Lexikon Krankheiten A-Z

Lesedauer unter 7 Minuten

Gürtelrose

Lesedauer unter 7 Minuten

Autor

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Inhaltsverzeichnis

Wer Windpocken hatte, kann auch eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren ausgelöst. Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch starken Stress oder im Alter, kann den oft sehr schmerzhaften Hautausschlag begünstigen. Meist ist die Gürtelrose nach zwei bis vier Wochen überstanden.

Was ist eine Gürtelrose?

Jeder, der schon einmal Windpocken hatte, kann später eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren verursacht, die sogenannten Varizella-Zoster-Viren. Nach einer Infektion mit Windpocken (Varizellen) bleiben diese Viren im Körper. Viele Jahre später können sie wieder aktiv werden und eine Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen: einen meist streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen, der häufig sehr schmerzhaft ist. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf einer Körperhälfte auf.

Die Gürtelrose ist vor allem bei älteren Menschen eine recht häufige Erkrankung. Sie kann sehr unangenehm sein. Solange keine Komplikationen auftreten, ist sie aber meist nach 2 bis 4 Wochen überstanden.

Seit 2018 wird über 60-Jährigen eine Impfung gegen Gürtelrose empfohlen; Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischer Erkrankung bereits ab 50 Jahren.

Eine Gürtelrose ist ansteckend – allerdings nur für Personen, die noch keine Windpocken hatten. Die Ansteckung führt dann zunächst nur zu einer Windpocken-Erkrankung, nicht zu einer Gürtelrose.

Welche Symptome können bei einer Gürtelrose auftreten?

Bevor sich der Hautausschlag bildet, fühlt man sich meist abgeschlagen und müde. Es kann auch zu leichtem Fieber kommen und unter der Haut kribbeln. Nach 2 bis 3 Tagen zeigen sich dann die typischen Symptome und Beschwerden:

  • ein brennender oder stechender, mittelstarker bis starker Schmerz im betroffenen Bereich,
  • gefolgt von leichten Hautrötungen mit kleinen Knötchen,
  • aus denen sich innerhalb weniger Stunden Bläschen entwickeln, die jucken können.

Dieses Stadium hält bis zu fünf Tage an. Danach trocknen die Bläschen innerhalb von 2 bis 10 Tagen aus und es bilden sich gelbliche Krusten.

Charakteristisch sind die Form des Hautausschlags und das einseitige Auftreten: Er zieht sich streifenförmig über die betroffene Körperhälfte. Am Rumpf erinnert der Ausschlag an einen Gürtel, daher der Name „Gürtelrose“.

 

Grafik: Gürtelrose: typischer Hautausschlag auf einer Körperhälfte

Gürtelrose: typischer Hautausschlag auf einer Körperhälfte

 

Der Ausschlag tritt am häufigsten auf dem Rumpf oder Brustkorb auf. Er kann sich aber überall auf dem Körper entwickeln, zum Beispiel auf den Armen, am Kopf oder im Gesicht. Manchmal sind dann auch Augen oder Ohren betroffen. Bei einigen Menschen bilden sich auch auf größeren Bereichen Bläschen.

Welche Ursachen hat eine Gürtelrose?

Nach einer Windpocken-Erkrankung nisten sich die Varizella-Zoster-Viren unbemerkt in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein. Man trägt sie ein Leben lang im Körper, normalerweise ohne etwas davon zu spüren.

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel durch eine Erkrankung, starken Stress oder im Alter, können sich die Viren erneut vermehren. Sie wandern dann am betroffenen Nerv entlang in die Haut. Durch die Vermehrung der Viren in den Hautzellen entstehen eine Entzündung und der typische Hautausschlag. Die Entzündung des Nervs führt dazu, dass die von ihm versorgten Hautbereiche schmerzen.

 

Grafik: Von Viren befallener Nerv und entzündeter Hautbereich

Von Viren befallener Nerv und entzündeter Hautbereich

 

Menschen, die noch keine Windpocken hatten, können sich bei Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit einer Gürtelrose mit dem Varizella-Zoster-Virus anstecken. Die Ansteckung kann dann zunächst nur zu einer Windpocken-Erkrankung führen, nicht zu einer Gürtelrose. Wenn alle Bläschen ausgetrocknet sind und die letzte Kruste abgefallen ist, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

Eine Gürtelrose können auch Menschen bekommen, die gegen Windpocken geimpft wurden – nach Schätzungen allerdings seltener als Menschen, die die Windpocken durchgemacht haben.

Wer ist wie häufig von einer Gürtelrose betroffen?

Man geht davon aus, dass etwa 2 von 10 Personen, die Windpocken hatten, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen. Meist erkranken Menschen über 50 Jahre. Das Risiko für eine Gürtelrose steigt mit dem Alter an, da das Immunsystem mit den Jahren schwächer wird. In Deutschland erkranken jährlich mehr als 300.000 Menschen.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Gürtelrose?

Bei einem normalen Verlauf ohne Komplikationen dauert es bei Erwachsenen 2 bis 4 Wochen, bis eine Gürtelrose abheilt. Bei Kindern und jungen Menschen verläuft die Erkrankung im Allgemeinen unkompliziert. Die meisten Erwachsenen erkranken nur einmal im Leben.

