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Übermäßiges Schwitzen – wenn der Schweiß zum Problem wird

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Schweißränder am T-Shirt, feuchte Hände, glitschige Füße, Rinnsale vom Kopf: Bis zu eineinhalb Millionen Menschen hierzulande läuft der Schweiß auch ohne Hitze und Anstrengung in Strömen. Starkes Schwitzen bringt dabei nicht nur Normalbürger in Verlegenheit; auch viele Stars kennen das Problem – und wirksame Behandlungen dagegen, wie zum Beispiel bestimmte Deodorants. 

Übermäßiges Schwitzen und Schweißattacken

Übermäßiges Schwitzen ist gar nicht so selten: Etwa 1 bis 2 Prozent der Menschen hierzulande leiden darunter. Es ist ratsam, ganz offen über die Schweißattacken zu sprechen und zu erklären, warum man ungern die Schuhe auszieht, mehrmals am Tag das T-Shirt wechselt und regelmäßig unter die Dusche springt. Mit ärztlicher Hilfe werden sich die Beschwerden in der Regel bald bessern.

Wer hilft bei Hyperhidrose?

Die meisten, die unter übermäßigem Schwitzen leiden, kontaktieren zunächst ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt. In der Praxis werden häufige Ursachen für starkes Schwitzen ausgeschlossen wie etwa Probleme mit der Schilddrüse. Liegt keine andere Ursache zugrunde, sollte man einen Termin beim Hautarzt vereinbaren. Denn: Schwitzen ist eine Funktion unserer äußeren Hülle. Indem das Schwitzwasser verdunstet, wird die Körperoberfläche gekühlt. Die Schweißdrüsen sind so genannte Hautanhangsgebilde und gehören mit zur Haut. Ein Hautarzt oder eine Hautärztin sowie Facharzt oder Fachärztin für Dermatologie ist daher die beste Anlaufstelle bei starkem Schwitzen.

Wie sage ich’s dem Arzt oder der Ärztin?

Für Hautärztinnen und Hautärzte ist die Behandlung übermäßigen Schwitzens Routine. Also: einfach Beschwerden klar schildern. Welche Körperpartien sind betroffen? Wann schwitzt man besonders stark? Fachleute wissen dann schon, was sie für die genaue Diagnose weiter tun müssen. Tipp: Weder Hemd noch Bluse vor der Untersuchung wechseln. Schweißflecken unter den Achseln, getrocknete Salzspuren oder feuchte Hände sind für den Arzt und die Ärztin wichtige Hinweise.

Wie werde ich untersucht?

Es gibt keinen Labor- oder Messwert, der klar aussagt, ob die Schwitzerei noch normal oder schon krankhaft ist. Normalerweise erkennen Fachleute das Krankheitsbild schon an den geschilderten Symptomen. Der Fachausdruck für zu starkes Schwitzen lautet „Hyperhidrose“.

Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „zu viel Wasser“. Die Ursache für eine Hyperhidrose sind Schweißdrüsen, die ohne Anlass auf Hochtouren laufen. Zusätzliche Untersuchungen wie der Jod-Stärke-Test oder die sogenannte Gravimetrie helfen, die Erkrankung in Ausdehnung und Verlauf beurteilen. Beim Jod-Stärke-Test werden Körperstellen farblich markiert, die vom übermäßigen Schwitzen betroffen sind. Die Gravimetrie misst, wie viel Schweiß der Körper in einer bestimmten Zeit produziert und kann besonders einen Verlauf im Rahmen einer Therapie beschreiben.

Was kann man gegen übermäßiges Schwitzen tun?

1. Deos und Cremes

Deoroller oder Cremes mit Aluminiumsalzen sind die einfachste Möglichkeit, das Schwitzen an Händen, Füßen oder unter den Achseln zu verringern. Die Salze verstopfen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und mindern so den Schweißfluss.

Aluminiumsalze in Kosmetikprodukten werden seit einigen Jahren kontrovers diskutiert – sie stehen im Verdacht, das Risiko von Brustkrebs und Alzheimer zu erhöhen. In Studien gibt es bislang keine Hinweise oder Belege dafür. Auch das Wissenschaftskomitee für Verbraucherschutz der Europäischen Union verweist nicht auf eine erhöhte Krebsgefahr. Das Bundesamt für Risikobewertung weist ebenfalls auf die geringe Aussagekraft der wissenschaftlichen Daten zum Risiko von Aluminium in Deos hin, rät aber dazu, den Verbrauch insgesamt zu reduzieren und die Anwendung zu vermeiden, wenn die Hautbarriere geschwächt sein könnte, etwa direkt nach der Rasur der Achselhöhlen.

2. Leitungswasseriontophorese

Eine weitere Methode ist die Leitungswasser-Iontophorese, bei der man Hände und/oder Füße in zwei mit Leitungswasser gefüllte Kunststoffwannen hält, durch die Elektroden schwachen Strom leiten. Es gibt auch spezielle Polster für die Achselhöhlen, die vor der Anwendung der Leitungswasseriontophorese mit Wasser getränkt werden. Durch die Schwierigkeit der Körperregion Achsel funktioniert die Iontophorese an Händen und Füßen in der Regel besser. Die Schweißdrüsen sind dadurch nicht mehr so leicht erregbar. Das mindert den Schweißfluss.

3. Nervengift Botulinumtoxin

Elegant und wirkungsvoll ist eine Therapie, bei der die Schweißdrüsen mit dem Nervengift Botulinumtoxin blockiert werden. Das Gift verhindert, dass die Drüsen weiterhin Signale erhalten; sie springen dadurch nicht mehr an. Die Injektionen müssen alle paar Monate wiederholt werden. Da es sich bei Botulinumtoxin um ein körperfremdes Gift handelt, kann es zur Bildung von Antikörpern kommen, die dann nach einigen Behandlungen die Wirkung des Botulinumtoxins aufheben. Reicht Botulinumtoxon nicht oder nicht mehr, gibt’s noch operative Möglichkeiten.

Tipps für den Alltag bei zu starkem Schwitzen

Klamotten

Tragen Sie Lederschuhe und luftige Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle. Und bevorzugen Sie dunkle Blusen oder Shirts – auf hellen fallen Schweißflecken stärker auf.

Entspannung

Stress kann Schwitzattacken verstärken. Beugen Sie ihm deshalb gleich vor – mit autogenem Training, Yoga oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen. 

Gewicht

Menschen mit Übergewicht neigen eher zu Schweißausbrüchen. Wer unter Hyperhidrose leidet und ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, sollte deshalb abnehmen.

Ernährung

Meiden Sie zu heiße oder zu scharfe Speisen, denn sie regen die Schweißproduktion an. Auch Alkohol oder Kaffee können als Auslöser eine Rolle spielen. 

Literatur und weiterführende Informationen

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