Krankheiten A-Z

Zöliakie: Ursachen, Symptome und Therapie

Lesedauer weniger als 10 Min
Redaktion:
Miriam Frieß (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Eva Knaus (Fachärztin für Innere Medizin)

Zöliakie ist eine chronische Darmerkrankung, bei der Gluten eine Immunreaktion gegen die Darmschleimhaut auslöst. Selbst kleinste Spuren können starke Magen-Darm-Beschwerden sowie langfristig Schäden an der Darmschleimhaut hervorrufen. Alles zu Symptomen, Diagnose und Behandlung.

Definition: Was ist Zöliakie?

Zöliakie wird häufig auch als Glutenunverträglichkeit bezeichnet. Dahinter steckt eine chronische Darmerkrankung, bei der das Immunsystem die körpereigene Darmschleimhaut angreift. Ausgelöst wird diese Reaktion von dem Eiweiß Gluten. 

Junge, blonde Frau genießt ihr Frühstücksmüsli in der Küche

Glutenfrei zu essen ist für Menschen mit Zöliakie keine Ernährungsform, sondern eine Notwendigkeit, die sie ein Leben lang begleitet.

Gluten steckt zum Beispiel in diesen Getreidesorten:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Emmer (Urweizen)

Schon kurzfristig können schwere Magen-Darm-Beschwerden und Veränderungen der Darmschleimhaut auftreten, die bei längerem Verlauf zu Mangelerscheinungen führen und das Risiko für Darmkrebs erhöhen können. Deshalb sollten Betroffene selbst kleine Mengen Gluten meiden.

Damit unterscheidet sich Zöliakie von Glutensensitivität, bei der glutenhaltige Getreide ebenfalls Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen können, allerdings ohne Beteiligung des Immunsystems.

Symptome: Wie äußert sich Zöliakie?

Die Erkrankung ist vor allem für ihre ausgeprägten Magen-Darm-Beschwerden bekannt, aber Zöliakie macht sich durch eine ganze Reihe von Symptomen bemerkbar.

So reagiert das Verdauungssystem bei Zöliakie unmittelbar auf Gluten

Beim Verzehr von Gluten können bei Betroffenen Magen-Darm-Beschwerden und Verdauungsstörungen auftreten, darunter:

  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Übelkeit und Erbrechen

Langfristig verändert sich die Darmschleimhaut, sodass Betroffene Nährstoffe schlechter aufnehmen können.

So kann Zöliakie sich außerhalb des Verdauungssystems zeigen


Zöliakie kann sich auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts bemerkbar machen. Mögliche körperliche und psychische Beschwerden sind:

So kann Zöliakie bei Kindern aussehen

Dass Zöliakie-Betroffene häufig Nährstoffe nicht richtig aufnehmen können, kann bei Kindern im Wachstum besonders gravierend sein. Zu den Folgen gehören: 

  • Schäden am Zahnschmelz
  • Probleme bei der Gewichtszunahme bis zur Gewichtsabnahme
  • Verlangsamtes Wachstum und geringe Körpergröße
  • Verzögerte Pubertät

Auch ungewöhnlich häufige Stimmungsschwankungen, schnelle Gereiztheit oder Quengelei können auf eine unentdeckte Zöliakie hindeuten.

Häufigkeit und Verbreitung: Wie oft tritt Zöliakie auf?

Ein bis zwei von 100 Menschen in Europa leben mit der chronischen Darmerkrankung. Dabei gehen Fachleute davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist, denn viele Betroffene haben untypische, wenige oder sogar gar keine Symptome.

Die Erkrankung kann in jedem Alter ausbrechen, tritt aber besonders häufig im Kindesalter sowie zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr erstmals auf. Mädchen und Frauen sind häufiger betroffen als Jungen und Männer.

Eine Frau und ein Mann schauen im Supermarkt auf die Angaben auf einer Packung Reis, die der Mann in seiner Hand hält.

Bei Zöliakie lohnt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste: Gluten kann auch in Lebensmitteln stecken, bei denen man es nicht unbedingt erwartet.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht Zöliakie?

Wie genau Zöliakie entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Expertinnen und Experten gehen aber davon aus, dass es nicht den einen Auslöser gibt, sondern mehrere Umstände zusammenkommen.

Die Ursachen hinter Zöliakie

Fachleute vermuten, dass sowohl das Erbgut als auch äußere Faktoren an der Entstehung von Zöliakie beteiligt sind.

Faktor Genetik: Bestimmte Veränderungen im Erbgut machen Betroffene anfälliger für Zöliakie, allerdings treten genau diese Veränderungen auch häufig bei gesunden Menschen auf. 

Zusätzliche Trigger: Deshalb vermuten Fachleute, dass es noch andere Faktoren geben muss, die die Darmerkrankung bei Menschen mit der genetischen Veranlagung schließlich auslösen. 

