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Tuberkulose - weltweit häufige Infektionskrankheit, selten in Deutschland

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Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die Tuberkulose (kurz TBC oder TB) zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass ein Viertel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose infiziert ist. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. 2018 haben sich weltweit fast 10 Millionen Menschen neu angesteckt. Im gleichen Jahr verstarben 1,5 Millionen Menschen an TBC, die meisten, weil sie in Ländern leben, in denen nur eine unzureichende oder sogar gar keine medikamentöse Behandlung möglich ist.

Ärztin hört bei einem Mann die Lunge ab


Die Tuberkulose-Bakterien zählen zu der Familie der Mykobakterien. Bei den meisten Infizierten greifen sie die Lunge an. Bei einigen Patienten treten keine Symptome auf, andere können wiederum an einem quälenden Husten leiden und lebensbedrohliche Folgeerkrankungen bekommen. Das Tückische an der Erkrankung ist, dass die Erkrankung selbst Jahre bis Jahrzehnte nach einer Infektion neu oder wieder ausbrechen kann. Eine Behandlung mit Medikamenten ist möglich, aber mit einer Dauer von sechs Monaten langwierig. Ein Impfstoff steht zwar zur Verfügung, wird aber von der WHO und der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit für Deutschland nicht empfohlen.

Wo kommt Tuberkulose vor?

Während in Asien fast die Hälfte aller Menschen betroffen sind, kommt die Tuberkulose in Deutschland nur selten vor. 85 Prozent der Menschen, die neu an Tuberkulose erkranken leben in Afrika, Südostasien und der westlichen Pazifikregion. Besonders betroffen sind Indien, Indonesien, China, die Philippinen und Pakistan. Nur 5 Prozent der neu an Tuberkulose-Erkrankten leben in Europa, wobei die ZahI der Erkrankungsfälle in Osteuropa höher ist als in den westeuropäischen Ländern. 2017 wurden in Deutschland insgesamt 5.486 Tuberkulose-Fälle registriert.

Tuberkulose bereits seit der Steinzeit bekannt
Tuberkulose ist schon seit der frühesten Geschichte der Menschheit bekannt. Die gefundenen Knochenreste eines Menschen lassen vermuten, dass dieser schon vor einer halben Million Jahre an Tuberkulose litt. Aber erst mit der Entdeckung der bisher unbekannten Bakterien durch Robert Koch im Jahr 1882 und der sich anschließenden Entwicklung von Antibiotika konnte Tuberkulose geheilt werden.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Tuberkulose?

Die Tuberkulose wird in den meisten Fällen durch das Einatmen von Tröpfchen übertragen. Unterschieden wird zwischen einer „offenen“ und einer „geschlossenen“ Tuberkulose. Ansteckend sind nur Patienten mit einer offenen Tuberkulose. Sie übertragen die Bakterien durch Husten und Niesen. Die Tuberkulose ist aber nicht so stark ansteckend wie andere Erkrankungen, die auch durch Tröpfchen übertragen werden. Bei Masern und Windpocken z. B. ist die Ansteckungsgefahr sehr viel größer. Mit Tuberkulose steckt sich nur einer von zehn Menschen an.

Außerdem, jedoch wesentlich seltener, kann die Übertragung über Hautverletzungen erfolgen. Wenn die Bakterien die Haut befallen und sich z.B. Fisteln gebildet haben, können Infizierte die Bakterien bei Körperkontakt übertragen.

Was ist der Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Tuberkulose?

Dringen Bakterien in den Körper ein, ist das Immunsystem gesunder Menschen in der Lage, den Bakterienherd einzukapseln. Diese kapselartigen Strukturen, auch „Tuberkeln“ genannt, sind im Röntgenbild sichtbar und haben der Tuberkulose ihren Namen gegeben. Das Immunsystem - auch gesunder Menschen - ist aber nicht in der Lage, die eingekapselten Bakterien abzutöten. Die Bakterien sind weiterhin aktiv, schädigen den Körper aber nicht, weil sie die Kapsel nicht durchdringen können. Es besteht keine Ansteckungsgefahr . Diese Form der Tuberkulose wird als die geschlossene Tuberkulose bezeichnet.

