Allergie

Gute Reise mit Allergie

Lesedauer unter 8 Minuten
Eine Frau mit Rucksack benutzt während einer Wanderung ihr Asthmaspray.

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die schönste Zeit des Jahres soll nicht von Allergiebeschwerden getrübt sein. Mit der passenden Vorbereitung, was Reiseziel und -zeit angeht, finden Allergiker im Urlaub Ruhe und Erholung. 

Ein erholsamer Urlaub trotz Allergie: Geht das?

Eines vorweg: Einen komplett allergiefreien Ort hat kein Reiseveranstalter im Angebot. Es gibt ihn schlichtweg nicht. Selbst am Südpol haben Wissenschaftler bereits Katzenhaare gefunden und in den Wüsten Arabiens Gräserpollen.

Trotzdem ist im Idealfall nicht nur ein schöner Urlaub mit Allergie, sondern auch Erholung von der Allergie möglich. Pollenallergiker haben es hier vergleichsweise leicht. Mithilfe regionaler Pollenflugkalender können sie ganz gezielt den Pollen-Hochzeiten zu Hause entfliehen. Pauschale Empfehlungen kann es aber nicht geben. „So wie jeder Allergiker im Alltag seinen individuellen Weg finden muss, gilt dies auch für den Urlaub“, erklärt Prof. Karl-Christian Bergmann, Facharzt am Allergie-Centrum der Charité Universitätsmedizin Berlin und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Die Tourismusbranche stellt sich auf Allergiker ein 

Er beobachtet in den vergangenen Jahren den Trend, dass sich die Tourismusbranche zunehmend auf Allergiker als Zielgruppe einstellt: „Es gibt eine große Nachfrage nach allergiefreundlichen Angeboten in Hotels und Restaurants. Und das ist auch gut so.“ Das beginnt bei Nichtraucher-Zimmern, in denen bewusst auf Teppichboden und Vorhänge verzichtet wird, und in deren Klimaanlagen Pollenfilter eingesetzt werden. Sonderleistungen wie spezielle Bezüge für Matratzen und Bettwäsche gehören in vielen Hotels inzwischen zum Standard. Das Angebot für Allergiker setzt sich in der Küche fort, in der auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten geachtet wird und Allergene auf der Speisekarte angegeben werden. 

Wie finden Menschen mit Allergie das passende Urlaubsangebot?

Eine große Hilfe für Menschen mit Allergie sind verlässliche Siegel, die nur erhält, wer bestimmte Standards einhält. Eine solche Auszeichnung hat zum Beispiel die Europäische Stiftung für Allergieforschung ECARF, ein Zusammenschluss mehrerer Forschungseinrichtungen, entwickelt. Nur Produkte und Dienstleistungen, die die umfangreichen und jeweils spezifischen Anforderungen für Allergenfreiheit erfüllen, erhalten das ECARF-Qualitätssiegel „allergikerfreundlich“ – unabhängig und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse geprüft. Dieses Logo ziert nicht nur Staubsauger und Hautcremes, sondern mittlerweile auch viele Hotels, Restaurants und selbst Fluggesellschaften.

Was sollten Menschen mit Allergie bei der Anreise beachten?

Ist die Reise erst einmal gebucht, ist die Vorfreude groß. Davor liegt aber noch die Anreise – und auch diese sollten Allergiker gut planen. In den Polstern von Bahn- oder Flugzeugsitzen können sich Hausstaubmilben oder Tierhaare sammeln. Insbesondere Asthmatiker sollten im Flugzeug daran denken, dass der Sauerstoffgehalt an Bord deutlich geringer ist.

Während des Flugs ist das Gepäck im Bauch des Flugzeugs verstaut. Allergiemedikamente gehören gut sichtbar in Klarsichtfolien ins Handgepäck. Manche Fluggesellschaften verlangen, die Originalverpackung und einen Arztbrief, der die Erkrankung und die Verordnung nennt, mitzuführen. Ein internationaler, mehrsprachiger Allergiepass beugt bei Reisen ins Ausland Missverständnissen vor.

Die für die Dauer des Urlaubs nötige Ration an Medikamenten kann der Arzt vorher verschreiben. Sollte es im Urlaub trotzdem nötig werden, in die Apotheke zu gehen, ist es gut zu wissen, ob das Medikament dort einen anderen Handelsnamen hat – meist gut zu identifizieren über den Namen des Wirkstoffs – oder dort überhaupt verfügbar ist.

Welche Urlaubsziele eignen sich für Menschen mit Allergie? 

