- Ein Gespräch mit Dr. Dagmar Hertle, Fachärztin für Innere Medizin am bifg
- Wechseljahre und Schlafstörungen: Auch Männer schlafen ab 40 schlechter
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Reizbarkeit, schlechter Schlaf, Erschöpfung – alles Folgen der Wechseljahre? Wenn man sich die Gesundheitsdaten bei Männern und Frauen genauer anschaut, zeigt sich: Die Unterschiede sind gar nicht so groß, wie man meinen könnte. Interessante Erkenntnisse, die Frauen helfen können, gesünder älter zu werden. Und Männern auch. Ein Gespräch mit Dr. Dagmar Hertle, Fachärztin für Innere Medizin am bifg – Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung.
Unsere Barmer Abrechnungsdaten zeigen, welche Diagnosen in Arztpraxen gestellt und welche Behandlungen verordnet werden. Sie zeigen also die medizinische Versorgung, nicht das ganze Erleben der Wechseljahre. Viele Frauen suchen mit ihren Beschwerden keine Arztpraxis auf, und nicht jede Beschwerde wird als Wechseljahresbeschwerde erfasst. Es wurden zudem nur Daten und Umfragen ausgewertet, die Cis-Frauen (Frauen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht identifizieren) berücksichtigen. Für mehr Informationen braucht es ergänzende Befragungen und mehr Forschung.
Ein Gespräch mit Dr. Dagmar Hertle, Fachärztin für Innere Medizin am bifg
Frau Hertle, Sie haben Gesundheitsdaten von Frauen und Männern mit Blick auf typische Beschwerden in den Wechseljahren verglichen. Warum?
Dr. Dagmar Hertle, Fachärztin für Innere Medizin am bifg – Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung
Hertle: Die Wechseljahre werden oft mit vielen Beschwerden und sinkender Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht. Das fanden wir vom Barmer Institut für Gesundheitsforschung interessant. Hier wollten wir genauer hinschauen und einfach mal die Männer und deren Beschwerden im selben Alter miteinbeziehen.
Um welche gesundheitlichen Probleme geht es da konkret?
Hertle: Hitzewallungen sind das bekannteste Symptom der Wechseljahre. Doch auch immer mehr andere gesundheitliche Beschwerden werden den Wechseljahren zugeordnet. Dazu zählen Schlafprobleme, Gelenkschmerzen sowie Reizbarkeit und Erschöpfung.
Und das sehen Sie kritisch?
Hertle: Dass viele Frauen schlecht schlafen oder sich erschöpft fühlen – daran habe ich keinen Zweifel. Doch all das den Wechseljahren zuzuschreiben, ist problematisch. Das konnten wir durch die Analyse der anonymisierten Gesundheitsdaten unserer Versicherten, die meine Kollegin Dr. Ulrike Illmann und ich gemacht haben, zeigen.
Das klingt überraschend! Wie haben Sie das geprüft?
Hertle: Als Krankenkasse erhalten wir Abrechnungsdaten zu den diagnostizierten Symptomen und Erkrankungen. Diese Daten können wir nach Geschlecht und Alter auswerten. So können wir beispielsweise herausfinden, welche Beschwerden bei Frauen in den Wechseljahren häufiger erfasst werden als bei Frauen vor und nach den Wechseljahren oder auch bei Männern.