Als mögliche zusätzliche Trigger gelten:

Weitere Risikofaktoren für Zöliakie

Zusätzlich haben Menschen mit bestimmten anderen Erkrankungen oder genetischen Veränderungen ein erhöhtes Risiko für Zöliakie. 

Zu diesen Risikofaktoren gehören:

Diagnose: Gibt es einen Zöliakie-Test?

Den einen Zöliakie-Test gibt es nicht. Vielmehr nutzen Ärztinnen und Ärzte mehrere Tests, aus deren Gesamtbild sich die Diagnose ergibt. 

Bei Verdacht auf Zöliakie ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle. Genauere Untersuchungen erfolgen dann üblicherweise bei Fachärztinnen oder -ärzten der Gastroenterologie.

Zu den Tests, die auf Zöliakie hindeuten können, gehören:

  • Antikörpertest: Im Blut können Antikörper gegen ein bestimmtes Eiweiß namens Gewebstransglutaminase gemessen werden. Bei diesem Antikörper handelt es sich um einen spezifischen Teil des Immunsystems, der eine Entzündungsreaktion und damit Veränderungen an der Darmschleimhaut hervorrufen kann.
  • Dünndarmbiopsie: Bei einer Dünndarmspiegelung nehmen Ärztinnen und Ärzte kleine Gewebeproben aus der Dünndarmschleimhaut und untersuchen sie auf für Zöliakie typische Veränderungen.
  • Gentest: In einigen Fällen wird anhand einer Blutprobe auch ein Gentest durchgeführt. Dieser Test ist allerdings nur zum Ausschluss von Zöliakie aussagekräftig. Ist der Gentest negativ, steckt in der Regel auch keine Zöliakie hinter den Beschwerden.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen Zöliakie-Test?

Besteht ein medizinischer Verdacht auf Zöliakie, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die erforderlichen Untersuchungen in der Regel. 

Selbsttests aus Apotheken und Drogerien werden nicht von der Krankenkasse bezahlt. Sie versprechen zwar eine schnelle Diagnostik von zu Hause aus, liefern aber häufig falsche Ergebnisse. 

Gerade wenn Patientinnen und Patienten auf Basis eines Selbsttests Gluten meiden, kann das eine Diagnose in der Facharztpraxis sogar erschweren. Deshalb raten Fachleute von Zöliakie-Selbsttests ab.

Therapie: Was hilft bei Zöliakie?

Für Zöliakie gibt es bislang keine Heilung und auch kein Medikament, das es Betroffenen möglich macht, Gluten gefahrlos zu essen. Die einzige derzeit bekannte Behandlung von Zöliakie ist eine konsequente glutenfreie Ernährung. 

Die gute Nachricht: Bei Verzicht auf Gluten erholt sich die Darmschleimhaut zumeist innerhalb weniger Wochen bis Monate. Die Symptome gehen zurück und auch das mit Zöliakie verbundene Risiko für Darmkrebs sinkt. Ernähren Betroffene sich vollkommen glutenfrei, haben sie meist keine Beschwerden.

Sollten durch die Zöliakie Mängel wie Eisen- oder Vitamin B12-Mangel entstanden sein, lassen diese sich meist durch Nahrungsergänzungsmittel beheben.

Verlauf: Ist Zöliakie heilbar?

Zöliakie ist bislang nicht heilbar und bleibt ein Leben lang bestehen, obwohl an einer Lösung geforscht wird. Um langfristigen Folgen der Zöliakie wie Mangelerscheinungen oder einem erhöhten Risiko für Darmkrebs vorzubeugen, empfehlen Fachleute eine konsequente glutenfreie Ernährung. 

Betroffene haben meist kaum Beschwerden und eine normale Lebenserwartung, wenn sie das Klebeprotein von ihrem Speiseplan streichen.

Fazit: Zöliakie auf einen Blick

  • Symptome: Neben Magen-Darm-Symptomen wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen kann sich Zöliakie durch Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Gewichtsverlust, Mangelerscheinungen und Hautausschlag äußern.
  • Ursachen: Das Klebeeiweiß Gluten löst bei Betroffenen eine Immunreaktion aus. Das Immunsystem beginnt, die Darmschleimhaut anzugreifen. Fachleute vermuten, dass Betroffene aufgrund einer Kombination aus genetischen und externen Faktoren daran erkranken.
  • Verlauf: Zöliakie ist eine chronische Darmerkrankung, für die es bislang keine Heilung gibt und die Betroffene ein Leben lang begleitet. Mit einer glutenfreien Ernährung können Menschen mit Zöliakie aber fast beschwerdefrei leben.
  • Diagnose: Die Diagnose erfolgt über Bluttests sowie eine Darmspiegelung, bei der Ärztinnen und Ärzte Proben aus dem Dünndarm entnehmen und auf Gewebsveränderungen untersuchen. Manchmal wird zusätzlich ein Gentest durchgeführt.
  • Therapie: Es gibt bislang keine Medikamente, die Zöliakie heilen oder es Betroffenen möglich machen, gefahrlos Gluten zu verzehren. Die bislang einzige wirksame Maßnahme ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung.

