Welche Urlaubsziele eignen sich für Allergiker?
„Es gibt kein generell günstiges Klima, in dem jeder Asthmatiker oder Allergiker befreit aufatmen kann“, sagt Allergologe Prof. Karl-Christian Bergmann. Trotzdem lassen sich Regionen nennen, die vielen Allergikern guttun.
Prinzipiell günstig für Allergiker können sein:
Nord- und Ostsee (Inseln und Küsten)
höher gelegene Gebirgsregionen
An der Nord- und Ostsee ist der Pollenflug oft geringer. Im Hochgebirge mögen es Hausstaubmilben und Schimmelpilze weniger, weil sie warm-feuchte Bedingungen bevorzugen, die dort kaum vorkommen. Über 1.500 Metern Höhe kommen Hausstaubmilben kaum vor.
Trotzdem führt an einer individuellen Recherche nichts vorbei. Spezialisierte Reisebüros, Fremdenverkehrsämter und Polleninformationsdienste helfen, das Zielszenario besser einzuschätzen.
Vor Ort kann sich das Klima deutlich von zu Hause unterscheiden. Dein Körper braucht einige Tage zur Anpassung. Nach drei bis vier Tagen sind körperlich anstrengende Aktivitäten meist besser verträglich.
Urlaub mit Pollenallergie: Welche Reiseziele passen?
Für Pollenallergiker ist es wichtig, die eigenen Auslöser genau zu kennen. „Für Pollenallergiker ist es wichtig, genau zu wissen, gegen welche Pollen sie allergisch sind“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). „Ein pollenarmer Urlaub lässt sich gut planen, wenn man die botanischen und klimatischen Bedingungen in die Urlaubsplanung miteinbezieht.“
Pollenarme Regionen
Inseln vor den Küsten der Nord- und Ostsee können für Pollenallergiker sehr gut geeignet sein, sofern nicht gerade Pollenwolken vom Festland herüberwehen. Auch an der Festlandküste hängt die Pollenbelastung stark von der Windrichtung ab. Ideal sind auflandige Winde, die vom Meer her kommen.
Ein weiteres Kontrastprogramm bietet das Hochgebirge:
Höhe: mindestens 1.500, besser 2.000 Meter
oberhalb der Baumgrenze
Gräserblüte ist intensiv, dauert aber nur rund zwei Wochen
ab Ende Juni ist im Alpenbereich kaum noch mit Pollen zu rechnen
Regionale Unterschiede bei Gräser- und Baumpollen
Die Wahl des richtigen Reiseziels für Pollenallergiker ist trotz allem komplex:
Im Mittelmeerraum blühen Gräser früher als in Deutschland.
In Nordeuropa ist die Gräserblüte später.
Skandinavien ist für Birkenpollen-Allergiker bis in den späten Sommer eher ungünstig.
Im südlichen Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln kommen Birkenpollen kaum vor.
In größeren Städten ist die Feinstaubbelastung höher. An Feinstaubpartikeln können sich Pollen anheften und ihre Wirkung verstärken. Auch das sollte in die Reiseplanung einfließen.
Urlaub bei Hausstauballergie oder Schimmelpilzallergie
Hausstaubmilben und Schimmelpilze lieben warm-feuchtes Klima. Über 1.500 Höhenmetern kommen sie kaum vor, weshalb das Hochgebirge bei diesen Allergien besonders attraktiv sein kann, wenn du Berge und Wandern magst.
Wichtige Punkte bei der Wahl der Unterkunft
gut belüftbare Schlaf- und Badezimmer (mit Fenstern)
spezielle, fein gewebte Bettlaken für Matratzen, die Milben abhalten
leicht zu reinigende Fußböden statt dicker Teppiche
Kurzflorteppiche, die regelmäßig gesaugt werden
Bei Schimmelpilzallergie solltest du zusätzlich darauf achten:
Luftfeuchtigkeit im Zimmer: nicht über 80 Prozent
Raumtemperatur: möglichst unter 20 Grad
Zimmerpflanzen vermeiden, da sie Schimmelpilze begünstigen können
Urlaub mit Tierhaarallergie
Tierhaarallergiker reagieren auf Allergene, die an Hautschuppen, Speichel oder Urin von Tieren haften, nicht auf das Haar selbst. Urlaub auf dem Bauernhof ist für Betroffene in der Regel nicht geeignet, weil dort viele Tiere leben.
Bei der Unterkunftswahl helfen folgende Fragen:
Sind Haustiere in der Unterkunft oder auf deinem Stockwerk erlaubt?
Kann dir zugesichert werden, dass im gebuchten Zimmer zuletzt keine Haustiere waren?
Je besser du diese Punkte im Vorfeld klärst, desto geringer ist das Risiko für allergische Reaktionen.
Urlaub mit Neurodermitis
Bei Neurodermitis kann das Klima an Nord- und Ostsee mit salzhaltiger Luft und Sonnenschein sehr wohltuend sein. Damit sich der positive Effekt entfalten kann, sollte der Aufenthalt mindestens eine Woche dauern.
Im Hochgebirge ist die Luftfeuchtigkeit geringer, was die Haut stärker austrocknen kann. Auch feucht-warmes Tropenklima kann die Haut zusätzlich reizen. Manchmal hilft bereits der zeitweise Wechsel der Klimazone im Sinne eines Reizklimas.
Bei Neurodermitis solltest du vor der Abreise:
ausreichend Basistherapie (Salben, Cremes) einpacken
möglichst bei deiner gewohnten Behandlung bleiben
vor Ort nicht unnötig auf andere Präparate umsteigen
Nahrungsmittelallergie im Urlaub: Was musst du beachten?
Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten sind weltweit verbreitet. Restaurants und Supermärkte sind heute oft auf Allergiker eingestellt. Trotzdem können Zubereitungsarten, unbekannte Zutaten und Sprachbarrieren zu Risiken führen.
Wichtige Tipps bei Nahrungsmittelallergie:
lieber einmal mehr nachfragen als ein Risiko eingehen
bei Unsicherheit auf neue Aroma-Experimente verzichten
ein Notfall-Set immer bei sich tragen
Vor der Reise kannst du:
deine Unverträglichkeiten an die Unterkunft melden
eine Liste mit nicht verträglichen Lebensmitteln erstellen und an der Rezeption hinterlegen
Begriffe in die Landessprache übersetzen lassen
ein spezielles Allergie-Wörterbuch nutzen, um Zutaten besser zu verstehen
So sinkt die Gefahr für allergische Reaktionen im Urlaub deutlich.
Checkliste: Ist deine Urlaubsunterkunft allergikerfreundlich?
Diese Checkliste hilft dir vor Buchung und Anreise, deine Unterkunft auf Allergie-Tauglichkeit zu prüfen:
Wann fliegen in der Zielregion die Pollen, gegen die du allergisch bist?
Gibt es Klimaanlagen mit Pollenfiltern?
Lassen sich Fenster im Zimmer und im Bad öffnen, um gut zu lüften?
Aus welchem Material sind Bettzeug und Matratzenbezüge?
Wie häufig wird Bettwäsche gewaschen?
Gibt es spezielle Allergiker-Überzüge (Encasings)?
Wie alt sind die Matratzen und passen sie zu deinem eigenen Encasing?
Sind Tiere im Haus oder auf deinem Stockwerk erlaubt?
Gibt es Nichtraucherzimmer?
Wird im Haus selbst gekocht und auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten geachtet?
Welche Reinigungsmittel werden verwendet?
Gibt es eine Apotheke und einen Arzt in der Nähe, mit denen du dich verständigen kannst?
Je mehr dieser Punkte du im Vorfeld klärst, desto entspannter kannst du deine Reise antreten, trotz Allergie.