Schwangere Frau trägt eine Atemmaske aus Stoff
Coronavirus

Schwangerschaft und Corona: Was Sie zu Risiken, zur Impfung und für den Fall einer Infektion wissen sollten

Lesedauer unter 8 Minuten

Redaktion

  • Catharina Gerber (Medical Writer)

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Madeleine Zinser (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Fachleute haben die Corona-Pandemie zwar für beendet erklärt, verschwunden ist das Coronavirus aber nicht. Viele Schwangere machen sich Sorgen wegen COVID-19 und fragen sich, wie sich eine SARS-CoV-2-Infektion auswirken könnte. Wie Schwangere sich und ihr Baby schützen können und was bei einer Erkrankung zu tun ist. 

Corona-Erkrankung bei Schwangeren: Die Risiken unter der Lupe

Schwere Verläufe und Komplikationen infolge einer COVID-19-Erkrankung sind bei Schwangeren zwar selten, aber: Werdende Mütter haben gegenüber nicht schwangeren Frauen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf und entwickeln zum Beispiel häufiger eine Lungenentzündung. Medizinerinnen und Mediziner vermuten, dass unter anderem eine veränderte Atmung während der Schwangerschaft ein Grund dafür ist. Eine Ursache: Aufgrund der vergrößerten Gebärmutter kann sich die Lunge beim Einatmen weniger gut ausdehnen.

Bestimmte Vorerkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion bei Schwangeren zusätzlich. Dazu zählen:

  • Adipositas (starkes Übergewicht)
  • Diabetes mellitus
  • chronische Lungenkrankheiten wie COPD
  • chronische Krankheiten von Herz, Kreislauf, Leber oder Niere
  • Erkrankungen des Nervensystems
  • Trisomie 21
  • Immunschwäche
  • aktive Krebserkrankungen

Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass eine Infektion mit dem Coronavirus vermehrt zu schwangerschaftsspezifischen Komplikationen führt. 

Das bedeutet: Nach der Infektion besteht zum Beispiel ein bis zu 80 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt. Zudem haben Schwangere schon bei einem asymptomatischen Verlauf ein über 80 Prozent erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie. Diese Erkrankung führt bei Betroffenen meist zu Bluthochdruck, einer vermehrten Eiweißausscheidung durch die Nieren oder erhöhten Leberwerten im Blut. Bei einer Präeklampsie kann eine Einleitung der Geburt vor dem eigentlichen Geburtstermin nötig werden, um Mutter und Kind zu schützen. Das entscheiden Medizinerinnen und Mediziner je nach individuellem Fall.

Corona-Impfung für Schwangere: Das sind die Empfehlungen

Die beschriebenen Risiken müssen Sie aber nicht beunruhigen. Denn: Mit der Corona-Schutzimpfung können sich Schwangere vor einem schweren COVID-19-Verlauf schützen und das Risiko für Komplikationen bei sich und ihrem ungeborenen Kind senken. Untersuchungen zeigen: Neugeborene, deren Mütter gegen das Coronavirus geimpft sind, haben ein geringeres Risiko, wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Aktuelle Daten aus Singapur zeigen auch, dass eine Auffrischimpfung während der Schwangerschaft Neugeborenen über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten einen guten Nestschutz vor einer Infektion mit Omikron bietet.

Schutzmaßnahmen nicht vergessen

Schwangere können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um das Risiko für eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Meiden Sie zum Beispiel Menschenmengen oder halten Sie ausreichend Abstand. Ist das nicht möglich, ist es besonders in Innenräumen sinnvoll, eine Maske zu tragen. Fachleute raten in Innenräumen zudem zu regelmäßigem Stoßlüften. Achten Sie auch auf eine gute Handhygiene.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät ungeimpften und nicht komplett geimpften Schwangeren ausdrücklich zur vollständigen Impfung gegen COVID-19. Das bedeutet: Sie sollten über eine Basisimmunität gegen das Coronavirus verfügen – also drei Impfungen mit mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 erhalten haben: zweimal die Grundimmunisierung und eine Auffrischimpfung, auch Booster-Impfung genannt. 

Sofern eine Person bereits eine Corona-Infektion hatte, reichen zwei Impfungen aus. Das gilt jedoch nur, wenn die Infektion mindestens drei Monate nach einer vorangegangenen Impfung erfolgt ist. Wichtig: Zudem sollten bei einer Impfung nach einer Infektion auch mindestens drei Monate vergangen sein.

