Zwei Personen stehen eng aneinander auf einer belebten Straße. Im Hintergrund sind eine Straßenbahn und städtische Gebäude zu sehen.
Ungleich gesund

Kopfschmerzen: Warum Frauen und Männer anders leiden

Lesedauer weniger als 10 Min
Redaktion:
Sarah Bioly (Wissenschaftsjournalistin, Nerdpol – Redaktionsagentur für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)
Karussell mit 3 Elementen
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Migräne kennt kein Geschlecht

Migräne gilt als Frauenkrankheit, doch auch Männer leiden darunter – ihre Symptome werden jedoch häufig später erkannt und behandelt. Geschlechterrollen können also auch den Umgang mit der Erkrankung prägen.
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Clusterkopfschmerz trifft immer mehr Frauen

Clusterkopfschmerzen gelten als typisch männliche Erkrankung. Doch die Zahlen von Frauen und Männern gleichen sich an. Zwischen 2010 und 2024 hat sich die Zahl der Diagnosen bei Frauen nahezu verdoppelt.
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Wenn die Therapie gefährlich wird

Bei zu häufiger Einnahme von Triptanen und Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen kann ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen – und aus seltener Migräne chronischer Kopfschmerz werden.

Ein pochender Schädel, der einen ans Bett fesselt. Ein stechender Schmerz hinterm Auge, der aus heiterem Himmel zuschlägt. Kopfschmerzen können das Leben auf den Kopf stellen und doch werden sie oft nicht ernst genug genommen, gerade weil sie so verbreitet sind. Migräne gilt als Frauenkrankheit, Clusterkopfschmerz als Männerleiden. Neue Zahlen der Barmer zeigen jetzt, wie sehr solche Zuschreibungen in die Irre führen können und wie viele Menschen dadurch mit der falschen Diagnose durchs Leben gehen. Wie Geschlechterrollen unseren Blick auf Schmerz prägen und warum das für Betroffene mehr als nur ein Randproblem ist.

Thomas Mehr steht am Strand. Im Hintergrund sind Containerschiffe zu sehen.

Thomas Mehr

Fast zwei Wochen lang lebte Thomas Mehr in der „Hölle“. So beschreibt er die Zeit seines Entzugs von den Triptanen – speziellen Medikamenten, die bei Migräne helfen. Er schwitzte, er erbrach sich, er tigerte mit Sonnenbrille, die ihn vor dem grellen Licht in der Klinik schützen sollte, über den Flur und flehte das Pflegepersonal an, ihm endlich ein Triptan zu geben. Dabei war genau das Teil des Problems. Jahrelang hatte er Tabletten geschluckt wie Smarties, um seine Migräne zu bekämpfen – auch aus Angst, als Mann als empfindlich zu gelten, als jemand, der sich vor der Arbeit drückt. Und genau diese Triptane lösten seinen Kopfschmerz dann aus. Migräne gilt als typische Frauenkrankheit, in Thomas Mehrs Leben durfte sie deshalb nicht sein. Nicht einmal seinen Freunden erzählte er davon.

Kaum eine Beschwerde ist so verbreitet wie Kopfschmerzen und kaum eine wird so leicht unterschätzt. Dabei ist Kopfschmerz nicht gleich Kopfschmerz: Die Wissenschaft unterscheidet mehr als 200 Kopfschmerzarten, die drei häufigsten sind Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz. Sie können sich teilweise zum Verwechseln ähnlich anfühlen, brauchen aber meist völlig unterschiedliche Behandlungen. Wird die falsche Diagnose gestellt, bleibt der Schmerz oft über Jahre bestehen oder wird sogar chronisch, mit Folgen, die weit über den Kopf hinausgehen: Auch die Psyche leidet mit, nicht selten entwickelt sich neben dem Dauerschmerz auch eine begleitende Depression.