Sehr selten breiten sich die Bläschen auf benachbarte Hautbereiche oder sogar auf den gesamten Körper aus. Dies kann bei Menschen passieren, deren Immunsystem sehr geschwächt ist, beispielsweise durch eine schwere Erkrankung wie Krebs oder AIDS. Für sie kann eine Gürtelrose lebensbedrohlich werden.

Welche Krankheitsfolgen können auftreten?

Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben. Folgen einer Gürtelrose können auch eine Überempfindlichkeit der Haut oder Pigmentstörungen sein. Bei einer Pigmentstörung ist die Haut an den betroffenen Stellen blasser oder dunkler als die umliegende Haut.

Tritt die Gürtelrose im Gesicht auf, kann sie auf das Auge übergreifen und dort eine Hornhautentzündung verursachen. Wenn Hör- und Gesichtsnerven betroffen sind, kann es zu einer Hörminderung oder zu Lähmungen im Gesicht kommen. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel nach dem Abheilen der Gürtelrose wieder.

Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen haben durch die Nervenentzündung auch noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag abgeheilt ist. Dies bezeichnet man als „Post-Zoster-Neuralgie“ oder „postherpetische Neuralgie“. Sie kann mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre anhalten.

Menschen mit stark geschwächter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Bei ihnen kann sich eine Lungen-, Leber- oder Hirnhautentzündung entwickeln.

Im Gegensatz zur Windpocken-Erkrankung ist eine Gürtelrose während der Schwangerschaft für das Kind ungefährlich.

Wie wird die Diagnose Gürtelrose gestellt?

Da sich oft zuerst die Schmerzen und danach die typischen Hautveränderungen bemerkbar machen, kann die Diagnose am Anfang schwierig sein. Je nachdem, wo die Gürtelrose auftritt, werden manchmal zuerst andere Ursachen für die Schmerzen vermutet, zum Beispiel eine Blinddarm- oder Gallenblasenentzündung, ein Bandscheibenvorfall oder gar ein Herzinfarkt.

Auch den Hautausschlag halten viele Menschen zunächst nicht für eine ansteckende Erkrankung, sondern zum Beispiel für ein Ekzem. Dies kann dazu führen, dass sie einen Arztbesuch nicht für nötig halten.

Ärztinnen und Ärzte erkennen eine Gürtelrose am typischen einseitigen Hautausschlag sowie den zugehörigen Schmerzen oder Empfindungsstörungen. Im Zweifel wird untersucht, ob die Bläschenflüssigkeit Viren enthält. Außerdem kann überprüft werden, ob sich im Blut vermehrt Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus finden.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Seit Ende 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren mit einem Totimpfstoff. Das heißt, der Impfstoff enthält nur Virusbestandteile, keine abgeschwächten Viren. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, rheumatoider Arthritis oder einer Immunschwäche wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Sie besteht aus zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 2 bis höchstens 6 Monaten.

Studien zeigen, dass der Impfstoff bei gesunden Menschen das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, deutlich verringert. Ob der Impfschutz länger als vier Jahre anhält, lässt sich noch nicht sicher sagen, weil der Totimpfstoff noch relativ neu ist. Nach der Impfung kann es zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Ausschlägen, Schmerzen an der Einstichstelle oder Schwellungen kommen.

Die Impfkosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Wie wird eine Gürtelrose behandelt?

Beschwerden wie Schmerzen und Fieber lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol lindern. Bei starken Schmerzen werden manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente wie Opioide verordnet.

Bei einer Gürtelrose wird eine sorgfältige Hautpflege empfohlen. Um den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen, werden oft antiseptische oder juckreizstillende Lotionen, Gele oder Puder angewendet. Meist enthalten sie Gerbstoffe, Zink, Menthol oder Polidocanol. Wenn sich bereits Bläschen gebildet haben, wird manchmal auch zu kühlenden feuchten Umschlägen geraten. Wie gut diese Behandlungen bei einer Gürtelrose helfen, ist allerdings wissenschaftlich nicht gut untersucht.

Spezielle Medikamente gegen das Herpes Zoster-Virus (Virustatika) werden nur empfohlen bei:

  • Personen über 50 Jahre,
  • einer Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich,
  • einem geschwächten Immunsystem,
  • einer Nierenschwäche,
  • schweren Verläufen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen.

Frühzeitig eingenommen, können sie bei Gürtelrose die Heilung beschleunigen und die Dauer der Schmerzen verkürzen. Deshalb ist es sinnvoll, die antivirale Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags zu beginnen. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Medikamente auch als Infusion in die Vene (intravenös) gegeben werden. Wenn das Ohr beteiligt ist, wird oft zusätzlich mit Kortison behandelt. Die Vor- und Nachteile einer solchen Kombinationstherapie sind aber noch unklar.

Wie verändert sich der Alltag?

Es ist wichtig, das Aufkratzen der Bläschen möglichst zu vermeiden: Die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend und aufgekratzte Bläschen können Narben zurücklassen. Solange eine Gürtelrose ansteckend ist – also bis die letzten Bläschen komplett ausgeheilt sind –, sollten Erkrankte den direkten körperlichen Kontakt mit anderen Menschen meiden, wenn sie nicht wissen, ob diese vor Windpocken geschützt sind. Dies gilt vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und für Schwangere. Die Ansteckungsgefahr lässt sich verringern, wenn man die Bläschen mit einem Verband abdeckt.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: s000834 Letzte Aktualisierung: 28.11.2019
Nach oben