Allergie

Was ist eine Kontaktallergie?

Lesedauer unter 6 Minuten

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Wie der Name schon sagt: Bei einer Kontaktallergie hat der allergieauslösende Stoff Kontakt mit der Haut. Etwas liegt also über einen längeren Zeitraum auf der Haut (ein Ring aus Nickel oder ein Pflaster) oder es berührt die Haut kurz (Pflanzen, Latexhandschuhe). 

Wie häufig kommt eine Kontaktallergie vor?

Eine Kontaktallergie kommt relativ häufig vor. Studien zeigen, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland auf mindestens eine Substanz, die die Haut berührt, allergisch reagiert. Etwa 8 % aller Erwachsenen haben eine Kontaktallergie. Frauen erkranken häufiger als Männer. Kontaktallergien sind für etwa 10 % aller Berufskrankheiten verantwortlich. Häufig betroffene Berufsgruppen sind Friseure, Kosmetiker, Pflegekräfte, Bäcker, Büroangestellte, Metallarbeiter und Maurer.

Was passiert bei einer Kontaktallergie? 

Wie bei allen anderen Allergien reagiert das Immunsystem des Körpers bei einer Kontaktallergie übertrieben, da es die ungefährliche Substanz auf der Haut als Fremdkörper wahrnimmt. Bereits bei einem vorangehenden Kontakt bildet der Körper Antikörper gegen den Auslöser (Allergen). Die Reaktion lässt aber länger auf sich warten als zum Beispiel bei einer Bienengiftallergie: Die Kontaktallergie gehört zu den Spättyp-Allergien. Die Symptome treten erst einen bis drei Tage nach der Berührung mit dem Allergen auf. Verantwortlich für die Reaktion sind bestimmte Zellen des Abwehrsystems. Diese sogenannten T-Zellen schütten Botenstoffe aus, wenn sie mit dem Allergen in Kontakt kommen und lösen eine Entzündungsreaktion aus. Diese führt zu einer deutlich sichtbaren Hautveränderung. Die Hautstellen röten sich, jucken oder nässen sogar. Bei wiederholten Kontakt mit einem Stoff – zum Beispiel bei Friseurinnen und Friseuren, die täglich mit chemischen Haarfärbemitteln oder Dauerwellflüssigkeit arbeiten – können die Beschwerden die Betroffenen stark belasten. Sie können ihren Beruf dann nur noch eingeschränkt ausüben.

Welche Symptome treten bei einer Kontaktallergie auf? 

Bei einer Kontaktallergie zeigen sich immer Veränderungen auf der Haut – etwa einen bis drei Tage nach der Berührung durch das Allergen. 

Die häufigsten Symptome sind: 

  • Hautrötung, oft scharf begrenzter Hautausschlag
  • Trockene Haut
  • Schwellung/Quaddeln
  • nässende Bläschen
  • Krusten- oder Schuppenbildung
  • Jucken oder Brennen

Bei einer starken allergischen Reaktion kann die Haut spannen und schmerzen, eventuell sogar aufplatzen. Wie heftig die Reaktion ausfällt, hängt von dem allergieauslösenden Stoff ab und wie lange die Haut mit ihm in Berührung kam. Zunächst beschränken sich die Hautbeschwerden auf die Körperstellen, die mit dem Allergen Kontakt hatten. Meist sind dies die Hände, das Gesicht oder der Nacken. Vermeidet man den Auslöser nicht, kann es zu einem chronischen Kontaktekzem kommen, die Haut verhornt und es bilden sich dauerhaft Rillen oder Risse in der Haut. Später können die allergischen Reaktionen auch in Körperbereichen auftreten, die keinen Kontakt mit dem Allergen hatten (Streureaktion). Daher sollte man unbedingt mit einem Allergietest herausfinden, was die Ursache für die Hautreaktion ist.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei einer Kontaktallergie?

Theoretisch kann jede Substanz, die in der Umwelt vorkommt, bei einem Menschen eine Kontaktallergie hervorrufen. Besonders häufig reagiert die Haut aber auf folgende Allergene:

  • Metalle (vor allem Nickel in Schmuck, Reißverschlüssen, Knöpfen)
  • Klebstoffe (z.B.auf Pflastern)
  • Duftstoffe (Parfümen, Seifen, Kosmetika, Waschmittel)
  • Konservierungsstoffe (in Lebensmitteln)
  • Pflanzen (Kamille, Arnika, Beifuß)
  • ätherische Öle (vor allem Zitronen- oder Pfefferminzöl)
  • Reinigungs- und Lösungsmittel (Weichmacher)
  • Latex (z. B. als Latexhandschuhe oder Kondome)
  • Medikamente, die auf die Haut aufgetragen werden, oder deren Bestandteile (Wollwachsalkohole, Parabene...)

Obwohl im Grunde jeder Mensch eine Kontaktallergie entwickeln kann, tut es nicht jeder. Es gibt einige Faktoren, die das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, generell erhöhen: So existiert eine genetische Vorbelastung – Kinder, deren Eltern unter Allergien leiden, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit ebenfalls eine Allergie entwickeln (ein Elternteil: Wahrscheinlichkeit 30 Prozent, beide Elternteile: 60 Prozent). Zudem zeigen viele Studien der letzten Jahre, dass Umweltschadstoffe, eine fettreiche, ungesunde Nahrung, Rauchen und Alkohol, aber auch eine übermäßige Hygiene die Entstehung einer Allergie begünstigen.

Wie wird eine Kontaktallergie festgestellt? 

Wer vermutet, unter einer Kontaktallergie zu leiden, sollte zu einem Allergologen oder Hautarzt gehen. Der Arzt wird in einem ausführlichen Gespräch zunächst nach den Beschwerden, den Lebensumständen und der Krankengeschichte fragen:

  • Wann traten die Hautbeschwerden erstmals auf?
  • Welche Hautstellen sind betroffen?
  • Was lindert die Beschwerden – zum Beispiel, wenn bestimmte Kleidungsstücke oder Schmuck nicht getragen werden?
  • Hat der Patient andere Allergien?

Dann wird der Arzt die Hautstellen genau untersuchen. Denn nur anhand der Symptome ist es nicht leicht zu sagen, ob es sich um eine Kontaktallergie handelt oder nicht. Ein Hinweis auf eine allergische Reaktion sind unscharf begrenzte Ränder der betroffenen Stellen. Dann wird der Arzt einen Epikutanttest (Patch-Test) durchführen: Er trägt dabei mehrere in Frage kommende Teststoffe in Form von Salben oder Lösungen auf die Haut auf – meist auf den Rücken des Patienten. Die Salben oder Lösungen enthalten jeweils eine Substanz, die als Allergen in Frage kommt. Je nach Verdacht, welche Stoffe die Kontaktallergie auslösen könnten, wählt der Arzt die Standardreihe mit den häufigsten Kontaktallergenen oder eine spezielle Allergengruppen, zum Beispiel bei der Duftstoffreihe. Dann deckt der Arzt die Stoffe mit Pflastern ab. Der Patient darf nach Hause gehen, darf aber nicht duschen oder baden. Nach ein bis zwei Tagen muss der Patient erneut in die Praxis kommen. Hier entfernt der Arzt die Pflaster beurteilt die lokale Reaktion auf die verschiedenen Substanzen. Ist die Haut gerötet, juckt oder haben sich Quaddeln gebildet, zeigt dies eine allergische Reaktion auf die Substanz. Der Arzt untersucht den Rücken und notiert, in welchen Testfeldern allergische Reaktionen zu erkennen sind. Je nachdem wie viel Zeit seit dem Auftragen verstrichen ist, zeigt dies das 24- oder 48-Stunden-Ergebnis. Einen Tag später untersucht der Arzt erneut die Haut und hält das 72-Stunden-Ergebnis fest, weil sich meist erst dann die maximale Reaktion auf die Allergene erkennen lässt. Manchmal kann auch eine weitere Kontrolle nach 96 Stunden nötig sein. Die Stärke der Reaktionen hält der Arzt dann in einem Testprotokoll fest und stellt einen Allergie-Pass aus.

Wie verläuft eine Kontaktallergie? 

Kontaktallergien entwickeln sich meist erst im Erwachsenenalter. Häufig klingen die Beschwerden wieder ab, wenn sie behandelt und die Auslöser vermieden werden. Aus einer Kontaktallergie kann sich aber auch ein chronisches Kontaktekzem bilden. Dann verdickt und verhornt die Haut und bildet schmerzhafte Risse.

Ist eine Kontaktallergie heilbar?  

Eine Kontaktallergie kann man nicht vollständig heilen, denn die Sensibilisierung gegen eine bestimmte Substanz besteht meist ein Leben lang. Beste Maßnahme: Wie bei allen Allergien sollten man den Kontakt mit den allergieauslösenden Substanzen so gut es geht meiden. Bei einer Nickelallergie kann man zum Beispiel darauf zu achten, dass Schmuck, Knöpfe oder Gürtelschnallen mit Hautkontakt kein Nickel enthalten. Lässt sich der Kontakt im Beruf nicht vermeiden (Friseure), kann man Handschuhe und Schutzkleidung tragen. Bei Verdacht auf eine beruflich bedingte Kontaktallergie ist eine Meldung an die Berufsgenossenschaft durch den Haut- oder Betriebsarzt sinnvoll. Wird die Allergie als Berufskrankheit anerkannt, werden beispielsweise die Kosten für Schutzmaßnahmen übernommen.

Wie kann man eine Kontaktallergie behandeln? 

Besteht bereits eine Kontaktallergie, sollte man die betroffenen Hautstellen gut säubern, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Feuchtigkeits- und Pflegeprodukte aus der Apotheke unterstützen die Haut bei der Regeneration. Besonders empfehlenswert sind rückfettende Cremes, Öle oder Bäder.

Falls notwendig, wird der Arzt eine kortisonhaltige Salbe verschreiben. Diese trägt man wie verordnet auf die Haut und lässt sie gut einwirken. Kortison hemmt die überschießende Immunantwort und mindert die Entzündungsreaktion in der Haut. Jedoch hat Kortison immer Nebenwirkungen: Es kann bei einer längeren Anwendung die Haut dünner, empfindlicher und fleckig machen. Deshalb sollten kortisonhaltige Präparate nur kurzzeitig und nach Rücksprache mit einem Arzt aufgetragen werden.

Heilen die Hautstellen trotz Kortisonsalbe nicht, können in schweren Fällen kortisonhaltige Tabletten eingenommen werden. Diese sollten nur kurz und unter ständiger Kontrolle durch den Arzt genommen werden, da starke Nebenwirkungen auftreten können. Wenn die Ekzeme bereits chronisch geworden sind, kann auch eine Bestrahlung mit UV-B-Licht (UVB-Therapie) oder aber Bestrahlungen mit UV-A-Licht sinnvoll sein, Oft wird diese dann mit dem Wirkstoff Psoralen (PUVA-Therapie) kombiniert. Psoralen wird eingenommen oder lokal auf die Haut aufgetragen.

Sonderform: Die toxische Kontaktdermatitis

Giftige Substanzen wie Säuren oder Laugen können eine toxische Kontaktdermatitis auslösen. Diese Reaktion ist jedoch keine Allergie – die Hautveränderungen ähneln aber sehr stark einer allergischen Reaktion.

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