Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit großer Wirkung: Die von ihr gebildeten Botenstoffe beeinflussen den gesamten Körper.

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das direkt unterhalb des Kehlkopfes liegt. Die beiden Schilddrüsenlappen befinden sich jeweils rechts und links neben der Luftröhre. Sie hängen über eine schmale Verbindung, den sogenannten Isthmus, zusammen. Manchmal ist noch ein dritter, pyramidenförmiger kleiner Lappen vorhanden, der vom Isthmus nach oben zeigt. Ist die Schilddrüse gesund, ist jeder Lappen in etwa so groß wie das Daumenendglied des Menschen. Bei Frauen ist die Schilddrüse bis 18 Gramm, bei Männern bis 25 Gramm schwer.

Aufgabe der Schilddrüse ist es, zwei lebenswichtige Hormone zu bilden: Trijodthyronin und Tetrajodthyronin (Thyroxin). Sie enthalten drei beziehungsweise vier Jodatome und werden abgekürzt auch T3 und T4 genannt. Beide Botenstoffe wirken auf den gesamten Körper. Sie erhöhen zum Beispiel die Herzfrequenz, den Sauerstoff- und Energieverbrauch, die Körpertemperatur oder beeinflussen den Mineralstoffhaushalt. Sie aktivieren die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut sowie die Darmmotorik. Im Nervensystem bewirken sie eine gesteigerte Erregbarkeit der Nervenzellen. Schilddrüsenhormone können aber auch das seelische Gleichgewicht, die Sexualität und die Fruchtbarkeit beeinflussen. Bei Kindern steuern sie zudem die geistige und körperliche Entwicklung. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen im Mutterleib kann zu schweren Entwicklungsstörungen des Ungeborenen führen.

Als oberste Instanz kontrolliert das Gehirn die Schilddrüse, damit sie immer die richtige Menge an Hormonen ausschüttet. Die sogenannte Hirnanhangdrüse (Hypophyse) misst den Hormongehalt im Blut. Ist zu wenig Schilddrüsenhormon vorhanden, sondert die Hypophyse TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) ab. Dieser Botenstoff gibt der Schilddrüse das Signal, aktiv zu werden. Der Hypothalamus, eine weitere Struktur im Gehirn, überwacht die Aktivität der Hirnanhangdrüse mithilfe des Botenstoffes TRH (Thyreotro-pin-releasing-Hormon). Er liegt im Zwischenhirn und damit oberhalb der Hirnanhangdrüse.

Schilddrüsenerkrankungen können sowohl das Schilddrüsengewebe als auch die Funktion der Schilddrüse betreffen und infolgedessen zu Störungen der Organsysteme und des Stoffwechsels führen.

Schilddrüsenüber und -unterfunktion

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Typische Anzeichen dafür können zum Beispiel Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen oder Konzentrationsstörungen sein. Ursache sind meist Adenome (sogenannte "heiße Knoten") oder eine Basedow'sche Erkrankung.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bildet die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone. Häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (siehe unten). Durch die Unterfunktion verlangsamt sich der gesamte Körperstoffwechsel und es treten zum Beispiel Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Gewichtszunahme auf. Besonders bei Schwangeren ist eine Unterfunktion der Schilddrüse gefährlich. Durch den Hormonmangel kann es zu Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen kommen.

Schilddrüsenvergrößerung

Eine Vergrößerung der Schilddrüse wird als Kropf (Struma) bezeichnet. Die häufigste Ursache in Deutschland ist ein chronischer Jodmangel. Bei starker Ausprägung kann ein Kropf zu einem Druck- und Engegefühl im Halsbereich führen und wird als Schwellung im Halsbereich sichtbar. Häufig geht ein Kropf mit einer normalen Schilddrüsenfunktion einher (euthyreote Struma).

Es kann aber auch sein, dass das Schilddrüsengewebe nicht nur wächst, sondern unkontrolliert Hormone produziert (Schilddrüsenautonomie) mit der Folge einer Schilddrüsenüberfunktion. Diese selbstständigen Schilddrüsenzellbezirke heißen Adenome. Sie nehmen verstärkt Jod auf. Bei der radiologischen Untersuchung (Szintigrafie) wird radioaktiv markiertes Jod verwendet, dadurch werden die Adenome deutlicher sichtbar. Diese Areale nennt man "heiße Knoten". Im Gegensatz dazu stehen "kalte Knoten", die keine Hormone produzieren und daher auch kein Jod/radioaktiv markiertes Jod speichern.

Schilddrüsenentzündung

Es gibt eine akute, subakute und chronische Form der Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis).

Bei der akuten Form kommt es innerhalb sehr kurzer Zeit zu einer Entzündung der Schilddrüse mit oder ohne Eiterbildung. Ursachen sind Bakterien oder Viren, die über die Blutgefäße in das Schilddrüsengewebe dringen. Insgesamt tritt die akute Thyreoiditis sehr selten auf.

Die genaue Ursache für eine subakute Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis de Quervain) ist unbekannt, vermutlich ist aber eine vorangegangene Virusinfektion der Auslöser. Subakut bedeutet, dass es innerhalb von 14 bis 30 Tagen zu Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, vorübergehendem Ansteigen der Schilddrüsenhormone, Entzündungszeichen im Blut und druckschmerzhafter Schilddrüse kommt. Die subakute Schilddrüsenentzündung klingt meist nach einigen Wochen oder Monaten von alleine wieder ab.

Ursache der chronischen Schilddrüsenentzündung ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Schilddrüsenzellen und zerstört diese mit der Zeit. Die Schilddrüse ist permanent entzündet und funktioniert daher nicht mehr richtig. Die häufigsten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Autoimmunthyreopathie) sind die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis tritt im Krankheitsverlauf eine Schilddrüsenunterfunktion ein, bei Morbus Basedow kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion.

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom)

Schilddrüsenkrebs ist ein bösartiger Tumor der Schilddrüse. Erste Verdachtsmomente darauf können ein positiver Tastbefund und/oder ein "kalter Knoten" (siehe oben: Schilddrüsenvergrößerung) sein, der im Rahmen einer Szintigrafie auffällt. Hier muss immer an ein Karzinom gedacht und eine weitere Abklärung eingeleitet werden. In sehr seltenen Fällen verbirgt sich auch hinter einem "heißen Knoten" ein bösartiger Tumor.

Radioaktive Strahlen können die Entwicklung eines Schilddrüsenkarzinoms begünstigen. Auch eine familiäre Vorbelastung ist ein Risikofaktor. Der Krankheitsverlauf hängt von mehreren Faktoren ab: dem Zelltyp, aus dem sich das Karzinom entwickelt hat, in welchem Stadium sich die Tumorerkrankung befindet sowie dem Alter des Betroffenen. So überleben 50 bis 90 von 100 Betroffenen die ersten 10 Jahre nach Diagnosestellung (sogenannte 10-Jahresüberlebensrate).

Je nach Erkrankung der Schilddrüse gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung.

Hormonersatztherapie (Hormonsubstitution)

Bei einer Unterfunktion muss das körpereigene Hormon Thyroxin durch Tabletten ersetzt werden (Substitutionstherapie), um die Stoffwechsellage zu normalisieren. Die Einstellung der richtigen Dosis kann mitunter einige Wochen oder Monate dauern. Die Symptome einer Unterfunktion können in dieser Zeit bestehen bleiben. Zwischendurch kann es auch zu Anzeichen einer Überfunktion kommen, wenn das Hormon überdosiert wurde. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher wichtig.

Hormonblocker

Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone, können Schilddrüsenblocker, sogenannte Thyreostatika, diese Überproduktion bremsen. Oft vergehen einige Wochen, bis die richtige Dosierung gefunden und sich die Stoffwechsellage im Körper wieder normalisiert hat. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher wichtig, damit die Behandlung erfolgreich ist.

Jodid-Substitution

Diese Behandlung kommt zum Einsatz bei normaler Schilddrüsenfunktion und einem durch Jodmangel entstandenen Kropf. Die Tabletten ersetzen das fehlende Jod. Mit der Zeit bildet sich die Vergrößerung der Schilddrüse wieder zurück.

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, das bei Schilddrüsenautonomie, Morbus Basedow, Schilddrüsenvergrößerung und bestimmten Formen des Schilddrüsenkrebses eingesetzt wird. Das dabei verwendete Jod (Jod 131) reichert sich vor allem in Schilddrüsenzellen an. Zerfällt es, sendet es radioaktive Strahlen – sogenannte Beta-Strahlen – aus, die etwa ein bis zwei Millimeter in das umliegende Gewebe reichen und es zerstören. Die Strahlenbelastung für den restlichen Körper ist daher gering. Sie entspricht der Strahlenexposition bei einer normalen Röntgenuntersuchung.

Schilddrüsenoperation

Eine Operation der Schilddrüse ist nötig bei einem sehr großen Kropf beziehungsweise sehr großen Knoten mit Schluckstörungen oder Atemnot, bei einer Überfunktion der Schilddrüse und bei Verdacht auf Krebs. Normalerweise entfernt der Chirurg nur das kranke Schilddrüsengewebe oder einzelne Knoten. Manchmal ist aber auch die Entfernung der gesamten Schilddrüse notwendig, zum Beispiel bei einem Karzinom. Schilddrüsenoperationen zählen zu den Standardeingriffen, da sie sehr häufig durchgeführt werden.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin und Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

  • Tortora GJ, Derrickson BH. Anatomie und Physiologie. Wiley-VCH Verlag 2008
  • Karges W, Al Dahouk S. Innere Medizin in fünf Tagen. Springer 2011
  • Greten H et al. Innere Medizin. Thieme 2010
  • Herold G. Innere Medizin. 2012

Weiterführende Informationen

  • Schilddrüsenliga-Deutschland e.V.: www.schilddruesenliga.de
  • Forum Schilddrüse e.V.: www.forum-schilddruese.de
  • Ahmadzadehfar H.: Schilddrüse: sich an der Therapie beteiligen. novum pro, 2011
  • Spelsberg F., Negele T.: Schilddrüse – Patientenratgeber. Deutscher Apotheker Verlag, 2011

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Webcode dieser Seite: s000562 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 23.03.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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