Bei Männern wird Migräne häufig viel zu spät in Betracht gezogen, schließlich gilt sie als „Frauensache“. Bei Frauen dagegen wird sie manchmal vorschnell diagnostiziert, während sich dahinter in Wirklichkeit auch ein Clusterkopfschmerz verbergen kann, der als „typisch männlich“ gilt. Die Ursache liegt oft weniger in der Medizin selbst als in den Rollenbildern dahinter: in gesellschaftlichen Erwartungen und der Vorstellung, welche Krankheit zu welchem Geschlecht passt. Die Barmer will nun mit „Ungleich gesund“ gegen diese Ungleichbehandlung angehen, damit Gesundheit gerechter wird.

Bei Männern wird Migräne häufig übersehen

Dabei gibt es tatsächlich einen echten biologischen Unterschied, der nichts mit Vorurteilen zu tun hat: Die Zahlen der Barmer sind eindeutig: Rund fünf Prozent der Deutschen, etwa jede 20. Person, erhielten im Jahr 2024 die Diagnose Migräne. Frauen sind dabei dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Frauen sind dreimal so häufig von Migräne betroffen wie Männer. Insgesamt leiden 4,5 Millionen Deutsche darunter.

Frauen sind dreimal so häufig von Migräne betroffen wie Männer. Insgesamt leiden 4,5 Millionen Deutsche darunter.

Ein Grund dafür liegt tief im Körper selbst, wie Dr. Ursula Marschall erklärt, Leiterin des Forschungsbereichs Medizin und Versorgungsforschung im Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung: „Das liegt zum einen an biologischen Faktoren wie den Hormonen Östrogen und Progesteron. Bei vielen Frauen treten Migräneattacken häufig im Zusammenhang mit der Menstruation auf. Nach der Menopause bessert sich die Migräne bei vielen Betroffenen.“ Besonders Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind betroffen, mit Beginn der Wechseljahre gehen die Attacken bei vielen spürbar zurück. 

Dr. Ursula Marschall

Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer

Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt: „Zum anderen spielen auch soziale Faktoren und gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle.“ Auch die Auslöser einer Attacke unterscheiden sich: Während bei Frauen häufig Stress, Hormonschwankungen und grelles Licht eine Migräne triggern, sind es bei Männern eher Stress, übermäßiger Alkoholkonsum und zu viel Schlaf.

Migräne wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich aus. Während die Attacken bei Frauen länger und stärker sind, verlaufen sie bei Männern eher kürzer und milder.

Migräne wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich aus. Während die Attacken bei Frauen länger und stärker sind, verlaufen sie bei Männern eher kürzer und milder.

Schmerzpatient Thomas Mehr bekam die Diagnose mit 14, sieben Jahre nach den ersten Attacken. Seine Mutter litt ebenfalls an Migräne – er glaubt, dass sie damals entscheidend dazu beitrug, dass seine Beschwerden überhaupt richtig eingeordnet wurden. Erst später nämlich kam eine Aura hinzu, die für viele als markanteste Begleiterscheinung einer Migräne gilt. Heute ist Thomas Mehr 53 Jahre alt, doch an die Anfälle seiner Jugend erinnert er sich noch genau. „Ich dachte zuerst, ich brauche eine Brille“, erzählt er. Plötzlich tauchte ein schwarzer Kreis am Rand seines Gesichtsfeldes auf und die Welt um ihn herum wurde unscharf. Dann musste er sich übergeben. „Es fühlte sich an, als hätte ich die Nacht durchgetrunken – nur war ich auf dieser Party gar nicht anwesend“, lacht er.

