Porträtfoto von Frieda Lewin
Ungleich gesund

Frieda Lewin: „Guter Humor kann Vorurteile sichtbar machen“

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Frieda Lewin ist die witzige Stimme der Millennial-Eltern im Netz – und hat große Übung darin, auch die härtesten Themen humorvoll auf den Punkt zu bringen: Mit selbstironischen, ehrlichen Videos aus ihrem Alltag als Mutter hat sie sich unter dem Namen „Millennial Muddi“ Hunderttausende Fans auf Social Media erspielt, denn sie trifft mit ihrer Parodie immer den Nagel auf den Kopf. Mittlerweile bringt sie ihr Programm auch live auf die Bühne – mit viel Schabernack, Musik und einem Blick für die kleinen Absurditäten des Familienlebens. Im Interview spricht die Comedienne über ein deutlich ernsteres Thema: den Umgang mit Depressionen – und wo für sie die Grenze zwischen befreiendem Humor und verletzender Pointe verläuft.

Frau Lewin, Sie sind Comedienne. Welche Rolle spielt Humor im Umgang mit Depression?

Eine wertvolle – aber es kommt darauf an, wer den Witz macht und worüber gelacht wird. Ich bin selbst nicht von einer Depression betroffen und möchte deshalb auch nicht für Betroffene sprechen. Aber Humor kann einem schweren Thema die Sprachlosigkeit nehmen: Er schafft Distanz zu dem, was belastet, und öffnet einen Zugang zu Dingen, über die sonst nur vorsichtig oder gar nicht gesprochen wird. Entscheidend ist: Nicht über Menschen mit Depressionen lachen, sondern mit dem Thema arbeiten – Humor soll öffnen, nicht kleinmachen.

Wie spricht man angemessen über Depressionen – ohne verletzend zu sein und ohne das Tabu zu verstärken?

Indem man Depressionen als das behandelt, was sie sind: eine ernstzunehmende Erkrankung. Sätze wie „Jeder ist mal traurig“ oder „Denk einfach positiv“ verharmlosen. Gleichzeitig hilft übertriebene Berührungsangst auch nicht – wer aus Angst vor Fehlern gar nicht mehr über Depressionen spricht, hält das Thema im Tabubereich. Ich finde deshalb eine offene, interessierte und respektvolle Haltung wichtig. Dazu gehört für mich auch, zuzuhören und nicht sofort Lösungen anbieten zu wollen. Und wenn ich etwas über Depressionen nicht weiß oder nachvollziehen kann, kann ich genau das sagen, statt so zu tun, als könnte ich die Erfahrung eines betroffenen Menschen nachempfinden.

Eignet sich das Thema Depression für Comedy?

Grundsätzlich finde ich: ja. Auch über Depressionen darf Humor möglich sein. Gerade Comedy beschäftigt sich schließlich oft mit schwierigen, unangenehmen und gesellschaftlich tabuisierten Themen. Die Grenze verläuft für mich zwischen Humor über die Erfahrung mit einer Erkrankung und Humor auf Kosten erkrankter Menschen. Wenn Betroffene ihre eigenen Erfahrungen humoristisch verarbeiten, kann das kraftvoll sein. Nähern sich Menschen ohne eigene Erfahrung dem Thema, braucht es besonderes Fingerspitzengefühl. Guter Humor kann Vorurteile sichtbar machen und einen Gesprächseinstieg schaffen. Problematisch wird es für mich dort, wenn Depression als Charakterschwäche dargestellt, Symptome lächerlich gemacht oder Suizidalität zur bloßen Pointe wird.

Kann Humor vielleicht gerade Männer besser erreichen?

Für manche Männer kann Humor eine niedrigere Einstiegsschwelle bieten, gerade wenn es schwerfällt, über Verletzlichkeit zu sprechen. Eine allgemeine Aussage über „die Männer“ würde ich daraus aber nicht ableiten – jeder reagiert anders. Spannender finde ich die Frage, ob Humor Menschen erreicht, die bei einer klassischen Aufklärungskampagne wegschalten würden. Wenn jemand an einer guten Pointe hängen bleibt und sich danach ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, kann Comedy eine Tür öffnen. Dahinter sollte aber immer eine klare Botschaft stehen: Depressionen sind eine Erkrankung, über die wir sprechen dürfen, für die sich niemand schämen muss – und bei der professionelle Hilfe wichtig sein kann.




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