Organspende

Wie eine Organspende abläuft und was Sie dazu wissen sollten

Lesedauer unter 5 Minuten
Eine Frau gibt einer Beraterin die Hand

Autor/in

  • Barmer Internetredaktion
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)

Qualitätssicherung

  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
  • Ralf Zindler (Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Viele Menschen schrecken vor einer Entscheidung zur Organspende zurück, da sie nicht wissen, wie eine Organspende eigentlich abläuft.

Kontaktaufnahme mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation

Eine Organspende ist in jedem Krankenhaus mit Intensivstation durchführbar. So früh es geht, sollte die Kontaktaufnahme zur Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erfolgen. Eine telefonische Abstimmung mit einem Koordinator der DSO klärt die rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen für eine mögliche Spende. Die DSO ist für die Krankenhäuser bundesweit rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar.

Die Diagnostik zur Hirntodfeststellung

Eine massive Hirnschädigung, zum Beispiel durch eine schwere Kopfverletzung oder Hirnblutung, kann trotz aller medizinischen Maßnahmen zum Hirntod des Patienten führen.

Die Diagnose Hirntod bedeutet, dass nachweislich die Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm irreversibel erloschen sind. Nach dem Transplantationsgesetz wird die Hirntoddiagnostik von zwei in der Intensivmedizin erfahrenen Ärzten unabhängig voneinander vorgenommen. Sie führen die Diagnostik nach den Richtlinien der Bundesärztekammer durch. Sie dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe des Organspenders beteiligt sein, noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.

Das Gespräch mit den Angehörigen als Voraussetzung zur Organspende

Eine Organspende ist in Deutschland nur mit einer Einwilligung möglich. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten keine eigene Entscheidung getroffen und zum Beispiel in einem Organspendeausweis dokumentiert, so werden die nächsten Angehörigen um eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen gebeten. Da bislang nur relativ wenige Menschen zu Lebzeiten eine schriftlich dokumentierte Entscheidung zur Organspende getroffen haben, werden in 9 von 10 Fällen die Angehörigen um eine Entscheidung nach dem mündlichen oder dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gebeten. Ziel des Angehörigengesprächs ist es dann, die Familie bei der Entscheidungsfindung zu begleiten und eine stabile Entscheidung im Sinne des Verstorbenen zu finden. Vor einer möglichen Organspende werden in jedem Fall Gespräche mit den Angehörigen geführt, auch wenn eine Zustimmung vorliegt.

Die DSO legt großen Wert darauf, dass die Angehörigen eine stabile Entscheidung treffen. Die behandelnden Ärzte beraten die Familienmitglieder, häufig gemeinsam mit den Koordinatoren der DSO. Sie geben ihnen umfassende Informationen und beantworten ihre Fragen. Über den Verstorbenen zu sprechen, hilft den Trauernden oft, eine Antwort zu finden, die dem vermuteten Willen entspricht. Wenn die Angehörigen dies wünschen, informiert sie die DSO in anonymer Form über die Transplantation der gespendeten Organe und steht ihnen auch lange Zeit nach einer Spende unterstützend zur Seite. Dazu gehört die Einladung zu Angehörigentreffen.

Wie ein Organtransport funktioniert

Die Organspende erfolgt unter den gleichen Bedingungen wie jede andere Operation. Der Transport von Spenderorganen muss schnell, äußerst sorgfältig und medizinisch einwandfrei geschehen. Die Funktion des Transplantates und damit das Überleben des Organempfängers hängen unmittelbar davon ab. Einige Organe lassen sich nur für kurze Zeit konservieren – es kommt auf jede Minute an. Die DSO koordiniert diese anspruchsvolle Logistik und stellt den reibungslosen Ablauf sicher. Wenn die Organe im Transplantationszentrum ankommen, sind die Empfänger bereits auf die Operation vorbereitet.

Die Vermittlungsstelle Eurotransplant

Die DSO veranlasst alle notwendigen Untersuchungen und prüft mögliche Übertragungsrisiken, um die Organempfänger zu schützen. Zudem leitet sie die Erhebung der medizinischen Daten ein, die für die Vermittlung und Transplantation der Organe wichtig sind. Die Koordinatoren senden die Laborwerte mit weiteren Angaben zum Spender an die Vermittlungsstelle Eurotransplant. Ein spezielles Computerprogramm gleicht dort die Daten der Spenderorgane mit denen der Wartelistenpatienten ab und ermittelt die Empfänger. Die Vergabe richtet sich ausschließlich nach medizinischen Kriterien im Vordergrund stehen die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht.

