Coronavirus

Wie leicht stecken sich Kinder mit dem Coronavirus an?

Lesedauer unter 5 Minuten
Ein Mädchen zeigt einem Jungen eine Schutzmaske

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Das Kind hustet und die Wangen glühen – ist das jetzt Corona? Viele Eltern sind derzeit besonders schnell alarmiert, zumal die Infektionszahlen bei Kindern während der dritten Welle stark ansteigen.

Wie leicht stecken sich Kinder mit dem Coronavirus an?

Grundlegend gilt: Sind mehr Erwachsene infiziert, erkranken auch mehr Kinder an COVID-19. Zu Anfang der Pandemie hatten Medien über eine erhöhte Gefahr der Ansteckung oder Übertragung für Kinder im Vergleich zu Erwachsenen berichtet – das hatte sich nicht bestätigt. Im Verlauf der dritten Infektionswelle dieser Pandemie zeichnet sich jedoch ein neues Phänomen ab: Es sind generell steigende Infektionszahlen zu beobachten, wobei das Robert Koch-Institut von einem besonders starken Anstieg bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 14 Jahren berichtet. Kitas und Schulen sind vermehrt von Ausbrüchen betroffen, was auf die ansteckendere Virus-Mutante B.1.1.7 zurückzuführen ist.

Wie infektiös sind Kinder?

Wurden Kinder anfangs von manchen Menschen bösartig als kleine SARS-CoV-2-Schleudern bezeichnet, gilt diese Behauptung inzwischen als widerlegt. Eine Studie des Landesuntersuchungsamts Rheinland-Pfalz ergab im März 2021, dass in Kindergärten und Schulen ein vergleichsweise niedriges Infektionsrisiko von nur 1,3 Prozent herrschte. Die Zahl könne sogar noch niedriger sein, da man nicht zwischen einer Übertragung in Schule oder Kita und in der Freizeit unterscheiden konnte. Die Daten zeigen auch, dass Erzieherinnen und Erzieher in Kitas ein größeres Risiko für ihre Kollegen waren als die Kinder, die nur selten Lehr- oder Betreuungspersonal ansteckten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) geht davon aus, dass Infektionen bei Kindern dem Infektionsgeschehen bei Erwachsenen folgen – und nicht umgekehrt.

Ob Kinder weniger infektiös sind als Erwachsene ist umstritten.

Insgesamt ist es schwierig, exakte Aussagen über die Infektiosität von Kindern zu treffen: Sie werden weniger oft getestet, da viele Infektionen wegen ihres milden oder asymptomatischen Verlaufs gar nicht erkannt werden. Eine Untersuchung anhand von Antikörpern zeigte etwa im Oktober 2020, dass in Bayern zwischen Januar und Juli 2020 vermutlich sechsmal mehr Kinder mit SARS-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern zeigte keine Symptome.

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder?

Dass Kinder schwer an COVID-19 erkranken ist laut DGPI selten – noch seltener sind schwerste Verläufe und Todesfälle. Die Erkrankung verläuft bei ihnen meist mild und sie müssen nur selten stationär aufgenommen werden. Der Grund dafür könnte möglicherweise sein, dass Kinder grundsätzlich seltener Grunderkrankungen haben. Prof. Dr. Wolfgang Kölfen, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach, vermutet zudem, dass das sehr aktive kindliche Immunsystem für die gute Abwehr verantwortlich ist. „Das Immunsystem eines Kindes ist weniger viruserfahren als das eines Erwachsenen. Darum reagiert es im Zweifel viel früher und aktiviert sofort alle Verteidigungslinien.“ Und: Eventuell können die Viren im Körper eines Kindes auch noch nicht so gut andocken und ihn schwerwiegend infizieren.

