Krankheiten A-Z

Adenomyose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Lesedauer weniger als 9 Min
Redaktion:
Miriam Frieß (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Julia Tomada (Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe)

Adenomyose ist eine Erkrankung der Gebärmutter, bei der Schleimhautgewebe des Uterus auch in dessen Muskelwand einwächst. Typische Anzeichen sind starke Unterleibsschmerzen, sehr starke Blutungen und teilweise Probleme dabei, schwanger zu werden. Die wichtigsten Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Behandlung.

Adenomyose einfach erklärt: Was ist Adenomyose?

Die Gebärmutterschleimhaut sollte die Gebärmutter (Uterus) eigentlich nur innen auskleiden. Doch bei Adenomyose wächst dieses Gewebe auch in der Muskelwand des Uterus. Die Folgen können starke Unterleibsschmerzen, heftige Periodenblutungen und eingeschränkte Fruchtbarkeit sein.

Dabei ist die Gebärmutter oft vergrößert und ihre Muskelwand verdickt.

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und krümmt sich vor Schmerzen

Mehr als nur Periodenschmerzen: Bei Adenomyose wächst Gewebe in der Muskelwand des Uterus und ruft starke Zyklusbeschwerden hervor.

Fachleute klassifizieren Adenomyose häufig noch als Unterform der Endometriose. Bei dieser Erkrankung wächst Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Uterus. Mittlerweile ist bekannt, dass sich Gewebe und Krankheitsmechanismen der Adenomyose von denen der Endometriose unterscheiden.

Symptome: Woran erkennt man Adenomyose?

Wie bei Endometriose auch, gehen die Symptome von Adenomyose weit über das „normale“ Maß an Beschwerden vor und während der Menstruation hinaus.

Typische Symptome sind:

  • Starke Menstruationsblutung
  • Starke Schmerzen vor und während der Periode
  • Chronische Unterbauchschmerzen

Weitere mögliche Anzeichen:

Für Menschen mit Kinderwunsch kann Adenomyose zusätzlich psychisch belastend sein, da die Erkrankung die Fruchtbarkeit einschränken und das Risiko für Fehl- und Frühgeburten erhöhen kann.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht Adenomyose?

Die genauen Ursachen der Adenomyose sind noch nicht ganz geklärt. Fachleute vermuten, dass Zellen der Gebärmutterschleimhaut bei kleinen Verletzungen in die Muskelwand der Gebärmutter wandern oder Stammzellen sich dort zu gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe entwickeln.

Zu den Risikofaktoren für Adenomyose zählen etwa: 

Adenomyose und Endometriose: Wo liegt der Unterschied?

Adenomyose und Endometriose sind zwei miteinander verwandte Erkrankungen. Bei beiden wächst Gebärmutterschleimhaut an Orten, wo es eigentlich nicht hingehört.

  • Adenomyose: Das Gewebe wächst in der Muskelschicht der Gebärmutter.
  • Endometriose: Das Gewebe siedelt sich außerhalb der Gebärmutter an, etwa an Eierstöcken, Verdauungsorganen oder dem Bauchfell.

Beide Erkrankungen treten häufig gemeinsam, manchmal aber auch isoliert auf.

Die Grafik beschriebt, wo Adenomyose auftritt und was der Unterschied zur Endometriose ist

Bei Adenomyose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter, bei Endometriose außerhalb der Gebärmutter.

Häufigkeit: Wer ist von Adenomyose betroffen?

Da Adenomyose lange Zeit als Unterform der Endometriose galt und oft nur zufällig diagnostiziert wurde, existieren bislang nur wenige belastbare Zahlen. Häufig beziehen sich Statistiken auch auf beide Erkrankungen gemeinsam.

Eine Übersichtsstudie ergab etwa, dass weltweit rund ein Prozent der Frauen an Adenomyose leiden.

Die Studie zeigte auch: Fast jede dritte Frau mit unerfülltem Kinderwunsch und rund die Hälfte der Menschen, die von gynäkologischen Beschwerden betroffen sind, haben eine Adenomyose.

Verlauf und Folgen: Wie entwickelt sich Adenomyose?

Adenomyose ist eine chronische Erkrankung, für die es bislang keine Heilung gibt und die häufig spät erkannt wird. Die Beschwerden bilden sich zumeist erst in den Wechseljahren wieder zurück.

Adenomyose tritt oft zusammen mit anderen gynäkologischen Erkrankungen auf, zum Beispiel:

  • Endometriose
  • Myome (gutartige Tumore der Gebärmutter)
  • Endometriale Polypen (gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut)

Durch die starken Blutungen kann Adenomyose als Folge einen Eisenmangel und Blutarmut (Anämie) auslösen.

Erwachsenen Frau liegt im MRT

Bei Verdacht auf Adenomyose kann eine Magnetresonanztomografie zur weiteren diagnostischen Abklärung eingesetzt werden.

Diagnose: Wie wird Adenomyose festgestellt?

Adenomyose ist nicht immer leicht zu erkennen und zu diagnostizieren.

