Ein Mann dampft eine E-Zigarette

Wie schädlich sind E-Zigaretten?

Die gute Nachricht in Sachen Rauchen ist, dass der Zigarettenkonsum deutlich zurückgegangen ist. Dafür wird nun öfter „gedampft“. Die E-Zigarette erscheint vielen Rauchern angesichts der gesundheitlichen Folgen des Tabaks als eine weniger belastende Alternative. Doch ihre Wirkung auf die Gesundheit ist umstritten.

Im Jahr 2000 wurden noch 139.625 Millionen Zigaretten geraucht, in 2016 waren es 75.016 Millionen. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass in dergleichen Zeit der Konsum von Zigarren, Zigarillos, selbstgedrehten Zigaretten und Pfeifentabak zugenommen hat. Insgesamt hat die Anzahl der rauchenden Menschen aber abgenommen: In den letzten 25 Jahren bei den Frauen um 0,3 Prozent jährlich, bei den Männern um 0,9 Prozent pro Jahr.

So wirkt Nikotin von Zigaretten

Von jeder Zigarette werden rund 30 Prozent des Nikotins abgesondert. Davon werden bis zu 95 Prozent vom Körper aufgenommen, wenn der Rauch tief inhaliert wird. Ein Viertel davon kann wenige Sekunden später verschiedene Reaktionen auslösen: Die Herzfrequenz nimmt zu und die Blutgefäße verengen sich; in der Folge steigt der Blutdruck und die Durchblutung der Haut nimmt ab. Die psychomotorische Leistungsfähigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen können dagegen zunehmen. Währenddessen startet eine fatale Spirale: Das Gehirn belohnt die Rauchenden für das Rauchen. Die Rezeptoren, die regelmäßig Nikotin aufnehmen, werden vermehrt gebildet. Um das gleiche Belohnungsgefühl zu erreichen, kann es daher zu einem erhöhten Bedarf an Nikotin kommen. Wenn der rechtzeitige und ausreichende Nachschub ausbleibt, können Entzugserscheinungen erste Anzeichen für eine Sucht sein.

Rauchen gefährdet die Gesundheit

Vom Rauchen gehen – neben der Nikotinsucht – weitere erhebliche gesundheitliche Gefahren aus. Mit Durchblutungsstörungen der äußeren Extremitäten sowie der Verengung der Herzkranzgefäße kann eine Neigung zu Gefäßverschlüssen einhergehen. Lunge und Atemwege sind von Lungenkrebs und chronischer Bronchitis bedroht. Man geht hierzulande von 110.000 Todesfällen aus, die durch den Tabakkonsum verursacht wurden. In der Schwangerschaft bringt das Rauchen zudem große Risiken für ungeborene Kinder mit sich.

E-Zigaretten als Alternative?

Angesichts der gesundheitlichen Folgen des Tabakrauchens erscheint die E-Zigarette vielen Rauchern als eine weniger belastende Alternative. Doch ihre Wirkung auf die Gesundheit ist umstritten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätzt das Schadenspotenzial der E-Zigarette sogar höher ein als deren Nutzen. So ist beispielsweise noch nicht geklärt, wie der Dampf der E-Zigaretten auf das vom Rauchen bereits geschädigte Gewebe der Lungen wirkt. Denn auch hier sind weitere, potenziell gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe enthalten. Manche Einschätzungen gehen davon aus, dass sich die gesundheitlichen Schädigungen bei Rauchern reduzieren, wenn diese von Tabak auf E-Zigaretten umsteigen und das Lungengewebe nicht länger unter den Rauchpartikeln verbrannter Tabakblätter leidet. Ob die E-Zigarette einen Beitrag zum Rauchstopp oder wenigstens zur Reduzierung des Konsums leistet, ist noch nicht nachgewiesen. Experten bezweifeln jedoch zunehmend, dass E-Zigaretten eine gute Alternative zu anderen Nikotinersatztherapien sind.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Dampf möglicherweise die Atemwege reizt und die Lunge ähnlich schädigen kann wie Zigarettenrauch. Beim Einatmen des Dampfes entwickle sich nämlich ein Kondensat, das sich auf der Schleimhaut niederschlage. Sowohl die Liquids als auch dieses Kondensat setzten die Lebensfähigkeit wichtiger Zellen der Immunabwehr in der Lunge (Makrophagen) herab. Zudem schränkten die Kondensate die wichtigste Eigenschaft der Zellen ein: Bakterien und andere Schadstoffe aufzunehmen. Die Makrophagen würden also in gleicher Weise geschädigt wie beim Zigarettenrauch, was das Risiko für eine sogenannte Raucherlunge (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) erhöhe.

Am besten weder rauchen noch dampfen

Die beste Entscheidung für seine Gesundheit trifft, wer sich sowohl den Tabakkonsum als auch die E-Zigarette abgewöhnt. Ob man von einem Moment auf den nächsten beschließt, künftig nicht mehr zu rauchen, oder ob man das Rauchen einschränkt, um es später ganz aufzugeben: Es hilft, wenn man sich gegen stressreiche Situationen wappnet. Weil Stress bei der Rückfallgefahr eine große Rolle spielt, können Entspannungstechniken gute Unterstützung leisten. Dem einen hilft Yoga, dem anderen Spaziergänge oder Jogging. Oft reicht es auch, sich abzulenken. Ein duftendes Vollbad oder ein spannender Krimi können je nach persönlicher Vorliebe kleine Entspannungswunder bewirken. Grundsätzlicher geht den Stress an, wer dessen Ursachen hinterfragt und an ihnen arbeitet. Und noch etwas: Oft wird in ganz bestimmten Situationen geraucht. Etwa nach einem guten Essen. Für solche Momente überlegt man sich am besten schon vor der Rauchentwöhnung Alternativen wie einen Becher Lieblingstee oder Kaugummis. Familie und Freunde können ebenfalls eine wertvolle Stütze bei der Rauchentwöhnung sein.

Mit Online-Kurs zum Nichtraucher

Programme wie das Online-Training SQUIN unterstützen Raucher, die das Nikotin in jeder Form aus ihrem Leben verbannen möchten. SQUIN bedeutet „Smoke, Quit, Win!“ und bereitet Raucher darauf vor, konsequent auf Tabak zu verzichten. Das Gruppentraining ist anonym und erfordert täglich nur zehn Minuten. Das Programm ist in Module aufgeteilt und läuft als Online-Kurs in kleinen Gruppen, in denen sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen können. Auch Übungen für den Notfall gehören zum Konzept, sodass die Gefahr eines Rückfalls reduziert wird.

Textnachweis

  • Autor: Andrea Himmelstoß, Das Texthaus
  • Qualitätssicherung: Steffen Hardtmann, BARMER

Literatur

Webcode dieser Seite: a002796 Autor: Barmer Erstellt am: 17.09.2018 Letzte Aktualisierung am: 17.09.2018
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