Lexikon Krankheiten A-Z

Bindehautentzündung (Konjunktivitis) erkennen und behandeln

Lesedauer unter 7 Minuten

Redaktion

  • Natalie Tutzer (Medical Writer, TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Marina Müller-Bernhard (Humanmedizinerin)

Eine Bindehautentzündung wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst. In der Regel heilt sie innerhalb weniger Wochen von selbst. Während einer ansteckenden Entzündung ist es wichtig, besonders auf gründliche Hygiene zu achten und die Hände regelmäßig sorgfältig zu waschen.

Auf einen Blick:

  • Symptome: Typische Symptome der Bindehautentzündung sind unter anderem gerötete, juckende und brennende Augen. Die Augen können vermehrt tränen und Sekret absondern. Die umliegende Haut kann gereizt und geschwollen sein.
  • Ursachen & Risikofaktoren: Häufigste Ursache sind Infektionen mit Viren oder Bakterien. Nicht ansteckende Auslöser sind Allergien, trockene Augen und Reizungen durch Fremdköper wie Staub. Bestimmte Medikamente, Kontaktlinsen und Infektionen der oberen Atemwege erhöhen das Risiko für eine Bindehautentzündung.
  • Verlauf: In der Regel heilt eine Bindehautentzündung innerhalb weniger Wochen von selbst. Besteht sie länger als vier Wochen, sprechen Fachleute von einer dauerhaften (chronischen) Konjunktivitis.
  • Diagnostik: Um eine Bindehautentzündung zu diagnostizieren, stellen Ärztinnen und Ärzte Fragen, etwa zu Beschwerden und Vorerkrankungen, und untersuchen das Auge. Selten wird bei ansteckenden Bindehautentzündungen mit einem Abstrich der Erreger bestimmt.
  • Therapie: Eine ansteckende Bindehautentzündung ist normalerweise nicht behandlungsbedürftig. Bei einer bakteriellen Bindehautentzündung fördern antibiotische Augentropfen manchmal eine schnellere Heilung. Bei Allergien können antiallergische Augentropfen (Antihistaminika) helfen.

Was ist eine Bindehautentzündung?

Die Bindehautentzündung, deren medizinischer Fachbegriff Konjunktivitis lautet, ist eine Entzündung der Bindehaut des Auges. Die Bindehaut ist eine Schleimhaut, die den sichtbaren weißen Teil des Auges und die Innenseite der Augenlider schützt. Eine Entzündung kann verschiedene Ursachen haben. Fachleute unterscheiden grundsätzlich ansteckende und nicht-ansteckende Formen der Bindehautentzündung.

Mit welchen Symptomen äußert sich eine Bindehautentzündung?

Eine Bindehautentzündung kann sehr unangenehm sein. Typische Anzeichen für die Bindehautentzündung sind:

  • gerötete Augen 
  • austretendes Sekret, vor allem morgens (Flüssigkeit je nach Ursache unterschiedlich)
  • Tränenfluss
  • Fremdkörpergefühl
  • Lichtempfindlichkeit
  • Jucken und Brennen der Augen
  • glasig wirkende Augen
  • gereizte Augenwinkel
  • gerötete und geschwollene Augenlider

Bindehautentzündung: Wann zum Arzt oder zur Ärztin?

Bei bestimmten Anzeichen kann es ratsam sein, einen Termin in der Haus- oder Augenarztpraxis zu vereinbaren. Zu diesen gehören:

  • schlechtere Sehkraft
  • starke Schmerzen im Auge
  • starke Kopfschmerzen und Übelkeit
  • zunehmende Lichtempfindlichkeit 
  • wiederkehrende Bindehautentzündungen oder Begleitbeschwerden wie Müdigkeit oder ein Leistungsknick 
  • die Symptome bessern sich nicht innerhalb von sieben bis zehn Tagen

Eine augenärztliche Praxis in Ihrer Umgebung finden

Mit der Barmer Arztsuche finden Sie im Handumdrehen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte in Ihrer Nähe.

Zur Arztsuche

Welche Ursachen hat eine Bindehautentzündung?

