Krankheiten A-Z

Kurzsichtigkeit: Ursachen, Symptome, Therapie von Myopie

Lesedauer weniger als 13 Min

Redaktion:

Oliver Treubel (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Carla Knobloch (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Was steht denn dort hinten auf dem Straßenschild? Und warum sieht der Kinofilm so unscharf aus? Wer sich oft dabei erwischt, sich diese und ähnliche Fragen zu stellen, könnte kurzsichtig sein. Kurzsichtigkeit bedeutet, dass Menschen Objekte in der Nähe gut sehen, aber entferntere Dinge nur unscharf wahrnehmen. Wie entsteht Kurzsichtigkeit, woran lässt sie sich erkennen, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, und was kann vorbeugend helfen?

Auf einen Blick

  • Definition: Kurzsichtige Menschen sehen Personen und Objekte in der Nähe meistens gut, in weiterer Entfernung aber unscharf.
  • Symptome: Neben der eigentlichen Sehschwäche können bei unzureichend korrigierter Kurzsichtigkeit auch Begleitsymptome wie Kopfschmerzen auftreten.
  • Ursachen: Meist haben kurzsichtige Menschen einen zu langen Augapfel, aber auch die Beschaffenheit der Hornhaut und der Augenlinse können Kurzsichtigkeit verursachen.
  • Diagnose: Kurzsichtigkeit lässt sich über Sehtests und spezielle Messungen feststellen. In manchen Fällen wie einer starken Kurzsichtigkeit können weitere augenärztliche Untersuchungen notwendig sein.
  • Behandlung: Brille, Kontaktlinsen, refraktive Chirurgie (Laserverfahren, Linsenoperationen) – es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kurzsichtigkeit zu korrigieren.
  • Vorbeugung: Bei Kindern und Jugendlichen lässt sich das Risiko einer Kurzsichtigkeit positiv beeinflussen, indem sie viel Zeit im Freien verbringen und Tätigkeiten reduzieren, die Nahsicht erfordern. 

Definition: Was ist Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtige Menschen sehen Objekte in der Nähe gut, in weiterer Entfernung aber unscharf. Die Kurzsichtigkeit (Myopie) zählt zu den sogenannten Fehlsichtigkeiten und weist in leichten und mittleren Ausprägungsformen bei jüngeren Menschen meist nicht auf eine Augenerkrankung hin. In manchen Fällen verändert sich jedoch das Gewebe des Augenhintergrunds, was das Risiko für bestimmte Augenerkrankungen wie eine Netzhautablösung oder grüner Star erhöhen kann. Davon können besonders stark kurzsichtige Menschen betroffen sein. Dann ist von einer krankhaften Kurzsichtigkeit die Rede. Fachleute bezeichnen sie auch als pathologische Myopie.

Frau beim Sehtest mit verschiedenen Gläserstärken beim Augenarzt

Kurzsichtigkeit? Ein Sehtest mit verschiedenen Gläserstärken kann Auskunft geben.

Während sich andere Fehlsichtigkeiten wie Alterssichtigkeit und Weitsichtigkeit oft erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen, tritt eine Kurzsichtigkeit häufig schon im Grundschulalter auf und schreitet bis zum späten Teenageralter fort.

Symptome: Wie äußert sich Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit (Myopie) macht sich vor allem durch unscharfes Sehen in der Ferne bemerkbar. Wie stark die Einschränkung ist, hängt vom Grad der Fehlsichtigkeit ab. Dieser wird in Dioptrien gemessen – je höher der Wert, desto stärker ist die Kurzsichtigkeit. Anders als bei der Weitsichtigkeit steht bei Kurzsichtigkeit immer ein Minuszeichen vor der Dioptrienzahl.

Folgende Anzeichen können auf eine Kurzsichtigkeit hinweisen:

1. Unscharfes Sehen in der Ferne
Fachleute sprechen ab etwa –0,5 Dioptrien von Kurzsichtigkeit. Bereits ab diesem Wert können Details in der Ferne unscharf erscheinen. Besonders auffällig wird das zum Beispiel beim Autofahren, wenn Verkehrsschilder oder entfernte Objekte schwer zu erkennen sind. Bei vielen Alltagstätigkeiten fällt eine leichte Kurzsichtigkeit zunächst kaum auf.

2. Schwierigkeiten beim Lesen von entfernten Texten
Bei Kindern zeigt sich eine beginnende Kurzsichtigkeit häufig in der Schule. Sie können etwa die Schrift auf der Tafel schlechter erkennen oder müssen näher herangehen. Das kann dazu führen, dass sie sich schlechter auf den Unterricht konzentrieren können.

3. Häufiges Zusammenkneifen der Augen
Viele kurzsichtige Menschen versuchen, unscharfe Bilder durch Zusammenkneifen der Augen zu verbessern. Dieses Verhalten kann ein erstes deutliches Anzeichen für eine Sehschwäche sein.

4. Belastete Augen und Kopfschmerzen
Durch die ständige Anstrengung der Augen kann es zu Augenbelastung, trockenen Augen oder Kopfschmerzen kommen. Diese Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn die Kurzsichtigkeit noch nicht korrigiert wurde.

5. Deutlich eingeschränktes Sehen bei stärkerer Kurzsichtigkeit
Bei einer fortgeschrittenen Kurzsichtigkeit können Betroffene Personen am anderen Ende eines Raums nicht mehr klar erkennen oder Straßenschilder auf der gegenüberliegenden Straßenseite nicht lesen. In der Nähe – etwa beim Lesen in normalem Abstand – bleibt das Sehen jedoch meist weiterhin möglich.

6. Unscharfes Sehen auch in der Nähe bei starker Kurzsichtigkeit
Bei einer starken Kurzsichtigkeit ab etwa –5,0 Dioptrien erscheinen sogar Gegenstände in Griffweite unscharf. Lesen ohne Sehhilfe ist dann auch bei normalem Leseabstand kaum noch möglich. 

Ursachen: Warum kommt es zur Myopie?

Um die anatomischen Ursachen für Kurzsichtigkeit zu verstehen, ist es zunächst wichtig, die Funktionsweise des menschlichen Auges zu kennen. Bei normalsichtigen Menschen wird das einfallende Licht durch Hornhaut und Augenlinse gebrochen. Dadurch werden die Lichtstrahlen so umgelenkt und gebündelt, dass sie im hinteren Bereich des Augapfels genau auf der Netzhaut im sogenannten Brennpunkt auftreffen. Dadurch entsteht ein scharfes Bild auf der Netzhaut. Bei kurzsichtigen Menschen hingegen werden die Lichtstrahlen bereits vor der Netzhaut gebündelt, sodass entferntere Objekte unscharf erscheinen. Grundsätzlich kommen dafür zwei Ursachen infrage: 

  • Zu langer Augapfel (häufigste Ursache): Der Augapfel ist im Verhältnis zur Brechkraft von Hornhaut und Linse zu lang. Dadurch liegt der Brennpunkt des gebündelten Lichts vor der Netzhaut.
  • Zu hohe Brechkraft von Hornhaut oder Linse (seltenere Ursache): Die Hornhaut und/oder die Augenlinse brechen das Licht zu stark. Dadurch werden die Lichtstrahlen ebenfalls vor der Netzhaut gebündelt.

Gut zu wissen: Kurzsichtigkeit kann erblich sein. Das bedeutet: Sind die Eltern kurzsichtig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder ebenfalls eine Kurzsichtigkeit entwickeln. Frühe Vorsorgeuntersuchungen in der Augenarztpraxis sind daher bei Kindern mit kurzsichtigen Eltern besonders wichtig.

Infografik: Vergleich zwischen normalsichtigem und kurzsichtigem Auge – bei Myopie liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut, weil der Augapfel zu lang ist.

Myopie (Kurzsichtigkeit) entsteht, wenn der Augapfel zu lang ist. Das Licht wird vor der Netzhaut gebündelt – entfernte Dinge erscheinen unscharf.

Diagnose: Wie wird eine Kurzsichtigkeit festgestellt?

Bei Verdacht auf Kurzsichtigkeit sollte in jedem Fall eine augenärztliche Untersuchung stattfinden – und nicht nur ein Sehtest in einem Optiker-Fachgeschäft.

Zur Diagnose einer Kurzsichtigkeit gehören meist folgende Untersuchungsschritte:

