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Hib – Infektion mit Haemophilus-influenzae-Bakterien Typ b

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Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Auch wenn der Name ähnlich klingt: Haemophilus influenzae hat nichts mit der Influenza, zu Deutsch Grippe, zu tun. Diese wird von Viren ausgelöst, eine Haemophilus influenzae Typ b jedoch durch die Infektion mit Haemophilus-influenzae-Bakterien Typ b; kurz Hib genannt. 

Ein Kleinkind im Bett hustet


Es gibt verschiedene Haemophilus-influenzae-Bakterien. Einige davon sind von einer Kapsel umgeben, welche die Bakterien vor den Fresszellen des Immunsystems schützt. Die Kapseln haben unterschiedliche Strukturen und werden in Typen unterteilt.

Hib-Bakterien verursachen schwere Entzündungen, die lebensbedrohlich sein können. Davon betroffen sind vor allem Kinder unter fünf Jahren.

Hib-Bakterien siedeln sich zunächst im Nasen-Rachen-Raum an und können sich dann von dort aus im Körper ausbreiten. Am häufigsten und besonders gefürchtet sind die von den Bakterien ausgelöste Kehldeckelentzündung und eitrige Hirnhautentzündung. Diese können nicht nur bleibende Schäden verursachen, sondern auch tödlich verlaufen.
Weitere Erkrankungen, die Hib-Bakterien verursachen, sind Mittelohr-, Nebenhöhlen- und Lungenentzündungen.

Starker Rückgang dank Impfung
In Deutschland treten seit der Einführung der routinemäßigen Impfung von Säuglingen im Jahr 1990 schwere Hib-Infektionen kaum noch auf. Die Zahl der Erkrankungen sank rapide von 1.400 bis 2.000 Fällen pro Jahr auf 247 im Jahr 1992 und 77 im Jahr 2004. Die Impfung ist somit ein enorm erfolgreicher Schutz.
Laut Weltgesundheitsorganisation WHO konnte die Zahl der Hib-Infektionen in jenen Staaten, die ebenso eine routinemäßige Hib-Impfung eingeführt haben, seit 2013 um 90 Prozent reduziert werden.

Wie erfolgt eine Ansteckung mit Hib?

Haemophilus influenzae Typ b wird über eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung kann also durch Husten, Niesen und Sprechen oder auch über den direkten Kontakt, zum Beispiel beim Händeschütteln, erfolgen. Eine Infektion ist auch durch das Anfassen von Gegenständen, die mit Hib-Bakterien besetzt sind, möglich.

Nicht jeder erkrankt

Nicht bei jedem Menschen, der sich mit Hib-Bakterien ansteckt, treten Beschwerden auf. Ob die Erkrankung ausbricht, hängt von der Menge der aufgenommenen Krankheitserreger und der Stärke des persönlichen Immunsystems ab.

Meist sind Kleinkinder betroffen

Krankheitszeichen treten vor allem bei Kindern unter fünf Jahren auf. Denn bei Kleinkindern ist das Immunsystem noch nicht voll ausgereift und schafft es nicht, sich gegen die mit einer Kapsel gut geschützten Bakterien zur Wehr zu setzen. Bei größeren Kindern und Erwachsenen hingegen kann das Immunsystem die Hib-Bakterien wirksam bekämpfen.

Gefährdung durch symptomlose Überträger

Doch auch wenn keine Krankheitssymptome auftreten, können die Hib-Bakterien von infizierten Personen übertragen werden. Solche symptomlosen Überträger sind über längere Zeit für andere Menschen ansteckend.

Was sind Symptome einer Hib-Infektion?

Wie lange es dauert, bis die ersten Krankheitszeichen auftreten, ist nicht genau bekannt. Vermutet werden zwei bis vier Tage von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung. Mediziner sprechen beim Ausbruch von einer invasiven Hib-Infektion.

Der Gesundheitszustand des betroffenen Patienten verschlechtert sich dann sehr schnell, denn die Hib-Bakterien verbreiten sich vom Nasen-Rachen-Raum aus über das Blut im gesamten Körper. Innerhalb kürzester Zeit – oft nur weniger Stunden – können die Erreger schwere Entzündungen, die lebensbedrohlich sind oder bleibende Schäden verursachen, hervorrufen.

