Allergie

Eine Kontaktallergie erkennen und schon vor dem chronischen Stadium richtig behandeln

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Mann kratzt sich den Unterarm

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Wie der Name schon sagt, bei einer Kontaktallergie hat der allergieauslösende Stoff Kontakt mit der Haut. Etwas liegt also über einen längeren Zeitraum auf der Haut (ein Ring aus Nickel oder ein Pflaster) oder es berührt die Haut kurz (Pflanzen, Latexhandschuhe). 

Wie häufig kommt eine Kontaktallergie vor?

Eine Kontaktallergie kommt relativ häufig vor. Studien zeigen, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland auf mindestens eine Substanz, die die Haut berührt, allergisch reagiert.

Was passiert bei einer Kontaktallergie? 

Wie bei allen anderen Allergien reagiert das Immunsystem des Körpers übertrieben. Es nimmt die ungefährliche Substanz als Fremdkörper wahr. Bereits bei einem vorangehenden Kontakt bildet der Körper Antikörper gegen den Auslöser, das Kontaktallergen. Die Reaktion lässt aber länger auf sich warten als zum Beispiel bei einer Bienengiftallergie. Die Kontaktallergie gehört daher zu den Spättyp-Allergien. Die Symptome treten erst einen bis drei Tage nach der Berührung mit dem Allergen auf. Verantwortlich für die Reaktion sind bestimmte Zellen des Abwehrsystems. Diese sogenannten T-Zellen schütten Botenstoffe aus, wenn sie mit dem Allergen in Kontakt kommen. Außerdem lösen sie eine Entzündungsreaktion aus. Diese führt zu einer deutlich sichtbaren Hautveränderung. Bei einem Kontaktekzem rötet sich die betroffene Hautstelle, juckt oder nässt sogar. Bei wiederholten oder ständigem Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff können die Beschwerden die Betroffenen stark belasten.

Welche Symptome treten auf? 

Bei einer Kontaktallergie zeigen sich immer Hautveränderungen – etwa einen bis drei Tage nach der Berührung durch das Allergen.

Die häufigsten Symptome sind: 

  • Hautrötung, oft scharf begrenzter Hautausschlag
  • Trockene Haut
  • Schwellung/Quaddeln
  • nässende Bläschen
  • Krusten- oder Schuppenbildung
  • ​starker Juckreiz oder Brennen

Bei einer starken Reaktion kommt es zu einer Kontaktdermatitis. Die Haut entzündet sich, kann spannen und schmerzen, eventuell sogar aufplatzen. Dieser Zustand wird auch als allergisches Kontaktekzem bezeichnet. Wie heftig die Hautreaktion ausfällt, hängt von dem bestimmten Stoff ab, auf den die Haut allergisch reagiert und wie lange sie mit ihm in Berührung kam. Zunächst beschränkt sich ein Kontaktekzem auf die Körperstelle, die mit dem Allergen Kontakt hatte. Meist sind die Hände, das Gesicht oder der Nacken von einer allergischen Hautreaktion betroffen. Vermeidet man den Auslöser nicht, kann es zu einem chronischen allergischen Kontaktekzem kommen, die Haut verhornt und es bilden sich dauerhaft Rillen oder Risse in der Haut. Später können Symptome auch in Körperbereichen auftreten, die keinen Kontakt mit dem Allergen hatten (Streureaktion). Daher sollte man unbedingt mit einem Allergietest herausfinden, was die Ursache für ein allergisches Kontaktekzem ist.

Häufige Allergene: Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Theoretisch kann jede Substanz, die in der Umwelt vorkommt, bei einem Menschen Symptome einer Kontaktallergie hervorrufen. Die häufigsten Auslöser für eine akute Kontaktallergie sind:

  • Metalle (vor allem Nickel in Schmuck, Reißverschlüssen, Knöpfen)
  • Klebstoffe (z.B. auf Pflastern)
  • Duftstoffe (Parfümen, Seifen, Kosmetika, Waschmittel)
  • Konservierungsstoffe (in Lebensmitteln)
  • Pflanzen (Kamille, Arnika, Beifuß)
  • ätherische Öle (vor allem Zitronen- oder Pfefferminzöl)
  • Reinigungs- und Lösungsmittel (Weichmacher)
  • Latex (z. B. als Latexhandschuhe oder Kondome)

Obwohl im Grunde jeder Mensch eine Kontaktallergie entwickeln kann, tut es nicht jeder. Es gibt einige Faktoren, die das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, generell erhöhen: So existiert eine genetische Vorbelastung – Kinder, deren Eltern allergisch reagieren, haben ein erhöhtes Risiko ebenfalls eine Allergie entwickeln (ein Elternteil: Wahrscheinlichkeit 30 Prozent, beide Elternteile: 60 Prozent). Zudem zeigen viele Studien der letzten Jahre, dass Umweltschadstoffe, eine fettreiche, ungesunde Nahrung, Rauchen und Alkohol, aber auch eine übermäßige Hygiene die Entstehung von Allergien begünstigen.

Wie wird eine Kontaktallergie festgestellt? 

Ob eine Erkrankung vorliegt, klärt ein Allergologen oder Hautarzt in der Regel durch einen Test mit häufigen Kontaktallergenen. Der Arzt wird nach den Beschwerden, den Lebensumständen und der Krankengeschichte fragen:

  • Wann traten die Hautreaktionen erstmals auf?
  • Welche Hautstellen sind betroffen?
  • Was lindert die Beschwerden – zum Beispiel, wenn bestimmte Kleidungsstücke oder Schmuck nicht getragen werden?
  • ​Hat der Patient andere Allergien?