  • Anamnese (Erfassungsgespräch): Anhand einer gezielten Befragung zu den konkreten Beschwerden wie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Lesen von Straßenschildern und zu bekannten Fehlsichtigkeiten in der Familie ergibt sich ein erstes Bild.
  • Objektive Messung der Brechkraft der Augen: Bei dieser Untersuchung schaut die Person durch ein sogenanntes Refraktometer auf ein Bild. Das Gerät misst die Lichtbrechung, die bei Kurzsichtigkeit höher ist als bei einem normalsichtigen Auge.
  • Sehtest zur Bestimmung der Sehschärfe: Bei diesem Test soll die Person Buchstaben, Zahlen oder Zeichen unterschiedlicher Größen auf einer Tafel (zum Beispiel an der Wand) identifizieren und angeben, was sie noch erkennt. Während der Untersuchung wird jeweils das nicht getestete Auge abgedeckt. Anhand der individuellen Probleme beim Durchführen des Tests lassen sich Rückschlüsse auf die Art und den Grad der Sehschwäche ziehen.
  • Sehtest mit verschiedenen Gläsern: Im nächsten Schritt wird der Sehtest wiederholt. Zum Einsatz kommt ein spezielles optisches Messinstrument oder ein Brillengestell, das den schnellen Austausch von Gläserstärken ermöglicht. So stellt das Fachpersonal fest, mit welcher Gläserstärke die Person gut sieht und sich am wohlsten fühlt. Es geht hier also vor allem um die persönliche Wahrnehmung. Bei jeder neuen Gläserstärke antwortet die zu testende Person mit einem „Besser“ oder „Schlechter“ – je nachdem, ob sie das Motiv besser oder schlechter erkennen kann.

Weitere Messungen: Je nach festgestellter Sehschwäche oder Beschwerden können weitere Untersuchungen dazukommen. Anhand einer Spaltlampen-Untersuchung oder einer Augenspiegelung etwa lässt sich der Augenhintergrund mit der Netzhaut begutachten. In manchen Fällen werden noch weitergehende Untersuchungen durchgeführt, beispielsweise wenn der Verdacht auf eine krankhafte Kurzsichtigkeit besteht.

Wichtig: Bei sehr starker Kurzsichtigkeit kann ein erhöhtes Risiko für bestimmte Augenerkrankungen wie eine Netzhautablösung bestehen. Deshalb ist es für Betroffene mit Kurzsichtigkeit wichtig, regelmäßige Kontrolltermine in der Augenarztpraxis wahrzunehmen, um Folgeerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu vermeiden.

Behandlung: Wie wird Kurzsichtigkeit korrigiert?

Kurzsichtigkeit, also Myopie, lässt sich in der Regel mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen. Mit einer Brille in der entsprechenden Sehstärke oder individuell angepassten Kontaktlinsen können Betroffene im Alltag meist zurechtkommen, ohne dass ihnen die Kurzsichtigkeit Probleme bereitet.

Zudem stehen heute Möglichkeiten wie eine Laserbehandlung und Linsen-OP zur Verfügung. Diese Verfahren zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten, die sogenannte refraktive Chirurgie, können eine Sehhilfe dauerhaft überflüssig machen. Sie sind aber wie jede Operation mit bestimmten Risiken verbunden.

Frau probiert im Geschäft eine Brille aus. Sie lächelt.

Eine Brille gleicht Kurzsichtigkeit aus und sorgt wieder für klare Sicht.

Der Klassiker: Die Brille

Die Brille ist die einfachste Art, die Auswirkungen der Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Einfach, weil sie leicht auf- und abzusetzen ist. Zudem lässt sich im Optikergeschäft bei Bedarf jederzeit der Sitz der Brille anpassen. Die Brillengläser für kurzsichtige Menschen sind so geschliffen, dass das einfallende gebündelte Licht nicht mehr vor, sondern direkt auf die Netzhaut des Auges trifft. Auf diese Weise ermöglicht eine optimal angepasste Brille einem kurzsichtigen Menschen ein scharfes Sehen in der Ferne.

Praktisch und unauffällig: Kontaktlinsen

Es gibt Situationen im Leben, da ist eine Brille eher unpraktisch: beim Schwimmen beispielsweise oder bei Aktivitäten, bei denen die Gläser beschlagen können. Manche Menschen finden auch, dass ihnen eine Brille nicht steht.

Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Tränenfilm des Auges, sie sind transparent und für andere Personen nahezu unsichtbar. Sie korrigieren die Kurzsichtigkeit aber auf dieselbe Art wie Brillengläser: Die Linsen verringern die Lichtbrechung, sodass das einfallende gebündelte Licht genau auf die Netzhaut trifft und dadurch gutes Sehen in der Ferne möglich ist. Allerdings müssen Kontaktlinsen – abgesehen von Einmal-Tageslinsen – sorgfältig gereinigt und gepflegt werden, um Augenreizungen oder Infektionen vorzubeugen.

Kontaktlinsen gibt es als weiche (flexible) und harte (formstabile) Linsen. Mit welcher Art von Linse sich die individuelle Kurzsichtigkeit bestmöglich korrigieren lässt, ohne die Augengesundheit zu belasten, sollte unbedingt in einem augenärztlichen Gespräch geklärt werden.

