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Clusterkopfschmerz: Symptome, Ursachen und Behandlung

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Redaktion:
Oliver Treubel (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. med. Madeleine Vinnemeier (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Clusterkopfschmerz verursacht extrem starke Schmerzattacken auf einer Kopfseite, meist hinter einem Auge. Die Anfälle können bis zu achtmal täglich auftreten und 15 bis 180 Minuten dauern. Trotz der hohen Schmerzintensität gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Welche Symptome typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapien helfen.

Definition: Was ist Clusterkopfschmerz?

Clusterkopfschmerz ist eine Kopfschmerzerkrankung mit anfallsartig auftretenden, extrem starken Schmerzen auf einer Kopfseite.

Typische Merkmale sind:

  • Streng einseitige Schmerzen auf einer Kopfhälfte
  • Stechende oder bohrende Schmerzen im oder hinter dem Auge
  • Schmerzen auch im Stirn- und Schläfenbereich möglich
  • Begleitsymptome auf der schmerzenden Seite, etwa:
    • Gerötetes und tränendes Auge
    • Geschwollenes oder leicht hängendes Augenlid
    • Laufende Nase
    • Leichte Rötung an Schläfe und Stirn

Sportlicher junger Mann mit Kopfschmerzen und Gehproblemen in der Stadt.

Viele Menschen mit Clusterkopfschmerzen verspüren während eines Schmerzanfalls das Bedürfnis aufzustehen und umherzugehen.

Die Medizin unterscheidet zwei Formen des Clusterkopfschmerzes:

Periodischer Clusterkopfschmerz
Attacken treten nur während aktiver Phasen auf, vorwiegend im Frühjahr und Herbst. Diese Form betrifft etwa drei Viertel der Betroffenen. Auf die aktiven Phasen folgen schmerzfreie Zeiten, die Wochen bis Jahre andauern können.

Chronischer Clusterkopfschmerz
Schmerzfreie Phasen fehlen oder dauern weniger als einen Monat an.

Symptome: Woran lässt sich Clusterkopfschmerz erkennen?

Typisch für Clusterkopfschmerz sind plötzlich einsetzende, extrem starke Schmerzen, die sofort ihre höchste Intensität erreichen. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, bei denen sich die Schmerzen oft allmählich entwickeln, erreicht der Schmerz bei Clusterkopfschmerz sofort sein höchstes Niveau und bleibt während der gesamten Attacke intensiv. Der Anfall klingt schließlich ebenso abrupt ab, wie er begonnen hat.

Den Schmerz einer Clusterkopfschmerz-Attacke beschreiben Betroffene als unerträglich stark. Manche Menschen mit Clusterkopfschmerzen berichten von Schmerzen, die sich anfühlen, als bohre sich ein Nagel durch das Auge. Neben dem Augenbereich können auch die Stirn und die Schläfe betroffen sein.

Zusätzlich zu den heftigen Kopfschmerzen gibt es beim Clusterkopfschmerz weitere kennzeichnende Symptome:

  • Gerötetes und tränendes Auge
  • Geschwollenes oder hängendes Augenlid
  • Verkleinerte Pupille
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Vermehrtes Schwitzen im Gesicht

Infografik zeigt Symptome von Clusterkopfschmerzen: gerötetes, tränendes Auge, geschwollenes Augenlid, einseitige Augenschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie verstopfte Nase

Typische Symptome von Clusterkopfschmerz sind unter anderem starke einseitige Augenschmerzen, ein gerötetes und tränendes Auge sowie eine verstopfte oder laufende Nase.

Typisches Merkmal: Körperliche Unruhe während einer Attacke

Bei Migräne ziehen sich viele Betroffene in einen abgedunkelten Raum zurück und legen sich hin, um den Schmerz zu lindern. Bei Clusterkopfschmerzen hilft es nicht, sich während einer Attacke hinzulegen. Es verhält sich sogar umgekehrt: Viele Menschen mit Clusterkopfschmerzen verspüren während eines Schmerzanfalls den Drang aufzustehen und sich zu bewegen, weil die Schmerzen dadurch als etwas weniger stark wahrgenommen werden.

Unbehandelt gilt der Clusterkopfschmerz als eine der schwersten Schmerzerkrankungen. Deswegen sind eine frühzeitige Diagnose mit richtiger Einordnung der Symptome und eine adäquate Therapie so wichtig.

Clusterkopfschmerz oder Migräne: Was sind die Unterschiede?

Clusterkopfschmerz und Migräne gehören zu den häufigsten neurologischen Kopfschmerzerkrankungen und können ähnliche Beschwerden verursachen. Dennoch gibt es einige wichtige Unterschiede.

Typisch für Clusterkopfschmerz sind plötzlich einsetzende, extrem starke Schmerzen auf einer Kopfseite, meist im oder hinter dem Auge. Die Schmerzintensität erreicht sofort ihren Höhepunkt. Viele Betroffene sind während einer Attacke unruhig, stehen auf oder gehen umher.

Migräne entwickelt sich dagegen häufig langsamer und geht oft mit Übelkeit sowie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen einher. Viele Betroffene ziehen sich während einer Attacke in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück.

Weitere Unterschiede betreffen die Dauer und Häufigkeit der Anfälle: Clusterkopfschmerz-Attacken dauern meist 15 bis 180 Minuten und können bis zu achtmal täglich auftreten. Migräneanfälle halten dagegen oft mehrere Stunden bis mehrere Tage an.

Häufigkeit und Verbreitung: Wie häufig ist Clusterkopfschmerz?

Clusterkopfschmerz zählt zu den seltenen Kopfschmerzerkrankungen. Schätzungen zufolge sind pro Jahr etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung betroffen. Damit tritt die Erkrankung deutlich seltener auf als Migräne. 

Männer erkranken etwa dreimal häufiger als Frauen. Die ersten Beschwerden beginnen häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, grundsätzlich kann Clusterkopfschmerz jedoch in jedem Erwachsenenalter auftreten.

Ursachen und Auslöser: Was kann Clusterkopfschmerz begünstigen?

Die Ursachen des Clusterkopfschmerzes sind noch nicht im Detail geklärt. Jedoch vermutet die Forschung, dass die „innere Uhr“ im menschlichen Gehirn an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Clusterkopfschmerzen eine entscheidende Rolle spielt. 

Forschende vermuten, dass unter anderem der Hypothalamus beteiligt ist. Diese Hirnregion steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Dafür spricht, dass Clusterkopfschmerz-Attacken häufig zu festen Tages- und Jahreszeiten auftreten.

Ähnlich wie bei Menschen mit Migräne gibt es bei Menschen mit Clusterkopfschmerz bestimmte Risikofaktoren, die innerhalb einer aktiven Phase Schmerzattacken auslösen können oder zumindest wahrscheinlicher machen. 

Mögliche Auslöser während einer aktiven Phase sind:

  • Aufenthalte in großen Höhen
  • Nitroglyzerinhaltige Medikamente
  • Schokolade
  • Reifer Käse
  • Alkohol
  • Helligkeit und Flackerlicht
  • Bestimmte Gerüche, etwa Parfums

Verlauf: Wie verlaufen Clusterkopfschmerz-Attacken?

Clusterkopfschmerz-Attacken treten typischerweise in bestimmten Phasen auf. 

Während einer aktiven Phase können die Schmerzattacken 

  • bis zu achtmal täglich auftreten und
  • 15 bis 180 Minuten

anhalten. 

Die Anfälle folgen häufig einem festen Rhythmus und lassen sich daher individuell gut vorhersagen. Viele Betroffene erleben Attacken insbesondere ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden.

Der englische Begriff „Cluster“ bedeutet so viel wie Anhäufung oder Bündel. Typischerweise treten die Attacken bei Clusterkopfschmerz nicht zu beliebigen Zeitpunkten auf, sondern konzentrieren sich auf bestimmte Zeiträume, die als aktive Phase bezeichnet werden.

Diagnose: Wie wird Clusterkopfschmerz festgestellt?

Die Diagnose erfolgt durch eine neurologische Untersuchung und ein ausführliches Gespräch zu den Beschwerden. Auch das Geschlecht kann bereits einen Hinweis geben: Männer sind dreimal so häufig von Clusterkopfschmerz betroffen wie Frauen.

Zudem orientieren sich Ärztinnen und Ärzte an den Kriterien der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen. Dort heißt es in Bezug auf den Clusterkopfschmerz, dass neben den schweren, streng einseitigen Schmerzattacken nach dem typischen Anfallsmuster noch mindestens ein Begleitsymptom vorhanden sein muss: beispielsweise ein tränendes Auge, eine laufende Nase, ein geschwollenes Augenlid oder auch eine körperliche Unruhe.

Die Diagnose Clusterkopfschmerzen können Neurologinnen und Neurologen nicht über Laboruntersuchungen des Blutes oder der Nervenflüssigkeit und auch nicht über bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) stellen. Dennoch führen sie insbesondere bei älteren Personen in der Erstdiagnose solche bildgebenden Untersuchungen durch, um andere Erkrankungen wie einen Hirntumor auszuschließen.

Behandlung: Was hilft bei Clusterkopfschmerz?

Die Behandlung umfasst zwei Bereiche: die Akuttherapie während einer Attacke und die Vorbeugung weiterer Anfälle.

Akuttherapie: Was hilft während einer Attacke?

Akute Clusterkopfschmerz-Attacken lassen sich mit verschiedenen ärztlich verordneten Therapien behandeln. Ziel ist eine möglichst schnelle Schmerzlinderung. Dazu zählen:

  • Sauerstofftherapie: Während der Clusterkopfschmerz-Attacke wird 15 bis 20 Minuten reiner Sauerstoff über eine Maske eingeatmet. Die Therapie ist bei 78 Prozent der Patientinnen und Patienten wirksam.
  • Triptane: Sie werden bei akuten Clusterkopfschmerz-Attacken unter die Haut gespritzt oder als Nasenspray angewendet. Tabletten wirken nicht schnell genug, um eine Attacke bestmöglich zu unterbinden.
  • Lidocain: Das örtliche Betäubungsmittel kann als Nasenspray eingesetzt werden, um die Schmerzen bei Clusterkopfschmerz zu dämpfen.

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen bei Clusterkopfschmerz in der Regel nicht. Auch Entspannungstechniken und Massagen bewirken bei einer akuten Clusterkopfschmerz-Attacke keine Linderung des Schmerzes. 

Durch das Festhalten möglicher Auslöser wie Lebensmittel in einem Tagebuch können Betroffene Auslöser ihrer Clusterkopfschmerz-Attacken besser erkennen.

Junge Frau sitzt auf dem Sofa und führt Tagebuch

Durch das Festhalten möglicher Auslöser wie Lebensmittel in einem Tagebuch können Betroffene Auslöser ihrer Clusterkopfschmerz-Attacken besser erkennen.

Vorbeugung: Wie lassen sich weitere Attacken verhindern?

Insbesondere bei häufigen Clusterkopfschmerz-Phasen und bei chronischem Clusterkopfschmerz kann eine gezielte Clusterkopfschmerz-Prophylaxe helfen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass während der Clusterkopfschmerz-Attacken in der betroffenen Kopfseite Gefäße entzündet sind. Die meisten zur Vorbeugung eingesetzten Wirkstoffe haben daher eine entzündungshemmende Wirkung, darunter auch bestimmte Calciumantagonisten, die sonst unter anderem zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit in der Vorbeugung von Clusterkopfschmerz beruht wahrscheinlich auf ihren entzündungsmindernden Eigenschaften.

Zur Vorbeugung von Clusterkopfschmerz gibt es aber noch weitere Wirkstoffe. Insbesondere Kortikoide werden aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften unter anderem auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. In der Vorbeugung von Clusterkopfschmerz werden diese schnell wirksamen Substanzen zur Überbrückung angewendet, bis sich die entzündungshemmende Wirkung der Calciumantagonisten entfaltet. Dies kann bis zu zwei Wochen dauern.

Selbsthilfe bei Clusterkopfschmerz: Wo gibt es Unterstützung?

Die Schmerzen bei Clusterkopfschmerz können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Für viele Betroffene ist deshalb der Austausch mit anderen Erkrankten hilfreich. Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen bieten Informationen zur Erkrankung, Erfahrungsberichte sowie Unterstützung im Umgang mit den Beschwerden.

Seriöse Informationen und Anlaufstellen bieten beispielsweise die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) sowie regionale Selbsthilfeorganisationen. Sie informieren über Behandlungsmöglichkeiten und vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen.

Fazit: Clusterkopfschmerz auf einen Blick

  • Symptome: Neben dem starken, einseitigen Kopfschmerz hinter dem Auge treten bei Clusterkopfschmerzen Begleitsymptome wie ein tränendes Auge und eine laufende Nase auf.
  • Verlauf: Befinden sich die Betroffenen in einer aktiven Clusterkopfschmerz-Phase, kommt es täglich zu Schmerzattacken – insbesondere zu festen Zeiten während der Nacht.
  • Ursachen: Woher Clusterkopfschmerzen kommen, konnte die Wissenschaft bisher nicht komplett klären. Als wahrscheinlich gilt aber eine Störung der „inneren Uhr“ im Gehirn.
  • Diagnose: Die Diagnose wird anhand einer neurologischen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs zur Symptomerfassung gestellt. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) dienen dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Therapie: Zur Behandlung der akuten Schmerzattacken stehen die Sauerstofftherapie und Medikamente zur Verfügung, die auch bei Migräne angewendet werden. Auch für die Vorbeugung von Clusterkopfschmerz gibt es geeignete Medikamente.

Clusterkopfschmerz verursacht zwar besonders starke Schmerzattacken, kann heute jedoch gezielt behandelt werden. Eine frühzeitige Diagnose und die passende Therapie helfen dabei, Beschwerden zu lindern und die Zahl der Attacken zu verringern.

Weiterführende Informationen

Literatur

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