Der Arzt wird die Hautstellen vor der Behandlung untersuchen. Ein Hinweis auf ein beginnendes oder akutes Kontaktekzem sind unscharf begrenzte Ränder der betroffenen Stelle. Dann wird der Arzt einen Epikutanttest (Patch-Test) durchführen: Er trägt dabei mehrere in Frage kommende Teststoffe in Form von Salben oder Lösungen auf die Haut auf – meist auf den Rücken des Patienten. Die Salben oder Lösungen enthalten jeweils eine Substanz, mit einem möglicherweise auslösenden Stoff. Je nach Verdacht, welcher Stoff der mögliche Auslöser sein könnte, wählt der Arzt die Standardreihe mit den häufigsten Kontaktallergenen oder eine spezielle Allergengruppen, zum Beispiel bei der Duftstoffreihe. Dann deckt der Arzt die Stoffe mit Pflastern ab. Der Patient darf nach Hause gehen, darf aber nicht duschen oder baden.

Nach ein bis zwei Tagen muss der Patient erneut in die Praxis kommen. Hier entfernt der Arzt die Pflaster beurteilt die lokale Reaktion auf die verschiedenen Substanzen. Ist die Stelle gerötet, juckt oder haben sich Quaddeln gebildet, zeigt dies eine allergische Reaktion auf die Substanz. Der Arzt untersucht den Rücken und notiert, in welchen Testfeldern allergische Reaktionen zu erkennen sind. Je nachdem wie viel Zeit seit dem Auftragen verstrichen ist, zeigt dies das 24- oder 48-Stunden-Ergebnis. Einen Tag später untersucht der Arzt erneut die Haut und hält das 72-Stunden-Ergebnis fest, weil sich meist erst dann die maximale Reaktion auf die Allergene erkennen lässt. Manchmal kann auch eine weitere Kontrolle nach 96 Stunden nötig sein. Die Stärke der Reaktionen hält der Arzt dann in einem Testprotokoll fest und stellt einen Allergie-Pass aus.

Wie verläuft eine Kontaktallergie? 

Kontaktallergien entwickeln sich meist erst im Erwachsenenalter. Häufig klingen die Beschwerden wieder ab, wenn sie behandelt und die Auslöser vermieden werden. Es kann sich aber auch ein chronisches Kontaktekzem bilden. Dann verdickt und verhornt die Haut und bildet schmerzhafte Risse.

Ist eine Kontaktallergie heilbar?  

Eine Kontaktallergie kann man nicht vollständig heilen, denn die Sensibilisierung gegen eine bestimmte Substanz besteht meist ein Leben lang. Symptome wie Ekzeme treten dann umgehend wieder ein, sobald man wieder mit den allergenen Substanzen in Berührung kommt. Beste Maßnahme: Wie bei allen Allergien sollten man den Kontakt mit den allergieauslösenden Substanzen so gut es geht meiden. Bei einer Überempfindlichkeit gegen Nickel kann man zum Beispiel darauf zu achten, dass Schmuck, Knöpfe oder Gürtelschnallen mit Hautkontakt kein Nickel enthalten. Stehen Kosmetika im Verdacht, die Kontaktdermatitis auszulösen, ist hier ein Wechsel empfohlen.

Lassen sich Kontaktallergene im Beruf nicht vermeiden (Friseure), kann man den direkten Kontakt durch Handschuhe und Schutzkleidung vermeiden. Bei Verdacht auf eine beruflich bedingte Erkrankung ist eine Meldung an die Berufsgenossenschaft durch den Haut- oder Betriebsarzt sinnvoll. Wird die Allergie als Berufskrankheit anerkannt, werden beispielsweise die Kosten für Schutzmaßnahmen übernommen.

Wie kann man eine Kontaktallergie behandeln? 

Besteht bereits eine Kontaktallergie, sollte man die betroffenen Hautstellen gut säubern, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Feuchtigkeits- und Pflegeprodukte aus der Apotheke unterstützen die Haut bei der Regeneration. Besonders empfehlenswert sind rückfettende Cremes, Öle oder Bäder.

Verschwindet das Ekzem oder die Irritation nicht, wird der Arzt, Falls notwendig, eine kortisonhaltige Salbe verschreiben. Diese trägt man wie verordnet auf die Haut und lässt sie gut einwirken. Kortison hemmt die überschießende Immunantwort und mindert die Entzündungsreaktion in der Haut. Jedoch hat Kortison immer Nebenwirkungen: Es kann bei einer längeren Anwendung die Haut dünner, empfindlicher und fleckig machen. Deshalb sollten kortisonhaltige Präparate nur kurzzeitig und nach Rücksprache mit einem Arzt aufgetragen werden.

Heilen die Hautstellen trotz einer Behandlung mit Kortisonsalbe nicht, können in schweren Fällen kortisonhaltige Tabletten eingenommen werden. Diese sollten nur kurz und unter ständiger Kontrolle durch den Arzt genommen werden, da starke Nebenwirkungen auftreten können. Wenn ein Ekzem bereits chronisch geworden ist, kann auch eine Bestrahlung mit UV-Licht (UVB-Therapie) oder aber Bestrahlungen mit UV-A-Licht sinnvoll sein. Oft wird diese dann mit dem Wirkstoff Psoralen (PUVA-Therapie) kombiniert. Psoralen wird eingenommen oder lokal auf die Haut aufgetragen.

Sonderform: Die toxische Kontaktdermatitis

Giftige Substanzen wie Säuren oder Laugen können eine toxische Kontaktdermatitis auslösen. Diese Reaktion ist jedoch keine Allergie – die Hautveränderungen ähneln aber sehr stark einer allergischen Reaktion.

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