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Affenpocken: Ursprung, Symptome und Schutz vor dem Virus

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Im Mai 2022 ist der erste Fall von Affenpocken in Deutschland aufgetreten. Mit der wachsenden Zahl an Fällen wächst auch die Verunsicherung vor einer neuen Pandemie. Wir erklären, wie gefährlich die Viruserkrankung ist, wie man sich vor ihr schützen kann und welche Unterschiede es zum Coronavirus gibt. 

Was sind Affenpocken?

Affenpocken sind eine Erkrankung mit dem Virus Monkeypox virus. Die eher seltene aber seit gut 60 Jahren bekannte Erkrankung trat zunächst nur in Afrika auf. 2003 gelangte das Virus in die USA, vermutlich über den Import von Nagetieren. In Deutschland trat der erste Fall von Affenpocken im Mai 2022 in München auf. Weitere Fälle wurden in Großbritannien, Spanien, Portugal, Schweden und den USA bekannt.

Nach der Ansteckung dauert es ein bis drei Wochen bis die ersten Symptome auftreten. Die Patienten leiden unter Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen. Die Lymphknoten sind geschwollen und die Patienten sind erschöpft. Einige Tage nachdem das Fieber ausbricht, entstehen juckende Pocken auf der Haut, die im weiteren Verlauf ein Sekret bilden, verkrusten und dann abfallen. Bei den meisten Patienten bilden sich die Pocken zunächst im Gesicht und breiten sich dann über den gesamten Körper aus. Nur bei einigen Patienten bildeten sich die Pocken zuerst im Urogenitalbereich aus. Da die Pocken kein charakteristisches Aussehen haben und sich im Verlauf der Erkrankung verändern, wurden Ärztinnen und Ärzte sensibilisiert, bei Erkrankungen mit Pocken wie z.B. Windpocken auch an Affenpocken zu denken.

Wie gefährlich sind Affenpocken?

Affenpocken sind nicht so gefährlich wie die Menschenpocken, die seit 1979 als ausgerottet gelten. Es kann zwar einige Wochen dauern, bis die Patienten wieder richtig fit sind, doch ist der Verlauf im Vergleich zu den Menschenpocken eher mild. Schwere Verläufe mit vielleicht einem tödlichen Ausgang werden nur sehr selten beobachtet. Betroffen von schweren Verläufen sind sehr junge Menschen und immungeschwächte Patienten.

Gefährlich werden kann es, wenn die Pocken aufgekratzt werden. Dann können Bakterien in die Wunden eindringen und zu weiteren Infektionen führen. Die Wunden schmerzen und entzünden sich. Dringen die Bakterien über die Wunde sogar bis das Körperinnere ein, muss das ohnehin schon geschwächte Immunsystem gegen eine weitere Erkrankung ankämpfen. Diese Doppelinfektionen werden auch als Superinfektionen bezeichnet.

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Wie werden Affenpocken übertragen?

Affenpocken werden durch Viren, den Affenpockenviren übertragen. Die Erkrankung wird von Tieren auf Menschen oder von Mensch zu Mensch übertragen. Träger der Viren sind insbesondere Nagetiere und Affen. Die Ansteckung von Mensch zu Mensch ist eher selten. Eine Ansteckung ist durch Reiserückkehrer oder auch im eigenen Land möglich. Sie erfolgt jedoch nur bei einem engen Kontakt, wenn der Gesunde mit Körperflüssigkeiten oder Schorf des Erkrankten in Berührung kommt. Eine weitere Ansteckungsmöglichkeit besteht durch sexuelle Kontakte.

In Deutschland besteht durch das Infektionsschutzgesetz eine ärztliche Meldepflicht. Ärztinnen und Ärzte müssen Patienten melden, die an Affenpocken erkrankt sind. Dadurch werden die diagnostizierten Fälle systematisch erfasst.

Wie ansteckend sind Affenpocken?

Da die Viren von Mensch zu Mensch nur über einen engen Kontakt übertragen werden, geht das Robert Koch Institut aktuell davon aus, dass der Ausbruch eher begrenzt bleiben werde und nicht größere Teile der Bevölkerung betroffen sein werden. Im Gegensatz zu einer Corona-Infektion ist die Infektionskette bei den Affenpocken mit bis zu sechs Personen eher gering. Weiterhin werden die Affenpocken nicht wie Coronaviren großflächig über Aerosole verbreitet. Die Ansteckung erfolgt nur bei Kontakt mit dem Sekret der Pusteln und bei Schleimhautkontakt. Daher geht die Wissenschaft nicht davon aus, dass sich jetzt nach Corona eine zweite Pandemie entwickelt. Allerdings wird die Situation sehr genau beobachtet.

Affenpocken - Darstellung

Eine Illustration von Pockenviren, zu dessen Gruppe auch Affenpocken gehören.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

Einen speziell gegen Affenpocken zugelassenen Impfstoff  gibt es in der EU nicht. Impfstoffe, die gegen Menschenpocken schützen, schützen allerdings auch gegen Affenpocken. Daher haben die USA und Kanada den Impfstoff Imvanex®, der gegen Menschenpocken schützt, für Ihre Länder auch gegen die Affenpocken zugelassen. Imvanex® ist auch in der EU erhältlich, allerdings ohne die erweiterte Zulassung. Deutschland hat 40.000 Dosen Imvanex® beim dänischen Hersteller Bavarian Nordic bestellt. Da für die Impfung zwei Dosen notwendig sind, können 20.000 Menschen damit geimpft werden. Weil aufgrund des Übertragungsweges nicht mit einer Pandemie gerechnet werden muss, wird es kein großflächiges Impfprogramm wie bei der Coronaimpfung geben. 

Die STIKO hat am 21.06.2022 einen Beschluss für eine Impfempfehlung veröffentlicht. Die Affenpocken-Impfung soll vorrangig als Postexpositionsprophylaxe für Kontaktpersonen und für Personen mit hohem Expositionsrisiko eingesetzt werden. Da der Impfstoff derzeit nur eingeschränkt verfügbar ist, sollen zunächst nur Personen geimpft werden, die einen engen Kontakt zu Erkrankten hatten. 

Weiterhin gibt es in Deutschland eingelagerten Pocken-Impfstoff, der für die gesamte Bevölkerung ausreichend wäre. Da der Impfstoff größere Nebenwirkungen als Imvanex® zeigt, ist dieser für den Notfall bei einem bioterroristischen Angriff gedacht und nicht allgemein zugänglich.

Viele ältere Menschen wurden in Deutschland noch gegen Pocken geimpft. Die Impfung wurde 1983 eingestellt. Man geht davon aus, dass die damalige Pockenimpfung einen lebenslangen Schutz bietet bzw. dass bei einer Ansteckung mit Affenpocken die Verläufe milder sind.

Wie werden Affenpocken behandelt?

Das Robert Koch Institut (RKI) empfiehlt, dass sich Personen, die sich mit Affenpocken infiziert haben oder mit einer infizierten Person Kontakt hatten, mindestens 21 Tage lang in Quarantäne begeben. Die Behandlung von Patienten mit Affenpocken erfolgt symptomatisch. Das bedeutet, dass Patienten beispielsweise Medikamente gegen das Fieber, die Kopfschmerzen und den Juckreiz erhalten. Für die Behandlung der Affenpocken bei immunschwachen Menschen und bei Menschen mit einem schweren Verlauf steht ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Tecovirimat zur Verfügung. Affenpockenviren vermehren sich im Menschen, indem sie in menschliche Zellen eindringen und die Zelle animieren, neue Viren zu bilden. Der Wirkstoff hemmt die Freisetzung der neuen Viren aus der Wirtszelle.

Das Arzneimittel ist seit Januar 2022 in der EU auch zur Behandlung der Affenpocken zugelassen. Die Kapseln mit dem Namen „Tecovirimat SIGA“ sind laut dem Robert Koch Institut für immungeschwächte Patienten geeignet, allerdings nicht breit verfügbar.

Wie kann ich mich vor Affenpocken schützen?

Einen sehr guten Schutz bieten die schon durch die Coronapandemie bekannten Hygienemaßnahmen, insbesondere auch dann, wenn im Bekannten- oder Familienkreis jemand an Affenpocken erkrankt ist. Wer sich generell schützen möchte, sollte auf eine gründliche Handhygiene und Desinfektion achten. Da die Affenpocken von Mensch zu Mensch nicht in dem Umfang über Aerosole verbreitet werden wie Coronaviren, ist ein Mundschutz bei größeren Abständen nicht notwendig. Allerdings sollten Menschen in Gesundheitsberufen auf diesen nicht verzichten. 

Weiterführende Informationen zum Thema Affenpocken

Das Robert Koch Institut beantwortet auf seiner Homepage die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema Affenpocken. 

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