Medikamente und Arzneimittel

Kopfschmerzen, Darmbeschwerden, Reizhusten: Warum haben Arzneimittel Nebenwirkungen?

Lesedauer unter 4 Minuten
Ein Mann sitzt vor einem Laptop und fasst sich an den Kopf.

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Arzneimittel wirken in der Regel nie so spezifisch, dass sie nur eine einzige erwünschte Wirkung erzielen. Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen wie beispielsweise trockenen Reizhusten, Kopfschmerzen oder Magen-Darmbeschwerden. Weil jede Krankheit anders verläuft. Weil Menschen ganz individuell auf Medikamente reagieren, abhängig von ihrer genetischen Ausstattung. Und weil immer wieder Fehler bei der Einnahme von Medikamenten passieren.

Medikamente haben Nebenwirkungen – auch wenn sie Studien durchlaufen müssen und die Arzneimittelbehörden sie zugelassen haben. Das liegt in der Natur der Sache: Jedes Medikament, das wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Der Körper reagiert nicht (nur) wie erhofft oder gedacht auf ein Mittel; das Medikament ruft auch Wirkungen hervor, die eigentlich nicht auftreten sollten. Dazu kommt: Auch die Erkrankungsmuster und die Reaktionen von Menschen auf Arzneimittel unterscheiden sich, so dass eine Therapie nie gleich wirken kann. Es ist also ziemlich unrealistisch, einen Stoff zu finden, der ausschließlich ein bestimmtes Krankheitssymptom bekämpft, ohne dass er im Körper andere Funktionen und Prozesse beeinträchtigt.

Geringfügige Nebenwirkungen sind häufig

Fachleute sprechen bei Nebenwirkungen auch von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Aus rechtlicher Sicht zählen dazu alle ungünstigen medizinischen Vorkommnisse, unabhängig davon, ob sie direkt mit der Einnahme des Medikaments in Zusammenhang stehen oder nicht. Nebenwirkungen können harmlos und vorübergehend sein, aber auch der Gesundheit schaden und mitunter sogar schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod haben.

Untersuchungen zufolge erleiden hierzulande etwa sieben von hundert Patienten unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Notfall-Einweisungen ins Krankenhaus in Deutschland sind auf medikamentöse Nebenwirkungen zurückzuführen. Die Dunkelziffern liegen vermutlich höher.

Zum Glück verursachen Medikamente meist nur geringfügige Nebenwirkungen. Die häufigsten Vorfälle sind Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Verstopfung und Durchfall. Das liegt daran, dass wir die meisten Medikamente schlucken und damit über den Verdauungstrakt in die Blutbahn aufnehmen. Andere, ebenfalls häufige Wirkungen sind Schläfrigkeit, Schwindel oder Hautreaktionen.

Lebensbedrohliche Zustände oder so gravierende Veränderungen, so dass Sie womöglich ins Krankenhaus müssen, sind in der Regel selten.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: ASS & Co.

Oft gilt: ohne Nebenwirkung keine Wirkung. Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), besser bekannt als Aspirin: Es lindert Schmerzen. In niedriger Dosierung wirkt es auch gerinnungshemmend, indem es verhindert, dass Blutplättchen aneinander kleben – jene Zellen also, die bei der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spielen. Daher nehmen Menschen ASS ein, nachdem sie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben oder weil sie unter Vorhofflimmern leiden. Der Wirkstoff verhindert, dass sich Blutgerinnsel bilden, die ein Gefäß verstopfen und so zu einem erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall führen könnten. Der Grad zwischen Wirkung und Nebenwirkung ist allerdings schmal. Denn genau diese Wirkung führt dazu, dass auch das Risiko für Blutungen der Schleimhäute von Magen und Darm, für verstärktes Nasenbluten und Geschwüre der Magenschleimhaut erhöht ist. Die Nebenwirkungen sind dosisabhängig – je länger jemand ASS einnimmt, desto größer ist die Gefahr dafür.

Ein anderes Beispiel: Antibiotika. Sie töten krankmachende Keime in den Bronchien, auf der Haut, im Mittelohr oder der Blase ab. Allerdings wirken Antibiotika nicht spezifisch gegen eine einzelne Sorte von Keimen. Daher zerstören sie auch gute Bakterien, die ganz regulär die Schleimhäute in Darm und Nase oder die Haut besiedeln und normalerweise für ein ausgewogenes, gesundes Mikrobiom sorgen. Dadurch können Folgeprobleme auftreten. Zu den typischen Nebenwirkungen gehören:

Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit

allergische Reaktionen der Haut mit Rötungen und Juckreiz

Scheidenpilz-Infektionen

Oder Kortison. Der segensreiche Wirkstoff dämpft das Immunsystem und damit beispielsweise allergische Reaktionen. Menschen, die Kortison-Tabletten einnehmen, neigen aber auch vermehrt zu Infektionen. Chemotherapien hemmen Krebszellen, die sich schnell teilen. Gleichzeitig vernichten sie auch andere sich rasch teilende Zellen wie Schleimhautzellen in Mund und Magen-Darm oder Zellen in den Haarwurzeln.

Jedes Krankheitsbild ist anders, jeder Mensch reagiert anders

Nebenwirkungen treten auch auf, weil Menschen nicht das passende Medikament oder nicht die richtige Dosierung einnehmen. Oder weil die genetische Ausstattung des Einzelnen dafür sorgt, dass bei bestimmten Medikamenten häufiger Nebenwirkungen auftreten. So kann beispielsweise Carbamazepin, ein Mittel bei epileptischen Anfällen, bei Menschen aus Asien schwere Hautreaktionen verursachen.

Oder bestimmte Enzyme in der Leber, die eine zentrale Rolle beim Abbau von Medikamenten spielen: Auch für sie gibt es in unterschiedliche genetische Versionen. Je nachdem zerlegt die Leber ein Medikament rasend schnell oder extrem langsam – mit teils gravierenden Folgen: Bei einigen Patienten wirken Präparate gegen Depression, Malaria oder Bluthochdruck kaum, weil sie sofort wieder ausgeschieden werden. Bei anderen Menschen haben sie die gleichen Effekte wie eine Überdosis, weil die Leber sie zu langsam abbaut.

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