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Coronavirus – Neuartiger Virus SARS-CoV-2 verursacht Lungenerkrankung

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Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Wir beantworten die häufigsten Fragen rund um das neuartige Coronavirus. Darüber hinaus erreichen Sie unsere Experten über die Barmer-Hotline bis auf Weiteres rund um die Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 0800 8484111.

Was sind Coronaviren?

Coronaviren können sowohl Menschen als auch verschiedene Tierarten infizieren und wurden erstmals Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts entdeckt. Heutzutage sind hunderte Arten von Coronaviren bekannt, die je nach Virusvariante bei Menschen gewöhnliche Erkältungen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen auslösen können. Zu den besonders krankheitserregenden Virusvarianten, die seinerzeit Epidemien auslösten, gehörten das SARS- und das MERS-Coronavirus.

Die aktuelle Lungenerkrankung wird durch ein neuartiges Coronavirus verursacht, Sars-CoV-2 genannt, das genetisch eng mit dem SARS-Virus verwandt ist.  Was den Ursprung betrifft, geht man davon aus, dass sich die ersten Patienten Anfang Dezember 2019 auf einem Markt in Wuhan angesteckt haben.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Infektion mit Coronaviren?

Gewöhnliche Coronaviren verursachen in der Regel eine Erkältung mit Husten und anderen Atemwegsbeschwerden. Die ersten Symptome ähneln denen einer Grippe. Aber das neuartige Coronavirus befällt nur die unteren Atemwege, so dass diese Viren keinen Schnupfen auslösen. Aber auch andere Coronaviren können schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen.

Das neue Coronavirus scheint zu einem schwereren Verlauf zu führen. So gab es allein in China bisher fast 64.000 bestätigte Fälle, wovon fast 1.400 Personen bisher gestorben sind (Stand 14.2.2020).

Für wen ist das neue Coronavirus, Sars-CoV-2, besonders gefährlich?

Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse kann das neuartige Coronavirus, Sars-CoV-2, in erster Linie für ältere Menschen und Personen mit schweren Grunderkrankungen gefährlich sein. Wie groß die Ansteckungsgefahr aber insgesamt ist, lässt sich noch nicht exakt sagen.

Wie kann man sich mit Sars-CoV-2 anstecken?

Die Behörden in China vermeldeten zunächst, die Patienten hätten sich alle auf einem Tiermarkt infiziert. Die Coronaviren sind überwiegend in der Tierwelt verbreitet. Anfangs ging man aber nicht davon aus, dass eine Übertragung auf den Menschen wahrscheinlich sei.

Mittlerweile gilt als gesichert, dass auch die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch ein Infektionsweg ist. Daher sollten die Hygienemaßnahmen eingehalten werden, die auch bei der Influenza, also der echten Grippe empfohlen werden. Darüber hinaus wurden die neuartigen Coronaviren auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob Sars-CoV-2 jedoch auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist laut Robert Koch-Institut noch nicht abschließend geklärt.

Wie schützt man sich effektiv?

Die Maßnahmen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus sind gar nicht viel anders als in jeder Grippesaison. Der wichtigste Schutz ist eine sehr gute Händehygiene, heißt: Regelmäßiges Händewaschen ist das A und O. Ist kein Waschbecken in der Nähe, kann ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel helfen. Zudem sollte man zu hustenden und niesenden Personen Abstand halten.

Die Betroffenen sollten andere schützen, indem sie in die Armbeuge niesen und husten. An diese Etikette sollten sich ohnehin alle Erkälteten halten. Das bedeutet auch, dass gebrauchte Papiertaschentücher nicht einfach in den offenen Mülleimer geworfen werden, sondern zum Beispiel in einer verschließbaren Plastiktüte gesammelt und dann entsorgt werden.

Übernehmen die Krankenkassen den Test auf das Coronavirus?

Ärzte können ab sofort bei bestimmten Patienten, die die Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) für einen Verdachts- oder Erkrankungsfall erfüllen, den Labornachweis des Virus auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung anfordern. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV Spitzenverband verständigt.
Ein Verdachts- / Erkrankungsfall liegt laut RKI vor bei

  • Personen mit respiratorischen Symptomen UND Kontakt mit einem bestätigten Fall mit dem neuartigen Coronavirus
  • Personen mit erfülltem klinischen Bild UND Aufenthalt in der chinesische Provinz Hubei.

Als klinisches Bild genügt laut RKI ein akutes respiratorisches Syndrom mit dem Verdacht, dass die unteren Atemwege betroffen sind. Fieber oder Husten müssen nicht unbedingt bestehen. Wer sich sehr unsicher darüber ist, ob der eigene Atemwegsinfekt vielleicht doch durch das neue Coronavirus ausgelöst sein könnte, dem empfehlen Gesundheitsexperten die Rücksprache mit einem Arzt, der über das weitere Vorgehen entscheidet. Einen Test nur auf den eigenen vagen Verdacht hin durchzuführen, ohne kürzlich im Risikogebiet gewesen zu sein oder Kontakt zu sicher erkrankten Personen gehabt zu haben, halten Mediziner nicht für sinnvoll.


Wer bietet den Schnelltest auf das Coronavirus an?

Der Schnelltest wurde in der Berliner Charité federführend entwickelt. Getestet wird in der Regel ein Rachenabstrich oder das Sekret, das die Patienten abhusten. Mittlerweile ist der Test nicht mehr nur an der Charité, sondern auch an Universitätskliniken und in Speziallaboren verfügbar. An einem industriell hergestellten Test wird ebenfalls gearbeitet.

Gibt es bereits einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus?

Es gibt derzeit noch keinen Impfstoff gegen das neue Coronavirus, auch wenn es Fortschritte bei der Entwicklung gibt. Momentan werden Impfstoffe in klinischen Studien erprobt. Eine schnelle Lösung zum Schutz vor dem Virus wird es vermutlich aber nicht geben. Impfexperten rechnen damit, dass ein Impfstoff erst in einigen Monaten oder in gut einem Jahr verfügbar sein dürfte.

Worauf sollte man achten, wenn man sich zuletzt in einer Corona-Region aufgehalten hat?

Wer sich zuletzt in einer Region mit bestätigten Fällen der neuen Lungenerkrankung durch Coronaviren aufhielt, sollte auch nach seiner Rückkehr darauf achten, ob er Erkältungssymptome verspürt. Ist dies der Fall, sollte man sicherheitshalber einen Arzt telefonisch kontaktieren und darauf hinweisen, dass man in einer Coronavirus-Region war.

Zudem sollte man bedenken, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tagen beträgt. Der Ausbruch der Erkrankung kann also auch dann erfolgen, wenn man schon geraume Zeit wieder zuhause ist. Auch sollte man die körperliche Nähe zu anderen Personen für die Inkubationszeit möglichst vermeiden, da die Viren auch dann schon weitergegeben werden können, wenn noch keine Symptome aufgetreten sind.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Laut Robert Koch-Institut ist diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stuft das RKI die Gefahr für die Bevölkerung aber als gering ein. So gibt es in Deutschland bislang 16 bestätigte Coronavirus-Fälle. Weit mehr als 100 Personen befinden sich zudem in Quarantäne. Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland ist zu rechnen. Sollte sich das Virus aber auch hierzulande stärker verbreiten und sehr viele Menschen infizieren, könnten in Deutschland laut RKI ebenfalls insbesondere bei Älteren oder Menschen mit Grunderkrankungen schwerere Verläufe und Todesfälle auftreten (Stand 13. Februar 2020).

Ist ein Mundschutz sinnvoll?

In Deutschland ist das Tragen von Mundschutzen zum Schutz vor Infektionen nicht sinnvoll. Dazu ist das Auftreten entsprechender Viren in der Umgebung viel zu gering, um einen wirklichen Schutz darzustellen. Ein effektiver Mundschutz muss entsprechenden Anforderungen genügen. Dazu gehört die Durchlässigkeit der Partikel und vieles mehr.

Wer dennoch einen Mundschutz tragen möchte, der sollte darauf achten, diesen mehrfach täglich zu wechseln. Der Mundschutz verliert seine Funktion sofort, sobald er feucht wird. Wer allerdings seine Umwelt vor einer eigenen Infektion schützen möchte, vermeidet durch einen Mundschutz, dass virenbeladene Speicheltröpfchen aus der Atemluft weit fliegen.

Worauf muss ich achten, wenn ich eine Reise nach China geplant habe?

Das Auswärtige Amt rät inzwischen dazu, nicht notwendige Reisen nach China möglichst zu verschieben. Zudem gibt es eine Reisewarnung für die Provinz Hubei. Wer dennoch in die Region reist, möge sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen. Ratsam sei auch eine Impfung mit dem aktuellen Nordhalbkugelimpfstoff gegen Influenza. Denn eine Influenza-Impfung könne zur Vermeidung unnötiger Verdachtsfälle beitragen. Darüber hinaus empfiehlt das Auswärtige Amt, sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte zu halten sowie in engem Kontakt zum Reiseveranstalter beziehungsweise der Fluggesellschaft zu stehen. Schließlich könnte es zu möglichen Änderungen im Flugplan kommen. Einige Fluggesellschaften haben Flüge nach China sogar schon komplett gestrichen.

Um das Risiko einer Infektion zu vermeiden, wird in den Ausbruchsgebieten des Coronavirus‘ dringend dazu geraten, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Zudem sollten Reisende Marktbesuche vermeiden, wenn dort Tiere gehandelt werden und auch grundsätzlich den Kontakt mit Tieren vermeiden. Darüber hinaus sollte man den Kontakt mit Personen unterbinden, die an Atemwegserkrankungen leiden.

Was ist jetzt mit der Grippe?

Bei aller verständlichen Aufregung um den neuartigen Coronavirus und die von ihm ausgelöste Lungenerkrankung sollte nicht aus dem Blick geraten, dass gerade die Grippesaison in Deutschland begonnen hat. Es ist daher absolut sinnvoll, sich gegen die Grippe durch eine Schutzimpfung zu wappnen, sofern das noch nicht geschehen ist.

Quellenangaben

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Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a004977 Letzte Aktualisierung: 14.02.2020
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