Diese Untersuchungen sind bei der Diagnose hilfreich:

  • Tastuntersuchung: Das Abtasten der Gebärmutter auf Größe und Schmerzempfindlichkeit kann eine erste Einschätzung liefern
  • Transvaginaler Ultraschall: Verlässliches Mittel der Wahl, um einen Verdacht auf Adenomyose zu bestätigen; sollte von erfahrenem Personal durchgeführt werden
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Kann bei unklarem Befund zusätzlich Aufschluss geben

Behandlung: Welche Therapien gibt es?

Eine Heilung der Adenomyose ist derzeit nicht möglich, die Beschwerden lassen sich aber behandeln. Das Vorgehen richtet sich dabei nach diesen Aspekten:

  • Wie umfangreich die Beschwerden sind
  • Wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist
  • Wie alt die betroffene Person ist
  • Ob ein Kinderwunsch besteht

Schmerzmittel: Das kann gegen Krämpfe und Druckschmerzen helfen

Bei Schmerzen können sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika helfen. Das sind Schmerzmittel, zu denen auch gängige Wirkstoffe wie diese zählen:

  • Ibuprofen
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Diclofenac

Werden Schmerzmittel regelmäßig eingenommen, ist es ratsam, dazu ärztlichen Rat einzuholen, da auch solche frei verkäuflichen Schmerzmittel nicht frei von Nebenwirkungen sind.

Hormonpräparate: So wird Adenomyose mit Pille und Co. behandelt

Bei Adenomyose werden regelmäßig hormonelle Präparate verschrieben, die den Zyklus regulieren und so die Beschwerden lindern.

  • GnRH-Analoga: Diese Medikamente hemmen langfristig die Produktion von Östrogen in den Eierstöcken.
  • Gestagene als Pille oder Hormonspirale: Das sogenannte Gelbkörperhormon hemmt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut.
  • Kombi-Pille: Die klassische Antibabypille mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagenen kann auch das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und den Eisprung hemmen.

Operationen: Diese Eingriffe sind bei Adenomyose möglich

Eine operative Entfernung des durch die Adenomyose entstandenen Gewebes kann die Beschwerden lindern, ist aber nicht in allen Fällen möglich.

  • Einzelne Adenomyose-Herde, etwa Knötchen oder Zysten, lassen sich durch eine Operation manchmal entfernen. Dadurch können Schmerzen, Blutungen und sogar Schwierigkeiten, schwanger zu werden, deutlich reduziert werden.
  • Wächst die Adenomyose diffus, indem sie die Muskelwand der Gebärmutter durchzieht, ist eine operative Behandlung schwieriger. In manchen Fällen können die Beschwerden verbessert werden, wenn das Gewebe wenigstens teilweise entfernt wird.
  • Entfernung der Gebärmutter: Ist die Familienplanung bereits abgeschlossen und konnten Beschwerden durch andere Methoden nicht ausreichend gelindert werden, kann eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) sinnvoll sein.

Selbsthilfe: Das können Betroffene tun

Die Schmerzen, die Menschen mit Adenomyose erleben, gehen weit über übliche, kurze Krämpfe während der Periode hinaus. Dann benötigen Betroffene eine medikamentöse Behandlung. Es gibt allerdings einiges, das sie selbst ausprobieren können – ohne ärztlichen Rat.

Das kann bei chronischen Schmerzen durch Adenomyose helfen:

Welche Kombination von Behandlungsformen am besten hilft, ist aber sehr individuell und jede Person sollte selbst herausfinden, was ihr guttut.

Psychische Belastung: Welche Auswirkungen kann Adenomyose haben?

Viele Betroffene leben mit Beschwerden, die sich auch auf ihren Alltag auswirken. Die Symptome bei Adenomyose können so stark sein, dass es kaum möglich ist, während der Monatsblutung das Bett zu verlassen.

Gleichzeitig fühlen sich Menschen mit Adenomyose oft nicht ernst genommen, Schmerzen werden häufig kleingeredet und die Diagnose erfolgt in der Regel erst spät. Auswirkungen auf die Familienplanung, Sexualität und Partnerschaft belasten zusätzlich.

Bei psychischen Beeinträchtigungen kann deshalb eine Beratung oder Psychotherapie sinnvoll sein. Das lindert zwar nicht die körperlichen Beschwerden, aber hilft dabei, einen besseren Umgang damit zu finden.

Fazit: Adenomyose auf einen Blick

  • Symptome: Adenomyose äußert sich vor allem durch heftige Schmerzen, eine starke Blutung während der Periode und Schwierigkeiten damit, schwanger zu werden.
  • Ursachen: Bei der Erkrankung wachsen Herde von Gebärmutterschleimhaut in der Muskelwand der Gebärmutter. Wie genau Adenomyose entsteht, ist bislang nicht abschließend geklärt.
  • Verlauf: Adenomyose ist eine chronische Erkrankung, die sich meist zurückbildet, wenn die Wechseljahre beginnen.
  • Diagnose: Zur Diagnose nutzen Ärztinnen und Ärzte bildgebende Verfahren wie einen transvaginalen Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Die Ergebnisse sind allerdings nicht immer eindeutig.
  • Therapie: Es gibt noch keine Heilung für Adenomyose. Die Symptome können aber durch eine hormonelle Therapie gelindert werden. Manchmal lässt sich das Gewebe auch operativ entfernen. Ist die Familienplanung abgeschlossen, kann eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) in Erwägung gezogen werden.

Häufige Fragen zu Adenomyose

Bei einer Adenomyose wächst Gebärmutterschleimhaut in die Muskelwand des Organs hinein. Normalerweise sollte die Schleimhaut die Gebärmutter nur von innen auskleiden. Die genauen Entstehungsmechanismen sind noch nicht vollständig erforscht. Wissenschaftler vermuten, dass Schleimhautzellen bei kleinen Verletzungen in die Muskelwand wandern oder dass sich Stammzellen dort zu schleimhautähnlichem Gewebe entwickeln. Häufig ist die Gebärmutter dabei vergrößert und ihre Muskelwand verformt.
Die Beschwerden gehen deutlich über normale Periodenschmerzen hinaus und können das alltägliche Leben stark beeinträchtigen. Besonders typisch sind heftige Schmerzen vor und während der Menstruation sowie sehr starke und manchmal verlängerte Blutungen. Viele Betroffene leiden zudem unter chronischen Unterbauchschmerzen und einem Druck- oder Schweregefühl im Unterleib. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Zwischenblutungen und starke Erschöpfung können auftreten. Für Menschen mit Kinderwunsch kommt häufig eine psychische Belastung hinzu, da die Erkrankung die Fruchtbarkeit einschränken kann.
Die Diagnose ist nicht immer einfach und erfolgt oft spät. Zuerst wird eine gynäkologische Tastuntersuchung durchgeführt, bei der Größe und Schmerzempfindlichkeit der Gebärmutter beurteilt werden. Das Diagnosemittel der Wahl ist ein transvaginaler Ultraschall, der von erfahrenem Fachpersonal durchgeführt werden sollte. Bei unklaren Ergebnissen kann zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) Aufschluss geben. Die bildgebenden Verfahren liefern allerdings nicht immer eindeutige Ergebnisse.
Eine Heilung gibt es bislang nicht, aber die Symptome lassen sich lindern. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können gegen Krämpfe und Druckschmerzen helfen. Hormonpräparate wie GnRH-Analoga, Gestagene oder die Kombi-Pille regulieren den Zyklus und mindern die Beschwerden. In manchen Fällen können einzelne Adenomyose-Herde operativ entfernt werden, wodurch Schmerzen und Blutungen reduziert werden. Ist die Familienplanung abgeschlossen, kann auch die Entfernung der Gebärmutter eine Option sein.
Ja, Adenomyose kann die Fruchtbarkeit einschränken und eine Schwangerschaft erschweren. Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten kann ebenfalls erhöht sein. Studien liefern Hinweise, dass Adenomyose die Fruchtbarkeit einschränken kann. Für viele Betroffene ist diese Auswirkung besonders psychisch belastend.
Beide Erkrankungen sind miteinander verwandt, da bei beiden Gebärmutterschleimhaut an falschen Stellen wächst. Der Unterschied liegt im Ort des Wachstums. Bei Adenomyose wächst das Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutter selbst. Bei Endometriose siedelt sich das Gewebe außerhalb der Gebärmutter an, etwa an Eierstöcken, Verdauungsorganen oder dem Bauchfell. Die beiden Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf, manchmal aber auch isoliert.
Ja, es gibt mehrere bekannte Risikofaktoren für die Entstehung einer Adenomyose. Dazu gehören eine erste Regelblutung in jungem Alter und ein kurzer Menstruationszyklus. Auch mehrere vorangegangene Schwangerschaften und medizinische Eingriffe an der Gebärmutter wie Ausschabungen erhöhen das Risiko. Weitere Faktoren sind zum Beispiel ein erhöhter Body-Mass-Index und chronische Entzündungsprozesse.
Hormone spielen eine wichtige Rolle sowohl bei der Entstehung als auch bei der Behandlung von Adenomyose. Ein Überschuss des Hormons Östrogen gilt als Risikofaktor für die Erkrankung. Bei der Therapie werden regelmäßig hormonelle Präparate eingesetzt, die den Zyklus regulieren und die Beschwerden lindern. Dazu gehören GnRH-Analoga, die die Östrogenproduktion hemmen, sowie Gestagene und die Kombi-Pille, die das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und den Eisprung hemmen. Die Beschwerden bilden sich meist erst in den Wechseljahren zurück, wenn sich der Hormonhaushalt ändert.
Zur Selbstlinderung von Symptomen gibt es einige Ansätze, die Betroffene ohne ärztlichen Rat ausprobieren können. Sport und Bewegung im Alltag sowie eine ausgewogene Ernährung können helfen. Auch krampflösende und entzündungshemmende Kräutertees wie Schafgarbe oder Kamille sowie Yoga und Meditation werden empfohlen. Welche Kombination am besten wirkt, ist individuell verschieden.

Weiterführende Informationen

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren