Junge Frau sitzt mit einem Laptop und einem Heißgetränk auf ihrem Balkon
Ungleich gesund

Wechseljahre: seriöse Infos finden

Lesedauer weniger als 13 Min
Redaktion:
Franziska Dräger (Biologin und Wissenschaftsjournalistin, Nerdpol – Redaktionsagentur für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)

Wechseljahre: Wissen hilft

Karussell mit 3 Elementen
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Nicht jedem Tipp sollte man glauben

Coachings, Pulver, Tests: Rund um die Wechseljahre boomt ein Markt mit vielen Versprechen. Ankündigungen wie vermeintlich „schnelle Lösungen“, „garantierte Wirkung“ oder „ohne Nebenwirkungen“ erfordern Skepsis.
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KI ersetzt keinen Arztbesuch

Fast jede zweite Frau nutzt KI für Gesundheitsfragen. Praktisch für einen ersten Überblick – für Diagnosen und individuelle Beratung bleibt die Ärztin oder der Arzt aber unverzichtbar.
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Beschwerden offen ansprechen

Knapp ein Viertel der Frauen hat bei der Ärztin oder dem Arzt schon einmal Beschwerden vor lauter Scham und Peinlichkeit verschwiegen. Doch Vertrauen und offene Worte sind entscheidend für die korrekte Diagnose und Behandlung.

Die Wechseljahre bringen viele Veränderungen mit sich – und mindestens genauso viele Fragen. Wer seriöse Informationen von zweifelhaften Versprechen unterscheiden kann, findet leichter Orientierung, kann Erfahrungen und Empfehlungen besser einordnen, Nutzen und Risiken besser abwägen und Entscheidungen treffen, die zur eigenen Lebenssituation passen.

Apfelessig gegen Hitzewallungen? Pülverchen, um lästige Pfunde wieder loszuwerden? Beim Scrollen auf Instagram oder TikTok gibt es zahllose Tipps, die gegen alle möglichen Beschwerden in den Wechseljahren helfen sollen. Influencerinnen berichten begeistert davon, wie sie sich mit Mitte 40, Anfang 50 ihre jugendliche Figur, den ungestörten Schlaf und unerschöpfliche Energie zurückerobert haben. Für jedes weibliche Unwohlsein scheint es das richtige Mittel zu geben. Doch stimmen solche Versprechen? Und woher bekommt man wirklich gute Gesundheitsinformationen für diese Lebensphase?

Es ist gut, dass wir darüber sprechen

Dass wir heute offen über die Wechseljahre sprechen, ist schon mal ein Riesenfortschritt. Wie so oft bekam auch dieses Thema erst größere Aufmerksamkeit, als Promis wie die Schauspielerin Gwyneth Paltrow oder das Model Heidi Klum das Schweigen brachen. In Podcasts, Talkshows und Dokumentarfilmen sprechen Frauen seitdem offen über Hitzewallungen und viele andere Beschwerden.

Klar, dass viele Frauen in dieser Zeit besonders gut für ihre Gesundheit sorgen wollen. Schließlich liegt noch fast das halbe Leben vor ihnen. Sie wollen wissen: Was geschieht in meinem Körper, wenn die Hormone Karussell fahren? Wie wirkt sich der sinkende Hormonspiegel auf meine Gesundheit aus? Und was hilft mir jetzt wirklich?

Gute Antworten auf diese Fragen sind gar nicht so leicht zu finden. Denn je mehr über die Wechseljahre gesprochen wird, desto mehr Informationen und Tipps, aber auch Mythen und vermeintliches Insiderwissen kursieren. Vieles hält nicht, was es verspricht, oder ist vor allem durch wirtschaftliche Interessen gepusht.

Die Wechseljahre sind ein riesiger Markt

Beispiel soziale Medien: Auch hier ist Aufklärung häufig mit Marketing verknüpft. Es geht ums Verkaufen: Kapseln mit pflanzlichen Wirkstoffen, Pulvermixe, Drinks für mehr Energie oder gegen Schlafprobleme, Vitamine und Mineralstoffkomplexe für die hormonelle Balance. Expertinnen und Experten sehen das kritisch: Die Wirkung der meisten Produkte ist nicht wissenschaftlich belegt. Im schlimmsten Fall können sie dem Körper sogar schaden, etwa wenn sie nach dem Motto „Viel hilft viel“ eingenommen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten außer Acht gelassen werden. Begriffe wie „Hormonexpertin“ oder „Menopause-Coach“ sollen zwar Seriosität vermitteln. Doch das sind keine geschützten Begriffe. Sie sagen nichts über die medizinische Qualifikation der Person oder ihre Fachkenntnisse aus. Manchmal sind sogar Ärzte oder Ärztinnen nicht unabhängig, sondern für ein Pharmaprodukt oder Unternehmen unterwegs. Solange dies transparent kommuniziert wird, kein Problem. Dennoch bedeutet es: Augen auf! Und Informationen in den sozialen Netzen lieber zweimal prüfen. Das Gleiche gilt für KI.