Häufige Fragen und Antworten zu Zöliakie

Die Erkrankung zeigt sich am häufigsten durch Verdauungsprobleme wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel. Aber auch unspezifische Symptome wie Erschöpfung und Gelenkschmerzen sind möglich. Bei Kindern äußert sich die Erkrankung häufig durch Wachstumsstörungen, Probleme bei der Gewichtszunahme oder Schäden am Zahnschmelz. Manche Betroffene haben jedoch nur wenige oder untypische Symptome, weshalb die Erkrankung oft lange Zeit unentdeckt bleibt.

Eine Sonderform der Erkrankung, die als Dermatitis herpetiformis bezeichnet wird, kann zu juckenden Bläschen auf der Haut führen. Dieser Ausschlag zeigt sich typischerweise an Ellenbogen, Knien, Gesäß, Rücken oder Kopfhaut und tritt nach dem Verzehr von Gluten auf. Etwa 2 bis 3 Prozent der betroffenen Kinder und 10 bis 20 Prozent der betroffenen Erwachsenen entwickeln solche Hautveränderungen.

Die beiden Begriffe werden synonym verwendet, obwohl Zöliakie keine Unverträglichkeit im klassischen Sinn ist. Bei der Zöliakie reagiert das Immunsystem auf Gluten und greift körpereigene Strukturen der Darmschleimhaut an, weshalb sie zu den Autoimmunerkrankungen zählt. Bei einer gewöhnlichen Unverträglichkeit, etwa gegen Laktose, ist das Immunsystem nicht beteiligt. Zöliakie gilt aber auch unter den Autoimmunerkrankungen als Sonderfall, weil die Reaktion durch Gluten ausgelöst wird. Der Begriff Glutenunverträglichkeit ist für Zöliakie daher medizinisch unpräzise, aber als Synonym etabliert.

Im Blut lassen sich spezielle Antikörper gegen ein Eiweiß namens Gewebstransglutaminase nachweisen. Diese Antikörper gehören zum Immunsystem und können eine Entzündungsreaktion an der Darmschleimhaut auslösen. Zusätzlich können durch die beeinträchtigte Nährstoffaufnahme Mangelerscheinungen, insbesondere bei Eisen und Vitamin B12, im Blut sichtbar werden.

Grundsätzlich sind Milchprodukte bei Zöliakie nicht verboten. Allerdings haben viele Betroffene neben der Glutenunverträglichkeit auch eine Laktoseintoleranz – besonders wenn der Darm durch die Zöliakie noch geschädigt ist. Diese Unverträglichkeit von Milchzucker kann sich bei einer konsequenten glutenfreien Ernährung aber wieder zurückbilden.

Menschen mit Zöliakie haben bei konsequent glutenfreier Ernährung eine normale Lebenserwartung. Wenn Betroffene das Klebeprotein dauerhaft von ihrem Speiseplan streichen, leben sie meist beschwerdefrei und ohne die andernfalls mit Zöliakie einhergehenden erhöhten Gesundheitsrisiken.

Neben den bekannten Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen wirkt sich die Erkrankung auf den gesamten Körper aus. Häufig treten Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Gewichtsverlust und Nährstoffmängel sowie eine eingeschränkte Fruchtbarkeit auf. Auch psychische Symptome wie Depressionen oder Angsterkrankungen sowie Migräne können vorkommen. Bei Frauen kann die Erkrankung zudem Zyklusstörungen auslösen.

Langfristig kann sich durch die Erkrankung die Darmschleimhaut verändern, sodass Nährstoffe schlechter aufgenommen werden können. Dies führt zu Mangelerscheinungen, die besonders bei Kindern das Wachstum beeinträchtigen können. Zudem steigt das Risiko für Darmkrebs, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Bei konsequent glutenfreier Ernährung erholt sich die Darmschleimhaut jedoch meist innerhalb weniger Wochen bis Monate, und die gesundheitlichen Risiken sinken deutlich.
Besteht ein ärztlicher Verdacht auf Zöliakie, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die notwendigen ärztlichen Untersuchungen. Dazu gehören in der Regel Bluttests auf Antikörper, die bei Zöliakie eine Entzündungsreaktion auslösen können, sowie weitere diagnostische Verfahren wie eine Dünndarmbiopsie oder Gentests.

Weiterführende Informationen

Literatur 

Zertifizierung

Auf unsere Informationen ist Verlass. Sie sind hochwertig und zertifiziert.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren