Diagnose Krebs: Wie der Versorgungslotse der Barmer Familien stärkt
Redaktion:
Jessica BraunQualitätssicherung:
Sascha Rietz (Stab Versorgungsinnovation/ Prozesse/ Struktur)Familien von an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen brauchen besondere Unterstützung. Die Lotsinnen und Lotsen der Barmer helfen individuell und unbürokratisch.
Eine schwere Erkrankung wie Krebs kann den Alltag von einem Tag auf den anderen verändern. Um Versicherte in dieser Ausnahmesituation nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional zu entlasten, startete die Barmer 2021 den ersten Versorgungslotsen. Das Pilotprojekt richtete sich an Brustkrebspatientinnen: Qualifizierte Mitarbeitende begleiten diese individuell durch die Stationen der Therapie und machen ihnen diese belastende Lebensphase dadurch etwas leichter.
Seitdem ist der Versorgungslotse nicht nur zu einem regulären Angebot der Krankenkasse geworden. Die Barmer hat diesen Service auf Familien von an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen ausgeweitet. Den Anfang machte 2024 der Versorgungslotse Leukämie. Mittlerweile deckt die Barmer damit alle Krebserkrankungen bei Kindern ab.
Weniger Bürokratie und feste Ansprechpersonen
Bis Ende November 2025 erhielten so 366 Familien eine auf ihren jeweiligen Bedarf abgestimmte Unterstützung. „Unser Ziel ist es, die Familien in dieser schwierigen Zeit frühzeitig und proaktiv zu unterstützen. Nach einer Diagnose befinden sich die Eltern meist im Ausnahmezustand“, sagt Christine Höffner, bei der Barmer Mitarbeitende im Bereich Patientenzentrierte Versorgung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Maike Spiller hat sie das Angebot mitinitiiert.
Sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden, kann überfordern. Dazu kommt die Sorge um das Kind. Durch den Versorgungslotsen haben Eltern eine verlässliche Ansprechperson, die interne Abläufe koordiniert und die Bürokratie vereinfacht. „Eltern verbringen verständlicherweise lieber Zeit mit ihrem Kind und dessen Geschwistern, als sich mit Anträgen zu befassen“, so Maike Spiller.
Ein weiterer großer Vorteil: Die Lotsinnen und Lotsen bei der Barmer kennen den Krankheitsverlauf in jeder betreuten Familie. „So müssen diese ihre Geschichte nicht bei jedem Kontakt mit uns neu erzählen. Das ist eine enorme Entlastung“, so Maike Spiller.
Ganzheitliche Begleitung: Die Bedürfnisse von Eltern und Geschwistern im Fokus
Schon in der Pilotphase zeigte sich: Um nachhaltig zu unterstützen, sollte sich das Angebot nicht einzig auf das erkrankte Kind fokussieren. Auch die Eltern und gegebenenfalls Geschwister haben Bedürfnisse, die es einzubeziehen gilt. Christine Höffner: „Unsere Mitarbeitenden beraten deshalb zu ganz unterschiedlichen Themen, vom Pflegegrad bis zur Haushaltshilfe.“ Oft arbeiten dabei im Hintergrund mehrere Fachbereiche zusammen.
Um besser zu verstehen, was Familien akut brauchen, bezog die Barmer auch betroffene Versicherte in die Entwicklung ein. So haben die Lotsinnen und Lotsen eine ganze Reihe wertvoller Tipps parat, die weit über den gesetzlichen Leistungskatalog hinausgehen, zum Beispiel für die Zeit im Krankenhaus. Denn auch, wenn die Eltern jede Minute am Bett des Kindes verbringen möchten, darf ihre eigene Gesundheit nicht völlig in den Hintergrund geraten.
Ebenfalls ein wichtiges Thema: der Job. Manche Eltern wollen ins Homeoffice wechseln, andere kündigen – und das hat unter Umständen finanzielle Auswirkungen. Maike Spiller: „Wir raten deswegen, frühzeitig auf Arbeitgeber oder Arbeitgeberin zuzugehen.“
Proaktiv und frühzeitig an der Seite betroffener Familien
All das bringt den Alltag der Familien durcheinander. Darum geht die Barmer frühzeitig auf diese zu. Oftmals passiert dies Hand in Hand mit den Kliniken. „Wir haben mittlerweile ein starkes Netzwerk von Klinik-Sozialdiensten, welche unsere Lotsinnen und Lotsen bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme des Kindes kontaktieren“, so Christine Höffner.
Von da an begleitet eine persönliche Lotsin bzw. ein persönlicher Lotse die Familie durch die verschiedenen Stationen der Therapie bis zur Nachsorge. Meist stehen sie dabei im Austausch mit den Eltern. Bei Bedarf und mit entsprechender schriftlicher Vollmacht können aber auch weitere Angehörige eingebunden werden, etwa die Großeltern.
Erweiterung des Lotsen-Angebots geplant
Das Beratungsangebot kommt bei den betreuten Familien sehr gut an. Laut einer Befragung sind alle bereit, die Barmer weiterzuempfehlen. In Zukunft sollen deshalb weitere Versicherte von den Lotsenprogrammen profitieren. Als nächster Schritt ist die Entwicklung eines Angebots für Männer mit Prostatakarzinom geplant. Ebenso startet 2026 ein digitaler Behandlungsbegleiter für an Brustkrebs erkrankte Frauen über die eCare, die Gesundheits-App der Barmer.
Versicherte, die weitere Informationen zu diesen individuellen Unterstützungsangeboten wünschen, können sich direkt per E-Mail an versorgungslotse@barmer.de wenden.
Kuren: Vorsorge und Rehabilitation
Eine Vorsorgeleistung hilft, die Gesundheit zu erhalten. Die Rehabilitation will diese wiederherstellen. Die Barmer unterstützt beides.