Rückengesundheit

Rückenbeschwerden und Rückenkrankheiten: Die häufigsten Formen kurz erklärt

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein älterer Mann sitzt auf einem Baumstamm und hält sich mit der Hand den Rücken

Autor

  • Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Thomas Schulz (Sportwissenschaftler, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Vom verspannten Nacken bis zum stechenden Kreuzschmerz, der ins Bein ausstrahlt – Rückenbeschwerden können ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Am häufigsten sind Beschwerden im unteren Rücken. Aber auch im Bereich der Hals- und Brustwirbel kann der Rücken schmerzen.
Die Ursachen dafür sind ganz unterschiedlich. So kann zum Beispiel eine Rückenkrankheit oder eine Verletzung die Schmerzen hervorrufen. Häufig lassen sich Rückenbeschwerden aber nicht nur einer bestimmten Ursache zuordnen.
Wir stellen Ihnen die häufigsten Formen von Rückenbeschwerden vor.

Kreuzschmerzen

Bis zu neun von zehn Menschen in Deutschland haben mindestens einmal im Leben Kreuzschmerzen. Der Begriff Kreuzschmerz fasst all die Arten von Schmerzen zusammen, die unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Gesäßfalte verortet sind. So ist zum Beispiel ein Hexenschuss auch eine Form von Kreuzschmerz. Der Schmerz kann auf den Rücken konzentriert sein oder auch in andere Bereiche ausstrahlen. Akute Kreuzschmerzen sind oft sehr unangenehm und können den Alltag beeinträchtigen. Betroffene sind deshalb oft verunsichert und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die klare Empfehlung lautet hier: So gut es geht, in Bewegung bleiben. In den allermeisten Fällen sind die Kreuzschmerzen harmlos und bessern sich innerhalb weniger Tage.

Hexenschuss

Wenn beim Bücken oder Heben ein stechender Schmerz plötzlich ins Kreuz schießt, kann der Grund ein Hexenschuss sein. Der starke Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule wird häufig durch Muskelverspannungen oder Verschleißerscheinungen ausgelöst. Eine einzelne Bewegung kann dabei eine so starke Verspannung auslösen, dass der "Getroffene" nicht mehr in der Lage ist, sich aufzurichten. Der Hexenschuss gehört zu den häufigsten Arten von Rückenschmerzen. Er wird auch Lumbago genannt, was übersetzt Lendenschmerz bedeutet. Der Hexenschuss ist ein reiner Rückenschmerz und strahlt nicht aus. Das unterscheidet ihn vom Ischiasschmerz.

Ischiasschmerz

Beim Ischiasschmerz kann der Schmerz vom unteren Rücken ins Bein ausstrahlen. Der Ischiasnerv verläuft vom Kreuzbein zum Gesäß und von dort über die Oberschenkelhinterseite bis in den Fuß. Wenn der Ischiasnerv gereizt oder eingeengt wird, zieht der Schmerz deshalb ins Gesäß und von dort in die Beine. Das kann sich auch durch ein Kribbeln oder ein Schwächegefühl im Bein äußern. Die Ursache kann zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule sein. Die vorgefallene Bandscheibe drückt dann auf den Ischiasnerv und irritiert ihn.

Bandscheibenvorfall

Bandscheiben bestehen aus einem gelartigen Kern (Gallertkern) und einer festen Knorpelfaser, die ihn umhüllt. Abnutzungsprozesse können dazu führen, dass die Bandscheiben spröde und rissig werden und nicht mehr so flexibel sind. In einer Belastungssituation, zum Beispiel wenn man einen schweren Gegenstand ohne adäquate Körperspannung anhebt, kann der äußere Ring der Bandscheibe dann reißen und der Gallertkern heraustreten ("vorfallen").

Das vorgefallene Gewebe kann auf die Nerven der Wirbelsäule drücken und sie reizen. Ein Bandscheibenvorfall kann auf jeder Höhe der Wirbelsäule auftreten. Hierdurch kann es zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln und manchmal auch Lähmungserscheinungen in dem Bereich kommen, den der betroffene Nerv versorgt. Es ist gibt aber auch Fälle, in denen ein solcher Bandscheibenvorfall keine Beschwerden hervorruft.

Auch intakte Bandscheiben können die Nerven reizen und Rückenschmerzen verursachen. So können Bandscheiben sich verschieben und in den Rückenmarkskanal wölben. Man spricht dann von einer Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion).

Nackenschmerzen

Schätzungen zufolge leidet jeder Dritte Deutsche einmal im Jahr an Nackenschmerzen. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Akute Nackenschmerzen werden meist durch Muskelverspannungen ausgelöst. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel ungünstiges Liegen oder zu langes Sitzen am PC. Dauerhaft leicht angespannte Muskeln führen dann zu Steifheit und Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich. Auch Verschleißerscheinungen können die Beweglichkeit der Halswirbelsäule einschränken. Sie sind aber selten der alleinige Grund für Nackenschmerzen. Auch psychische Belastungen und Stress können Schmerzen im Nackenbereich oder sogar Kopfschmerzen auslösen. Häufig ist es schwierig, eine eindeutige Ursache für Nackenschmerzen auszumachen. 

Nach ein bis zwei Wochen klingen akute Nackenschmerzen in den meisten Fällen ab. Halten die Schmerzen länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen. Für Betroffene ist es wichtig, keine Schonhaltung einzunehmen. Denn wenn der Kopf schief gehalten wird, um Schmerzen zu vermeiden, kann sich die Muskulatur zusätzlich verspannen, Hier ist es wichtig, genau auf sich zu achten und zu versuchen, sich trotz Schmerzen weiter möglichst normal zu bewegen. Um Nackenschmerzen vorzubeugen, kann man die Nackenmuskulatur durch gezieltes Training stärken.

Osteoporose

Bei Menschen mit Osteoporose verlieren die Knochen an Festigkeit und Elastizität. Das kann auch Auswirkungen auf die Wirbelkörper haben. Die Wirbel sinken in sich zusammen. Bei einer fortgeschrittenen Osteoporose können schon alltägliche Bewegungen wie schweres Heben zu Wirbelkörperbrüchen führen. Häufig werden solche Brüche gar nicht bemerkt. Sie können aber Rückenschmerzen verursachen. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig.

Wirbelkanalverengung

Innerhalb der Wirbelsäule schützt der Wirbelkanal Rückenmark und Nervenbahnen. Durch Verschleißprozesse kann dieser Kanal enger werden. Denn mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern sitzen, an Höhe und Elastizität. Sie wölben sich dann in den Wirbelkanal hinein und engen ihn ein. Dadurch werden auch die Wirbelgelenke stärker beansprucht. An den Gelenken bilden sich dann durch diese Belastung knöcherne Anbauten. Diese können den Wirbelkanal zusätzlich einengen. Man spricht von einer Wirbelkanal- oder Spinalkanalverengung (Stenose). Durch diese Verengung entsteht Druck auf das Rückenmark, die Nerven und die Blutgefäße. Zunehmende Rückenschmerzen können die Folge sein. Außerdem schmerzen die Beine und werden schneller müde, vor allem beim Gehen. Menschen mit einer Wirbelkanalverengung können immer kürzere Wegstrecken zurücklegen. Aktivitäten, bei denen der Lendenwirbelbereich gebeugt wird, wie etwa beim Radfahren, bereiten ihnen hingegen keine Probleme.

Eine solche Verengung des Wirbelkanals ist eine langsam fortschreitende Erkrankung. Am häufigsten sind Menschen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr betroffen. Übergewicht, mangelnde Bewegung, rückenbelastende Tätigkeiten oder Fehlhaltungen erhöhen das Risiko.

Wirbelgelenkarthrose

Wirbelgelenkarthrose ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der sich die Gelenkfortsätze der Wirbel abnutzen. Diese Gelenkfortsätze werden Facetten genannt, daher spricht man auch vom Facettensyndrom. Die Wirbelgelenkarthrose betrifft meist den Lendenwirbelbereich. Bei einigen Patienten führt sie zu starken Schmerzen, bei anderen bleibt sie unbemerkt.

Wirbelgleiten

Wenn Wirbel im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule gegeneinander verschoben sind, kann das ebenfalls zu Rückenschmerzen führen. Man spricht dann von Wirbelgleiten oder Spondylolisthesis. Wirbelgleiten kann angeboren sein oder altersbedingt auftreten.

Wenn die verschobenen Wirbel auf Nerven drücken, verursacht das Wirbelgleiten Schmerzen. Es kann aber auch beschwerdefrei verlaufen.

Schleudertrauma

Bei einem Schleudertrauma wird der Kopf schnell in eine Richtung geschleudert. Das kann zum Beispiel bei einem Autounfall passieren. Die Halsmuskulatur wird dabei stark überdehnt und gezerrt, so dass kleine Verletzungen im Muskel- und Bindegewebe entstehen. Nacken- und Kopfschmerzen können die Folge sein. Die Beweglichkeit ist aber meist nur für einige Tage eingeschränkt bis die Symptome wieder abklingen.

Wann sollte man bei Rückenbeschwerden zum Arzt?

Wenn bei Ihnen Rückenschmerzen neu auftreten oder länger als sechs Wochen anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine ernsthafte Ursache der Schmerzen auszuschließen. Das Gleiche gilt, wenn Sie unter sehr starken Rückenschmerzen leiden.

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