Die unterschiedlichen Phasen der Migräne

Wie vielfältig sich eine Migräneattacke äußern kann, zeigt sich auch an Thomas Mehrs Erlebnissen. Entscheidend ist dabei nie ein einzelnes Symptom, sondern das Zusammenspiel mehrerer charakteristischer Beschwerden. Bei manchen Betroffenen kündigt sich die Attacke schon Stunden vorher an: In dieser sogenannten Vorbotenphase, medizinisch Prodromalstadium genannt, kann plötzlicher Heißhunger auftreten, ungewöhnlich häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder auch eine unerklärliche Euphorie. Bei etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen folgt darauf eine sogenannte Aura mit vorübergehenden neurologischen Erscheinungen wie Sehstörungen, Kribbeln oder einem pelzigen Gefühl im Gesicht. Erst danach beginnt die eigentliche Kopfschmerzphase: meist starke, häufig einseitige und pulsierende Schmerzen, begleitet von Übelkeit und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen. Bis zu 72 Stunden kann eine solche Attacke andauern.

Das Problem ist: Nicht immer äußert sich die Migräne so eindeutig. Prof. Dr. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzzentrums, USC Uniklinik Dresden, sagt: „Männer berichten zum Beispiel weniger konsequent von der für eine Migräne typischen Einseitigkeit und zeigen weniger ausgeprägte Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit.“

Portraitfoto Prof. Dr. Gudrun Goßrau

Damit ist gemeint, dass der Schmerz oft nur auf einer Kopfseite stattfindet. Stattdessen beschreiben sie den Schmerz häufiger als dumpf-drückend, was eher nach Spannungskopfschmerz klingt. Auch die typischen Vorboten einer Attacke werden von Männern seltener wahrgenommen oder benannt. Hinzu kommt: Migräneattacken verlaufen bei Frauen im Schnitt länger und intensiver, bei Männern eher kürzer und milder, was ihre Beschwerden zusätzlich leichter übersehen lässt. Die Folge: Bei ihnen wird die Migräne oft erst spät erkannt, mit ernsten Konsequenzen. Bleibt eine wirksame Therapie aus, können sich die Schmerzen im Nervensystem regelrecht festsetzen. Aus einzelnen Attacken wird dann chronischer Kopfschmerz.

Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn die Kopfschmerzen über mindestens drei Monate hinweg an mehr als 15 Tagen pro Monat auftreten und davon an mindestens 8 Tagen migränetypische Kopfschmerzen vorliegen. „Wer häufig unter Kopfschmerzen leidet, sollte das ärztlich abklären lassen. Insbesondere wenn die Beschwerden zunehmen, sich verändern oder den Alltag stark beeinträchtigen, ist eine neurologische Untersuchung sinnvoll“, sagt Gudrun Goßrau: „Anders als früher haben wir inzwischen sehr wirksame Therapien, auch zur Prophylaxe.“

Kopfschmerzen: funktionieren um jeden Preis

Mit Ende 30 litt Thomas Mehr an über 20 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen, schmerzfreie Tage waren die Ausnahme. Die Attacken beschreibt er wie Blitzschläge, die von seinem Gehirn durch den Körper zuckten, so massiv, dass er sich unwillkürlich an die Schläfe fassen musste. Über die Migräne zu sprechen, war für ihn in seinem Beruf als Manager in der pharmazeutischen Industrie trotzdem keine Option – er wollte sich keine Schwäche anmerken lassen. Damit er auf der Arbeit funktionierte, probierte er vieles aus: Er hat unter anderem Betablocker eingenommen, sich Botulinumtoxin spritzen lassen, Naturheilmittel und Akupunktur versucht – ohne Erfolg. Als 2018 mit den CGRP-Antikörpern eine neue, vielversprechende Prophylaxe auf den Markt kam, die gezielt in den CGRP-Signalweg im Gehirn eingreift, der bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne eine zentrale Rolle spielt, hoffte er auf Besserung.

