Medikamente und Arzneimittel

Medikationsplan – die persönliche Medikation mit einem Medikamentenplan überblicken

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine junge Frau gibt einem älteren Mann eine Tablette.

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Sie haben Anspruch auf einen Medikationsplan, sobald Sie drei und mehr Medikamente einnehmen. Der Plan enthält Handelsnamen, Inhaltsstoffe und Informationen zur Einnahme und will Patienten bei der korrekten Verwendung ihrer Arzneien unterstützen. Als Patient sollten Sie Ihren Medikationsplan immer bei sich tragen und darauf drängen, dass jeder Arzt die von ihm verordneten Medikamente hier aktuell einträgt. Auch alle frei verkäuflichen Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel und naturheilkundlichen Präparate gehören auf die Liste.

Den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) bekommen Sie, wenn Sie mindestens drei Medikamente dauerhaft einnehmen. Gemeint sind dabei die Arzneimittel, die ihre Wirkung über die Blutbahn im gesamten Körper entfalten. Äußerlich angewandte Cremes oder Salbe werden nicht hinzugezählt.Der BMP ist ein einheitlicher Vordruck, der alle Medikamente listet, die Sie nehmen – egal, ob vom Arzt verordnet und selbst gekauft. Der Plan enthält übersichtlich und verständlich alle notwendigen Informationen zu den einzelnen Arzneien. Das soll die regelmäßige Einnahme für Sie vereinfachen.

Falls Sie noch keinen Medikationsplan haben, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Hausarzt suchen.. Dieser wird Sie entsprechend beraten und Ihren Plan regelmäßig auf den neusten Stand bringen.

Welches Ziel hat der Medikationsplan?

Mit dem Medikationsplan werden Sie als Patienten zu einem sicheren Umgang mit Ihren Medikamenten befähigt. Bei den vielen verschiedenen Arzneien und komplizierten Namen kann man schnell den Überblick verlieren: Zum Asthma gesellt sich erst ein behandlungsbedürftiges Vorhofflimmern und dann schwächelt auch noch die Schilddrüse. Die Apothekerin händigt Ihnen plötzlich eine ganz anders aussehende Schachtel mit neuem Namen aus, die angeblich das alte Medikament enthält. Oder Sie waren im Krankenhaus und Ihre Medikation wurde geändert.

Kurzum, der Plan stellt sicher, dass Sie Ihre Mittel zum richtigen Zeitpunkt in der korrekten Stärke nehmen – und die Medikamente wirklich wirken können. Die korrekte und regelmäßige Einnahme Ihrer Arzneien wird damit einfacher. Gleichzeitig verhindert der Plan, dass sich die Wirkstoffe der Medikamente überschneiden und sich untereinander in der Wirkung beeinträchtigen. behindern. Je mehr Medikamente Sie einnehmen, desto wichtiger ist daher der Medikationsplan.

Ob der Plan wirklich vollständig und aktuell ist, hängt auch von Ihnen ab. Legen Sie Ihren Medikationsplan bei jedem Arztbesuch und Apothekeneinkauf vor. Ansonsten kann der Plan Lücken aufweisen. Als Patient dürfen Sie Ihren Arzt bitten, bestimmte Medikamente nicht in den Plan aufzunehmen. Daher trägt der Medikationsplan standardmäßig den Hinweis, dass Vollständigkeit und Aktualität des Planes nicht gewährleistet sind.

Muster für einen Medikationsplan

Wer erstellt den Medikationsplan?

In der Regel ist der Hausarzt für den Medikationsplan verantwortlich. Sie haben keinen Arzt, bei dem die Fäden für die Diagnostik und Therapie Ihrer gesundheitlichen Beschwerden zusammenlaufen? Dann füllt ein Facharzt den Plan aus. Für Dialysepatienten kann das der Nephrologe sein. Haben Sie Arthrose, ist es vielleicht ein Rheumatologe.

Wer hält den Medikationsplan aktuell? 

Meist führt der Arzt den Medikationsplan, der diesen zuerst erfasst hat. Ärzte sind dazu verpflichtet, den Plan zu aktualisieren, sobald sie die Medikation ändern oder wissen, dass sich die Medikation geändert hat:

  • wenn ein Medikament dazukommt,
  • wenn ein Medikament nicht mehr angewandt oder ausgetauscht wird oder
  • wenn sich eine Dosierung ändert.

Auch mitbehandelnde Fachärzte, Kliniken oder der Apotheker dürfen den Medikationsplan aktualisieren oder anpassen – beispielsweise, wenn sich der Handelsname ändert oder Sie sich in der Apotheke ein freiverkäufliches Präparat besorgen. Legen Sie den Plan bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch vor, damit er wirklich immer auf aktuellem Stand ist.

Wie wird der Medikationsplan aktualisiert? 

Auf dem Medikationsplan ist eine Art Barcode, ein sogenannter QR-Code, aufgebracht. Der Code enthält die Information Ihres Medikationsplans in digitaler Form. Praxen, Apotheken und Krankenhäuser können mit einem Barcode-Scanner den Plan unkompliziert einlesen und aktualisieren.

Wann habe ich Anspruch auf einen Medikationsplan?

Anspruch auf einen Medikationsplan hat jede Person, die eine bestimmte Menge an verordneten Medikamenten einnimmt. In der Regel müssen für den Anspruch auf einen Plan folgende Kriterien zutreffen:

Sie nehmen mindestens drei Medikamente ein.