„Es gibt kein generell günstiges Klima, in dem jeder Asthmatiker oder Allergiker befreit aufatmen kann“, sagt Allergologe Prof. Karl-Christian Bergmann. Generell lasse sich sagen, dass die Bedingungen an der Nord- und Ostsee oder in höheren Gebirgsregionen für viele Allergiker günstig sind: Es gibt dort deutlich weniger Pollenflug, auch Schimmelpilze und Hausstaubmilben mögen es lieber feucht und warm. Bedingungen, die sie im Hochgebirge nicht vorfinden.

An einer sorgfältigen Recherche, um den richtigen Ort und die beste Reisezeit für die individuellen Bedürfnisse zu finden, führt nichts vorbei. Dabei helfen spezialisierte Reisebüros genauso wie  Fremdenverkehrsämter, die sich immer besser auf Allergiker-Klientel einstellen. Daneben helfen digitale Anwendungen wie die kostenlose App „Pollen“ des Deutschen Polleninformationsdienstes.

Dann heißt es: Gute Reise und gute Erholung! Vor Ort gilt zu beachten: Das Klima kann sich deutlich von dem zu Hause unterscheiden. Der Körper muss sich darauf einstellen und braucht daher Zeit. Nach drei oder vier Tagen steht schweißtreibenden Ausflügen kaum noch etwas im Wege.

Welche Urlaubsziele eignen sich für Menschen mit Pollenallergie?

„Für Pollenallergiker ist es wichtig, genau zu wissen, gegen welche Pollen sie allergisch sind“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). „Ein pollenarmer Urlaub lässt sich gut planen, wenn man die botanischen und klimatischen Bedingungen in die Urlaubsplanung miteinbezieht.“ Der DAAB ist die älteste Selbsthilfeorganisation der Welt, sie wurde 1897 – vermutlich nicht ganz zufällig – auf Helgoland gegründet. Die Inseln vor den Küsten der Nord- und Ostsee eignen sich sehr gut für Pollenallergiker – vorausgesetzt, es wehen nicht gerade Pollenwolken vom Festland herüber. Auch inwieweit ein Ort an der Festlandküste pollenfrei ist, ist abhängig von der Windrichtung. Ideal sind dort auflandige Winde, die vom Meer her kommen.

Pollenfreies Kontrastprogramm bietet das Hochgebirge auf mindestens 1.500, besser noch 2.000 Höhenmetern – also oberhalb der Baumgrenze. Dort ist die Gräserblüte zwar sehr intensiv, dauert aber lediglich rund zwei Wochen. Ab Ende Juni ist im Alpenbereich kaum noch mit Pollen zu rechnen.

Ganz unkompliziert ist die Wahl des richtigen Reiseziels für Pollenallergiker nicht. Gräser zum Beispiel blühen im Mittelmeerraum früher als in Deutschland, in Nordeuropa dagegen deutlich später. Skandinavien ist für Menschen, die empfindlich auf Birkenpollen reagieren, bis in den späten Sommer eher nicht zu empfehlen. Im südlichen Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln kommen Birkenpollen dagegen kaum vor.

In größeren Städten ist die Belastung mit Feinstaub in der Regel höher. An die winzigen Partikel kann sich Pollen festhaften, was die Wirkung auf Allergiker verstärkt. Hier gilt also noch einmal mehr: genau prüfen, welche Pollen zur jeweiligen Reisezeit Saison haben.

Welche Urlaubsziele eignen sich für Menschen mit einer Hausstauballergie oder einer Schimmelpilzallergie?

Hausstaubmilben und Schimmelpilze mögen es am liebsten warm und feucht. Über 1.500 Metern Höhe kommen sie daher kaum vor. Das Klima im Hochgebirge ist ideal bei dieser Art von Allergie – die Leidenschaft für die Berge und fürs Wandern vorausgesetzt.

Im Hotelzimmer ist es wichtig, dass Schlaf- und Badezimmer Fenster haben und gut zu belüften sind. Für Matratzen gibt es spezielle Bettlaken, die so fein gewebt sind, dass sie fast undurchlässig sind: Milben können das Gewebe nicht durchdringen, Hautschuppen werden andererseits nicht zur Nahrungsquelle für die kleinen Quälgeister. Viele Hotels bieten solche Lösungen an, genauso wie leicht zu reinigende Fußböden, zum Beispiel mit Kurzflorteppich, der regelmäßig gesaugt wird.

Wer auf Schimmelpilze reagiert, sollte darauf achten, dass im Zimmer die Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent nicht überstiegen wird und die Temperatur unter 20 Grad bleibt. Sporen tummeln sich vor allem im Badezimmer, deswegen sollten Sie es regelmäßig lüften können. Zimmerpflanzen sollten tabu sein.

Welche Urlaubsziele eignen sich für Menschen mit Tierhaarallergie?