Schwangeren mit einer Vorerkrankung wie Diabetes mellitus rät die STIKO zu einer zweiten Auffrischimpfung zwölf Monate nach der letzten Impfung. Haben werdende Mütter aufgrund ihres Berufs ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, ist diese weitere Impfung zur Auffrischung ebenfalls ratsam – etwa, wenn Schwangere in einem Krankenhaus arbeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. empfiehlt sogar eine zweite Booster-Impfung für alle Schwangeren. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu einer zweiten Auffrischimpfung beraten.

Wenn Sie schwanger sind und noch keine Basisimmunität gegen das Coronavirus haben, können Sie die Impfung ab der 13. Schwangerschaftswoche nachholen. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam darauf an. 

Nicht vergessen: Auch enge Kontaktpersonen wie Ihre Partnerin oder Ihr Partner sollten sich einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. zufolge gegen das Coronavirus impfen lassen, um Sie vor einer Infektion zu schützen.

Corona-Impfung bei Schwangeren: Die Sicherheit im Blick 

Viele Schwangere fragen sich, ob die Impfung gegen Corona unbedenklich ist. Studien zeigen: mRNA-basierte COVID-19-Impfstoffe sind für werdende Mütter als sicher einzustufen. Nach der Impfung gegen das Coronavirus können zwar typische Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen auftreten, sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit wieder. Untersuchungen legen auch nahe, dass eine COVID-Impfung während der Schwangerschaft für die ungeborenen Kinder sicher ist. Ebenso kommt es infolge einer Corona-Impfung bei Schwangeren nicht häufiger zu schwangerschaftsspezifischen Komplikationen wie Frühgeburten oder kindlichen Fehlbildungen als bei ungeimpften Schwangeren – auch das belegen Studien. 

Schwanger arbeiten: Das Corona-Risiko mit Schutzmaßnahmen senken

Wussten Sie, dass Sie als Schwangere in der Arbeitswelt unter besonderem Schutz stehen? Dafür sorgt zum Beispiel das Mutterschutzgesetz. Es zielt darauf ab, dass Sie Ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen können, ohne sich oder Ihr ungeborenes Kind gesundheitlichen Gefahren auszusetzen. 

Aus diesem Grund muss Ihr Arbeitgeber mögliche Gefährdungen ausmachen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen in die Wege leiten - nachdem Sie Ihre Schwangerschaft mitgeteilt haben. Der Arbeitgeber einer Schwangeren, die in einem Großraumbüro arbeitet, prüft zum Beispiel, ob sie ihrer Arbeit zum Schutz vor einer Infektion aus dem Home-Office nachgehen könnte. Sofern eine sogenannte unverantwortbare Gefährdung für Sie oder Ihr Ungeborenes besteht, die durch keine Schutzmaßnahme zu umgehen ist, spricht der Arbeitgeber ein betriebliches Beschäftigungsverbot aus.

Inwieweit Sie als Schwangere beim Arbeiten durch das Coronavirus gefährdet sind und ob ein Beschäftigungsverbot nötig ist, prüft Ihr Arbeitgeber individuell. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Als werdende Mutter sollten Sie auf jeden Fall Basisschutzmaßnahmen wie regelmäßige Händehygiene, Abstandhalten und häufiges Lüften beachten.

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Schwanger und Corona-positiv: Was zu tun ist

Sie sind schwanger und der Corona-Test ist positiv? Jetzt gilt: Sofern Sie keinerlei oder nur milde Symptome haben, sollten Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt telefonisch über die Infektion mit Corona informieren und das weitere Vorgehen besprechen. In der Regel müssen Sie nicht ärztlich überwacht werden und können sich zu Hause erholen. Bei zunehmenden Beschwerden oder Symptomen wie Atemnot sollten Sie jedoch umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren.

Aufgrund der Ansteckungsgefahr sollten sich mit Corona infizierte Personen bekanntermaßen isolieren. Aber: Wie steht es um die Untersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge? Sollten Sie eine Corona-Infektion haben und ein Vorsorgetermin steht bevor, klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob sich der Termin auf einen späteren Zeitpunkt verschieben lässt. Meist ist das problemlos möglich. Keine Sorge: Ist eine Untersuchung aus ärztlicher Sicht dringend notwendig, veranlassen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Schutzmaßnahmen, um Sie sicher untersuchen zu können.

Zeigen Sie als Schwangere infolge einer Corona-Infektion schwere Symptome oder haben Sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, da Sie zum Beispiel ungeimpft sind oder eine Vorerkrankung haben, ist eventuell eine Behandlung im Krankenhaus nötig. 

Medizinerinnen und Mediziner berücksichtigen bei der Entscheidung darüber auch Kriterien wie Alter, Begleiterkrankungen und Sauerstoffsättigung. Bei einem etwaigen Aufenthalt im Krankenhaus werden Sie engmaschig betreut und Werte wie Blutdruck und Atemfrequenz erfasst. Zudem können Medizinerinnen und Mediziner das ungeborene Kind unter anderem mithilfe zusätzlicher Ultraschalluntersuchungen überwachen.

Eine junge schwangere Frau um die 31. Schwangerschaftswoche sitzt im Bett und streichelt ihren Babybauch

Schwangere mit einer Corona-Infektion und milden Symptomen können sich in der Regel zu Hause erholen.

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Corona-positiv am Geburtstermin: Wichtige Hinweise zur Entbindung

Sie sind schwanger, mit Corona infiziert, und die Entbindung steht unmittelbar bevor? In diesem Fall ist es wichtig, dass Sie die Geburtsklinik vor Ihrem Eintreffen über die Infektion informieren – sofern möglich. Die Klinik kann dann verschiedene Schutzmaßnahmen ergreifen, das Personal trägt beim Kontakt mit Schwangeren mit einer Corona-Infektion etwa bestimmte Schutzkleidung. Besprechen Sie außerdem vorab mit der Klinik, ob Sie eine Begleitperson mitbringen können.

Welche Art der Entbindung möglich ist, hängt vom Gesundheitszustand der mit Corona infizierten Patientin, dem Infektionsrisiko des Kindes und dem Infektionsrisiko des medizinischen Personals ab. Eine COVID-19-Erkrankung schließt eine natürliche Geburt nicht grundsätzlich aus, soweit der Gesundheitszustand nicht dagegenspricht. Von einer Wassergeburt raten Medizinerinnen und Mediziner allerdings ab, weil dabei ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das Kind und das Klinikpersonal besteht. Sofern möglich, sollten Corona-positive Schwangere unter der Geburt einen Mund-Nasen-Schutz tragen, um das Risiko für eine Übertragung des Virus zu senken.

Schmerzlindernde Maßnahmen während der Geburt wie eine Periduralanästhesie (PDA) oder Spinalanästhesie sind auch bei Schwangeren mit Corona-Infektion möglich. Auf den Einsatz von Lachgas wird jedoch verzichtet, da es die Ausbreitung des Virus fördern kann. Während der Geburt überwachen Medizinerinnen und Mediziner Sie und Ihr Kind kontinuierlich und messen beispielsweise die Sauerstoffsättigung.

Nach der Geburt: Diese Hygienemaßnahmen sollten Sie beachten

Ihr Baby hat das Licht der Welt erblickt – und jetzt? Sofern Sie und Ihr Kind bei guter Gesundheit sind, wird auch bei einer Corona-Infektion ausdrücklich zu einem direkten Mutter-Kind-Kontakt nach der Geburt und zum Stillen geraten. Denn: Babys profitieren auf vielfache Weise davon. Untersuchungen zeigen, dass Stillen Babys vor kindlichen Infektionen schützen kann. Außerdem hat es positive Effekte auf die neurologische Entwicklung des Kindes. Bislang deutet nichts darauf hin, dass COVID-19 über die Muttermilch übertragen wird. Vielmehr enthält sie nach einer Corona-Infektion der Mutter und nach einer Impfung schützende Antikörper, die das Immunsystem des Neugeborenen anregen können.

Nach der Geburt sollten Corona-positive Schwangere jedoch folgende Hygienemaßnahmen befolgen:

  • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei engem Kontakt mit dem Baby
  • Händehygiene vor Kontakt mit dem Neugeborenen
  • Brusthygiene vor dem Stillen (zum Beispiel Händewaschen vor Berührung der Brust)
  • 1,5 Meter Abstand zwischen Zustellbett und Bett der Mutter

Gut zu wissen: Es hat sich nicht als vorteilhaft erwiesen, von Corona-positiven Müttern geborene Babys generell auf das Virus zu testen. Corona-Infektionen von gesunden und termingerecht geborenen Säuglingen verlaufen fast immer ohne Probleme und rufen meist keine Symptome hervor.

Literatur und weiterführende Informationen

 

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