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Tollwut – Impfung schützt vor lebensbedrohlicher Infektion

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Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Tollwut ist eine Virusinfektion, die von den Rabies-Viren ausgelöst wird. Unbehandelt endet diese Infektion immer tödlich. Die Viren werden am häufigsten über den Biss infizierter Säugetiere übertragen. Sie befallen das Zentralnervensystem und führen über eine Atemlähmung und Lähmung der Herzmuskulatur zum Tod. Der einzige Schutz vor dieser lebensbedrohlichen Infektionskrankheit besteht in einer Impfung.

Ein Junge mit Hund im Wald


Tollwut, medizinisch Rabies und im Volksmund auch Hundswut oder Wutkrankheit genannt, gehört zu den sogenannten Zoonosen. Das sind Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Wird ein nicht geimpfter Mensch von einem mit Tollwutviren infizierten Tier gebissen, muss er sofort eine passive Impfung erhalten. Er erhält dabei Antikörper, die sich gegen die Viren richten. Unterbleibt die passive Impfung oder erfolgt sie zu spät, besteht für den Betroffenen keine Rettung mehr.

Wo kommt Tollwut vor?

Tollwut ist weltweit verbreitet. Jährlich sterben daran mindestens 59.000 Menschen. Deutschland und viele andere europäische Länder gelten inzwischen als „terrestrisch tollwutfrei“. Dies bedeutet, dass von Säugetieren, die auf der Erde leben (wie zum Beispiel Füchsen), keine Tollwutgefahr mehr ausgeht, da diese durch eine konsequente Impfung von Füchsen über Impfköder gebannt werden konnte. Im osteuropäischen Raum kommt die Tollwut allerdings noch immer vor. Eine weltweite Übersicht der gefährdeten Gebiete bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO an.

Wie erfolgt eine Ansteckung?

Die Übertragung der Tollwutviren erfolgt überwiegend durch den Biss eines damit infizierten Säugetieres. Doch auch, wenn das Tier jemanden kratzt oder eine minimal verletzte Hautstelle ableckt, kann es zur Ansteckung kommen. Zudem kann auch Schleimhautkontakt mit kontaminiertem Speichel die Erkrankung auslösen.

Tiere stecken sich an, wenn sie selbst gebissen werden oder ihre Beute tollwutinfiziert ist. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist zwar denkbar, wurde aber bisher nicht beschrieben.

Die Ansteckungsgefahr bleibt lange erhalten

Hat sich ein Tier infiziert, vermehren sich die Tollwutviren im Zentralnervensystem, verteilen sich im Körper und werden mit dem Speichel ausgeschieden. Ein mit Tollwuterregern infiziertes Tier ist vermutlich schon zehn Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome infektiös.

Bis die ersten Krankheitszeichen auftreten, dauert es etwa drei bis acht Wochen. In seltenen Einzelfällen kann es sogar ein ganzes Jahr bis mehrere Jahre dauern, bis die Tollwut ausbricht. Ansteckungsgefahr besteht allerdings in der gesamten Zeit.

Die Zeitdauer bis zum Ausbruch hängt von der Bissstelle ab: Je schneller die Viren das zentrale Nervensystem erreichen können, desto kürzer ist die Zeit bis zum Ausbruch.

Potenziell infektiöse Tiere

Deutschland ist zwar wie erwähnt terrestrisch tollwutfrei, allerdings zirkulieren die Viren hierzulande noch in Fledermäusen. In Europa zählt Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge sogar zu den Ländern mit den häufigsten Fledermaus-Tollwutfällen.

Im ost- und außereuropäischen Raum sind tollwutinfizierte Hunde Hauptüberträger. Eine Übertragung ist aber auch durch wildlebende Tiere wie Dachse, Marder oder Rehe möglich. Ebenso können auch Weidetiere wie Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde von Tollwutviren befallen sein.

Aufgepasst: Haustiere und Tollwut
Natürlich kann auch von Haustieren wie Hunden und Katzen Gefahr ausgehen. Denn wird ein ungeimpftes Haustier von einem infizierten Tier gebissen, steckt es sich mit den Tollwutviren an. Und auch wenn der geliebte Vierbeiner ein infiziertes Tier ableckt oder gefressen hat, besteht eine hohe Ansteckungsgefahr.
Deshalb ist es extrem wichtig, bei Auslandsreisen mit Hunden in ein tollwutgefährdetes Land auch das Haustier zu impfen.

Was sind die Symptome bei Tollwut?

Die Erkrankung durchläuft drei Phasen. Die Anfangsphase nennt sich Prodromalstadium. Es folgen die akute neurologische Phase und schließlich das tödlich endende Koma.

Das Prodromalstadium

In dieser Phase sind die Krankheitszeichen zunächst noch unspezifisch. Der Patient leidet etwa an Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und manchmal auch an Fieber. Die Bisswunde brennt, juckt und schmerzt.

Die akute neurologische Phase

Zu dieser Phase zählen zwei unterschiedliche Formen: die enzephalitische Form und die paralytische Form.

Die enzephalitische Form

Diese Form wird auch als „wilde Wut“ bezeichnet, denn infolge einer Gehirnentzündung kommt es zu Verwirrtheit, Aggressivität und Depressivität. Der Patient ist überaktiv und rastlos. Er schlägt um sich, beißt, und ist konfus oder hat Halluzinationen. Zudem leidet er an Krämpfen der Schlund-, Kehlkopf- und Atemmuskulatur. Da diese sehr schmerzhaft sind, besteht eine große Angst vor dem Schlucken und Trinken, obwohl der Durst extrem groß ist. Bereits der Anblick von Wasser oder Geräusche, die an Waser erinnern, führt zu einer heftigen Unruhe. Diese Angst vor dem Wasser wird als Hydrophobie bezeichnet.
Da auch der Speichel nicht geschluckt werden kann und zusätzlich vermehrt gebildet wird, fließt dieser aus dem Mund. Auch die Atmung ist schmerzhaft beeinträchtigt. Es besteht Angst vor Zugluft (Aerophobie). Weiterhin treten Krämpfe der Kaumuskeln und Gesichtslähmungen treten auf.

Tiere, die an der enzephalitischen Form leiden, verlieren die Scheu vor dem Menschen und reagieren aggressiv.

Die paralytische Form

Diese Form heißt aufgrund des Verhaltens der Patienten auch „stille Wut“. Die Nerven des Rückenmarks und die Nerven, die den Körper durchziehen, verändern sich. Taubheitsgefühle, Muskelschwäche und Lähmungen treten ein. Es können ebenfalls Schwierigkeiten beim Schlucken und Atmen bestehen.

Tiere, die an der paralytischen Form leiden, sind ruhig und erscheinen schutzbedürftig. Daher sollten wilde oder herumstreunende Tiere in tollwutgefährdeten Regionen keinesfalls gestreichelt werden.

Das Koma

Die dritte Phase ist das Koma, in dem der Tod aufgrund einer Atemlähmung oder auch Lähmung der Herzmuskulatur eintritt. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen meist nur wenige Tage.

Ab wann ist eine Infektion mit Tollwut tödlich?

Sobald die ersten typischen Krankheitszeichen wie Lähmungen, Lichtscheu oder Abneigung gegen Wasser auftreten, sind keine medizinischen Gegenmaßnahmen mehr möglich. Die Tollwutinfektion führt dann unweigerlich immer zum Tod.

Wie wird Tollwut diagnostiziert?

Eine wichtige Rolle bei der Diagnose spielen die klinischen Symptome sowie auch die Krankheitsgeschichte. Der Arzt erkundigt sich deshalb, ob es einen Auslandsaufenthalt gab, ein Impfschutz besteht oder ein Kontakt mit Tieren bestand.

Ein Nachweis der Tollwutviren ist bei noch lebenden Personen schwierig. Denn da es nicht immer zu einer Virusausscheidung (etwa im Speichel) kommt, können die Testergebnisse negativ ausfallen. Ein sicherer Nachweis der Viren ist erst nach dem Tod mittels einer Untersuchung des Gehirns möglich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt keine Medikamente gegen die Tollwut. Besteht der Verdacht von einem tollwütigen Tier infiziert worden zu sein, muss umgehend gehandelt werden.

Erstmaßnahmen
Besteht der Verdacht, in Kontakt mit infizierten Tieren gekommen zu sein, müssen die betroffenen Hautregionen oder Verletzungen sofort gründlich mit Wasser und Seife gereinigt und anschließend mit Alkohol oder einem Jodpräparat desinfiziert werden. Danach ist unverzüglich ein Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen.