Tierhaarallergiker reagieren nicht auf die Tierhaare selbst, sondern auf jene Allergene, die zum Beispiel in und an Hautschuppen anhaften. Urlaub auf dem Bauernhof entfällt logischerweise. Im Hotel sollten nach Möglichkeit keine Haustiere zugelassen sein – zumindest jedoch nicht auf dem jeweiligen Stockwerk. Allergiker können sich bei der Unterkunft vorab informieren, ob garantiert werden kann, dass zuletzt keine Haustiere im gebuchten Zimmer beherbergt wurden.

Welche Urlaubsziele eignen sich für Menschen mit Neurodermitis? 

Das Klima an Ost- und Nordsee mit salzhaltiger Luft und Sonnenschein tut gut bei Neurodermitis. Damit Menschen mit Neurodermitis wirklich davon profitieren, sollten sie einen Aufenthalt von mindestens einer Woche einplanen. Wen es eher ins Hochgebirge zieht, sollte bedenken, dass die geringere Luftfeuchtigkeit die Haut stärker austrocknen lässt als zu Hause. Aber auch feucht-warmes Tropenklima kann die Haut irritieren. Manchmal hilft auch einfach der zeitweise Wechsel der Klimazone im Sinne eines Reizklimas. So oder so, vor der Abreise sollten Betroffene sich ausreichend mit Vorräten der gewohnten Basistherapie, also Salben oder Cremes, eindecken, um in der Fremde nicht auf andere Präparate umsteigen zu müssen.

Ist ein Urlaub mit Wohnmobil oder Wohnwagen geeignet für Menschen mit einer  Allergie?

Wenn am Ziel der Reise gar kein Hotelzimmer nötig ist, weil man im eigenen Zuhause unterwegs ist, kann dies einiges erleichtern. „Im eigenen Wohnmobil oder Wohnwagen können sich Allergiker genau so einrichten und mit Lebensmitteln versorgen, wie es für sie passend ist“, erklärt die Oecotrophologin Sonja Lämmel, die beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) immer wieder zu Urlaubsfragen berät. Dies sei zum Beispiel für Menschen reizvoll, die allergisch auf Hausstaubmilben reagieren. Auch im mobilen Zuhause müssen Asthmatiker und Schimmelpilzallergiker aber darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. „Wenn am Urlaubsort das Klima oder die Umgebung nicht passen sollte, kann man mit dem eigenen Wohnmobil einfach weiterfahren“, empfiehlt Lämmel.

Worauf sollten Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie im Urlaub achten? 

Dass viele Menschen empfindlich auf bestimmte Lebensmittel reagieren, dürfte nirgendwo auf der Welt mehr ein Geheimnis sein. Auch in fernen Ländern haben sich viele Restaurants und Supermärkte darauf eingestellt. Betroffene sollten trotzdem daran denken, dass sich die Zubereitungsarten deutlich unterscheiden können und es überall unbekannte Zutaten gibt. Auch vor Übersetzungsproblemen ist niemand gefeit. Also lieber zweimal nachfragen und zur Not auf neue Aromaentdeckungen verzichten, um kein Risiko einzugehen. Ein Notfall-Set sollte immer dabei sein.

Im Vorfeld können Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie bereits Kontakt zu ihrer Unterkunft aufnehmen und ihre Unverträglichkeiten anmelden, damit sich die Küche darauf einstellen kann. Um Missverständnisse zu vermeiden, kann eine Liste mit Nahrungsmitteln, die man nicht verträgt, zusammengestellt und an der Rezeption hinterlegt werden. Wenn die Wörter noch in die jeweilige Sprache des Urlaubsortes übersetzt werden, umso besser. Ein spezielles Allergie-Wörterbuch kann dabei unterstützen. 

Checkliste für die Urlaubsunterkunft

Um ganz sicher zu gehen, sollten sich Allergiker aus dieser Liste jene Fragen heraussuchen und beantworten können, die für sie relevant sind:

  • Wann genau fliegen in der Wunschregion jene Pollen, gegen die man allergisch ist?
  • Sind die Räume mit einer Klimaanlage ausgestattet, eventuell mit speziellen Pollenfiltern?
  • Lassen sich im Hotelzimmer die Fenster zum Lüften öffnen? Gibt es im Bad Fenster?
  • Aus welchem Material ist das Bettzeug? Wie häufig wird es gewaschen? Gibt es spezielle Überzüge für Allergiker?
  • Wie alt sind die Matratzen? Haben sie das richtige Maß für das mitgebrachte eigene Encasing?
  • Sind Tiere im Haus oder in der Nähe erlaubt?
  • Wird in der Hotelküche selbst gekocht – und gibt es Optionen für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
  • Welche Reinigungsmittel werden verwendet?
  • Gibt es Nichtraucherzimmer?
  • Gibt es eine Apotheke und einen Arzt in der Nähe, mit dem man sich verständigen könnte?

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Webcode: a005541 Letzte Aktualisierung: 25.06.2020
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