Doch anders als bei vielen anderen Betroffenen schlug bei ihm nur ein einziges Mittel an: Zolmitriptan – ein zugelassenen Akutschmerzmittel gegen Migräne. Triptane haben allerdings eine Kehrseite, wie Ursula Marschall erklärt: „Wenn man zu viele davon einnimmt, kann das zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen führen.“ Dann stoppen die Triptane den Kopfschmerz nicht mehr, sie lösen ihn aus. Genau deshalb gibt es in der Kopfschmerztherapie die 10-20-Regel: Triptane sollten an maximal zehn Tagen im Monat eingenommen werden.

Thomas Mehr kannte diese Regel. Und überschritt sie trotzdem, immer wieder, weil er, um den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen, damals keinen anderen Ausweg sah. Manchmal nahm er bis zu drei Tabletten am Tag. Irgendwann halfen auch die nicht mehr. Dann lag er stundenlang im Bett und erbrach sich, manchmal reichte die Kraft nicht einmal mehr, um sich die Zähne zu putzen oder das Hemd auszuziehen. 2022 entschied er sich schließlich für den stationären Medikamentenentzug.

Clusterkopfschmerzen: wenn Frauen nicht ins Krankheitsbild passen

Während Migräne bei Männern unterdiagnostiziert wird, verhält es sich beim Clusterkopfschmerz genau umgekehrt: Er gilt als typisch männlicher Kopfschmerz. Insgesamt sind zwischen 0,1 und 0,2 Prozent der Bevölkerung betroffen, Tendenz laut Barmer Daten steigend. Männer erkranken dabei noch immer rund 1,5 mal so häufig wie Frauen, früher lag das Verhältnis sogar bei bis zu 6:1. „Wobei die Zahlen zeigen, dass sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren angeglichen hat“, so die Datenanalystin Laura Acar von der Barmer.

Männer erkranken rund 1,5-mal so häufig an Clusterkopfschmerzen wie Frauen, früher lag das Verhältnis sogar bei bis zu 6 : 1.

Männer erkranken rund 1,5-mal so häufig an Clusterkopfschmerzen wie Frauen, früher lag das Verhältnis sogar bei bis zu 6 : 1.

Ein möglicher Grund für den Anstieg bei Frauen liegt in veränderten Lebensgewohnheiten: Alkohol und Nikotin können Clusterkopfschmerz-Attacken auslösen, und beides konsumieren Frauen heute häufiger als früher. Das allein erklärt die Entwicklung aber nicht vollständig. „Ein Grund könnte auch sein, dass Behandelnde inzwischen stärker sensibilisiert sind“, vermutet Dr. Ursula Marschall. Trotzdem zeigen die Barmer-Daten: Noch immer werden Männer wegen Clusterkopfschmerzen deutlich häufiger behandelt als Frauen. „Wenn Frauen mit Clusterkopfschmerzen zum Arzt oder zur Ärztin gehen, glaubt man, das sei eine heftige Migräneattacke“, sagt Marschall. „Oder sie halten es für eine atypische Migräne“, ergänzt Prof. Dr, Gudrun Goßrau.

Die Diagnosen von Clusterkopfschmerzen nehmen sowohl bei Frauen als auch bei Männern in den letzten Jahren zu.

Die Diagnosen von Clusterkopfschmerzen nehmen sowohl bei Frauen als auch bei Männern in den letzten Jahren zu.

Dabei unterscheiden sich beide Kopfschmerzarten deutlich, auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich wirken: Migräne wie Clusterkopfschmerz treten meist einseitig auf, doch in der Intensität liegen Welten dazwischen. Der Clusterkopfschmerz gilt als einer der stärksten Schmerzen, den ein Mensch überhaupt empfinden kann. Betroffene sprechen vom „Vernichtungskopfschmerz“ und beschreiben das Gefühl, als bohre sich ein Nagel durch das Auge. Typisch ist zudem, dass auf der betroffenen Seite das Auge anschwillt und die Nase läuft. Anders als eine Migräneattacke, die Tage dauern kann, ist eine Clusterkopfschmerz-Attacke meist nach 15 Minuten bis drei Stunden vorbei.

