eCare

Die ePA als nützlicher Alltagsbegleiter mit Mehrwert für die Versicherten

Lesedauer unter 6 Minuten
Regina Vetters, Leiterin der BARMER.i

Autor / Interview führten

  • Bérengère Codjo,
  • Falk Wellmann

Zur Person

  • Doktor Regina Vetters ist Leiterin der Innovationsabteilung der Barmer.

Warum die Anzahl der Nutzer und die Häufigkeit der Nutzung entscheidend für den Erfolg der elektronischen Patientenakte (ePa) sind und wann sich die ePa bewähren wird, erläutert Doktor Regina Vetters, Leiterin der Innovationsabteilung Barmer.i im Interview. Für sie ist entscheidend, bei der Weiterentwicklung uneingeschränkt den Nutzer in den Mittelpunkt stellen und so die ePA von einer administrativen Ablage in ein zeitgemäßes Digitalprodukt mit Mehrwert umzuwandeln, das intuitiv und selbstverständlich nutzbar ist.

Am 1. Januar 2021 kommt die elektronische Patientenakte (ePA). Was ändert sich im Alltag?

Regina Vetters: Die ePA wird die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten verändern und für Transparenz sorgen. Dies wird im Alltag der Versicherten die am stärksten spürbare Veränderung sein. Manche Versicherten werden in der ePA das erste Mal lesen können, was ihr Arzt über ihre Behandlung dokumentiert hat.

In Gesprächen mit unseren Versicherten haben wir häufiger gehört, dass vielen gar nicht klar ist, dass sie das Recht haben, die ganze Dokumentation ihres Arztes über ihre Krankheitsgeschichte zu lesen. Die relevanten Dokumente ihrer Patientengeschichte werden ihnen in der ePA uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Wie trägt die ePA zur Gesundheit der Versicherten bei?

Regina Vetters: Der Nutzen der ePA wird sich mit der Zeit steigern. Wenn Versicherte und ihre Ärzte und Therapeuten sie regelmäßig befüllen, wird die ePA längerfristig auch zur Gesundheit und zum Wohlbefinden unserer Versicherten beitragen. Die Informationen zum Krankheits- und Therapieverlauf, wichtige Notfalldaten wie Unverträglichkeiten oder Diagnosen werden zu einer patientenzentrierten Behandlung und zu mehr Sicherheit beitragen.

Sie versprechen sich viel von der ePA. Wovon wird es abhängen, ob sie sich bewährt?

Regina Vetters: Uns ist es klar, dass die neue Transparenz in der Anfangszeit auch viele Fragen aufwerfen kann. Viele Patienten werden Erklärungen ihres Arztes benötigen, um alles zu verstehen. Die ärztliche Sprache kann durchaus komplex sein. Das könnte zusätzlichen Aufwand bedeuten.
Die neue Transparenz schafft jedoch im besten Fall auch einen neuen Dialog. Viele Versicherte werden sich mit den Informationen in ihrer ePA auseinandersetzen. Dies ist sehr positiv, denn ein aufgeklärter Patient unternimmt viel mehr für seine Gesundheit.

Der Erfolg der ePA hängt dann von der Anzahl ihrer Nutzer sowie von der Häufigkeit der Nutzung ab. Bis wir an dem Stand sind, dass die ePA regelmäßig befüllt und abgerufen wird, wird es aber etwas dauern. Das sehen wir in Ländern wie Estland und Dänemark, die eine elektronische Akte schon vor mehr als 10 Jahren eingeführt haben. Mehrere Jahre sind vergangen, bevor die Nutzung der ePA selbstverständlich geworden ist.

Bewähren wird sich die ePA, wenn Ärzte sie in ihre Alltagsarbeit integrieren. Alle positiven Effekte, die wir uns erhoffen, wie die Vermeidung von Fehlmedikation und weniger Doppeluntersuchungen, hängen davon ab, dass Ärzte die ePA nutzen und empfehlen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass die Daten zwischen der ePA und dem Praxisverwaltungssystem so einfach wie möglich übermittelt werden können.

Welche Herausforderungen gilt es auf dem Weg dahin denn noch zu meistern?

Regina Vetters: Mit der Einführung der ePA startet sowohl für die Versicherten als auch für die Ärzte eine entscheidende Lernphase und alle werden einige Hürden überwinden müssen.
Zuerst soll der Versicherte seine ePA aktivieren und eine relativ komplexe Anmeldung abschließen. Auf der anderen Seite muss der Arzt sich daran gewöhnen, mit diesem neuen Arbeitsinstrument umzugehen. Und beide sollen dann die ePA befüllen. Sie wird nämlich zum Start leer sein.Zudem werden die ersten ePA-Funktionalitäten auf die Dokumentenverwaltung fokussieren und noch wenige Service-Anwendungen anbieten. Die ePA--elektronische Patientenakte kann also zu Beginn ihr Potenzial noch nicht komplett entfalten. Wir werden mit voller Energie daran arbeiten, dass die ePA mit der Zeit gerne genutzt wird.

Was ist die besondere Rolle der Barmer auf diesem Weg?