Neben Social Media nutzen Frauen auch KI-Chatbots wie ChatGPT zunehmend als Informationsquelle: Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Barmer hat fast jede zweite Frau (43 Prozent) in den letzten zwölf Monaten der KI schon einmal Gesundheitsfragen gestellt. Kritisch bleiben die Nutzerinnen und Nutzer trotzdem: Nur 30 Prozent der Frauen trauen einer KI zu, genauere Diagnosen zu stellen als eine Ärztin oder ein Arzt, und nur weniger als ein Viertel (22 Prozent) könnte sich ein Erstgespräch eher mit einem Chatbot als in der Praxis vorstellen.

Warum sich Empfehlungen ändern – und dies kein Grund zur Verunsicherung ist

Ein Grund, warum viele Frauen bei Gesundheitsinfos unsicher sind: Was gestern empfohlen wurde, gilt heute nicht mehr eins zu eins. Das ist erst mal kein schlechtes Zeichen, sondern normaler wissenschaftlicher Fortschritt. Denn Wissenschaft steht nicht still.

Ein gutes Beispiel ist hier die Diskussion um eine mögliche Hormontherapie während der Wechseljahre. Die Hormonpräparate in den 1990er-Jahren waren deutlich höher dosiert. Heute werden Präparate in wesentlich niedrigerer Konzentration eingesetzt und zum Teil anders appliziert. So ist das Risiko einer Thrombose durch die Gabe von Östrogenen über die Haut deutlich niedriger als bei der Einnahme von Tabletten. Zudem gilt nicht jede Empfehlung für jede Frau. Seriöse Informationen zeigen deshalb Nutzen und Risiken gleichermaßen auf, statt pauschale Versprechen zu machen. Und sie unterstützen dabei, gemeinsam mit der eigenen Ärztin oder dem eigenen Arzt eine Entscheidung zu treffen, die zur persönlichen Situation passt.

Wo Sie gute Informationen finden

Wer sich gut und seriös informieren will, sollte ein paar Regeln beachten.

Punkt 1: Auf die Qualifikation der Ratgeberinnen und Ratgeber schauen

Achten Sie darauf, dass es eine Auskunft zu möglichen Interessenkonflikten gibt. Interessenkonflikte liegen zum Beispiel vor, wenn gleichzeitig Verkaufsangebote gemacht werden oder eine Nebentätigkeit, z. B. für ein Pharmaunternehmen, erfolgt.

Eine ganze Reihe von Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Ernährungsprofis klärt im Netz ordentlich und seriös auf. Locker, persönlich, aber mit Aussagen, die sich mit Studien belegen lassen.

Mit diesen sechs Tipps können Sie einschätzen, ob ein Profil seriös ist:

Infografik der BARMER mit dem Titel „Wann Informationen zu Wechseljahresbeschwerden unseriös sind“. Sechs Warnsignale: Das Produkt wird verkauft, Angst wird erzeugt, es werden dramatische Aussagen ohne Quellen gemacht, künstlicher Zeitdruck wird aufgebaut, Beschwerden werden pauschalisiert und schnelle oder garantierte Erfolge werden versprochen. Quelle: BARMER.

Wenn Informationen mit dem Verkauf von Produkten verknüpft sind, Angst geschürt oder schnelle Erfolge versprochen werden, sind dies Hinweise auf unseriöse Informationsquellen.

Punkt 2: KI umsichtig nutzen

ChatGPT und Co. können ein guter erster Ausgangspunkt sein, um sich einen Überblick zu verschaffen oder die richtigen Fragen fürs nächste Arztgespräch zu finden. Auch hier ist es wichtig, kritisch zu prüfen, woher der Chatbot seine Antwort nimmt. Am besten lässt man sich mit der Antwort immer auch gleich die Studien oder Quellen der Informationen mit auswerfen. Eine individuelle ärztliche Einschätzung oder eine geprüfte Quelle ersetzt das aber nicht.