Woher die Attacken kommen, ist noch nicht abschließend geklärt. Forschende vermuten, dass bei Betroffenen die Nervenzellen im Hypothalamus aus dem Takt geraten sind, jener Hirnregion, die unter anderem als innere Uhr den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Dafür spricht auch ein auffälliges Muster: Die Attacken treten oft zu immer denselben Tages- und Nachtzeiten sowie zu bestimmten Jahreszeiten auf, in den namensgebenden „Clustern“.

Die Diagnose von Kopfschmerzen: jenseits von Geschlechterrollen

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Diagnose nicht immer sauber trennen lässt: „Ein weiteres Problem ist, dass Menschen auch mehrere Kopfschmerzarten gleichzeitig haben können“, sagt Ursula Marschall. „Oder: Eine laufende Nase kann auch auf eine Allergie hindeuten oder ein Schnupfen sein.“ Umso wichtiger ist es, dass Betroffene ihre eigenen Beschwerden genau kennen: ob es sich um Spannungskopfschmerz, eine Migräneattacke oder Clusterkopfschmerz handelt, und welches Medikament bei welcher Kopfschmerzart überhaupt wirkt. Ursula Marschall und Gudrun Goßrau empfehlen deshalb, ein Kopfschmerztagebuch zu führen oder eine entsprechende App zu nutzen. Auch regelmäßiger Ausdauersport gilt als wirksame, nebenwirkungsarme Ergänzung, um die Attackenfrequenz zu senken.

Denn so wie die Migräne verlangt auch der Clusterkopfschmerz nach einer ganz eigenen Therapie. Triptane in Tablettenform etwa sind hier wirkungslos, sie wirken schlicht nicht schnell genug, um eine Attacke zu stoppen. Stattdessen müssen Schmerzmittel gespritzt oder als Nasenspray verabreicht werden. „Eine der wichtigsten und gut etablierten Akutbehandlungen ist die Sauerstofftherapie“, erklärt Marschall. Patientinnen und Patienten atmen dabei 15 bis 20 Minuten lang über eine Maske reinen Sauerstoff ein, eine Methode, die bei 78 Prozent der Behandelten wirkt. Die Voraussetzung dafür ist allerdings immer dieselbe: die richtige Diagnose.

Dafür setzt sich die Barmer mit „Ungleich gesund“ ein. „Geschlechtersensible Medizin heißt für mich: Wir sollten Unterschiede berücksichtigen, ohne Menschen in Schubladen zu stecken”, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer Simone Schwering. „Bei der Anamnese sollten deshalb die tatsächlichen Beschwerden im Mittelpunkt stehen, nicht die Erwartung, welche Erkrankung ein Mann oder eine Frau typischerweise haben müsste.“

Thomas Mehr möchte heute dazu beitragen, Migräne sichtbarer zu machen und über die Erkrankung aufzuklären. In der Klinik begann er, seine eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. Aus den Notizen entstand das Buch „Kopfsache“. Er sagt, für ihn fühlte es sich an wie ein Coming-out. Seitdem hat sich vieles verändert. Thomas Mehr hat gelernt, auch mal Nein zu sagen, und er tauscht sich in der MigräneLiga, einer Selbsthilfegruppe für Migränepatienten und -patientinnen, mit anderen Betroffenen aus. Noch immer hat er an rund 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen. Doch anders als früher sind die Attacken nach zwei bis drei Stunden vorbei. Er hat einen Weg gefunden, mit seiner Diagnose umzugehen.

Video: Ist Medizin nur für Männer gemacht?

Gender Health Gap: In diesem Video geht es um den Gender Health Gap und die Frage, wie sich Krankheiten, Symptome und Medikamente je nach Geschlecht unterscheiden und warum das Gesundheitssystem diese Unterschiede aber nicht immer ausreichend berücksichtigt. Mehr Videos gibt’s auf unserem YouTube-Kanal Good Habits.

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