Nicht immer gelingt es dem Körper, die Bakterien einzukapseln. Entstehen offene Entzündungsherde mit nicht eingekapselten Bakterien in der Lunge und verbinden sich diese mit den Atemwegen, werden Bakterien in die Luft abgehustet. Der Patient ist dann hochansteckend. Betroffen sind immunschwache Menschen, z.B. Patienten mit einer HIV-Infektion.

Möglich ist auch, dass die Tuberkeln der geschlossenen Tuberkulose aufbrechen können, so dass sich aus der geschlossenen Tuberkulose eine offene entwickelt. Möglich ist dieser Krankheitsverlauf, wenn das Immunsystem im Laufe des Lebens aufgrund von weiteren Erkrankungen schwächer wird und die Tuberkulosebakterien nicht mehr in Schach halten kann.

Was sind die Symptome der Tuberkulose?

Eine Tuberkulose kann jedes Organ im Körper befallen. Da die Ansteckung über die Atemluft erfolgt, ist am häufigsten die Lunge betroffen. 80 Prozent aller Patienten mit offener Tuberkulose bekommen eine Lungentuberkulose, bei 20 Prozent sind andere Organe oder die Knochen betroffen. Nur jeder zehnte Patient zeigt Symptome. Menschen mit einer geschlossenen Tuberkulose bemerken oft nicht einmal, dass sie erkrankt sind. 

Charakteristisch für die Lungentuberkulose ist ein lang anhaltender Husten. Dieser kann, muss aber nicht blutig sein. Die Patienten sind häufig müde, leiden an Appetitlosigkeit und Fieber. Aufgrund des körperlichen Abbaus wurde die Tuberkulose früher auch als Schwindsucht bezeichnet. Bei Menschen, die an einem schwachen Immunsystem leiden, können sich die Bakterien über Blut- und Lymphwege im gesamten Körper ausbreiten und eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung verursachen.

Gefährlich an einer Tuberkulose ist, dass sie auch nach vielen Jahren bis Jahrzehnten reaktiviert werden kann. Dies bedeutet, dass sie erneut ausbricht und dann nicht nur die Lunge, sondern z.B. auch Knochen und Gelenke, befallen kann. Betroffen hiervon können auch Patienten sein, die zuvor symptomlos waren.

Wie wird die Tuberkulose diagnostiziert?

Um die Tuberkulose zu diagnostizieren, werden zwei Tests eingesetzt: der Tuberkulin-Hautest und der Interferon-Gamma-Test.

Tuberkulin-Hauttest

Beim Tuberkulin-Hauttest spritzen Ärzte eine kleine Menge Tuberkulin (eine Eiweißmischung, die aus den Bakterien gewonnen wird) in die Haut. Hat der Patient bereits genügend Antikörper gebildet, rötet und verhärtet sich der Bereich nach etwa 2 Tagen um die Einstichstelle.

Problematisch ist, dass der Test negativ ausfällt, wenn sich der Patient zwar mit Tuberkulose infiziert hat, die Menge der ausgebildeten Antikörper jedoch noch zu gering ist. Der Test sollte daher frühestens etwa sieben Wochen nach der Infektion erfolgen.

Auf der anderen Seite kann der Test positiv ausfallen, wenn eine Infektion mit Tuberkulose-ähnlichen Bakterien vorliegt oder auch, wenn in der Vergangenheit gegen Tuberkulose geimpft wurde. Bis zum Jahr 1990 wurde noch gegen Tuberkulose geimpft, allerdings sollte der Tuberkulin-Test nach spätestens 10 Jahren nicht mehr positiv ausfallen. Ein positives Testergebnis bedeutet nicht automatisch, dass ein Patient ansteckend ist.