Ablauf einer Organspende – Überblick im Detail

Quelle: Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)

1. Krankheit oder Unfall mit schwerer Hirnschädigung

Das Icon zeigt eine Figur am Bett einer anderen Figur

Ziel aller medizinischen Maßnahmen im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ist es, das Leben des Patienten zu retten. Die Bemühungen der Notärzte, Rettungsteams und der Intensivmediziner sind allein auf dieses Ziel ausgerichtet. Manchmal kann der Patient trotz aller Bemühungen nicht mehr gerettet werden, Krankheit oder Unfallfolgen sind zu weit fortgeschritten. So kann eine massive Hirnschädigung, zum Beispiel durch eine schwere Kopfverletzung oder Hirnblutung, zum Tod des Patienten führen.

2. Todesfeststellung (irreversibler Hirnfunktionsausfall)

Das Icon zeigt zwei Arzt-Figuren am Bett einer anderen Figur

Die Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms ist die medizinische Voraussetzung für eine Organspende. Die Feststellung erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer durch zwei dafür qualifizierte Ärzte unabhängig voneinander. Diese Ärzte dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe des Organspenders beteiligt sein, noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.

3. Meldung des möglichen Spenders an die DSO

Das Icon zeigt einen Telefonhörer mit Sprachwellen

Die Mitarbeiter der Krankenhäuser mit Intensivstation nehmen zu allen Fragen der Organspende Kontakt mit der zuständigen DSO-Region auf. Die DSO ist für die Krankenhäuser bundesweit rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar.


4. Angehörigengespräch

Das Icon zeigt drei Figuren und Sprechblasen für eine Unterhaltung.

Eine Organspende ist in Deutschland nur mit einer Einwilligung möglich. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten keine eigene Entscheidung getroffen und zum Beispiel in einem Organspendeausweis dokumentiert, so werden die nächsten Angehörigen um eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen gebeten.


5. Medizinische Untersuchungen des Verstorbenen

Das Icon zeigt ein Mikroskop

Um die Organempfänger zu schützen, veranlasst die DSO alle notwendigen Untersuchungen und prüft mögliche Übertragungsrisiken. Zudem leitet sie die Erhebung der medizinischen Daten ein, die für die Vermittlung und Transplantation der Organe wichtig sind.


6. Übertragung von Daten zur Organvermittlung an Eurotransplant

Das Icon zeigt eine Figur am Notebook mit Wellen für WLAN stehend.

Die Koordinatoren der DSO senden die Laborwerte mit weiteren Angaben zum Spender an die Vermittlungsstelle Eurotransplant. Ein spezielles Computerprogramm gleicht dort die Daten der Spenderorgane mit denen der Wartelistenpatienten ab und ermittelt die Empfänger. Die Vergabe richtet sich ausschließlich nach medizinischen Kriterien, im Vordergrund stehen die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht.

7. Organentnahme

Das Icon zeigt zwei Arzt-Figuren, eine Figur auf einem OP-Tisch und eine geschlossene Kühlbox.

Für die Entnahme der jeweiligen Organe organisiert die DSO bei Bedarf Entnahmeteams. Gespendet werden können Nieren, Herz, Leber, Lunge, Pankreas und Darm. Die Organspende erfolgt unter den gleichen Bedingungen wie jede andere Operation. Die Ärzte verschließen die Operationswunde sorgfältig und übergeben den Spender in würdigem Zustand für eine mögliche Aufbahrung. Die Angehörigen können sich auch nach der Organentnahme in gewünschter Weise von dem Verstorbenen verabschieden.

8. Transport der Organe

Das Icon zeigt einen Rettungswagen und einen Helikopter.

Der Transport von Spenderorganen muss schnell, äußerst sorgfältig und medizinisch einwandfrei geschehen. Die Funktion des Transplantates und damit das Überleben des Organempfängers hängen unmittelbar davon ab.


9. Transplantation

Das Icon zeigt zwei Arzt-Figuren, eine Figur auf einem OP-Tisch und eine geöffneten Kühlbox.

Die Empfänger sind bereits auf die Operation vorbereitet, wenn die Organe im Transplantationszentrum ankommen. Mit der Übergabe der Spenderorgane endet die Aufgabe der DSO im Organspendeprozess.


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Webcode: s000265 Letzte Aktualisierung: 05.07.2021
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