Psychische Erkrankungen

Kranken Freunden helfen: Ich bin für dich da

Lesedauer unter 3 Minuten
Zwei junge Menschen umarmen sich

Autor/in

Michèle Loetzner

Qualitätssicherung

  • Dirk Weller (Diplom-Psychologe)
  • Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Wenn Menschen, die man gerne hat, krank werden, wissen viele Freunde und Verwandte nicht, wie sie damit umgehen sollen. Wir haben zusammengestellt, was dir und deinen Lieben helfen kann.

Es gibt Tage, die brennen sich für immer in die eigene Erinnerung ein. Auch Jahre später weiß man noch genau, dass in diesem einen Moment die Sonne schien, nahezu zynisch lachte sie vom Himmel. Am Morgen hatte es noch geregnet, jetzt wehte der Wind leicht, eigentlich war man gerade auf dem Weg zum Mittagessen, als der Anruf kam. Danach war nichts mehr wie vorher.

Wenn Angehörige oder Freunde schwer krank werden, vielleicht sogar sterben müssen, reißt einem das den Boden unter den Füßen weg. Viele Menschen, die solche schwierigen Situationen schon gemeistert haben, sagen im Nachhinein, sie hätten sich eine Anleitung gewünscht. Einen Leitfaden, der ihnen hilft, nicht den Halt zu verlieren.

Hier sind sieben Tipps für den Fall der Fälle:

Eins: Informiere dich selbst über die Erkrankung

Der erste Impuls ist automatisch, die erkrankte Person auszufragen. Natürlich möchte man wissen, was das für eine Krankheit ist, wie die Diagnose lautet und welche Perspektive sich dadurch ergibt. Aber vielleicht weiß das der oder die Kranke selbst aktuell gar nicht und fragt sich das alles auch. Weil niemand gern in einer Ausnahmesituation Lexikon spielen will, checke alles, was du wissen willst zum Beispiel auf seriösen Seiten im Internet oder frage medizinisches Personal, das du kennst - so bekommst du einen Überblick.

Zwei: Akzeptiere Grenzen

Manche haben richtig viel Redebedarf, andere schweigen konsequent. Das kann sich täglich, oft bestimmt auch stündlich ändern. Deshalb frage, bevor du das Thema aufbringst, ganz deutlich, ob der- oder diejenige jetzt gerade überhaupt darüber sprechen will. Ein Nein ist ein Nein.

Drei: Biete Unterstützung an

Hier muss man Ausdauer zeigen. Mit dem einmaligen Angebot „Du kannst dich immer melden, wenn du was brauchst“ ist es nicht getan. Heute lehnt der oder die Erkrankte vielleicht ab, morgen kann das aber auch ganz anders aussehen. Deshalb frage immer wieder und formuliere Angebote am besten ganz konkret: Ich gehe einkaufen, kann ich dir was mitbringen? Soll ich etwas von der Apotheke abholen? Darf ich deinen Rasen mähen?

Vier: Begleite zu Untersuchungen

Manchmal reicht einfach nur da sein, ganz ohne Unterhaltung oder motivierendes Gespräch. Insofern es möglich ist und der oder die Erkrankte das möchte, bringe ihn oder sie zu Untersuchungen, auch wenn das bedeutet, dass du eine Weile draußen warten musst. Löchere danach nicht mit Fragen, wahrscheinlich muss er das Geschehene selbst gerade erst im Kopf sortieren.

Fünf: Ersetze Mitleid durch Mitgefühl

Keiner will bedauert werden, aber Pep-Talks à la „Du schaffst das!“ sind auch nicht immer angebracht. Es ist ein schmaler Grat zwischen beidem, aber die wenigsten Kranken möchten, dass jemand sie als gebrochene Menschen wahrnimmt oder dass ihr Leid auch zu deinem Leid wird. Eine andere Perspektive auf die Krankheit einnehmen zu können, ist nämlich deine Superkraft in dieser Situation. Und Mitgefühl braucht manchmal gar nicht viele Worte – oft sind es kleinste Gesten, die unterstützen können: ein Blick, eine Hand auf einer Schulter.

Sechs: Lagere Verantwortung aus

Du musst nicht für alles zuständig sein, deshalb mache es dir so leicht wie möglich, insofern das deine oder eure Ressourcen erlauben. Es ist völlig in Ordnung, ab jetzt Lebensmittel liefern zu lassen, eine Putzkraft einzustellen oder pflegerische Unterstützung für den kranken Menschen bei der Pflegekasse zu beantragen. Kein Mensch kann und soll alles allein schaffen müssen.

Sieben: Sorge auch gut für dich selbst

Auch du hast Bedürfnisse und Gefühle. Deshalb ist es völlig okay, mal nicht mehr zu können oder zu wollen. Spreche unbedingt an, wenn es dir zu viel wird. Keinem ist geholfen, wenn du unter der nachvollziehbaren psychischen Last zusammenbrichst. Auch du hast ein Recht auf Unterstützung, zum Beispiel durch Selbsthilfegruppen für Angehörige und Nahestehende. Das ist kein Makel und sagt mehr über deinen reflektierten Umgang mit der Situation aus, als dass es vermeintliche Schwächen zeigt.

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