Interferon-Gamma-Test

Beim Interferon-Gamma-Test handelt es sich um einen Bluttest. Das Interferon-Gamma ist ein Botenstoff, den die Abwehrzellen des Infizierten produzieren, wenn sie mit Tuberkulosebakterien in Kontakt gekommen sind. Vorteil des Interferon-Gamma-Tests ist, dass er bei einer Infektion mit Tuberkulose-ähnlichen Bakterien und nach einer Impfung im Gegensatz zum Hauttest negativ ausfällt.

Meldepflichtige Erkrankung

Bestätigt wird der Verdacht einer Lungentuberkulose über Röntgenaufnahmen der Lunge und einen direkten Nachweis der Bakterien aus dem Auswurf des Patienten unter dem Mikroskop. Wenn eine Tuberkulose vorliegt, sind Ärzte entsprechend dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, dem Gesundheitsamt die Erkrankung nach spätestens 24 Stunden zu melden, unabhängig ob es sich um eine offene oder geschlossene Tuberkulose handelt.

Wie wird die Tuberkulose behandelt?

Die Tuberkulose wird gleichzeitig mit verschiedenen Medikamenten über mehrere Monate behandelt. Verwendet werden unterschiedliche Wirkstoffe:

  • Isoniazid (INH),
  • Rifampicin (RMP),
  • Ethambutol (EMB),
  • Pyrazinamid (PZA) und
  • Streptomycin (SM).

Die Therapie ist langwierig. Selbst das als Kurzzeittherapie bezeichnete Schema verläuft über sechs Monate. Während dieser Zeit muss der Patient täglich Medikamente einnehmen.

Sind die Bakterien resistent gegenüber den Medikamenten, ist eine Tuberkulose nur schwer behandelbar. Die Resistenzlage verschlechtert sich zunehmend. Knapp 500.000 Patienten, die sich 2018 infiziert haben, sprachen nicht mehr auf Rifampicin an. Ein großer Teil der Patienten hatte sich sogar mit Tuberkulosebakterien infiziert, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent waren.

Gibt es zum Schutz eine Impfung gegen Tuberkulose?

In Deutschland wurde bis 1990 standardmäßig gegen Tuberkulose geimpft, in den Jahren zwischen 1990 und 1998 nur, wenn bestimmte Risiken vorlagen. Seit 1998 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Tuberkulose, die unter dem Namen BCG-Impfung bekannt ist, nicht mehr. Die STIKO orientiert sich an den Empfehlungen der WHO, die eine Impfung in Ländern, in denen das Infektionsrisiko für Tuberkulose unter 0,1 Prozent liegt, als nicht notwendig ansieht. Als Reiseschutzimpfung ist die Tuberkuloseimpfung nur selten notwendig. Benötigen Sie die Impfung für eine private Reise übernimmt die Barmer die Kosten als Satzungsleistung. Grund für die eingeschränkte Empfehlung ist die unzureichende Wirkung des aktuellen Impfstoffs. Die Ansteckung wird nicht verhindert, sondern nur die bei der Erkrankung auftretenden Komplikationen. Weiterhin kann der Impfstoff zur Narbenbildung an der Einstichstelle führen.

Aufgrund der weltweiten Resistenzlage wird mit Hochdruck an neuen Impfstoffen geforscht, die gut verträglich und wirksam sind. Bei der Entwicklung neuer TBC-Impfstoffe werden zwei Ziele verfolgt:

  • Die Ansteckung soll verhindert werden.
  • Bei Personen, die sich bereits angesteckt haben, aber symptomlos sind, soll ein Ausbruch der Tuberkulose verhindert werden.

Warum wir der Impfstoff BCG-Impfung genannt?
Die Impfung gegen Tuberkulose wurde 1921 von den französischen Wissenschaftlern Albert Camette und Camille Guérin entwickelt. Der Impfstoff erhielt den Namen seiner Entdecker: BCG (Bacillus Calmette-Guérin)-Impfstoff. Wer vor 1990 geboren ist, findet in seinem Impfpass daher unter Umständen noch einen Eintrag für die „BCG-Impfung“. 

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