Impfungen

Pneumokokken – Impfung schützt vor Bakterien

Lesedauer unter 7 Minuten
Ein kleines Mädchen sitzt auf einer Bank un hält sich die Ohren fest

Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind allgegenwärtige Bakterien. Sie sind für Menschen mit einem stabilen Immunsystem ungefährlich. Bei Kindern, älteren Menschen und Menschen mit schwachen Abwehrkräften können Pneumokokken jedoch schwerste und im schlimmsten Fall sogar tödlich verlaufende Erkrankungen hervorrufen – so unter anderem eine Lungenentzündung. Diese zählt nach wie vor zu den am häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten.

Einem intakten Immunsystem können die Bakterien nichts anhaben. Ist dieser Schutz jedoch eingeschränkt, kann es zu Pneumokokken-Erkrankungen kommen.
Pneumokokken sind für die meisten Fälle von Lungenentzündung verantwortlich. Erkältungs- und Grippeviren selbst sind hier weitaus seltener die Auslöser. Besonders bei älteren Menschen werden viele Lungenentzündungen durch Pneumokokken verursacht.
Die Bakterien können aber auch zu Entzündungen der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs und der Hirnhaut führen. Ebenso kann eine Blutvergiftung die Folge einer Pneumokokken-Infektion sein.
Der einzige Schutz gegen eine Pneumokokken-Erkrankung besteht in einer Impfung gegen diese Bakterien.

Wie häufig sind Pneumokokken-Erkrankungen?

In Deutschland sterben jährlich etwa 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung.

Eines der weltweit gefährlichsten Bakterien
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Streptococcus pneumoniae aktuell mit zu den zwölf gefährlichsten Bakterien, die uns Menschen bedrohen. Das liegt vor allem auch daran, dass sich immer mehr Resistenzen dieser Bakterien gegen verschiedene Antibiotika entwickeln. Das erschwert die Behandlung von Pneumokokken-Infektionen ganz erheblich.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Pneumokokken werden durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Das heißt, die Erreger gelangen über das Einatmen infizierter Tröpfchen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen verbreitet werden, in den Organismus. Auch beim engen Kontakt mit einer infizierten Person ist eine Ansteckung möglich.
Problematisch ist, dass viele von uns Träger von Pneumokokken sind. So schätzt man beispielsweise, dass jede zweite Person (das heißt einschließlich gesunder Menschen) die Erreger in Nase und Rachen mit sich trägt. Daher können sich Risikogruppen auch bei Gesunden mit Pneumokokken anstecken und schwer erkranken.

Welche Symptome treten bei Pneumokokken-Erkrankungen auf?

Infektionen mit Pneumokokken rufen zunächst Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl hervor. Die weiteren Beschwerden hängen dann davon ab, wo die Infektion im Körper angesiedelt ist. Am häufigsten befallen die Erreger Lunge, Mittelohr und Gehirn.

Pneumokokken-Pneumonie

Die Symptome einer durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündung treten meist sehr plötzlich auf. Es handelt sich dabei um hohes Fieber, Husten, Schüttelfrost und Atemnot. Der abgehustete Auswurf ist rostrot gefärbt. Vielfach leiden die Patienten auch unter scharfen, stechenden Schmerzen auf einer Seite der Brust. Diese werden durch Husten und tiefe Atemzüge noch verschlimmert.
Bei rund 40 Prozent der Betroffenen kommt es zu einem sogenannten Pleuraerguss. Dabei sammelt sich zwischen den Membranen, welche die Lunge ummanteln, Flüssigkeit an. Dies kann sowohl die Schmerzen im Brustkorb als auch die Atemproblematik verstärken.

Mitunter tödlich gefährlich
Eine durch Pneumokokken hervorgerufene Lungenentzündung kann mitunter so schwer verlaufen, dass selbst der sofortige Einsatz stark wirksamer Antibiotika den Patienten nicht mehr retten kann.