Einen Sonderfall stellen die sogenannten Nachtlinsen dar. Diese Kontaktlinsen werden tatsächlich über Nacht getragen. Sie verändern während des Schlafes die Formung der Augenhornhaut, dadurch korrigieren die von Fachleuten als Orthokeratologie-Linsen bezeichneten Linsen auf mechanische Weise die Fehlsichtigkeit. Nachtlinsen können besonders bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz kommen, bei denen sich eine Kurzsichtigkeit schnell verschlechtert.

Dauerhafte Korrektur: Refraktive Chirurgie

Brillen und Kontaktlinsen sind temporäre Sehhilfen. Werden sie ab- beziehungsweise herausgenommen, ist der Blick in der Ferne sofort wieder unscharf. Die refraktive Chirurgie ermöglicht dagegen eine dauerhafte Korrektur der Fehlsichtigkeit.

Die refraktive Chirurgie umfasst alle operativen Verfahren, die die Brechkraft des Auges so verändern, dass anschließend bestenfalls keine Sehhilfe mehr nötig ist. Hier sind grundsätzlich zwei Verfahren zu unterscheiden: Laserbehandlungen können bei einer Kurzsichtigkeit die Brechkraft der Hornhaut verringern (unter anderem durch Abtragen von Hornhautgewebe), während bei den Linsenoperationen beispielsweise eine Art permanente Kontaktlinse (die sogenannte intraokulare Linse) auf die natürliche Augenlinse gesetzt wird.

Operative Verfahren können zwar eine dauerhafte Korrektur der Kurzsichtigkeit ermöglichen und sind genau deshalb für manche Menschen attraktiv. Aber alle Formen der refraktiven Chirurgie gehen mit einem Risiko für Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und einer potenziellen Sehverschlechterung einher. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass die Eingriffe zum Teil nicht umkehrbar sind. Nur unter bestimmten Voraussetzungen sind bei einigen Eingriffen Nachkorrekturen möglich.

Vorbeugung: Lässt sich Kurzsichtigkeit verhindern oder bremsen?

Kurzsichtigkeit ist die häufigste Ursache für eine Sehbeeinträchtigung bei Kindern und jungen Erwachsenen. Besonders viele junge Menschen mit Kurzsichtigkeit gibt es in Asien, doch auch in Europa und den USA sind die Zahlen in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Modellrechnungen zufolge wird bis zum Jahr 2050 weltweit etwa jeder zweite Mensch kurzsichtig sein – rund 4,8 Milliarden Menschen.

Woran liegt das? Bei der Entstehung der Myopie spielt Vererbung eine Rolle. Inzwischen ist jedoch auch bekannt, dass bestimmte Alltagsgewohnheiten das Risiko für Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen beeinflussen können. Dazu gehört zum Beispiel, wie viel Zeit sie in der Nahsicht verbringen – etwa beim Lesen oder bei der Nutzung von Smartphone, Tablet oder Computer. Auch die Zeit im Freien bei Tageslicht hat einen Einfluss.

Maßnahmen im Alltag, die Kurzsichtigkeit vorbeugen können:

  • Mehr Zeit im Freien verbringen: Studien zeigen, dass sich das Risiko für Kurzsichtigkeit verringern kann, wenn Kinder und Jugendliche täglich mehr Zeit draußen verbringen. Empfohlen werden etwa zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag, auch im Winter.
  • Regelmäßige Pausen bei Naharbeit einlegen: Beim Lesen oder bei Bildschirmarbeit sollten Kinder und Jugendliche nach etwa 30 Minuten eine Pause von rund zehn Minuten machen und dabei bewusst in die Ferne schauen.
  • Auf einen ausreichenden Leseabstand achten: Beim Lesen oder Arbeiten am Bildschirm ist ein Abstand von etwa 30 Zentimetern empfehlenswert.

Therapien, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bremsen können:

  • Spezielle Kontaktlinsen (orthokeratologische Linsen): Diese Linsen werden meist nachts getragen und können die Form der Hornhaut vorübergehend verändern. Dadurch kann das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamt werden.
  • Augentropfen mit Atropin: Niedrig dosierte Atropin-Augentropfen können ebenfalls dazu beitragen, dass sich die Kurzsichtigkeit langsamer verschlechtert.

Nach aktuellen Empfehlungen können solche Behandlungen bei Kindern zwischen etwa 6 und 14 Jahren eingesetzt werden, wenn ihre Kurzsichtigkeit um mindestens 0,5 Dioptrien pro Jahr zunimmt.

Häufige Fragen und Antworten zu Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, ist eine Fehlsichtigkeit, bei der betroffene Personen nahe Objekte scharf erkennen können, während weiter entfernte Dinge unscharf erscheinen. Vor allem bei sehr starker Kurzsichtigkeit besteht das Risiko für Folgeerkrankungen wie eine Netzhautablösung. Eine stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit wird medizinisch als krankhafte Kurzsichtigkeit (pathologische Myopie) bezeichnet. Häufig entwickelt sich die Kurzsichtigkeit bereits im Grundschulalter. Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Kurzsichtigkeit die am weitesten verbreitete Form der Fehlsichtigkeit.

 
Bei den meisten Betroffenen ist der Augapfel zu lang gewachsen, weshalb das durch Hornhaut und Linse gebündelte Licht bereits vor der Netzhaut zusammentrifft statt direkt darauf. Seltener liegt die Ursache in einer übermäßigen Brechkraft von Hornhaut oder Linse, die das Licht zu stark ablenkt. Dadurch entsteht kein scharfes Bild auf der Netzhaut, und entfernte Objekte werden unscharf wahrgenommen.

 
Das Hauptsymptom ist unscharfes Sehen in die Ferne, während nahe Objekte klar erkennbar bleiben. Bei Schulkindern zeigt sich dies oft durch Schwierigkeiten beim Lesen von der Tafel. Eine nicht ausgeglichene Kurzsichtigkeit kann zusätzlich zu Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und überanstrengten Augen führen. Je höher die Dioptrienzahl (mit Minuszeichen), desto ausgeprägter ist die Sehschwäche.

 
Kinder kurzsichtiger Eltern haben ein erhöhtes Risiko, selbst eine Myopie zu entwickeln, da Kurzsichtigkeit vererbbar ist. Entsprechend sind bei Kindern mit kurzsichtigen Eltern frühzeitige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen besonders empfehlenswert. Intensive Bildschirmnutzung und häufiges Nahsehen, etwa beim Lesen, können bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit begünstigen. Als weiterer Faktor gilt eine zu geringe Aufenthaltsdauer bei Tageslicht im Freien.
 
Zunächst erfolgt ein Anamnese-Gespräch über konkrete Beschwerden und familiäre Vorbelastung. Anschließend werden Sehtests durchgeführt, bei denen Zeichen unterschiedlicher Größe abgelesen werden müssen. Mit wechselnden Gläserstärken wird ermittelt, welche Korrektur optimal ist. Zusätzlich können die Brechkraft objektiv gemessen sowie bei Bedarf Spaltlampen-Untersuchungen oder Augenspiegelungen durchgeführt werden.
 
Brillen und Kontaktlinsen sind die gängigsten Sehhilfen zur Korrektur von Kurzsichtigkeit. Beide funktionieren nach demselben Prinzip: Sie verringern die Lichtbrechung, sodass das gebündelte Licht genau auf der Netzhaut auftrifft. Brillen sind unkompliziert in der Handhabung, während Kontaktlinsen unauffälliger sind, aber sorgfältige Pflege erfordern. Eine Sonderform sind Nachtlinsen, die während des Schlafs die Hornhautform mechanisch verändern.
 
Ja, durch refraktive Chirurgie ist eine dauerhafte Korrektur möglich. Dabei gibt es Laserverfahren, die Hornhautgewebe abtragen, um die Brechkraft zu reduzieren, sowie Linsenoperationen, bei denen eine permanente Kunstlinse ins Auge eingesetzt wird. Diese Eingriffe können eine Sehhilfe dauerhaft überflüssig machen, sind jedoch mit Operations- und Komplikationsrisiken wie Wundheilungsstörungen oder Sehverschlechterung verbunden. Laserbehandlungen lassen sich zum Teil nicht rückgängig machen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind aber Nachkorrekturen möglich.
 
Bei Kindern lässt sich die Entwicklung von Kurzsichtigkeit positiv beeinflussen. Regelmäßige Pausen von Bildschirmen und Lesen sowie viel Zeit im Freien bei Tageslicht können das Risiko senken. Fachleute empfehlen einen Aufenthalt im Freien bei Tageslicht von mindestens zwei Stunden pro Tag sowie Pausen nach 30 Minuten Lesen mit zehnminütigem Blick in die Ferne.

Literatur

Weiterführende Informationen

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert.