Ohrenpflege und Reinigung

Verstopfte Ohren? So reinigen Sie Ihre Ohren richtig

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine Frau sitzt in der Badewanne und macht Seifenblasen

Autor/in

Dr. Ann-Kristin Iwersen

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Wattestäbchen, feuchtes Tuch oder oder spülen mit Wasser? Wir geben Tipps, wie Sie am besten Ihre Ohren reinigen ohne sich zu verletzen.

„Wer sich nicht wäscht, verdreckt“, ist eine gängige Devise. Generell ist das richtig. Unsere Ohren allerdings sind hochmoderne Organe: Sie haben einen Selbstreinigungsmechanismus, der es überflüssig macht, sie zu reinigen. Der Mechanismus funktioniert so: Die feinen Härchen im Gehörgang schieben das Schmalz in Richtung Ohrmuschel, also nach außen. Automatisch. Die Härchen im Innenohr bewegen sich vermehrt dann, wenn wir die Kaumuskeln bewegen. Daher ist es für Kinder, wie Erwachsene gut, wenn ihre Nahrung zum Kauen anregt. Das ist zum Beispiel bei rohen Karotten oder Brot mit Rinde der Fall. 

Ist es wirklich nötig, unsere Ohren zu reinigen?

Weil sich gesunde Ohren selbst reinigen, reicht es im Normalfall aus, die empfindliche Haut des Außenohres, also die Ohrmuschel und die Haut hinter dem Hörorgan zu waschen. Mit Wasser oder einem sauberen Tuch. Bisweilen kommt es jedoch vor, dass sich das Ohr nicht hinreichend selbst reinigen kann. Was wir dann empfinden, ist, als sei das Ohr mit Watte verstopft. Grund dafür kann eine erhöhte Produktion von Ohrenschmalz sein: Der Selbstreinigungsmechanismus kommt dann schlicht nicht nach, es bildet sich ein Pfropf. Der führt häufig dazu, dass man weniger hört als zuvor.

Ein Pfropf aus Ohrenschmalz bildet sich schnell bei Menschen mit einem zu engen Gehörgang. Dann genügt bereits relativ wenig Ohrenschmalz, damit eine unangenehme Verstopfung vor dem Trommelfell entsteht. Manchmal lässt die Selbstreinigungsfähigkeit auch mit dem Alter nach, weshalb besonders ältere Menschen hier Hilfe bei der Ohrenpflege brauchen.
Nicht immer müssen es gleich ganz verstopfte Ohren sein, die wir als unangenehme empfinden. Manchmal sind es nur kleine Partikel des Ohrenschmalzes, die eintrocknen und zwischen den Härchen im Gehörgang festsitzen. Die Folge: Es beginnt zu jucken. Juckreiz, Pfropfen und Entzündungen zählen zu den häufigsten Beschwerden. In all diesen Fällen ist es nötig, das Innenohr vorsichtig zu reinigen. Um einen großen Pfropfen vor dem Trommelfell zu entfernen, der das Hören spürbar einschränkt, sollten Sie einen Termin beim HNO-Arzt machen. Er spült das Ohr mit warmem Wasser frei.

Warum haben wir eigentlich Ohrenschmalz?

Die Hautdrüsen des Gehörgangs produzieren kontinuierlich ein Sekret, das Ohrenschmalz. Mediziner nennen es auch "Cerumen". Es besteht aus Schweißdrüsensekret, Talg und winzigen Schmutzpartikeln. Dieses Sekret ist kein Schmutz, kein Dreck. Es hat im Gehörgang eine wichtige Funktion: Es sorgt dafür, dass die Haut feucht bleibt und geschmeidig und Schmutz und Staub aus dem Inneren des Ohres zur Ohrmuschel heraustransportiert werden können. Zugleich wirkt es desinfizierend: Im Cerumen ist nämlich Lysozym enthalten. Das ist ein Enzym, das Bakterien abtötet.

Wie kann man die Ohren sauber machen?

Wer jetzt denkt, dass er zum Q-Tips greifen darf, irrt. Viele Menschen nutzen zur Entfernung von Ohrenschmalz noch immer Wattestäbchen – nicht zuletzt, weil sie das Problem scheinbar so praktisch und schnell beseitigen. HNO-Ärzte sagen jedoch seit Jahren, dass dies für die Ohren gefährlich ist. Warum aber eigentlich?
Zum einen können die Wattestäbchen Verletzungen verursachen. Wird das starre Stäbchen zu tief in das Innenohr geschoben, besteht die Gefahr, das Trommelfell zu schädigen. Zumindest aber kann durch das Wattestäbchen das Ohrenschmalz noch tiefer in den Gehörgang geschoben werden, so dass sich erst recht viel Ohrenschmalz vor dem Trommelfell ansammelt. Das fühlt sich an, wie Watte im Ohr oder Rauschen, der Betroffene kann deutlich schlechter hören. Zu häufiges Reinigen mit dem Ohrenstäbchen irritiert auch die empfindliche Haut. Ohrenschmalz soll den Gehörgang ja gerade vor Austrocknung und Bakterien schützen. Übertriebene Sauberkeit hingegen kann Ekzeme oder Entzündungen verursachen. Zu guter Letzt können sich auch Wattefusseln in den feinen Härchen im Gehörgang festsetzen. Die Folge: Es juckt noch mehr als zuvor.

Niemals Wattestäbchen

  • gut zum Auftragen vom Kosmetik
  • gut geeignet zum Auftragen von Medikamenten auf die Haut,
  • gut zur sauberen Entnahme von Salben aus Tiegeln
  • gut zum Saubermachen technischer Geräte und Kleinteile
  • Aber: Kein Instrument zur Reinigung der Ohren!

Es gibt auch eine Art Ohrenstäbchen aus Gummi, den Smart Swab. Das Gummi ist spiralförmig aufgebaut und erinnert optisch an eine Schraube aus Weichplastik. Wie eine Schraube soll dieser Smart Swab dann auch in den Gehörgang eingedreht werden und so überschüssiges Ohrenschmalz entfernen. Auch wenn es weniger Verletzungsrisiko birgt als das Wattestäbchen: Für die Ohren ist dieses kleine Hilfsmittel nur bedingt gut.

Mit Wasser spülen 

Um seine Ohren zu spülen, gibt es verschiedene Methoden und spezielle Präparate, die helfen sollen, Ohrenschmalzrückstände zu lösen. Beliebt für die Ohrenpflege sind Sprays auf Basis von Meer- oder Süßwasser, die es frei in der Apotheke zu kaufen gibt. Das Problem ist allerdings, dass diese Spülungen relativ aufwändig sind und nicht bei jedem gu funktionieren. Alternativ gibt es auch Produkte auf chemischer Basis. Auch mit körperwarmem Kamillentee oder einfach mit warmem Wasser lässt sich eine Spülung machen. All das ist besser, als Ohrenstäbchen zu verwenden.
Wer ohnehin eher an zu trockenen Ohren leidet, sollte ein paar Tropfen Öl, beispielsweise Olivenöl oder Walnussöl hinein träufeln. Gerade bei Wassersportlern kann das notwendig werden, da der ständige Kontakt mit Meerwasser oder gechlortem Wasser die Schutzschicht im Gehörgang schädigen kann, sodass es dort zu trockener Haut und Reizungen kommt.

Ein Klistier hilft beim Spülen

Für Ohrenspülungen, die man selbst macht, gibt es Hilfsmittel. Dazu gehört das Klistier, auch Klistierspritze genannt. Es sieht aus wie ein kleiner Blasebalg. Für eine Ohrspülung füllt man hier warmes Wasser hinein, nie heißes oder kaltes, hält die winzige Öffnung vor das Ohr und drückt das Wasser mit festem Druck hinaus, sodass ein fester Strahl entsteht. Mehrmals wiederholen. Die Sprays, die in der Apotheke erhältlich sind, haben in der Regel eine Spritzkanüle, die helfen soll, die Flüssigkeit in den Gehörgang einzuführen. Spezielle Ohrentropfen zum Reinigen weichen das Ohrenschmalz auf.
Falls die Spülungen nicht wirken, bietet es sich an, einen Arzt aufsuchen, der eine professionelle Ohrenspülung vornimmt. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können auch feststellen, ob ein häufiger Juckreiz im Ohr auf ein Ekzem zurückzuführen ist. Zudem kann in der Regel nur ein Arzt einen festsitzenden Pfropfen im Gehör erkennen und auch entfernen. Bitte: Nie versuchen, diesen selbst mit einem spitzen Gegenstand zu entfernen. Da kann mehr schaden als nützen und außerdem verletzen. 

Ohrenschmalz absaugen

Elektrische Ohrreiniger haben einen kleinen Absaugschlauch und sollen schonend Wasser im Ohr, aber auch überschüssiges Ohrenschmalz entfernen. Geeignet sind diese Geräte zum Entfernen von Ohrenschmalz jedoch nur bedingt. Damit überhaupt Ohrenschmalz richtig abgesaugt werden kann, sollten die Ohren mit einem Öl, beispielsweise Walnussöl, vorbehandelt werden. Aber dann dauert die Reinigung schon wieder so lange, dass man auch eine einfache Spülung hätte durchführen können, die bedeutend schonender für die Ohren ist.

Ohren mögen sanfte Pflege

Es gibt Hilfsmittel, dennoch: Beschränken Sie die Reinigung Ihrer Ohren auf das Äußere. Immerhin hat die Natur vorgesorgt: Der äußere Gehörgang ist so eng, dass der kleine Finger nicht weiter hineinpasst als zur Reinigung nötig. Spülungen können bei Juckreiz und kleineren Ablagerungen hilfreich sein. Bei hartnäckigen Schmalzansammlungen, die zu schlechtem Hören führen, und bei anhaltendem Juckreiz sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Unsere Ohren sind sehr komplexe und empfindliche Organe – und sollten entsprechend zartfühlend gepflegt werden.    

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Webcode: s000885 Letzte Aktualisierung: 14.08.2020
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