Punkt 3: Apps mit Bedacht wählen

Wechseljahre-Apps helfen vielen Frauen dabei, körperliche und hormonelle Veränderungen zu dokumentieren, eigene Muster zu erkennen und Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafprobleme mit gezielten Tipps, Übungen und Wissen im Alltag zu lindern. Allerdings ist nicht jede App wissenschaftlich evaluiert. Ein gutes Qualitätsmerkmal sind zum Beispiel DiGA – Digitale Gesundheitsanwendungen, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Wirksamkeit und Datenschutz geprüft wurden. Die Barmer unterstützt ihre Versicherten zum Beispiel mit der Achtsamkeits-App 7Mind bei schlaf- und stressbedingten Beschwerden. Mit einem achtwöchigen Online-Training hilft der HelloBetter Schlafkurs, die Schlafqualität zu verbessern. Die Apps sind für Barmer Versicherte kostenlos.

Punkt 4: Geprüfte Portale nutzen

Verschiedene Internetportale bieten wissenschaftlich geprüfte Informationen, die ständig aktualisiert werden. Auch die Barmer selbst hält ein umfangreiches Informationsangebot zur Frauengesundheit bereit.

In den wissenschaftlich fundierten Artikeln der Barmer finden sich Antworten auf Fragen wie:

Punkt 5: Die persönliche Anlaufstelle nicht unterschätzen

Für konkrete gesundheitliche Fragen ist die Hausarzt- oder die Frauenarztpraxis eine der besten Quellen – besonders wenn man sich schon länger kennt und Vertrauen hat. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Barmer haben 23 Prozent der Frauen schon einmal gesundheitliche Probleme aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen in der Praxis verschwiegen. Bei den Männern waren es nur 13 Prozent. Diese Umfrage zeigt auch: Fast ein Drittel der Befragten hatte schon einmal das Gefühl, mit ihren Beschwerden von der Ärztin oder dem Arzt nicht ernst genommen zu werden. 15 Prozent der Frauen und damit doppelt so viele wie Männer (sieben Prozent) gaben an, dies häufig zu erleben.

Offensichtlich spielt auch im Arztgespräch das Thema „Ungleich gesund“ eine Rolle. Frauen trauen sich häufiger als Männer beim Arzt nicht, offen über ihre individuellen Beschwerden zu sprechen, und sie fühlen sich häufiger nicht ernst genommen. Gute Information kann hier Weichen neu stellen. Denn wer sich vor dem Arztgespräch seriös informiert hat, kann eigene Beschwerden klarer benennen und selbstbewusster nachfragen, wenn man das Gefühl hat, nicht gehört zu werden.

Punkt 6: Die Wechseljahre-Hotline nutzen

Wer noch keine feste Arztbeziehung hat oder eine erste Einordnung sucht, bevor ein Termin ansteht, kann sich außerdem an das Wechseljahre-Telefon der Barmer wenden: Unter 089 480 595 84 beraten medizinische Expertinnen und Experten des Barmer Teledoktors täglich von 6 bis 24 Uhr kostenfrei und helfen dabei, Beschwerden einzuordnen – offen für alle, nicht nur für Barmer Versicherte. Das Angebot soll den Arztbesuch ausdrücklich nicht ersetzen, wohl aber eine erste, verlässliche Orientierung bieten.

Infografik der BARMER mit dem Titel „Die besten Tipps gegen Hitzewallungen“. Empfohlen werden Sport, Entspannung und atmungsaktive Kleidung. Abzuraten ist von Rauchen, starkem Kaffee oder Tee sowie scharfen Gewürzen. Quelle: Gesundheitsinformation.de: Wohlbefinden in den Wechseljahren 2023.

Hitzewallungen: Regelmäßige Bewegung, Entspannung und luftige Kleidung können diese Beschwerden in den Wechseljahren mildern.

„Die Fäden zusammenhalten“

Die Wechseljahre sind für viele Frauen ein Anlass, ihrer Gesundheit besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie suchen aktiv nach Informationen, lassen Beschwerden beim Arzt oder bei der Ärztin abklären. Manchmal führt das zu einem regelrechten Ärztemarathon.

Die Berliner Gynäkologin Prof. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin bei Vivantes und Host des Podcasts Gyncast, möchte Frauen aufklären und stärken.

Ihr Ziel: Frauen sollen in jeder Lebensphase gut für sich sorgen können und bei Bedarf auch die medizinische Unterstützung erhalten, die ihnen wirklich hilft. In ihrem Praxisalltag erlebt sie, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gibt:

Portraitfoto Prof. Dr. Mandy Mangler

Prof. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin bei Vivantes und Host des Podcasts Gyncast

„Manchmal kommen Frauen zu mir, sie haben zum Beispiel Gelenkschmerzen und gehen zum Orthopäden. Dann haben sie noch Veränderungen ihrer Psyche und gehen zur Psychiaterin. Und dann kommen sie zu mir wegen Blutungsstörungen. Und ich denke dann immer: Warum hat keiner die Fäden zusammengehalten?“

In diesem Zusammenspiel machen auch gute Informationen einen entscheidenden Unterschied: Wer weiß, was in Körper und Psyche in der Zeit der Wechseljahre geschieht, kann Symptome besser beschreiben und gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt einordnen.

Gesundheitsfaktor: Austausch, Solidarität und Information

Es ist gut, dass heute so viel offener über die Wechseljahre gesprochen wird. Das ermutigt viele Frauen, sich auszutauschen, mehr Fragen in der Arztpraxis zu stellen und auch Beschwerden ohne Scheu anzusprechen. Die sozialen Medien ebnen für viele den Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein: Sie machen sichtbar, was andere erleben, geben Worte für Gefühle und Veränderungen, die vorher schwer greifbar waren, und zeigen: Du bist nicht allein. Sich verbunden und verstanden zu fühlen, ist ein wichtiger Gesundheitsfaktor. Und zu spüren, dass überall auf der Welt Millionen Frauen – von der Freundin bis zur Staatslenkerin – dieselbe Lebensphase durchleben, kann sehr entlastend sein.

Selbstbestimmt entscheiden

Die eine richtige Information für alle Frauen gibt es nicht. Dafür ist Gesundheit zu individuell – auch innerhalb der Geschlechter. Zu unterschiedlich sind die ganz persönlichen Fragen, Beschwerden und Lebenssituationen. Was es aber gibt, sind verlässliche Wege, um gute Infos von fragwürdigen Empfehlungen zu unterscheiden: auf Qualifikation achten, Quellen prüfen, geprüfte Portale nutzen und im Zweifel die persönliche Einschätzung durch Aussagen von Fachpersonen ergänzen. Am Ende gilt: Wer weiß, welchen Informationen man vertrauen kann, gewinnt Sicherheit. Und diese Souveränität zahlt sich im besten Fall in vielen gesunden Jahren aus – immerhin haben Frauen in den Wechseljahren noch fast die Hälfte ihres Lebens vor sich.

Dr. Undine Samuel sitzt an einem Schreibtisch und lacht sehr offen in den Raum.

Dr. Undine Samuel, beratende Ärztin und Expertin Wechseljahre bei der Barmer:

„Es ist selbstverständlich in der heutigen Zeit, dass nicht nur Frauen selbst offener über die Wechseljahre sprechen, sondern auch Politik und Arbeitswelt inzwischen verstanden haben, dass Frauengesundheit kein Thema ausschließlich für den privaten Bereich ist. Nahezu alle mittelständischen Unternehmen, nämlich 94 Prozent, sehen die Gesundheit der Beschäftigten als Erfolgsfaktor für ihr Unternehmen. Deshalb sollten Arbeitgeber Frauen in Gesundheitsthemen unterstützen. Denn ein geschlechtersensibles BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) zahlt nicht nur auf die Zufriedenheit, Arbeitsfähigkeit und Leistung ein, sondern macht ein Unternehmen als Arbeitgeber auch attraktiver.“

Im Leitfaden Menopause@work hat die Barmer hilfreiche Informationen für Arbeitgeber zusammengestellt.

5 Fragen an Bestsellerautorin Nicole Staudinger

Das Bauchgefühl kann ein wichtiger Wegweiser sein – auch bei der Frage, wann eine Information ausreicht und wann es mehr braucht. Doch manchmal täuscht es. Bestsellerautorin Nicole Staudinger hat aufgrund einer Krebserkrankung künstlich herbeigeführte Wechseljahre mit Anfang 30 erlebt und dabei gelernt, auf ihren Bauch zu hören, ohne jedoch blind darauf zu vertrauen.

Portraifoto Nicole Staudinger

Was bedeutet für Sie Intuition, wenn es um die eigene Gesundheit geht?

Nach zwei Krebsdiagnosen darf ich meinem Bauchgefühl manchmal auch skeptisch gegenüberstehen. Gerade in den ersten Jahren schlug die Angst schnell Alarm und tarnte sich als Bauchgefühl. Heute habe ich wieder eine gute Verbindung zu mir selbst: Ich spüre, wenn etwas im Anflug ist oder ich an meine Grenzen komme. Ein gutes Bauchgefühl bedeutet für mich deshalb auch: zu merken, was ich brauche, und es mir dann zu organisieren. Die meisten Frauen, mit denen ich zu tun habe, haben diese Intuition. Sie müssen sie nur häufiger nach außen kommunizieren, statt die Klappe zu halten.

Wie gelingt es Ihnen, Ihre Körpersignale ernst zu nehmen, ohne gleich in Panik zu geraten?

Das war für mich früher schwer und ging nur mit meinem Hausarzt. Ich durfte zu ihm kommen, wenn ich glaubte, etwas zu spüren, und er ordnete meine Angst mit sachlichen Informationen ein. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt: Die Angst korrespondiert meist nicht mit dem Befund. Oft war ich sehr verängstigt, aber die Untersuchung völlig unauffällig. Genau deshalb ist es so viel wert, jemanden zu haben, der einem Sorgen mit Wissen beantworten kann, statt nur mit Dr. Google oder ChatGPT dazustehen.

Und was tun Sie heute, wenn sich etwas „komisch“ anfühlt?

Wenn es nichts Akutes ist, gebe ich mir zunächst Zeit und schaue ehrlich auf meinen Alltag: Wie esse ich gerade? Wie viel bin ich draußen und wie viel am digitalen Endgerät? Wie geht es meiner Psyche, wie schlafe ich? Persönlich gebe ich mir dafür etwa 14 Tage. Vieles löst sich dann wieder. Wenn nicht, gehe ich zum Arzt.

Sie sind mit Anfang 30 durch eine Krebserkrankung quasi über Nacht in die Wechseljahre katapultiert worden. Wie sind Sie damals mit dem Informationsmangel umgegangen?

Ich hatte für die Wechseljahre damals überhaupt keinen Kopf. Ich war bei der Brustkrebsdiagnose gerade 32. Es folgten Chemotherapie und die Entfernung der Eierstöcke. Der Satz „Sie kommen jetzt in die Wechseljahre“ war nur eines von tausend Dingen in diesem Gespräch. Ich hatte einfach nur den Wunsch zu überleben. Ich habe mich lange nicht ermächtigt gefühlt, Beschwerden wie Knochenschmerzen überhaupt zu thematisieren, weil ich dachte, das wäre undankbar – ich musste doch dankbar sein, wieder gesund zu sein. Erst als es mehr Austausch und Information zum Thema gab, habe ich mich getraut, meine Ärztin darauf anzusprechen. Dieses ehrliche Hinschauen hat mir geholfen, wirklich zu verstehen, was mit meinem Körper passiert.

Wie sind Sie mit den vielen Versprechen umgegangen, die zu Hausmitteln und Wechseljahren kursieren?

Von den meisten Beschwerden dachte ich, ich müsse sie so hinnehmen. Und das, was ich zu Hause sah, nämlich bei meiner Mutter oder Oma, war: kaltes Wasser über die Arme laufen lassen. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich mit kaltem Wasser Knochenschmerzen, Hitzewallungen, depressive Verstimmungen und Gewichtszunahme in den Griff bekam. Habe ich getestet. Hat nichts gebracht. Kurzfristig fühlt sich so was vielleicht gut an, langfristig macht es die Beschwerden eher schlimmer. Was bei mir tatsächlich geholfen hat, war regelmäßiger Sport – bis heute. Höre ich damit auf, kommt alles wieder zurück. Man muss für sich selbst ehrlich ausprobieren und hinschauen, was wirklich wirkt, statt allen Versprechen zu glauben.

Gut zu wissen: Woher die Barmer-Daten kommen
Die Zahlen in diesem Webspecial stammen aus Abrechnungsdaten der Barmer. Sie zeigen, wie häufig die Diagnose in Arztpraxen gestellt wurde und welche Behandlungen verordnet wurden. Sie zeigen also die medizinische Therapie der Frauen, deren Beschwerden eindeutig auf die Wechseljahre zurückgeführt wurden, nicht das ganze Erleben der Wechseljahre. Viele Frauen suchen mit ihren Beschwerden keine Arztpraxis auf, und nicht jede Beschwerde wird als Wechseljahresbeschwerde erfasst. In diesem Webspecial wurden zudem nur Daten und Umfragen ausgewertet, die Cis-Frauen (Frauen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht identifizieren) berücksichtigen. Für mehr Informationen braucht es somit ergänzende Befragungen und mehr Forschung, um alle Frauen in den Wechseljahren zu erfassen – auch die ohne oder mit nicht behandlungsbedürftigen Symptomen.

Weiterführende Literatur

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