Häufig sind Hirnhaut und Kehldeckel entzündet

Die beiden häufigsten durch Hib-Bakterien verursachten Erkrankungen sind die Kehldeckelentzündung, medizinisch Epiglottitis genannt, sowie die eitrige Hirnhautentzündung, auch Meningitis genannt.

Eine Hirnhautentzündung äußert sich durch hohes Fieber, Erbrechen, Krämpfe, Bewusstseinseintrübungen und Kopfschmerzen. Die typischen Anzeichen einer Kehldeckelentzündung sind hohes Fieber, Schluckbeschwerden, eine kloßige Sprache und ausgeprägte Atemnot. Die Atmung kann durch die Entzündung des Kehldeckels so stark beeinträchtigt sein, dass der Patient erstickt.

Weitere Erkrankungen, die durch die Erreger verursacht werden, sind Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Ohren und Gelenke.

Welche Folgeerkrankungen können auftreten?

Die durch Hib-Bakterien ausgelöste eitrige Hirnhautentzündung ist eine äußerst schwere Erkrankung, die rasch fortschreitet. Sie geht entsprechend mit einer hohen Sterblichkeit einher. Von unbehandelten Patienten versterben 80 Prozent. Selbst wenn rechtzeitig Antibiotika gegen die Meningitis eingesetzt werden, liegt die Sterblichkeit noch immer bei fünf bis zehn Prozent. Wer die Hirnhautentzündung überlebt, leidet oft an Folgeschäden wie Sprachstörungen, Hörschäden und geistiger Behinderung.

Eine Kehldeckelentzündung ist immer ein medizinischer Notfall, denn sie kann zum Tod führen. Die Sterblichkeit liegt hier bei 25 Prozent.

Wie wird eine Hib-Infektion diagnostiziert?

Die Hib-Bakterien werden durch eine Blutuntersuchung, einen Nasen-Rachen-Abstrich und über die Entnahme von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit nachgewiesen.

Wie wird eine Hib-Infektion behandelt?

Die Behandlungsmöglichkeiten einer Hib-Infektion sind sehr eingeschränkt. Generell kann sie zwar mit Antibiotika behandelt werden, allerdings kann sich der Gesundheitszustand des Patienten so schnell verschlechtern, dass es für eine Arzneimitteltherapie zu spät ist. Bis die Diagnose gestellt und das richtige Antibiotikum gefunden ist, kann dies bereits der Fall sein, das heißt der Patient verstirbt oder wird lebenslang an bleibenden Schäden leiden.

Hatten gesunde Personen mit einer Person Kontakt, bei der eine Hib-Infektion ausgebrochen ist, wird vorbeugend das Antibiotikum Rifampicin und bei Schwangeren Ceftriaxon eingesetzt.

Wie kann ich mich gegen eine Hib-Infektion schützen?

Hygienische Maßnahmen, die wirksam gegen Hib-Bakterien schützen, sind nicht bekannt. Der beste Schutz besteht deshalb in einer Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Diese Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits seit 1990.

Wann und wie oft sollte man gegen Hib impfen?

Da die Erkrankung besonders bei kleinen Kindern gefährlich ist, sollte mit der Impfung bereits im Alter von zwei Monaten begonnen werden. Diese Grundimmunisierung umfasst vier Impfungen und schützt zuverlässig über mehrere Jahre. Die vier Impfungen erfolgen im Alter von zwei, drei und vier sowie zwischen elf und 14 Monaten.

Oft wird mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Dieser Sechsfachimpfstoff schützt zugleich auch gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Hepatitis B.

Impfung bis zum fünften Lebensjahr

Wurde ein Kind im Säuglingsalter nicht gegen Haemophilus influenzae Typ b geimpft, sollte dies bis zum fünften Lebensjahr nachgeholt werden. Kinder ab einem Jahr benötigen nur noch eine einzige Impfung.

Kindern ab fünf Jahren und Erwachsenen wird die Impfung nur empfohlen, wenn die Milz nicht funktionstüchtig ist oder fehlt. Ansonsten ist eine Infektion mit Hib-Bakterien bei größeren Kindern und Erwachsenen nicht mehr gefährlich.

Eine Auffrischimpfung ist nicht notwendig, da Hib-Infektionen ab dem fünften Lebensjahr eher symptomlos verlaufen.

Reiseschutzimpfung nicht erforderlich
Reiseschutzimpfungen gegen Haemophilus-influenzae-Bakterien sind nicht notwendig. Gefährdete Personen können routinemäßig eine Standardimpfung erhalten.

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