Wann Sie sofort zum Arzt gehen sollten

Eine schnellstmögliche sogenannte postexpositionelle Immunprophylaxe ist unerlässlich. Wenn sie unverzüglich erfolgt, liegt der Behandlungserfolg bei nahezu 100 Prozent.

Patienten, die bisher noch nicht gegen Tollwut geimpft wurden, erhalten zugleich eine passive und aktive Immunisierung.

Bei der passiven Immunisierung wird ein Immunglobulin gespritzt, das bereits Antikörper enthält. Die Krankheitserreger werden dann direkt von den Antikörpern abgefangen. Bei der aktiven Immunisierung muss das Immunsystem des Körpers dagegen selbst Antikörper bilden. Über diesen doppelten Schutz soll verhindert werden, dass sich das Virus im Körper ausbreitet. Die Antikörper sollten so früh wie möglich, aber nicht später als bis zum siebten Tag nach dem Biss verabreicht werden.

Eine spätere passive Immunisierung ist bei gleichzeitig begonnener aktiver Immunisierung als obsolet zu betrachten, da ab dem siebten Tag bereits Antikörper aus „körpereigener Produktion“ durch die Impfung vorhanden sein müssen.

Es gibt zwei Impfschemata

Am Tag 0 werden gleichzeitig eine aktive und passive Immunisierung vorgenommen.

Anschließend sind zwei Impfschemata mit aktiven Immunisierungen möglich:

  • Essen-Impfschema: weitere vier Einzeldosen an den Tagen drei, sieben, 14 und 28.
  • Zagreb-Impfschema: weitere zwei Einzeldosen an den Tagen sieben und 21.

Geimpfte Personen bekommen zwei aktive Immunisierungen im Abstand von drei Tagen. Eine passive Immunisierung ist nicht notwendig – auch dann nicht, wenn die Grundimmunisierung schon lange her ist.

Kann ich mich mit einer Impfung gegen Tollwut schützen?

Es gibt eine gut wirksame Impfung gegen Tollwut. Personen ohne Grundimmunisierung erhalten drei Impfstoffgaben, wobei die zweite eine Woche später und die dritte drei bis vier Wochen später verabreicht werden.

Die Impfung beginnt zwei Wochen nach der dritten Impfung zu wirken. Einzelimpfungen als Auffrischimpfungen sind alle zwei bis fünf Jahre erforderlich.

In Deutschland ist eine routinemäßige Impfung nicht notwendig. Die Impfung wird allerdings für Personen empfohlen, die direkten Umgang mit Tieren haben. Dies gilt unter anderem für Tierärzte, Waldarbeiter, Förster, Schädlingsbekämpfer, Jäger sowie Laborpersonal.

Warum eine Reiseschutzimpfung wichtig ist

Da eine Tollwutinfektion immer tödlich verläuft, sobald die ersten Symptome auftreten, ist eine Impfung bei einer Reise in ein Land mit Tollwutgefährdung dringend erforderlich. Dies gilt vor allem dann, wenn ein Langzeitaufenthalt geplant ist, denn nach einem Tierbiss wird der Impfschutz unverzüglich notwendig. Doch nicht immer kann dieser komplikationslos bereitgestellt werden. Schließlich verfügen nicht alle Länder über einen so guten medizinischen Standard wie Deutschland. Da zudem die passive Immunisierung sehr teuer ist, ist sie auch nicht überall erhältlich. Weiterhin sind die Maßnahmen bei Vorgeimpften leichter durchzuführen, da sie nur zwei Impfungen benötigen.

Auch mit Impfung vorsichtig bleiben

Auch im geimpften Zustand sollte man sich im Ausland auffälligen Tieren nicht nähern und sie vielleicht sogar streicheln. Dies trifft auch auf jene Länder zu, in denen man die Tollwut nicht unbedingt erwartet. So werden etwa in den USA jährlich 7.000 bis 10.000 Tollwutfälle bei Tieren registriert. Infiziert sind Waschbären, Stinktiere, Fledermäuse und Füchse. In den ersten drei Monaten 2019 gab es sogar in Manhattan vier Tollwutfälle bei Tieren.

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Webcode: a004719 Letzte Aktualisierung: 23.01.2020
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