Regina Vetters: Wir werden bei der Weiterentwicklung uneingeschränkt den Nutzer in den Mittelpunkt stellen. In der ersten Entwicklungsphase setzen wir alle gesetzlichen Anforderungen der gematik um. Wir wollen aber schnell die ePA von einer administrativen Ablage in ein zeitgemäßes Digitalprodukt mit Mehrwert umwandeln.
Dabei sind Datensicherheit und Datenschutz enorm wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass ein Produkt für den Nutzer kompliziert werden muss. Nehmen wir eine Banking-App als Beispiel. Jeder Nutzer setzt voraus, dass seine Bank die App sicher gestaltet hat. Er will dann unbesorgt und so einfach wie möglich eine Überweisung tätigen oder seinen Kontostand einsehen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die ePA mit derselben Logik weiterzuentwickeln, intuitiv und selbstverständlich.

Sie sprachen von einer Lernphase. Wie begleiten Sie Versicherte und Ärzte dabei konkret?

Regina Vetters: Aufklärung ist das A und O. Die eCare ist ein völlig neues Angebot. Wir wollen also mit unseren Nutzern in den Dialog gehen und ihnen die konkreten Vorteile der ePA vorstellen. Was nützt mir die ePA als chronisch krankem Menschen, der regelmäßig Haus- und Fachärzte besucht? Als Elternteil, der die Gesundheit der ganzen Familie im Überblick haben soll? Wenn wir die Menschen erreichen wollen, müssen wir mit ihnen über ihren Alltag sprechen, und nicht nur über Technik und Datenschutz.

Dies gilt auch für Ärzte und Berufsgruppen wie Hebammen, Physiotherapeuten oder Pflegepersonal, die stärker vereinzelt arbeiten. Welche Vorteile können sie sich in der Patientenbehandlung durch eine elektronische Akte vorstellen? Wenn beispielsweise die Pflegekraft schon verlässliche Informationen zur neuen Medikation hat, bevor sie zum Patienten fährt und im Vorfeld die Medibox entsprechend vorbereitet, kann das Zeit sparen.

Wie sehen Sie die Entwicklungsperspektiven der ePA?

Regina Vetters: Am Anfang werden viele unserer Ressourcen damit gebunden sein, wie alle anderen Kassen auch standardisierte Dokumente wie den Mutterpass und das U-Heft für Kinder in die ePA einzupflegen.

Die Erweiterung von Patienten-Services innerhalb der eCare ist für die Barmer das zweitgrößte Entwicklungsfeld. Um ein richtiger Alltags-Begleiter zu werden, muss die ePA mehr als eine digitale Ablage sein. Wir werden also die eCare durch nützliche Services anreichern.

Nehmen wir als Beispiel den Medikationsplan. Für Versicherte, die mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente gleichzeitig einnehmen, wird er in der ePA als Fließtext gespeichert. Wir können daraus aber noch viel mehr machen und für unsere Kunden einen größeren Mehrwert schaffen. In der eCare wird der Nutzer Einnahme-Erinnerungen selbst einstellen können. Die App ermöglicht auch, eine eigene Medikamentenliste zu führen, auch für rezeptfreie Medikamente. Dazu soll der Nutzer einfach den Packungscode einscannen. Wir wollen mit der eCare unsere Versicherten aktiver in ihr Gesundheitsmanagement einbinden.

Die Datennutzung wird in der Weiterentwicklung der ePA entscheidend sein. Das sehen wir in Ländern, die eine ePA schon seit mehreren Jahren eingeführt haben. Eine strukturierte Datensammlung ermöglicht noch viel mehr für die Versorgung, etwa eine bessere Begleitung von chronisch kranken Menschen. So können beispielsweise Hausärzte benachrichtigt werden, wenn bestimmte Werte ihrer Patienten entgleisen. Die Nutzung von Daten und deren schnelle Übermittlung ermöglichen eine personalisierte und anpassbare Behandlung. Der Arzt kann auch informiert werden, wenn ein Patient ein Wiederholungsrezept benötigt und nochmal gesehen werden sollte. 

Aber eine Krankenkasse ist doch letztlich kein Start-Up, das sich mit der Entwicklung von Apps beschäftigt, oder?

Regina Vetters: Doch! Wir sind nach dem Arzt der wichtigste Ansprechpartner unserer Versicherten, wenn es um ihre Gesundheit geht. Es ist also unsere Pflicht und unser Ehrgeiz, ein gutes und nützliches Produkt für unsere Kunden zu entwickeln. Die eCare sowie unsere schon vorhandenen digitalen Produkte sind ein Wettbewerbsvorteil für die Barmer.

Für die erste Version der eCare ab Januar 2021 geht es wie gesagt erstmal um die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Wir haben aber für unsere eCare-Nutzer viele Weiterentwicklungen vor. Schon ab der zweiten Version im zweiten Halbjahr 2021 werden wir über die Dokumentenablage hinaus neue Versicherten-Services anbieten.

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Webcode: a005728 Letzte Aktualisierung: 14.09.2020
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