen?

Schritt 2: Operation mit örtlicher Betäubung

Die Implantation erfolgt meistens ambulant. Das bedeutet: Du kannst danach in der Regel wieder nach Hause gehen. Damit du keine Schmerzen spürst, bekommst du eine örtliche Betäubung. Während des Eingriffs wird der Kieferknochen freigelegt. Anschließend wird ein passendes Loch gebohrt, das Implantat eingesetzt und das Zahnfleisch über der Operationsstelle vernäht.

Die Operationswunde heilt normalerweise innerhalb weniger Tage ohne größere Schmerzen.

Schritt 3: Einheilphase

Danach muss das Implantat mit dem Knochen verwachsen. Das dauert ungefähr zwei bis sechs Monate. Im Oberkiefer braucht die Einheilung meist etwas länger als im Unterkiefer.

In dieser Zeit tragen viele Patientinnen und Patienten einen provisorischen Zahnersatz.

Schritt 4: Freilegen und Bekronen

Nach erfolgreicher Einheilung wird das Implantat in einer zweiten kleinen Operation wieder freigelegt. Danach kann der Aufbau erfolgen. Dafür nimmt die Zahnärztin oder der Zahnarzt Abdrücke. Auf dieser Grundlage wird entweder eine vorhandene Prothese angepasst oder neuer Zahnersatz hergestellt.

Wie lange halten Zahnimplantate?

Ein Implantat kann sehr langlebig sein. Trotzdem gilt: Kein Zahnersatz ist so gut wie der natürliche Zahn. Deshalb prüfen Zahnärztinnen und Zahnärzte vor einer Implantation immer, ob ein Zahn nicht doch erhalten werden kann.

Zur Haltbarkeit nennt die Vorlage einen wichtigen Wert: Im Unterkiefer sind nach zehn Jahren mindestens 95 von 100 Implantaten stabil. Im Oberkiefer ist die Haltbarkeit etwas geringer.

Wie lange ein Implantat hält, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Zustand des Kieferknochens
  • sorgfältige Planung
  • gute Mundhygiene
  • regelmäßige Kontrollen
  • Risikofaktoren wie Rauchen oder Vorerkrankungen

Wenn vor der Implantation ein Knochenaufbau notwendig war, muss das nicht automatisch schlechter für die Haltbarkeit sein. Ist der Knochenaufbau gut verheilt, wirkt er sich in der Regel nicht negativ auf die Langlebigkeit des Implantats aus.

Was tun, wenn sich das Implantat locker anfühlt?

Wenn sich ein Implantat locker anfühlt, muss nicht automatisch das ganze Implantat betroffen sein. Es kann sein, dass Verbindungselemente zwischen Implantatkörper, Aufbau und Krone nach einigen Jahren nachjustiert oder ausgetauscht werden müssen.

Genau deshalb sind regelmäßige Kontrolltermine so wichtig.

Was kostet ein Zahnimplantat und was zahlt die Krankenkasse?

Zahnimplantate sind aufwendig. Und sie sind nicht automatisch vollständig Kassenleistung.

Für den Zahnersatz auf dem Implantat gibt es einen Festzuschuss im Rahmen der Regelversorgung. Barmer-Mitglieder erhalten dabei 60 Prozent der Kosten von Zahnersatz als Festzuschuss. Mit nachgewiesener regelmäßiger Zahnvorsorge erhöht sich dieser Zuschuss.

Zahnimplantat oder andere Lösung: Wie entscheidest du?

Ein Implantat kann eine sehr gute Lösung sein, aber nicht automatisch für jede Situation.

Diese Entscheidungslogik hilft bei der Orientierung:

Ein Implantat kann sinnvoll sein, wenn:

  • ein einzelner Zahn fehlt
  • mehrere Zähne ersetzt werden müssen
  • eine Prothese stabiler sitzen soll
  • ausreichend gesunder Kieferknochen vorhanden ist
  • du bereit bist, auf gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen zu achten

Du solltest besonders genau prüfen, wenn:

  • du rauchst
  • du Parodontitis hattest oder hast
  • Diabetes oder andere relevante Erkrankungen bestehen
  • ein Knochenaufbau nötig wäre
  • du häufigere Kontrolltermine nicht sicher einhalten kannst
  • du die Kosten noch nicht klar abschätzen kannst

Die beste Entscheidung entsteht nicht aus dem Wunsch nach der „hochwertigsten“ Lösung, sondern aus der Frage: Passt das Implantat wirklich zu meinem Mund, meinem Alltag und meinen gesundheitlichen Voraussetzungen?

Häufige Fragen zu Zahnimplantanten

Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die im Kieferknochen verankert wird. Darauf wird Zahnersatz wie eine Krone, Brücke oder Prothese befestigt.
Ein Implantat kann infrage kommen, wenn ein oder mehrere Zähne fehlen und ausreichend gesunder Kieferknochen vorhanden ist. Auch der allgemeine Gesundheitszustand spielt eine Rolle.
Nach dem Ziehen eines Zahns beginnt die Implantation meist nach acht bis zehn Wochen. Danach braucht das Implantat etwa zwei bis sechs Monate, um mit dem Knochen zu verwachsen.
Häufig bestehen Implantate aus Titan. Keramik, genauer Zirkonoxidkeramik, ist eine Alternative, aber meist teurer und mit weniger Langzeiterfahrung verbunden.
Eine echte Titanallergie ist medizinisch nicht nachgewiesen. Es können aber Unverträglichkeitsreaktionen zwischen Körpergewebe und Implantat auftreten.
Implantate können sehr langlebig sein. Im Unterkiefer sind nach zehn Jahren mindestens 95 von 100 Implantaten stabil. Im Oberkiefer ist die Haltbarkeit etwas geringer.
Du solltest deine Zähne täglich sorgfältig putzen, Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten verwenden und alle sechs Monate zur Kontrolle gehen.

Literatur und weiterführende Informationen

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