Psychische Erkrankungen

Hilfe bei Mobbing - Ursachen kennenlernen und Mobbing vorbeugen

Lesedauer unter 3 Minuten
Zwei Männer stehen im Büro zusammen am Tisch und reden miteinander

Autor

  • Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Jeder neunte Erwachsene wird oder wurde bereits am Arbeitsplatz gemobbt. Ein beunruhigender Trend ist auch das Cyber-Mobbing. Lesen Sie mehr über die Ursachen, was Mobbing-Opfer und Unternehmen gegen Mobbing tun können und wie man vorbeugt.

Was ist Mobbing?

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet "to mob" so viel wie anpöbeln, attackieren oder drangsalieren. In der Arbeitswelt steht Mobbing daher für das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren eines Beschäftigten durch Kollegen, aber auch durch Führungskräfte. Denn laut Mobbing-Report sind Vorgesetzte in 51 Prozent der erfassten Fälle am Mobbing beteiligt. Typisch für Mobbing ist zum Beispiel, wenn ein Kollege oder eine Gruppe einen anderen längere Zeit übermäßig kritisiert, ignoriert, beleidigt, diffamiert oder sich über ihn lustig macht, um ihn zu demütigen oder auszugrenzen. Als Steigerung erhält das Mobbing-Opfer eventuell auch Aufgaben, die über oder unter seinem Leistungsniveau sind. Die Folgen sind oft schwer: Dauerstress, Wut, Verlust des Selbstvertrauens, psychosomatische Erkrankungen oder Suizidgefahr.

Was ist Cyber Mobbing?

Wenn die Mobbing-Schikanen vor allem über E-Mails, Online-Plattformen/-Foren oder Chats erfolgen, spricht man von Cyber Mobbing. Auch über Mobiltelefon können die Opfer mit Anrufen oder Nachrichten tyrannisiert werden. Das anonyme Internet scheint die Hemmschwelle für Mobbing-Aktivitäten enorm zu senken. Angriffe, Beleidigungen und Bloßstellungen treten hier eher und häufiger auf, besonders bei jungen Menschen. Bereits 32 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden ein Opfer von Cyber-Mobbing.

Ursachen von Mobbing

Antipathie, Neid, Frust oder falsch verstandener Ehrgeiz sind bekannte Motive, die zu Mobbing führen können. Am Anfang steht immer ein ungelöster Konflikt: Ein Streit über Zuständigkeiten oder auch ein Kollege, der sich ständig beim Chef einschmeichelt und immer die besten Projekte rauspickt. Die Ursachen für Mobbing liegen nach Ansicht der Opfer häufig in starren Hierarchien. Betriebsklima, Führungsstil und Unternehmenskultur spielen eine wichtige Rolle.
Denn Mobbing tritt schneller auf, wenn:

  • vieles nur von oben diktiert wird.
  • kein echter Meinungsaustausch stattfindet.
  • selten gelobt, aber häufig getadelt wird.
  • bei Konflikten keine Lösung, sondern Schuldige gesucht werden.

Das Phänomen Mobbing ist daher nur selten in Unternehmen zu finden, in denen sich Führungskräfte gesprächsbereit zeigen und Beschäftigte ein Mitspracherecht haben.

Hilfe bei Mobbing am Arbeitsplatz

Für den Betroffenen ist Mobbing eine große, psychische Belastung – und auch das Arbeitsklima leidet extrem. Doch was können Sie bei Mobbing und akuten Krisen am Arbeitsplatz tun? Wenn Sie selbst von Mobbing betroffen sind, sollten Sie sich nicht in die Rolle des Opfers fügen, sondern frühzeitig aktiv werden. Führen Sie ein Tagebuch über alle Vorkomnisse. Gehen Sie in die Offensive und bitten Sie den Mobbenden um ein offenes Gespräch. Versuchen Sie in den Aussprachen – trotz persönlicher Betroffenheit – so sachlich wie möglich zu bleiben und den ursprünglichen Konflikt zu lösen. Sie können ggf. auch einen Kollegen als "Moderator" hinzuziehen oder eine professionelle Mediation in Anspruch nehmen.

Wenn Gespräche nicht helfen, sollten Sie Ihren Vorgesetzten informieren und um Rat fragen. Je nach Betrieb ist auch eine Beschwerde beim Betriebsrat bzw. Personalrat oder Gleichstellungsbeauftragten möglich. Im äußersten Fall sollte juristische Unterstützung gesucht werden. Ist Ihr Vorgesetzter am Mobbing beteiligt und Hilfsangebote führen zu keiner Verhaltensänderung, bleibt als Lösung vielleicht nur die Versetzung in eine andere Abteilung oder ein neuer Job.

Grundsätzlich gilt: Unternehmen haben Ihren Beschäftigten gegenüber eine "Fürsorgepflicht". Und dazu gehört auch, Beschäftigte vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen, insbesondere auch Mobbing am Arbeitsplatz, zu schützen. Wird dem Arbeitgeber ein Mobbingfall bekannt, ist er verpflichtet die Aktivitäten zu unterbinden.

Mobbing vorbeugen

Unternehmen können eine Menge tun, damit Mobbing erst gar nicht auftritt. Um dem vorzubeugen, sind besonders die Führungskräfte gefragt.
Sie sollten:

  • Meinungsverschiedenheiten sofort ansprechen und klären.
  • bei Konflikten unter den Beschäftigten rechtzeitig einschreiten und Aussprachen initiieren.
  • sich selbst gesprächsbereit zeigen.
  • öfters Stimmungs-Check mittels Fragebogen machen.
  • Gerüchte und Klatsch auf keinen Fall ignorieren.
  • mögliche Mobbing-Opfer ansprechen.
  • sensibel für Stimmungen und Arbeitsklima sein.

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