Pneumokokken-Mittelohrentzündung

Siedeln sich die Pneumokokken im Mittelohr an, führt das dort zu einer akuten Entzündung. 30 bis 40 Prozent aller Mittelohrentzündungen bei Kindern werden auf diese Weise ausgelöst.
Die Pneumokokken-Mittelohrentzündung äußert sich durch zum Teil starke Schmerzen und eine Rötung in dem erkrankten Ohr. Weiterhin wölbt sich das Trommelfell hervor und dahinter kann sich auch Eiter bilden.
In Folge der Mittelohrentzündung kann es zu einem leichten Gehörverlust, Gleichgewichtsstörungen und einer Verletzung des Trommelfells, einer Perforation, kommen. Möglich sind auch eine Infektion des Innenohrs (Labyrinthitis) sowie eine Infektion der Schädelknochen in der Nähe des erkrankten Ohrs (Mastoiditis).

Pneumokokken-Meningitis

Eine durch Pneumokokken bedingte Hirnhautentzündung äußert sich durch hohes Fieber und – nur naheliegend – Kopfschmerzen. Weitere Symptome sind Genickstarre, also ein steifer Nacken, wodurch Bewegungen des Kopfes schmerzhaft und schwierig werden. Kleinkinder mit einer Pneumokokken-Meningitis haben übrigens meist keinen steifen Nacken. Bei ihnen zeigt sich die Erkrankung oft nur dadurch, dass sie wenig Appetit haben und gereizt oder teilnahmslos sind.
Die Hirnhautentzündung kann in allen Altersgruppen bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen zum Gehörverlust führen. Weitere Komplikationen sind Krampfanfälle und Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die auch Lernbehinderungen zur Folge haben können.

Achtung, erhöhtes Risiko
Bestimmte Faktoren erhöhen die Gefahr, an Pneumokokken zu erkranken, beziehungsweise können den Verlauf erschweren. Die wichtigsten Risiken sind chronische Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Krankheiten und Medikamente, die das Immunsystem schwächen, zum Beispiel HIV-Infektionen oder Kortison, eine nicht vorhandene oder nicht funktionsfähige Milz, Rauchen sowie eine Alkoholabhängigkeit.

Wie werden Pneumokokken-Erkrankungen diagnostiziert?

Das diagnostische Vorgehen richtet sich nach der Art der Erkrankung, die durch die Pneumokokken verursacht wurde.

Lungenentzündung

Bei einer Lungenentzündung wird anhand einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs nach Anzeichen gesucht. Zum Nachweis der Erreger erfolgt eine mikroskopische Untersuchung des Auswurfs. Oft werden auch Eiter oder eine Blutprobe im Labor geprüft und Bakterienkulturen angelegt.

Mittelohrentzündung

Beim Befall des Mittelohrs basiert die Diagnose auf den Symptomen und einer körperlichen Untersuchung. Bakterienkulturen werden in der Regel nicht angelegt.

Hirnhautentzündung

Zur Diagnose dieser Form der Pneumokokken-Erkrankungen ist eine sogenannte Lumbalpunktion nötig. Dabei wird Flüssigkeit aus dem Rückenmark entnommen. Diese wird nach Anzeichen auf eine Infektion (wie eine erhöhte Konzentration an weißen Blutkörperchen) und natürlich auf das Vorhandensein von Pneumokokken untersucht.

Wie können die Erkrankungen behandelt werden?

Pneumokokken-Erkrankungen werden durch die Gabe von Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen kommen Penicillin oder ähnliche Formen wie Ampicillin und Amoxicillin zum Einsatz.
In der Regel erfolgt die Therapie über die Einnahme von Tabletten. Bei schweren Ausprägungen einer Pneumokokken-Infektion werden die Antibiotika auch intravenös, also als Infusion, verabreicht.

Wie kann ich mich gegen Pneumokokken schützen?

Die einzige Möglichkeit, Pneumokokken-Erkrankungen wirksam vorzubeugen, besteht darin, sich gegen die Erreger impfen zu lassen.

Warum eine Impfung so wichtig ist
Pneumokokken-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Aufgrund zunehmender Unempfindlichkeiten gegen Antibiotika, sogenannter Resistenzen, gibt es immer mehr dieser Medikamente, die gegen Pneumokokken nicht mehr wirksam sind.

Für Säuglinge zählt die Pneumokokken-Impfung zur Grundimmunisierung. Das heißt, alle Säuglinge und Kleinkinder vom vollendeten zweiten Lebensmonat bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr sollen gegen Pneumokokken geimpft werden. Bei gesunden Kindern ab zwei Jahren ist das Immunsystem soweit ausgereift, dass Pneumokokken keine Gefahr mehr darstellen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher ab dem Alter von zwei Jahren keine Nachholimpfungen. Ebenso empfiehlt die STIKO allen Personen über 60 Jahren die Pneumokokken-Impfung. Da der Impfschutz nur zeitlich begrenzt anhält, wird bei den älteren Personen in der Regel alle sechs Jahre eine Auffrischimpfung vorgenommen. Das Zeitintervall von sechs Jahren sollte nicht unterschritten werden, da ansonsten mit stärkeren Nebenwirkungen der Impfung gerechnet werden muss.

Weitere Impfempfehlungen

Unabhängig vom Lebensalter empfiehlt die STIKO die Pneumokokken-Impfung allen Personen mit einem schwachen Immunsystem. Ein schwaches Abwehrsystem kann durch einen angeborenen Immundefekt oder eine Dysfunktion der Milz verursacht sein. Für die Immunschwäche kann aber auch eine HIV-Infektion oder Transplantation verantwortlich sein.
Auch Menschen, die an einer chronischen Erkrankung leiden, sollten sich gegen Pneumokokken impfen lassen. Zu den chronischen Erkrankungen, die das Abwehrsystem schwächen, zählen Erkrankungen des Herzens und der Atmungsorgane, Diabetes, Leber- und Nierenerkrankungen oder Erkrankungen des Nervensystems.
Personen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie an einer Hirnhautentzündung erkranken könnten (zum Beispiel aufgrund eines Cochlea-Implantats), sollten ebenfalls gegen Pneumokokken geimpft werden.

Gefährdete Berufsgruppen

Auch für den Beruf kann eine Pneumokokken-Impfung wichtig sein. Wer in seinem Beruf mit Metallen arbeitet (zum Beispiel schweißt, trennt oder Metallrauch einatmet), sollte sich mit einer Pneumokokken-Impfung schützen. In der Regel übernimmt der Arbeitgeber die Pneumokokken-Impfung, wenn eine berufliche Notwendigkeit besteht.

Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung und wie wird geimpft?

Es gibt nicht nur einen einzigen Pneumokokken-Erreger, sondern etwa 90 verschiedene Typen. Je nach Impfstoff wird ein Schutz gegen die wichtigsten zehn, 13 oder 23 Typen erreicht. Alle Pneumokokken-Impfstoffe enthalten nicht die gesamten Pneumokokken-Bakterien, sondern nur Bestandteile des Krankheitserregers. Diese Bestandteile führen nicht zu einer Infektion, wohl aber zu einer Reaktion des Immunsystems. Das Immunsystem bildet entsprechende Antikörper. Diese Antikörper schützen und bekämpfen im Infektionsfall dann die wirklichen Krankheitserreger.

Abhängig vom Alter

Welcher Impfstoff angewendet wird, hängt vom Lebensalter ab. Kinder unter zwei Jahren benötigen einen anderen Impfstoff, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Sie bekommen einen Impfstoff, bei dem ausgewählte Bestandteile des Krankheitserregers an Eiweiß gebunden sind. Das kindliche Immunsystem kann den Krankheitserreger so besser erkennen und ausreichend Antikörper bilden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt je nach Alter und Erkrankung bzw. Risiko unterschiedliche Impfschemata. Das bedeutet für die Grundimmunisierung, dass die Anzahl der notwendigen Termine und auch deren zeitlicher Abstand zueinander jeweils entsprechend angepasst werden. Bei einer Impfung wird sich der Arzt an der Empfehlung der STIKO orientieren.

Mit welchen Impfreaktionen muss ich rechnen?

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Impfreaktionen bei Ihnen möglich sein können.
Da der Impfstoff die Körperabwehr anregt, kann sich die Einstichstelle röten, anschwellen und eventuell schmerzen. In den ersten drei Tagen können erkältungsähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Schwere Nebenwirkungen sind selten.

Mit dem Impfplaner im digitalen Gesundheitsmanager haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, alle Impftermine – auch für Ihre Urlaubsreise – stets im Blick zu behalten. 

Quellenangaben

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Redaktionelle Grundsätze
Webcode: s000871 Letzte Aktualisierung: 11.12.2019
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