Grundsätzlich wird unterschieden, ob eine Bindehautentzündung ansteckend (infektiös) ist oder nicht. Zu den ansteckenden Ursachen gehören: 

  • Bakterien
  • Viren
  • sehr selten Pilze und Parasiten 

Zu den nicht-infektiösen Formen der Bindehautentzündung gehören: 

  • Allergien
  • Reizungen (durch Staub, Rauch, Fremdkörper, Chemikalien, chlorhaltiges Wasser, Verletzungen und andere)
  • Mitbeteiligung durch andere Augen- oder Systemerkrankungen

Ansteckende Bindehautentzündungen werden bei Erwachsenen meistens durch Viren wie Adenoviren und seltener Herpesviren verursacht, bei Kindern meistens durch Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken. Vereinzelt lösen auch Chlamydien oder Gonokokken akute Bindehautentzündungen aus.

Nicht ansteckend sind allergische Bindehautentzündungen, die schätzungsweise zwischen ein bis vier von zehn Menschen entwickeln. Dann verursachen Allergien etwa gegen Pollen, Tierhaare oder Hausstaub die Entzündung. Außerdem kann eine Bindehautentzündung durch Reizungen des Auges entstehen. Eine starke Trockenheit der Augen etwa aufgrund eines Sicca-Syndroms und Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls eine Konjunktivitis auslösen.

Virale, bakterielle oder allergische Bindehautentzündung: Wie unterscheiden sich die Symptome?

Sind die Augenlider morgens stark von dickflüssigem weißen bis gelben Sekret verklebt, deutet das auf eine bakterielle Bindehautentzündung hin. Die abgegebene Flüssigkeit bei der viralen Infektion ist eher wässrig. Bei beiden Formen ist typischerweise zunächst nur ein Auge betroffen. Bei trockenen Augen und der allergischen Bindehautentzündung tränen meist beide Augen. Allergien lösen außerdem oft begleitende Beschwerden wie allergischen Schnupfen aus.

Wie steckt man sich mit einer Bindehautentzündung an?

Ob eine Bindehautentzündung ansteckend ist, hängt von ihrer Ursache ab. Viren und Bakterien verursachen ansteckende Entzündungen. Sie können bei Berührung übertragen werden (Schmierinfektion) und
• zu einer erneuten Infektion des gleichen Auges führen, beispielweise wenn Betroffene weiterhin Kontaktlinsen tragen.
• das andere Auge anstecken, etwa wenn das Gesicht oder die Augen berührt werden.
• auf andere Personen im Haushalt übertragen werden, beispielsweise über Türklinken und geteilte Handtücher.

Welche Risikofaktoren für eine Bindehautentzündung gibt es?

Zu den Faktoren, die das Risiko für eine Bindehautentzündung erhöhen, gehören:

  • das Tragen von Kontaktlinsen
  • Infektionen der oberen Atemwege
  • trockene Augen durch verengte Tränenwege (Stenose)

Ihr kostenfreier Newsletter für ein gesünderes Leben

Jetzt unverbindlich anmelden und monatlich Gesundheitsthemen mit wertvollen Tipps erhalten und über exklusive BARMER-Services und -Neuigkeiten informiert werden.

Newsletter abonnieren

Verlauf: Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?

Wie lange eine Bindehautentzündung besteht, hängt von ihrer Ursache ab. Sechs von zehn bakteriellen Bindehautentzündungen heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst. Durch Viren verursachte Entzündungen heilen ohne Behandlung in der Regel ebenfalls nach zwei bis vier Wochen. Wie lange die Bindehautentzündung ansteckend ist, kann auch davon abhängen, ob und wie sie behandelt wird. Adenoviren sind in den ersten zwei bis drei Wochen nach Erkrankung am ansteckendsten.

Besteht die Bindehautentzündung nach vier Wochen immer noch, sprechen Fachleute von einer chronischen Bindehautentzündung.

Sehr selten entzündet sich infolge der Konjunktivitis auch die Hornhaut des Auges. Sie heilt ebenfalls meist von selbst, kann in seltenen Fällen aber zu einer dauerhaften Sehverschlechterung führen. Das Risiko für eine Hornhautentzündung (Keratitis) ist sehr gering. Sie entwickelt sich bei etwa drei von 10.000 Menschen mit Bindehautentzündung.

Diagnostik: Wie stellen Ärztinnen und Ärzte eine Bindehautentzündung fest?

Bei Verdacht auf eine Bindehautentzündung stellen Ärztinnen und Ärzte Fragen zu den Beschwerden, ihrer Dauer und zu Vorerkrankungen. Sie fragen auch, ob das gewohnte Sehvermögen vorhanden ist und ob die Augen schmerzen. Sie untersuchen das Auge außerdem auf mögliche Fremdkörper und Verletzungen. In seltenen Fällen wird ein Abstrich genommen, um den Erreger zu bestimmen.

Therapie: Wie lässt sich eine Bindehautentzündung behandeln?

Welche Behandlung bei einer Bindehautentzündung sinnvoll ist, hängt von ihrer Ursache, Ausprägung und möglichen Begleiterkrankungen ab. Bindehautentzündungen, die durch eine Infektion oder Augenreizung ausgelöst wurden, heilen in der Regel innerhalb weniger Wochen von selbst.

Bei zehn von 100 bakteriellen Bindehautentzündungen beschleunigen antibiotikahaltige Augentropfen die Heilung. Sie können das Abklingen der Symptome beschleunigen, die Ansteckungsgefahr senken und die Zeit der Arbeitsunfähigkeit verkürzen. Die Behandlung mit antibiotischen Tropfen ist empfehlenswert, wenn Menschen ein geschwächtes Immunsystem oder stärkere Schmerzen haben, bei ihnen ein eitriges Sekret aus den Augen austritt oder sie normalerweise Kontaktlinsen tragen, auf die sie in der Zeit der akuten Entzündung verzichten sollten.

Bei nicht bakteriellen Entzündungen haben antibiotische Augentropfen keinen Effekt. Es besteht sogar das Risiko, dass sie mehr schaden als nutzen, etwa wenn Menschen allergisch auf sie reagieren. Ob bei viralen Bindehautentzündungen eine antivirale Augensalbe Vorteile hat, ist umstritten. Bei dieser werden meist vor allem die Symptome behandelt. Selten kann es bei einer Virusinfektion etwa mit Herpesviren nötig sein, Tabletten einzunehmen.

Bei der allergischen Konjunktivitis können antiallergische Augentropfen (Antihistaminika) oder Tropfen mit sogenannten Mastzellenstabilisatoren helfen. In manchen Fällen eignen sich kortisonhaltige Tropfen für die Behandlung, ihre Verwendung sollte jedoch vorab mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Ein Mann mit allergischer Bindehautentzündung benutzt antiallergische Augentropfen, während er im Park ist.

Bei einer allergischen Bindehautentzündung können Antihistaminika als Augentropfen gegen Jucken und Brennen helfen.

Welche Hausmittel helfen bei einer Bindehautentzündung?

Viele Menschen interessieren sich dafür, mit welchen Hausmitteln sie eine Bindehautentzündung behandeln können. Symptome wie Jucken und Brennen lassen sich eventuell mit kalten Kompressen lindern, die Betroffene für eine kurze Zeit auf die Augen legen. Die Kompressen dürfen nur mit Wasser befeuchtet sein und keine weiteren Zusätze enthalten, um das Risiko für Reizungen oder (weitere) allergische Reaktionen zu senken.

Bei bakteriellen und viralen Bindehautentzündungen kann es sinnvoll sein, die betroffene Person zu isolieren: also nicht ins Büro zu gehen und Kinder in Kindergarten oder Schule krank zu melden. Um nicht sich selbst wiederholt und andere Personen anzustecken, empfiehlt sich eine gründliche Hygiene

  • regelmäßig sorgfältig Hände waschen 
  • Kontaktlinsen nach dem Tragen sorgfältig reinigen und am besten für einige Tage auf sie verzichten
  • Kontaktlinsenbehälter austauschen
  • nicht die Augen oder das Gesicht berühren
  • auf Händeschütteln verzichten
  • Handtücher und Waschlappen nicht mit anderen Personen im Haushalt teilen und heiß bei 60 Grad waschen 
  • Kosmetika und Schminke wie Mascara austauschen
  • Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beantwortet ausführlich, wann Antibiotika bei einer Bindehautentzündung helfen.
  • Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle bei diversen Beschwerden. Mit diesem Leitfaden können Menschen das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.