Arztbesuch und Behandlung

Röntgen – Diagnostik mit Strahlen

Lesedauer unter 9 Minuten
Ein Arzt schaut auf ein digitales Röntgenbild

Autor

Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Ein Sturz und plötzlich schmerzt das Handgelenk... Um zu wissen, ob es gebrochen ist, müsste man in den Körper hineinblicken können – und genau das machen Röntgenstrahlen möglich. Röntgenaufnahmen helfen, Knochenbrüche, Wassereinlagerungen beispielsweise in der Lunge, Flüssigkeitsspiegel in den Nasennebenhöhlen oder andere Probleme zu erkennen und bestmögliche Behandlungsschritte zu planen. Obwohl die Methode vor über 120 Jahren entwickelt wurde, ist sie in modernisierter Form nach wie vor eine wichtige Säule bildgebender Diagnosemethoden.

Was sind Röntgenstrahlen?

Die Röntgendiagnostik nutzt Röntgenstrahlen. Diese Strahlen wurden 1895 vom Physiker Wilhelm Conrad Röntgen das erste Mal beschrieben, wofür er 1901 den (erstmals verliehenen) Nobelpreis für Physik erhielt. Was wir heute als Röntgenstrahlen kennen, hatte der Erfinder ursprünglich X-Strahlen genannt. Im Englischen werden sie entsprechend bis heute „X-Rays“ genannt. Heute kommen Röntgenstrahlen nicht nur in der Medizin zum Einsatz, sondern beispielsweise auch am Flughafen; so kann Sicherheitspersonal das Gepäck „durchleuchten“, ohne es öffnen zu müssen.

Röntgenstrahlen sind kurzwellig, wodurch sie Materie durchdringen können. Je nachdem, wie dicht der „Widerstand“ ist, der ihnen begegnet, kommt mehr oder weniger viel Strahlung auf der anderen Seite an. Bei der Röntgenuntersuchung wird diese Strahlenmenge mit Detektoren gemessen. Röntgenstrahlen können sowohl als Untersuchungsmethode als auch in der Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Die Diagnose und Therapie mithilfe von Röntgenstrahlen gehören zum Fachbereich der Radiologie.

Diagnose: Was sieht man auf einem Röntgenbild?

Bei einer Untersuchung mit Röntgenstrahlen (Radiographie) werden Bilder vom Körperinneren angefertigt. Röntgenbilder sind möglich, weil unterschiedliche Gewebearten unterschiedlich viel Röntgenstrahlung „abbremsen“. Knochen sind sehr dicht, entsprechend wenig Strahlen kommen auf der anderen Seite an. Im Bild setzen sie sich deshalb deutlich weiß ab. Organe, Muskeln, Fett oder Wasser lassen vergleichsweise mehr Strahlen durch und sind im Röntgenbild in verschiedenen Grautönen dargestellt. Hohlräume, beispielsweise in der Lunge, lassen sehr viele Strahlen durch – auf dem Bild sind sie schwarz zu sehen.

Wird der Thorax, also der Brustkorb, geröntgt, können Ärztinnen und Ärzte die Lunge und das Herz begutachten. Deshalb spricht man beim Röntgen-Thorax auch von Herz-Lungen-Röntgen.

Was sieht man beim Röntgen der Lunge? Beispielsweise würde eine gebrochene Rippe, die die Lunge verletzen kann, sichtbar werden. Helle oder schwarze Bezirke auf dem Röntgenbild der Lunge können auf verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder Flüssigkeit, hindeuten. Mit weiteren Diagnoseverfahren wird dann bei Bedarf präzisiert, worum es sich handelt. In der Onkologie werden Röntgenaufnahmen genutzt, um einen möglichen Herd von Lungenkrebs oder Metastasen ausfindig zu machen.

Röntgen des Herzens wird oft bei Verdacht auf eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) angeordnet. Auf dem Röntgenbild ist zu sehen, ob das Herz unter Umständen vergrößert ist, sich Flüssigkeit ansammelt oder sich Blut in den Lungengefäßen staut.
Weiches Gewebe, etwa im Bauchraum, ist beim konventionellen Röntgen weniger deutlich erkennbar. Hierfür wählen Ärzte oft andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall.

Zahnärztinnen und Zahnärzte röntgen das Gebiss, um beispielsweise eine Nichtanlage oder Fehlstellungen von Zähnen, Kieferabszesse oder auch tiefsitzenden Karies sichtbar zu machen.

Wie läuft eine Röntgenuntersuchung ab?

Ob eine Untersuchung mit Röntgen die bestmögliche Option ist, wägen Ärztinnen und Ärzte anhand der konkreten Fragestellung ab. Ist das Verfahren sinnvoll, ist es also „indiziert“, kann in vielen Praxen und Kliniken oft schnell und unkompliziert direkt geröntgt werden.

Vorbereitend auf die Untersuchung werden Metallteile wie Schmuck abgelegt. Da Metalle Röntgenstrahlen stark absorbieren, führen sie zu weißen Flecken auf dem Bild und können die Diagnose erschweren. Diesen Effekt macht man sich zunutze, indem neben dem Körperteil, der geröntgt wird, ein Metallbuchstabe „L“ für links oder „R“ für rechts gelegt wird. Der Buchstabe bildet sich auf dem Röntgenbild weiß ab und „beschriftet“ die Aufnahme mit der Angabe zur dargestellten Körperseite.

Empfindliche Körperbereiche, beispielsweise die Fortpflanzungsorgane im Becken, werden in der Regel mit einer Bleischürze (seltener bleifreien Röntgenschürzen) bedeckt. Durch diesen Schutz kann Röntgenstrahlung nicht dringen. Falls die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht, wird – trotz der Möglichkeit einer Röntgenschürze – zusätzlich noch einmal genau überlegt, ob die Röntgenuntersuchung erforderlich ist.

Die Strahlen werden in der Röntgenröhre erzeugt. Der zu untersuchende Körperbereich, beispielsweise der schmerzende Arm, wird zwischen diese Röhre und das „Aufnahmegerät“ (Strahlendetektor) gelegt. Je nachdem, um welchen Körperbereich es sich handelt, stehen, sitzen oder liegen die Patienten.

Während der Aufnahme, die meist nur wenige Sekunden dauert, sollten Patienten stillhalten, damit die Aufnahme so scharf wie möglich wird. Das medizinische Personal verlässt währenddessen in der Regel den Raum oder trägt ebenfalls Schutzkleidung. Das Verfahren ist schmerzfrei und man kann die Strahlen weder hören noch sehen.

Früher waren Röntgenbilder „analog“: Die unterschiedlich stark absorbierten Strahlen wurden auf der anderen Seite der Strahlenquelle auf einer Art Filmkassette abgebildet, in der ein speziell beschichteter Röntgenfilm zwischen zwei Verstärkerfolien lag und vor der Betrachtung entwickelt werden musste. Heute werden Röntgenaufnahmen meistens digital dargestellt und gespeichert. Diese Bilder können in der Regel direkt nach ihrer Aufnahme betrachtet, beurteilt und besprochen werden.

Ordnen Ärzte eine Röntgenuntersuchung an, tragen gesetzliche Krankenkassen die Kosten – natürlich auch die Barmer. Je nach Verdacht oder Befund können weitere Untersuchungen angeordnet werden, beispielweise eine Computertomographie (CT) oder eine Ultraschalluntersuchung.

Welche Formen von Röntgenuntersuchungen gibt es?

Es gibt verschiedene Formen von Röntgenuntersuchungen. Zu den gängigsten gehören:

  • Konventionelles Röntgen
  • Mammographie
  • Röntgen mit Kontrastmittel
  • Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen
  • Computertomographie

Konventionelles Röntgen

Konventionelle Röntgenuntersuchungen werden oft eingesetzt, um mögliche Knochenbrüche oder Flüssigkeitsansammlungen beispielsweise in der Lunge zu klären. Was auf konventionellen Röntgenaufnahmen zu sehen ist und wie die Untersuchung abläuft, ist am Anfang dieses Beitrags beschrieben.

Mammographie

Die Mammographie ist eine Sonderform der Röntgenuntersuchung, bei der besonders „weiche“ (niederenergetische) Strahlung eingesetzt wird. Die Mammographie macht auch sehr feine Unterschiede in der Dichte und Zusammensetzung des Drüsengewebes sichtbar. Wie sinnvoll eine Mammographie ist und wie regelmäßig sie durchgeführt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise wie alt die Patientin ist oder wie häufig Brustkrebs in der Familie vorkommt. Die Mammographie ist besonders bei älteren Frauen nach der Menopause die Methode der Wahl, bei jüngeren Patientinnen kann sie sinnvolle Ergänzung zur Ultraschalluntersuchung sein.

Hier finden Sie nähere Informationen zum Mammographie-Screening als Leistung der Barmer im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung.

Röntgen mit Kontrastmittel

Beim konventionellen Röntgen sind die meisten inneren Organe in verschiedenen Grauschattierungen schlecht unterscheidbar. Mit Kontrastmitteln können bestimmte Organe und Gewebe besser sichtbar gemacht werden. Das Kontrastmittel erhöht, wie der Name schon sagt, den Kontrast bestimmter Organe auf dem Röntgenbild: sie setzen sich deutlicher von anderen Geweben ab. Das funktioniert, indem das Mittel die Dichte des zu untersuchenden Gewebes erhöht.

Ärztinnen und Ärzte verabreichen Kontrastmittel beispielsweise , um Verdauungsorgane im Bauchraum oder Blutgefäße beziehungsweise die Durchblutung von Organen genauer untersuchen zu können. Je nachdem, was untersucht werden soll, trinken oder schlucken Patienten das Mittel. Für die Darstellung der Blutgefäße oder der Harnwege wird das Kontrastmittel in eine Vene gespritzt oder direkt in die Harnblase gefüllt.

Normalerweise vertragen Patienten das Mittel gut und haben lediglich für einige Minuten ein Wärmegefühl. Selten fühlt sich der Kreislauf danach schwach an. In einigen Mitteln ist Jod enthalten, weshalb die behandelnden Ärzte von einer Jod-Allergie oder Erkrankung der Schilddrüse wissen müssen. Nach einer Kontrastmittelgabe ist es wichtig, viel zu trinken, um das Kontrastmittel schnell wieder ausscheiden zu können.

Röntgendurchleuchtung

Die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen (Fluoroskopie) macht Bewegungsabläufe sichtbar. Beispielsweise können Ärzte so Schluckbewegungen durch eine Serie von Bildern nachvollziehen. Bei einer Durchleuchtung des Herzens können die versorgenden Herzkranzgefäße sichtbar gemacht und behandelt werden. Dazu werden kleine Schläuche – sogenannte Katheter – unter Röntgensicht ins Herz an die richtige Stelle vorgeschoben und mit ihrer Hilfe die Blutgefäße entweder mit Kontrastmittel gefüllt, im Durchmesser wieder aufgedehnt oder mit einem Korbgeflecht gestützt.

Computertomographie

Die Computertomographie (CT) funktioniert ebenfalls mit Röntgenstrahlen. Es wird jedoch nicht ein einzelnes Bild gemacht, sondern eine Serie von Bildern in verschiedenen Schichten (Tomographie = Schichtaufnahme). Viele Computertomographen können heutzutage aus dieser Vielzahl von Röntgenaufnahmen 3D-Bilder errechnen. Eine CT liefert genauere Informationen als eine einfache Röntgenaufnahme; die Strahlenbelastung ist jedoch deutlich höher.

Sind Röntgenstrahlen schädlich?

Röntgenstrahlen sind energiereich und ionisierend. Energiereiche Strahlen werden beispielsweise auch in der Strahlentherapie bei Krebs oder zur Behandlung chronischer Gelenkentzündungen eingesetzt. Ionisierend bedeutet, dass diese Strahlen Atome oder Moleküle aufbrechen können. Damit gehen Risiken einher: Mit Häufigkeit und Intensität steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Strahlen unser Erbgut (DNA) schädigen. Deshalb werden Röntgenstrahlen nur eingesetzt, wenn der medizinische Nutzen das Risiko überwiegt. Besondere Vorsicht ist bei schwangeren Frauen und Kindern geboten.

Dank digitaler Methoden ist die klassische Röntgenuntersuchung jedoch vergleichsweise wenig belastend. Untersuchungen wie Durchleuchtungen oder die CT liefern zwar mehr Informationen, sind aber deutlich belastender, da die Strahlendosis bei diesen viel höher ist. Ärztinnen und Ärzte wägen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren miteinander ab, bevor sie eine Untersuchung anordnen.

Um die Belastung durch Strahlen messen und vergleichen zu können, sprechen Experten von „effektiver Dosis“. Sie wird in Sievert gemessen. Geläufiger ist bei geringen Dosen die Bezeichnung Millisievert: 1.000 Millisievert sind 1 Sievert.

Durch natürliche Strahlenquellen in der Umwelt ist jeder Mensch ständig einem geringen Maß an Strahlung ausgesetzt – durchschnittlich sind das jährlich 2,1 Millisievert pro Person in Deutschland.

Bei einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York sind Reisende durchschnittlich 0,1 Millisievert ausgesetzt. Im Vergleich: Beim Röntgen-Thorax liegt die Strahlenbelastung bei durchschnittlich 0,04 Millisievert. Die Belastung durch Röntgenuntersuchungen ergibt sich aus den folgenden Faktoren:

  • Verfahren
  • untersuchte Körperregion
  • Statur der untersuchten Person – je fülliger man ist, desto mehr Strahlen werden absorbiert und die Bildqualität wird schlechter. Es ist also mehr Strahlung notwendig, um zum Beispiel die „Schichten“ der Bauchregion gut abzubilden.

Wie wird die Strahlenbelastung beim Röntgen minimiert?

Um das Risiko der Röntgenuntersuchung zu verringern, wird „so oft wie nötig, so wenig wie möglich“ geröntgt. Deshalb müssen in Deutschland seit vielen Jahren zwei Voraussetzungen für das Röntgen gegeben sein: Die Röntgenaufnahme muss medizinisch notwendig sein und es müssen alle nötigen Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Unter Umständen ist das Röntgen unnötig, wenn bereits aussagekräftige Aufnahmen existieren. Informieren Sie Ihre Ärzte – vor allem bei einem Arztwechsel – über bereits vorhandene Röntgenbilder und bringen Sie diese, wenn möglich, direkt zu Ihrem Termin mit. Alternativ können Sie Ihre vorherigen Behandler nennen und Ihre aktuellen Ärzte werden die Aufnahmen direkt von diesen anfordern. Werden Sie öfter geröntgt, kann es für Sie sinnvoll sein, einen Röntgenpass zu führen.

Praktisch: Mit der eCare-App, der elektronischen Patientenakte der Barmer, können Sie Ihren Röntgenpass einfach hochladen und haben ihn so immer dabei. Sofern Sie sie berechtigt haben, können Ihre Ärzte oder Ärztinnen ihn auch einsehen.

Überwiegen die Vorteile der Röntgenuntersuchung die Nachteile und sind keine anderen nutzbaren Aufnahmen vorhanden, senken Schutzmaßnahmen das Strahlenrisiko. Das medizinische Fachpersonal stellt Ihnen etwa die notwendige Schutzkleidung bereit. Außerdem wird ausschließlich der zu untersuchende Körperbereich durchleuchtet.

 

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