Doch nun genug der Theorie und rein ins praktische Wissen: Rund um die Wechseljahre kursiert eine ganze Reihe Halbwahrheiten. Wir haben fünf Mythen genauer unter die Lupe genommen.
Mythos 1: Die Wechseljahre sind eine schlimme Zeit. Fast wie eine Krankheit.
Nein. Die Wechseljahre sind in erster Linie eine neue Lebensphase und keine Krankheit. Ähnlich wie während Kindheit oder Pubertät verändert sich in dieser Zeit körperlich, seelisch und häufig auch sozial viel. Barmer Daten zeigen: Nur etwa jede fünfte Frau im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, erhält die Diagnose „Wechseljahresbeschwerden“. Viele Frauen gehen nicht zum Arzt, sondern halten ihre Beschwerden aus. Um die Wechseljahre besser verstehen zu können braucht es mehr Daten, das schafft nicht nur Sichtbarkeit, sondern mehr Wissen und wenn nötig eine bessere Versorgung.
Barmer Daten zeigen: bei 20 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60 findet sich eine entsprechende Diagnose – Klimakterische Beschwerden (Wechseljahrsbeschwerden). Das können zum Beispiel Hitzewallungen sein, oder Schlafstörungen und Gelenkbeschwerden, und diese werden als so belastend erfahren, dass sie vom jeweiligen Arzt oder der Ärztin mit der Diagnose Wechseljahrsbeschwerden auch kodiert werden.
Wie Frauen die Wechseljahre erleben, ist sehr unterschiedlich und individuell, und hängt auch vom Umfeld, persönlichen Erfahrungen und psychischen Faktoren ab. Auf körperlicher Ebene kann der Hormonwandel zu Hitzewallungen und Scheidentrockenheit führen – beide Symptome hängen mit der Hormonumstellung zusammen. Aber was ist mit Schlafstörungen, Erschöpfung oder Gelenkschmerzen? Laut Bevölkerungsumfragen sucht etwa ein Fünftel der Frauen in den Wechseljahren wegen Gelenkbeschwerden ärztlichen Rat. Ein Drittel fühlt sich im Familienalltag gereizter oder empfindet den Job als stressiger. Nur: Es gibt bislang zu wenig Studien darüber, wie stark das wirklich mit der Hormonumstellung zusammenhängt – und wie viel mit dem ganz normalen Älterwerden und den Höhen und Tiefen des oft turbulenten Alltags. Auch der Blick auf die Wechseljahre – als „positive Entwicklungsoption“ oder als „Ab jetzt geht es bergab“ – beeinflusst das Erleben.
Und vielleicht spielt auch Perfektionismus eine Rolle, wenn wir ab 40 über jedes Zwicken und Zwacken entsetzt sind. Denn Männer über 40 berichten beim Arzt ebenfalls häufiger über Erschöpfung, Schlafprobleme und Gelenkschmerzen als in jüngeren Jahren – ein Hinweis, dass hier nicht nur die Hormone eine Rolle spielen, sondern auch das Älterwerden.
Klar ist auch: Alltagsstress kann Beschwerden verstärken: Frauen, die unter Stress stehen, empfinden tendenziell mehr Beschwerden und in stärkerer Ausprägung. Eine Gesellschaft und auch ein privates oder berufliches Umfeld, das Frauen entlastet, statt sie zusätzlich unter Druck zu setzen, zahlt also direkt auf ihre Gesundheit ein.
Mythos 2: Frauen müssen Beschwerden in den Wechseljahren einfach aushalten!
Auf keinen Fall! „Es muss endlich Schluss damit sein, dass Frauen in Bezug auf ihre Beschwerden gesagt wird, sie müssten da eben durch“, sagt auch die Gynäkologin und Medical Influencerin Dr. Judith Bildau.
Mit einem Drei-Stufen-Plan gelingt dies:
- Wissen aufbauen: „Die beste Vorbereitung ist Wissen“, sagt Judith Bildau. Wer versteht, was in dieser Lebensphase im Körper passiert, kann eventuelle Beschwerden besser einordnen und selbst beurteilen, was guttut oder bei stärkeren Beschwerden hilft. Frauen, die wenig von der Hormonumstellung spüren, wünschen sich vielleicht vor allem Empowerment für die nächste Lebensphase. Frauen, die starke Beschwerden haben, möchten verstehen, woher das Unwohlsein kommt, ernst genommen werden und fundierte Hilfe finden.
- Gesunder Lebensstil: Gesunde, mediterran geprägte Ernährung, Bewegung und Krafttraining, ausreichend Schlaf und Entspannung – wer sich hier gut aufstellt, fühlt sich auch in den Wechseljahren tendenziell gesünder und stärkt nebenbei Knochen, Herz und Muskulatur.
- Hilfe in Anspruch nehmen: Bei ausgeprägten Beschwerden sollten Frauen sich an ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen wenden. Denn nur wenn die Beschwerden abgeklärt sind, können sie gut behandelt werden. Oftmals können pflanzliche Medikamente Linderung bringen. Auch äußerlich angewendete Hormonsalben können helfen. Östrogensalbe kann beispielsweisebei trockenen Schleimhäuten im Vaginalbereich wieder helfen. Außerdem haben Frauenärztinnen und Frauenärzte die Möglichkeit, Hormone individuell zu verschreiben. Wichtig sind hier gute Aufklärung und Beratung, sodass die Frau Nutzen und Risiken einer Hormontherapie für sich persönlich abwägen und gut informiert entscheiden kann.