In sehr seltenen Fällen erkranken aber auch Kinder schwer an COVID-19. So kann es etwa zum „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ (PIMS) kommen – es ist bei einer Inzidenz von etwa 1:10000 aber extrem selten. Diese Erkrankung mit Symptomen wie zum Beispiel Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Ausschlag, Herzschwäche und Atemnot ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystems auf die Viren und macht sich oft erst einige Wochen nach der Infektion bemerkbar, auch nach einem milden oder symptomfreien Verlauf. Es trifft vor allem Kinder ab etwa sieben Jahren. PIMS erfordert in der Regel eine stationäre Behandlung, oft auf der Intensivstation. Dennoch ist PIMS meistens gut behandelbar, kann aber zu Post-COVID-Erscheinungen wie Müdigkeit und verringerter Leistungsfähigkeit führen. Laut Deutscher Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) litten bis Ende Februar 2021 in Deutschland 215 Kinder und Jugendliche unter PIMS. Daran gestorben ist bisher kein Kind.
Ob die neue Virusvariante B.1.1.7 für Kinder gefährlicher ist, lässt sich noch nicht sagen. Bisher deutet aber nichts darauf hin, dass die britische Mutation zu schweren Verläufen oder einer Häufung von PIMS bei Kindern führt.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Kinder unter einem Jahr haben laut Deutscher Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) potentielle Risiken für einen schweren COVID-19-Verlauf.
Kinder mit Vorerkrankungen hingegen sind nicht unbedingt gefährdeter, so die DGPI. Die Rolle internistischer Grunderkrankungen für den Krankheitsverlauf sei in Studien jedoch noch nicht abschließend bewertet worden.

Welche Symptome deuten auf eine Corona-Infektion bei Kindern?

Die COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern zumeist mild und oft ohne Symptome. Die häufigsten Begleiterscheinungen sind bei Kindern trockener Husten, Fieber und – im Gegensatz zu Erwachsenen – auch Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Appetitlosigkeit. Auche Verfärbungen an Zehen oder Fingern, die an Frostbeulen erinnern, können auftreten.

Was tun, wenn der Verdacht auf Corona besteht?

Abklären sollte man Symptome in jedem Fall, wenn zu Schnupfennase oder Husten auch Fieber oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Suchen Sie Ihre Kinder- und Jugendarztpraxis nicht ohne telefonische Anmeldung auf – Sie gefährden sonst andere Menschen vor Ort. Manche Kinderarzt-Praxen haben durch das Infektionsgeschehen zudem ihr Terminvergabesystem geändert und trennen Vorsorge-Untersuchungen und Infekt-Sprechstunde zeitlich oder räumlich. Teilen Sie deshalb Ihrer Praxis schon am Telefon mit, welche Symptome Ihr Kind hat und ob Sie in den vergangenen 14 Tage Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Dann erfahren Sie das weitere Vorgehen.

Können Kinder gegen Corona geimpft werden?

Der mRNA-Impfstoff Comirnaty® von BioNTech und Pfizer hat am 28. Mai 2021 von der Europäischen Zulassungsbehörde die Zulassung für die Anwendung bei Jugendlichen ab zwölf Jahren erhalten. Die anderen COVID-19-Impfstoffe sind in Deutschland bisher nur für Erwachsene zugelassen. Weitere klinische Prüfungen dazu laufen aber bereits auch bei anderen Herstellern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte, dass auch Jugendliche ab dem 07.06., wenn die Impfpriorisierung aufgehoben ist, geimpft werden können. Welche Impfempfehlung die Ständige Impfkommission aussprechen wird, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wird es keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche geben. Nähere Information finden Sie auf unserer Ratgeberseite zur Impfung gegen das Coronavirus.

Oma und Opa schützen

Die Krisensituation sowie immer wieder geschlossene Kitas und Schulen und stark reduzierte Freizeitangebote stellen Familien vor große organisatorische und emotionale Herausforderungen. Dennoch sollten Großeltern, die aufgrund ihres Alters eher zur Risikogruppe zählen, nach Möglichkeit weiterhin nicht als Babysitter eingeplant werden. „Weil Kinder oft symptomfrei sind, könnten sie das Virus tragen, ohne dass es jemand merkt“, erklärt Pädiater Kölfen. „Der Besuch der Enkel kann wirklich eine große Gefahr für die Großeltern sein und sie lässt sich im Vorfeld leider nicht sicher erkennen.“ Auch ein Schnelltest bietet keine absolute Sicherheit. Die gute Nachricht: Da viele ältere Menschen bereits geimpft sind, können Oma und Opa, sobald auch sie an der Reihe waren, wieder guten Gewissens in den Alltag integriert werden.

Barmer Chat

Chat für Versicherte

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein.

Der Chat ist Montag bis Freitag zwischen 07:00 und 20:00 Uhr erreichbar.

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereich "Mitglied werden"

E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005341 Letzte Aktualisierung: 02.06.2021
Nach oben