Diese Medikamente werden Ihnen auf Kosten der Krankenkassen verordnet.

  • Die Mittel wirken systemisch, also über die Blutbahn im ganzen Körper.

Die Therapie mit den Medikamenten dauert mindestens vier Wochen an.

Welche Medikamente sind auf dem Medikationsplan gelistet?

Der Plan enthält alle Medikamente, die Sie von Ihren behandelnden Ärzten verordnet bekommen. Zusätzlich sind hier auch Medikamente gelistet, die Sie mit oder ohne Rezept gekauft haben und von sich aus nehmen. Konkret enthält der Plan:

verschreibungspflichtige Arzneimittel,

nicht verschreibungspflichtige, aber apothekenpflichtige Arzneimittel,

relevante Selbstmedikation sowie

Medizinprodukte wie eine Hormonspirale, soweit diese für die Medikation relevant sind.

Gelegentlich deckt der Medikationsplan nicht alle Bedürfnisse ab, beispielsweise wenn Sie Diabetiker sind und sich Insulin spritzen oder Blutverdünner benötigen. Dann kann der Arzt Ihren Plan durch Spezialpläne wie eine Insulintherapie ergänzen.

Was steht im Medikationsplan?

Alle Eintragungen und Aktualisierungen im Medikationsplan erfolgen nach einem einheitlichen Muster in tabellarischer Form. So erkennen Sie auf einen Blick, welches Mittel Sie wann in welcher Menge aus welchem Grund einnehmen.

Persönliche Angaben 

In der oberen Spalte stehen Ihr Name, Vorname, Geburtsdatum. Hier finden sich auch die Angaben dazu, wer den Medikationsplan an welchem Tag erstellt oder aktualisiert hat. Außerdem ist hier der QR-Code hinterlegt, mit dem Ärzte und Apotheker mittels Barcode-Scanner auf die hinterlegten Medikationsinformationen zugreifen können.

Wirkstoff

In der ersten Spalte steht der Wirkstoffname des betreffenden Arzneimittels. Er verändert sich nicht, auch wenn der Apotheker  den gleichen Wirkstoff eines anderen Herstellers mit neuer Verpackung und anderem Namen an Sie abgibt.

Handelsnamen

Die nächste Spalte listet den Handelsnamen – und bestimmt damit das konkrete Präparat, das Sie einnehmen. Der Hintergrund: Für ein und denselben Wirkstoff gibt es oft unterschiedliche Hersteller, die den Wirkstoffen eigene Namen geben. Beispiel: Acetylsalicylsäure gibt es als Aspirin®, als ASS ratiopharm® und noch in vielen weiteren Variationen.

Stärke

In der Spalte „Stärke“ steht die verordnete Wirkstärke des Medikaments. In der Regel erfolgt die Angabe in Milligramm. Bei Insulinspritzen sind es beispielsweise Einheiten pro Milliliter, bei Säften und Tropfen Milliliter, Tropfen oder Messlöffel.

Darreichungsform 

In der nächsten Spalte finden Sie die Darreichungsform. Medikamente gibt es als Tablette, Tropfen, Zäpfen, Infusion oder Pflaster sowie in vielen weiteren Darreichungsformen

Einnahme

Den folgenden vier Spalten entnehmen Sie, wie viel des Medikaments Sie zu welcher Tageszeit einnehmen sollen: die Anzahl der Tropfen, Tabletten oder die in einer Spritze enthaltene Wirkstoffmenge. Der Medikationsplan ermöglicht auch die Darstellung geteilter Tabletten in verschiedenen Schreibweisen, beispielsweise als 0,5 oder ½.

Hinweise

Hier stehen weitere wichtige Angaben, die Sie bei der Einnahme oder Anwendung Ihrer Medikamente berücksichtigen sollen: dass Sie beispielsweise beim Kleben eines Pflasters die Stelle variieren oder dass Sie Ihr Insulin vor den Mahlzeiten spritzen sollen.

Begründung

In der letzten Spalte finden Sie die Begründung oder das Leiden, warum Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen, etwa wegen Bluthochdruck oder bei Diabetes, gegen Schmerzen oder für eine bessere Stimmung.

Papier ist geduldig – oder der E-Medikationsplan

Bisher gibt es den bundeseinheitlichen Medikationsplan nur in Papierform. In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll der Medikationsplan auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können – natürlich nur, wenn Sie als Patient dem zustimmen. Dort werden auch Informationen wie Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten oder Nierenfunktionswerte gespeichert sein, welche die Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen.

Ein PIN schützt vor dem unbefugten Zugriff, den Sie als Patient bei jedem Besuch beim Arzt oder in der Apotheke eingeben eingeben müssen. Arzt oder Apotheker bekommen nur Zugang zu Ihren Daten, indem sie ihren elektronischen Heilberufsausweis nutzen. Sie selbst können Ihren Medikationsplan allerdings nicht auf der Karte zu Hause lesen, denn dafür ist ein spezifischer Kartenleser notwendig.  Ab Januar 2021 werden Sie in der eCare, der elektronischen Patientenakte der BARMER, Ihren Medikationsplan von Ihrem Arzt speichern lassen können. Über Ihr Smartphone oder Ihr Tablet werden Sie diesen jederzeit in der eCare-App prüfen können. Darüber hinaus erinnert die App an die Einnahme und ermöglicht die eigene Dokumentation von freiverkäuflichen Medikamenten.

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Webcode: a005709 Letzte Aktualisierung: 13.08.2020
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